Auf dem Heidschnuckenweg von Niederhaverbeck nach Undeloh (Etappe 4)

Den dritten Tag unserer Wanderung auf dem Heidschnuckenweg – anlässlich des von Top Trails of Germany ausgerichteten 1. Dt. Bloggerwandertags – begannen wir nicht mit einem Frühstück, sondern einem Streifzug mit Heide-Ranger Jan Brockmann durch das Pietzmoor. Umso hungriger waren wir danach, und weil sich uns Herr Brockmann anschloss – er geht in einer nahe gelegenen Einrichtung einer Dozententätigkeit nach -, frühstückten wir nicht nur gemeinsam im Hotel Schäferhof in Schneverdingen, sondern unterhielten uns bei Kaffee und Tee und Brötchen weiter.

Doch jeder gute Müßiggang endet bekanntlich in einer ausgiebigen Wanderung. Heute wurden wir chauffiert, mit dem Taxi fuhren wir an unseren Ausgangspunkt. Eigentlich war der Start an der B3 geplant (anhand der weiter unten eingefügten Wanderkarte kann das gut nachvollzogen werden). Wir wären dann quer durch das Niederhaverbecker Holz zum gleichnamigen Ort gewandert. Aber Petra war seit gestern fußbehindert. Ich führe das nicht weiter aus, ein Zitat, das Lukas Podolski in den Mund gelegt wird, sagt aber alles aus: »Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.« Bei Petra war’s die Achillessehne, die trotz der gut eingewanderten Lowa Renegade seit dem Vortag nicht nur zwickte, sondern schmerzte. So sehr, dass sie heute die von Gore-tex® allen 15 Bloggerteams zur Verfügung gestellten Meindl-Wanderschuhe X-SO 30 GTX® SURROUND™ – sie wurden also auch dem Schlenderer®™© ausgehändigt – an die Füße schnallte. Einen Testbericht zu diesem leichten Wanderschuh liefern wir noch nach.

Wir also beginnen außerplanmäßig die Wanderung in Niederhaverbeck, um die Gesamtlänge ein wenig nach unten zu schrauben. Was nicht schlimm ist, denn somit gehen wir haargenau die Etappe 4 von Niederhaverbeck nach Undeloh. Das erste Wegstück ziehen wir entlang des kleinen Bachs Haverbeeke auf einem gut ausgebauten Weg. Gut ausgebaut muss der Weg auch sein, denn an unserem Startpunkt harrten etliche Kutscher mit ihren Kutschen und kräftigen Zugpferden auf Fahrgäste. Der Heidschnuckenweg aber schwenkt gemeinsam mit dem Bächlein nach kurzer Zeit links ab, um gleich darauf langsam Fahrt aufzunehmen. Es geht in die Heide. Es geht in den Berg! Ein Teich links von uns, während der Weg wunderbar weich wird. Wieder wandern wir zwischen einer ausufernden Heidelandschaft entlang, Wacholderbüsche stehen wie dunkelgrüne Farbtupfer hier und dort, sanft neigt sich der Weg aufwärts, senkt sich nicht minder sacht wieder hinab, zieht im Bogen um den 149 Meter hohen Sattberg herum und nähert sich unweigerlich dem Höhepunkt unserer Tour, dem Wilseder Berg. Wie eine Wand … nein, ich will nicht übertreiben, glaubt mir eh keiner, aber mit 169 Metern stellt der Wilseder Berg so etwas wie der Gipfel in der norddeutschen Tiefebene dar, und diesem Ruf wird er auch gerecht – auch wenn wir heute, um nahe bei Lukas Podolski zu bleiben, die Arschkarte gezogen haben. Die Aussicht ist zwar nicht mangelhaft, aber auch nicht sehr gut, irgendwo dazwischen also im Niemandsland des Ungefähren. Wir sehen weit, aber täten gern weiter sehen, weil wir doch bei sehr guten Sichtbedingungen den Fernsehturm in Hamburg entdecken könnte.

Aussichten sind ja schön und gut, aber was zählt, ist das Wohlgefühl. Und das kommt trotz des Wetters (oder vielleicht deswegen, zu viel Sonne ist einem ja auch wieder nicht recht) auf. Ich ziehe den frischen Wind tief ein, atme aus, fühle mich einfach gut.

