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Hunsrück – so nah. Tja, überhaupt habe ich die Qual der Wahl, denn Neuwied (mein Heimatstädtchen) liegt direkt am Westerwald, nur durch den Rhein getrennt von der Eifel, und auf Fußweite vom Taunus und eben vom Hunsrück entfernt. Was liegt da näher, als mir das neu überarbeitete Wanderbuch »Hunsrück« von Heinrich Bauregger und Cornel Braun näher anzuschauen.

Wie bei Rother Wanderführer üblich, finden sich erstaunliche 50 Touren im 160 Seiten starken Buch im charakteristischen roten Umschlag. Das Format ist handlich, die Seiten bis auf die letzte Lücke gefüllt mir Informationen und Bildern.

… und mit den Fotos fange ich gleich einmal an. Die Autoren steuerten insgesamt 95 Fotos bei – das macht im Schnitt immerhin 2 Fotos je Tour. Hinzu kommen noch je eine Wanderkarte im Maßstab 1:25000-1:75.000 sowie ein meist doch arg gequetschtes Höhenprofil. Ein wenig unübersichtlich ist – auch wieder geschuldet dem Detailreichtum – eine auf der Rückseite sichtbare Übersichtskarte. Erkennbar wird aber, dass die Touren sich recht gleichmäßig über den gesamten Hunsrück verteilen. Im Innenteil findet sich diese Übersichtskarte nochmals über eine Doppelseite gelegt.

Und der gesamte Hunsrück ist groß. Also irgendwie ja ziemlich lang und etwas schmal. Was für nahebei wohnende Wanderer wie mich gewisse Bedingungen mit sich bringt. Mehr dem Norden – so wie ich – zugewandt, orientiere ich mich zu den Touren bei Koblenz und südwärts. Wer im Saarland lebt, in der südlichen Eifel oder bei Trier, wird die südlichen Hunsrück-Strecken bevorzugen. So wird jeder – falls er nicht Übernachtungen einplant, die heimatnäheren Wandervorschläge näher ins Auge fassen. Bei der großen Zahl an Touren bleibt dann aber immer noch eine erkleckliche Zahl …

Bei der vorliegenden Ausgabe handelt es sich um die 2. Auflage. Vermutlich ist die 1. Auflage vor knapp 10 Jahren erschienen; Leserzuschriften an den Verlag stammen jedenfalls aus dem Jahr 2010. Der Wanderer kann also davon ausgehen, dass die Touren nochmals durchgesehen und, wo nötig, die Informationen überarbeitet wurden. Als Rezensent ist es mir natürlich nicht möglich, das zu überprüfen. Bei einzelnen Strecken bleiben aber einige Anmerkungen.

•        Rother Wanderführer Hunsrück
•        Autor: Heinrich Bauregger und Cornel Braun
•        160 Seiten
•        Verlag: Bergverlag Rother
•        Erscheinungsjahr: 2018 (2., überarbeitete Auflage)
•        Besonderheiten:  50 Wanderkärtchen (1:50.000 und 1:75.000), zwei Übersichtskarten (1:600.000 und 1:1.000.000); 92 Fotos
•        ISBN: 978-3-7633-4316-4
•        Verkaufspreis: EUR(D) 14,90
•        Format:  11,3 x 1,2 x 16,2 cm

Die allgemeinen Informationen, mit denen der Einstieg ins Buch genommen wird, beschränken sich auf für die Touren relevante Angaben wie Markierungen oder Karten, Gehzeiten und Anforderungen; hinzukommen kompakte Abschnitte zu Einkehr oder Ausrüstung und zur Region Hunsrück. Die »Top-Touren im Hunsrück«, zu denen beispielsweise die Traumschleife Murscher Eselsche oder der Mittelalterpfad zählen – geben dann sicherlich die persönlichen Vorlieben der Autoren wieder.

Die 50 Tourenbeschreibungen zeigen sich selbstverständlich in einem einheitlichen und übersichtlichen Schema: Farblich gekennzeichnet wird die Schwierigkeit, die Wanderzeit wird genannt, mit Symbolen wird angezeigt, ob eine Einkehrmöglichkeit vorhanden oder ob die Strecke für Kinder geeignet ist, und anderes.

Danach fasst ein Absatz alles Wesentliche der Tour in kurzen Sätzen zusammen, bevor knapp gefasste Informationen zum Ausgangspunkt, der Anfahrt, Höhenunterschied und Anforderungen, Einkehr oder auch Varianten folgen.

