Ich erspare mir das Zählen. Wenn ich mir die Webseite des »Bergverlag Rother« ansehe, fällt mir nämlich sofort die riesige Zahl an Wanderführern auf. Wie es ausschaut, ist kaum ein Winkel der Erde nicht bereits von Autoren des Verlages »abgewandert«. Der Westerwald darf natürlich nicht fehlen.

Und verlockend ist der Wanderführer auch: 50 Touren prangt auf dem Titelcover. 50? Das ist üppig, zumal »nur« 192 Seiten zur Verfügung stehen, also etwa 3 – 4 Seiten je Tour. Auf der anderen Seite ist ein Buchpreis von weniger als 13 Euro ein Angebot, zu dem man ja kaum nein sagen kann. Weniger als 30 Cent für eine ausgearbeitete Tour – auch das verlockt. [Update vom 04.12.2013: Die Tourenkarte gibt einen Überblick von den Standorten der Touren, eine Beispieltour kann als PDF heruntergeladen werden, und das Inhaltsverzeichnis mit einer Übersicht der Routen ist dort ebenfalls abrufbar.]

Aber nicht alles, was günstig ist, ist auch den Preis wert. Ich bin gespannt, ob der Westerwald-Wanderführer von Barbara und Jörg-Thomas Titz die Vorschusslorbeeren, die ich ihnen gern mit auf den Weg gebe, rechtfertigen.

Westerwald

Das Inhaltsverzeichnis gibt mir einen ersten Vorgeschmack. Die Wandertouren sind übersichtlich in die jeweiligen Regionen untergliedert:

  • Kroppacher Schweiz
  • Daadener Land
  • Hoher Westerwald/Westerwälder Seenplatte
  • Lahntal/Gelbachtal/Naturpark Nassau
  • Saynbachtal
  • Wiedtal
  • Rheintal
  • Siebengebirge

Damit ist wirklich der gesamte Westerwald bis zu den Flüssen, die ihn einrahmen, abgedeckt. Zu jeder Region finden sich 3 – 11 Wanderungen; das Daadener Land und das Siebengebirge nehmen mit drei Wandertouren vorlieb, Lahntal/Gelbachtal/Naturpark Nassau darf dagegen mit 11 Wandertouren ordentlich vorlegen. Die jeweiligen Touren sind noch farblich – blau oder rot – gekennzeichnet, wobei die Autoren nur zwischen leichten (blau) und mittelschweren (rot) Wanderungen unterscheiden.[tip]


•        Westerwald mit Siebengebirge, Mittelrhein und Naturpark Nassau
•        Autoren: Barbara und Jörg-Thomas Titz
•        194 Seiten
•        Verlag: Bergverlag Rother
•        Erscheinungsjahr: 10.2011
•        Besonderheiten: 50 ausgewählte Wanderung
•        ISBN: 978-3-763341-56-6
•        Verkaufspreis: EUR(D) 12,90
•        Format: 16,4 x 11,4 cm x 1,2[/tip]

Im Buch sind ausschließlich Rundwanderungen enthalten, sodass sich eine Unterscheidung zu möglichen Streckenwanderungen erübrigt. Zu jeder Rundwanderung wird natürlich noch ein »Titel« aufgeführt, der Hinweise auf die Örtlichkeit gibt. Weitere Informationen sind in dieser Übersicht nicht enthalten, sodass ich rasch zu den Touren selbst weiterblättern möchte.

Vorher fällt mir jedoch noch eine Übersichtskarte im Maßstab 1:500.000 ins Auge. Das Büchlein ist ja nun aber nicht nur handlich, sondern auch klein, weshalb die Karte eine Herausforderung darstellt; grob aber kann ich die mit Ziffern eingetragenen Routen verorten, sodass ich eine Vorauswahl treffen kann.

Doch noch immer lässt man mich nicht auf die Touren los, denn nach der Übersichtskarte berichten mit die Autoren zuerst noch einiges zum Gebrauch des Wanderführer, die Anforderungen der Touren, Gehzeit und beste Wanderzeit, die Ausrüstung und geben einige Erläuterungen zu Wanderwegen und Fernwanderwegen. Sie stellen die Top-Touren im Westerwald in kurzen Worten vor, vermitteln Details zu Verkehrsverbindungen und Wanderkarten, notieren die Tier- und Freizeitparks und Höhlen und listen unter »Auskünfte über die Region« beispielsweise die Touristen-Informationen auf. Abgeschlossen werden die einleitenden Kapitel mit Wissenswertem zu Geologie, Geographie, Flora und Fauna, alles natürlich bezogen auf den Westerwald. Damit sind die genannten Beiträge als kompakt dargestellte Informationsquelle besonders für den Erstbesucher des Westerwalds sehr nützlich.

Und dann geht es los! Ich greife mir exemplarisch eine Tour heraus, am besten doch die, die ich noch gestern gewandert bin: »Läuft ja wie geschmiert! – oder: von der Rheinbrohler Lay zur Burg Hammerstein.« Tour 43, 3 Seiten im Buch sind ihr vorbehalten. In der Titelzeile werde ich über die Gehzeit (3.05 Stunden)  und in diesem Fall über Einkehrmöglichkeit unterwegs vorhanden und für Kinder tauglich aufgeklärt. Bei dem letztgenannten Symbol melde ich Zweifel an, nicht zuletzt der doch kräftige Anstieg zur Burg Hammerstein ist sicher nicht für Kinder jeden Alters geeignet. Die Symbole werden im Übrigen alle separat erläutert, wobei gerade das Symbol »Kinder« keine Altersdifferenzierung erfährt.