Denke für einen Moment daran, wie schön doch eines dieser tollen Waldsofas wäre, so ein Heidesofa also. Und verwerfe den Gedanken schnell wieder. Eine McDonaldisierung der Wanderwege wäre das Schlimmste. Auf allen Wegen normierte Holzsofas, Holzliegen und Holzschaukeln, gesäumt mit Wegweisern wie aus einem Guss. Wiedererkennbar, immer gleich, egal ob in Süd- oder Norddeutschland. Nein, das stelle ich mir schrecklich vor, so wie eine Reihenhaussiedlung mit den immer gleichen Thujen im Vorgärtchen, ordentlich geschnitten und geformt. Da lobe ich mir die Wanderwege, die ihr eigenes Flair bewahren, nicht konform gehen mit anderen Premiumwegen. Unterscheidbarkeit und Eigenständigkeit sind Qualitätsmerkmale. Lieber mal altmodisch sein und eine rustikale Holzbank hinstellen, statt einem neuen Trend hinterherzulaufen. Oder eigene Ideen entwickeln …

Die rustikalen Holzbänke nutzen wir übrigens sehr ausgiebig. Nicht nur, weil wir ermüden, sondern weil heute, am Samstag, auch der offizielle Bloggerwandertag ist. Und alle 15 Blogger sollen heute regelmäßig twittern. Jetzt bin ich ja noch nie der große Twitterer gewesen (als Fußballer wär’s auch komisch angekommen, hätte ich auf dem Platz getwittert – da wird gebrüllt, und gut ist.) Aber extra für den Bloggerwandertag habe ich mir einen Twitter-Account eingerichtet und probeweise daheim herumgetwittert. Klappte. Hier aber, auf dem Heidschnuckenweg, macht mein Handy schlapp. Vielmehr das Netz. Geht auf Tauchstation. Sporadisch erwische ich das Netz am Schlafittchen, und dann twittere ich was raus. Ab 12 Uhr dann ist Ende der Übertragung, und bis nach Undeloh, unserem Ziel, funkt der Schlenderer nichts mehr. Wer also rund um den Wilseder Berg unterwegs ist, sollte auf einen besseren Netzpartner als unseren hoffen, ansonsten kann er nicht twittern. (Wie schlimm das jetzt ist, muss jeder selbst entscheiden.) Entgegenkommende Wanderer und vorbeieilende werden vermutlich den Kopf geschüttelt haben – noch so ein moderner Wanderer, der mit dem Smartphone durch die wunderschöne Region stolpert und nix von der Gegend sieht. Ganz so war es nicht – ich habe alles gesehen! -, aber ehrlich gesagt war ich mehrmals am Rande des Nervenzusammenbruchs (wobei meine Toleranz beim Gebrauch technischen Zeugs im Laufe der Jahre auf den Nullpunkt gesunken ist und ich permanent knapp vor 180 bin).

 

Ich schweife ab, also zurück auf den fabelhaften Heidschnuckenweg. Denn eingedenk des mangelnden Empfangs sollte ich die positive Seite hervorheben: Man wird nicht von der Außenwelt gestört. Kein Empfang, was gibt es Himmlischeres als das?

Die Wanderkarte kann über Outdooractive aufgerufen werden. Die eingetragene Route führt unsere Wandertour von Niederhaverbeck bis Undeloh nach, einschließlich meines Abstechers zum Totengrund von Wilsede aus.

Und so nähern wir uns Wilsede. Ein altes Dorf, das bereits 1287 urkundlich erwähnt wurde und seither – so hat es den Anschein – ein glückliches Dasein fristet, denn es gibt ja keinen Handyempfang (jedenfalls für mich!). Und das ist nicht alles, denn Automobile sind nur in sehr eingeschränktem Maß zugelassen (zum Beispiel zur Anlieferung).

Was soll ich sagen – traumhaft ist das! Nur Kutschen zuckeln an uns vorbei, ansonsten stiefeln nur Wanderer und andere Touristen übers Pflaster. Wobei ich einschränken muss, dieses Idyll hat seine Schattenseite, die wir heute aber nicht erleben. Denn wir sind ja außerhalb der Hauptsaison in Wilsede eingefallen – zur hohen Zeit (also im August und September) sollen um die 10.000 Besucher in das sehr enge Dörfchen einfallen. Das möchte ich als Mensch, der die Enge meidet und die Einsamkeit liebt, nicht erleben.