Im Folgenden dann lesen wir alles Wichtige zum Weg, relevante und markante Örtlichkeiten werden mit Ziffern hervorgehoben und in der Wegekarte und im Höhenprofil markiert. Die Wegebeschreibungen beschränken sich auf wichtige Details, über diese hinausgehende Auskünfte konzentrieren sich auf wichtige Eckdaten beispielsweise bei Burgen. Die Wegebeschreibungen erscheinen mir dabei detailliert genug zur Orientierung, wobei ich bislang nicht dazu gekommen bin, diese auch vor Ort zu testen. Zu 49 der 50 Touren stehen im Übrigen GPS-Tracks zum Herunterladen zur Verfügung.

Bei der Auswahl der Touren – die beim Inhaltsverzeichnis mit den Schwierigkeitsgraden und der Gehzeit (jedoch nicht der Streckenlänge) aufgelistet sind – sticht hervor, dass mit dem Mittelrhein-Klettersteig (einer Traumschleife) nur eine Tour als »schwer« eingestuft wird, die übrigen 49 Strecken sind »mittel« oder »leicht«.

Die Überarbeitung sichtbar wird schon allein bei Tour 22: »Über die Geierlaybrücke«, denn die wurde erst im Jahr 2015 eröffnet. Dies 5,6 Kilometer lange Runde mit Einstiegspassage schaut übrigens sehr nett aus für diejenigen, denen die Seilbrücke zu wenig für einen Besuch ist.

Andere Wege orientieren sich auch an bewährten Routen wie den Traumschleifen, so geschehen zum Beispiel beim Murscher Eselsche. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass solche Strecken im Wandersinne optimiert sind und eine eigene Streckengestaltung nur die bereits darin enthaltenen Höhepunkte wieder aufgreifen kann. Warum also auf Teufel-komm-raus einen anderen Weg schnitzen, wenn die Traumschleife toll ist?

Anders dagegen wurde sich bei der Ehrbachklamm entschieden, die darum herumlaufende Traumschleife außer Acht gelassen und eine eigene Rundtour kreiert. Das wiederum reizt mich dann, der ich die Ehrbachklamm schon auf verschiedene Arten durchkämmt habe, auch die von den Autoren vorgeschlagene Variante zu erwandern.

Nicht immer aber mag ich den Autoren zustimmen. Bei der Traumschleife Masdascher Burgherrenweg starten sie nicht nur mitten im Ort (was durchaus im Sinne der Streckengestalter ist), während ich den Rastplatz Zu Fuchslöchern vorschlage, durch den sich die Ortsquerung erübrigt – sie verzichten auch noch auf die recht junge zusätzliche Schleife südlich von Mastershausen, die neben schönen Ausblicken auch noch einen nachgebauten römischen Wachturm auf dem Galgenberg bereithält. Darauf sollte man nicht verzichten und in diesem Falle also die Traumschleife wie ausgeschildert wandern.

Mindestens drei Touren haben es mir beim Lesen auf Anhieb angetan und stehen auf der Liste an Touren, die ich in nächster Zukunft wandern möchte. Zum einen Tour 14 »Im Koblenzer Stadtwald«, denn zu meiner Schande muss ich gestehen, noch nie am Kühkopf gewandert zu sein. Die beschriebene, 12 Kilometer lange Runde klingt gut.

Zur Ehrenburg nutze ich in der Regel den fast 20 Kilometer langen Traumpfad; die Autoren bieten eine mit 7,6 Kilometern doch entschieden kürzere Möglichkeit an, bei der die lange Schleife über Nörtershausen außen vor bleibt.

Und mit 14,6 Kilometern lockt eine Rundtour, die in Beilstein an der Mosel beginnt und endet und zwischendurch das Kloster Engelport und weitere sehenswerte Blickpunkte streift. Darüber hinaus finden sich auch für mich noch etliche Touren, die ich sicher ins Auge fassen werden.

Wie überhaupt die große Anzahl an Tourenvorschläge viele Wanderwünsche zufriedenstellt. Auch für Wanderer wie mich, die häufig unterwegs sind, zeigen sich noch so viele ungewöhnliche, ungewohnte und neue Routen, dass der Erwerb des Wanderführers ein Gewinn ist. Und wer den Hunsrück noch nie oder nicht sehr oft bereist hat, bekommt mit »Hunsrück« von Heinrich Bauregger und Cornel Braun einen kompakten Wanderführer in die Hände, bei dem die Vielfalt trefflich betont wird.


[Hinweis! Das besprochene Buch wurde mir vom Bergverlag Rother kostenlos für diese Besprechung zur Verfügung gestellt.]

 

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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