Die Autoren fahren mit einer Kurzbeschreibung der Tour fort, danach werden einzelne Punkte aufgeführt:

  • Ausgangspunkt
  • Höhenunterschied
  • Markierung
  • Anforderungen
  • Einkehrmöglichkeiten
  • Sehenswürdigkeiten
  • Karte

Nähere Informationen zu den Parkmöglichkeiten erhalte ich ebenso wenig wie Hinweise auf öffentliche Verkehrsmittel. Zu den Anforderungen werden keine weiteren Hinweise aufgelistet (beispielsweise, ob knöchelhohe Schuhe angeraten sind). Die Einkehrmöglichkeiten werden namentlich mit Öffnungszeiten genannt, Telefonnummer oder Internetadressen sind nicht ausgewiesen. Bei den Sehenswürdigkeiten wird in knapper, aber durchaus ausreichender Form eingegangen, bei der genannten Wanderung also auf die Rheinbrohler Lay und die Burg Hammerstein. Der Hinweis auf die Karte entspricht meinem Vorschlag, generell gibt es aber die mir noch bekannte Wanderkarte des Kompass Verlags im Maßstab 1:50.000, die den gesamten Westerwald abdeckt. Ein Höhenprofil schließt die Informationen ab, irritiert mich aber, weil statt einer Kilometerangabe die Gehzeit markiert wurde; die Gehzeit aber ist individuell durchaus verschieden …

Eine Wegekarte im unteren Abschnitt der Seite verbildlicht die Wanderroute; sie ist als erste Orientierung ausreichend, bedarf aber im Zweifelsfall einer genaueren Karte (also der zuvor genannten Wanderkarten). Einige Fotografien untermalen sodann den beschreibenden Text, mit dem ich die Wanderung nachvollziehen kann. Bei meiner zuvor genannten Wanderung habe ich kurz auf das Problem von gedruckten Wanderführern hingewiesen, die nicht immer zeitnah auf Wegeänderungen eingehen können. Im Fall der Rheinbrohler-Lay-Route erwischte mich die Wegeänderung gleich zu Beginn; ein Zaun versperrte mir den vorgegebenen Weg, auch der Rheinsteig wurde hier offenbar umgeleitet. Dank der Markierung, die sich auch meine ausgewählte Route zunutze gemacht hat, war diese Änderung problemlos zu meistern, doch generell spricht einiges dafür, zusätzlich zum Wanderführer eine aktuelle Wanderkarte im Rucksack mitzunehmen.

Das spricht keineswegs gegen dieses oder irgendein Wanderbuch, Wandern heißt ja nicht, auf »Schienen« einem vorgezeichneten Weg unbedingt folgen zu müssen; oft sind Wege dann erst richtig interessant, wenn sie eine gewisse, wenn auch kleine Herausforderung darstellen. Wenn also das Wanderbuch nicht auf eine Änderung eingehen konnte, dann bin ich halt selbst gefordert.

Davon abgesehen, erwarte ich natürlich, dass die Angaben soweit wie möglich genau sind. Damit hatte ich bei der Rheinbrohler-Tour keinerlei Schwierigkeiten, zudem ich ja auf die Markierungen des Rheinsteigs und des Rheinhöhenwegs zur Sicherheit zurückgreifen konnte. Doch auch darüberhinaus stimmten alle Angaben, die Abzweige waren genau benannt, Hinweise auf wichtige Örtlichkeiten waren enthalten, viel mehr brauche ich gar nicht, um eine interessante Wanderung zu erleben.

Von den 50 Wanderungen habe ich natürlich nur eine absolviert. Das ist zu wenig, um mir ein letztgültiges Gesamtbild zu machen. Wandertour 43 ist gut, sie bietet einiges an Höhepunkten, die Kombination von Rheinsteig und Rheinhöhenweg ist gelungen. Überhaupt ist es schwierig, nicht auf bekannte Wanderwege zurückzugreifen, sei es den Westerwald-Steig, oder die vielen örtlichen Wanderwege. Das machen sich die Autoren zunutze. Gut so, ausgewiesene Wanderwege habe natürlich den Vorteil, dass sie (in aller Regel) gepflegt werden und passierbar sind. Um wild durch die Walachei zu stapfen, brauche ich ja kein Wanderbuch.

Die übrigen 49 Wanderrouten habe ich mir wenigstens im Buch angesehen, manche Etappen kenne ich zumindest streckenweise, manchmal wurde mir bekannte Wege anders zusammengestellt. Viele von ihnen erscheinen mir so reizvoll, dass ich sie nachwandern möchte. Gerade in meiner Region, die ab und an doch etwas stiefmütterlich bedacht wird, entdecke ich weitere einladende Tourenvorschläge.

50 Wandertouren im Westerwald – da sollte wirklich für jeden etwas dabei sein! Die Informationen sind knapp, aber im Sinne von »viele Wege auf engem Raum« ist das zu verschmerzen. Erfahrerne Wanderer werden mit diesen Informationen auf jeden Fall zurechtkommen, Wandernovizen werden diese Knappheit vielleicht bedauern, sollten aber trotzdem auf ihre Kosten gelangen und zum Wandergenuss finden. Meine Vorschusslorbeeren vergab ich nicht zu Unrecht.

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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