Aber wir erwischen einen der ruhigen Tage, obgleich die gastronomischen Betriebe nicht unbeträchtlichen Zulauf haben. In Wilsede trennen sich Petras und meine Wege – für kurze Zeit. Während Petra die Füße entspannt, trotte ich zum Totengrund. Von Wilsede führt ein gut gepflegter, rund ein Kilometer langer Fußweg geradewegs zu diesem Talkessel. Möglich sind auch Rundwanderungen, und ich empfehle einen der Wege, die in den Talkessel und dann zurückführen; doch heute wähle ich eine kurze Variante.

In Wilsede werden ja nicht bloß Petra auf mich warten, sondern auch Kaffee und Kuchen. Vom Plateau schaue ich hinab in den Totengrund, folge mit den Augen den Hängen und Mulden, die dem Tal sein eigentümliches Profil verleihen, und würde am liebsten zwischen den Wacholderbüschen wandern, löse mich mehr widerwillig als gern und gehe zurück nach Wilsede.

Mein Bedauern wischt Petra mit einem Stück Buchweizenkuchen draußen bei der Milchhalle vom Tisch; Gefühligkeit endet bei mir schnell, wenn der Magen beschäftigt wird. Doch bald schon beschäftigen wir wieder unsere Füße, stromern zwischen den alten Fachwerkhäusern entlang und schauen beim Freilichtmuseum vorbei. Dann haben wir genug von Mensch und Dorf gesehen.

Wieder sieht uns die Heide. Abwechselnd gehen wir durch lichte Wäldchen und über weite Heidegebiete. Das Bild ähnelt dem vom Vormittag, als wir den Wilseder Berg vor Augen hatten, doch es wird uns nie langweilig.

Der Weg ist immer breit genug, dass wir nebeneinander wandern können, aber nie zu breit, sondern irgendwie genau richtig. Nach Wilsede senkt sich unsere Strecke zum Radenbach hin langsam abwärts. Wir wechseln die Talseite, queren das Tal über Wiesenwege und durch Gattertore, sehen später sogar die »Wilseder Roten«, die grasenden Kühe stehen seelenruhig auf ihrer Weide, während wir zeitweilig durch knirschenden Sand stapfen. Das Wetter zeigt sich von seiner besseren Seite, als wolle es dem Heidschnuckenweg beweisen, dass es genauso schön sein kann wie er. So ganz schafft es das Wetter heute nicht (und später in Undeloh wird es regnen.)

Vom Radenbach sehen wir bald nichts mehr, denn der Heidschnuckenweg lotst uns abseits vom Talgrund nach Undeloh.

Die ersten Häuser schälen sich zwischen den auftauchenden Bäumen heraus. Wir überqueren den Radenbach ein zweites Mal, gehen an der St.Magdalenen-Kirche vorbei, die wir Morgen noch näher betrachten werden, und erreichen die Straße »Zur Dorfeiche«.

Und beenden unsere Wandertour in unserem Domizil für heute – bei »Die Teestube«.

Teestube

Und dort, in der Teestube, werden wir nach Strich und Faden verwöhnt. Erst beziehen wir die großzügige Ferienwohnung.

 Am Abend richtet uns der Küchenchef  ein 3-Gänge-Menü an, das sich als wahre Gaumenfreude herausstellt. Wir werden nicht bedient, sondern umsorgt. Müde und gesättigt sinken wir erst in die Sofas, dann in die Betten. Ein wundervoller Wandertag geht zu Ende – und der letzte Wandertag kann (leider) kommen …

 

Zum 1. Tag geht es hier entlang: Von Spinnerei und Heidehexe und dem Gold der Lüneburger Heide

Zum 2. Tag geht es hier entlang: Von Heidschnucken und Heide pur am Heidschnuckenweg

Zum 4. Tag geht es hier entlang: Auf dem Heidschnuckenweg von Undeloh nach Handeloh

Petras Bericht von Spinnerei und Schäferhof: Von einer Heidjerin und einem Heidschnucken-Schäfer

Im Pietzmoor waren wir auch: Frühmorgens durch das Pietzmoor bei Schneverdingen

Petras Bericht über die Vorzüge des Heidschnuckenwegs: Wie meine Höhenangst den Heidschnuckenweg lieben lernte

 

[Hinweis! Unsere Bloggerreise wird von den Top Trails of Germany und der Lüneburger Heide GmbH und Einrichtungen vor Ort gesponsert.]

 

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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