Die Wanderhose

Wanderhosen hängt manchmal noch immer der Geruch von bieder an. Wanderhosen trugen die alten Leute – als ich noch jünger war. Heute sieht die Wandermode ganz anders aus. Pfiffiger, moderner, eben tragbar für mich und Menschen, die sich keinen schlabbernden Sack um die Beine binden wollen. Ich bin zwar kein Fashion Victim, doch nett ausschauen sollte auch eine Wanderhose.

Ich höre, wie jetzt einige aufstöhnen. Es kommt doch nicht darauf an, dass es »hübsch« aussieht, was wir beim Wandern tragen. Funktionell müssen die Klamotten sein, Wind und Wetter trotzen, Zweckmäßigkeit muss im Vordergrund stehen. Alles andere ist Firlefanz.

So reden Männer, die gern Frauen hinterherpfeifen würden (hätten sie den Mumm dazu). Und das sicher nicht, weil Frau ein derbes Gewand als Beinkleid trägt. Na also. Deshalb sagte mir von den Hosen, die Wiebke von den Bergfreunden mir zum Test anbot, die »Women’s Trekker Pant« von The North Face am meisten zu. Asphalt Grey scheint jetzt zwar dem Modegedanken zu widersprechen, aber es muss ja nicht immer alles so schön bunt sein.

Und die Beschreibung, mit der ich mich vorher auseinandersetzte, sagte mir auch zu. Sonnenschutz und eine Beschichtung, durch die meine neue Wanderhose schneller trocken soll. Zudem sei sie Schmutz und Öl abweisend und atmungsaktiv.

Die also trug ich Probe. Zuerst aber betrachtete ich mir das gute Stück von allen Seiten. Das Auge trägt ja mit. Außerdem wollte ich wissen, wie praktisch sie gestaltet ist.

Vorne finde ich zwei Taschen vor, beide ausgestattet mit einem Reißverschluss. Sehr nützlich, denn gerade bei Kletterpassagen rutscht mir doch immer mal etwas aus der Hosentasche. Den Inhalt in der Tasche hinten kann ich ebenfalls mit einem Reißverschluss sichern. An den Beinen sitzt die vierte Tasche; dass sie genauso mit einem Reißverschluss ausgestattet ist, erstaunt mich jetzt nicht mehr.

Danach schlüpfe ich in das Beinkleid. Die Wanderhose sitzt wie eine Eins, was sicher auch am Elasthananteil liegt. Und die gewählte Größe passt exakt, was ja beim online Bestellen nicht die Regel ist; nicht selten unterscheiden sich die Größen der Hersteller von den »wirklichen« Größen, eine 38 ist dann schnell mal eine 36 oder kleiner. Das Manko tritt bei dieser Pants nicht ein.

Und dann steht die Bewährungsprobe an. Eine Wanderhose einen noch so guten Eindruck machen – wenn sie beim Wandern Schwächen zeigt, nützt sie mir wenig. In den vergangenen Wochen habe ich diese Wanderhose häufig getragen, manchmal bin ich bei entsprechender Witterung auf eine ganz kurze Wanderhose ausgewichen. Warum, erzähle ich später.

Als Erstes fällt mir auf, dass ich sie auf der Innenseite mit einem zusätzlichen Bändel regulieren kann. Das sichert sie noch zusätzlich vor dem Herabrutschen, was mich bei einer anderen Hose bei schwierigen Wegpassagen sehr störte. Es ist schwierig, sich an einem Geländer hochzuhangeln, während die Hose sich auf Wanderschaft begibt. (Ein Gürtel war nur eine zweitklassige Lösung.) bei der Hose von The North Face ist mir das bisher nicht passiert.

Außerdem fühle ich mich nicht beengt, ich wies vorhin ja bereits auf den Stretchfaktor hin. Wen stört es nicht, wenn man das Bein über eine Kante streckt und sich emporhievt, während die Hose gleichzeitig alle möglichen Teile des Körpers abschnürt.

Die Innenseite fühlt sich angenehm an. Selbst in praller Sonne und an Tagen, die richtig heiß waren und an denen ich auf eine kürzere Hose verzichtete, schwitzte ich nicht. Warum ich dann aber trotzdem ab und zu eine kurze Hose beziehungsweise meinen Wanderrock trug?

Die Hosenbeine lassen sich bis etwa zur Mitte des Unterschenkels aufrollen, mit einem Band und einem Knopf werden sie vor dem Herabrollen gesichert. Das genügt, um ungeschoren über eine nasse Wiese oder einen matschigen Pfad zu gehen, ist aber natürlich – und dafür ist sie auch nicht gedacht – kein Ersatz für eine Wandershorts.

Noch einige Pluspunkte sammelt sie ein. Die Hose fühlt sich nicht knitterig, sondern schön weich an. Zudem lässt sie sich auf ein kleines Maß zusammenpacken, sodass ich sie platzsparend im Rucksack oder anderswo verstauen kann. Wenn ich sie dann wieder tragen möchte und sie auseinanderfalte, zeigt sie keine unschönen Knitterfalten. Also anziehen und fertig.

Leichter Regen perlt an der Oberfläche ab. Das liegt an der »Durable Water Repellent-Beschichtung« (DWR). Obwohl sich dies nach umweltbedenklich anhört, verweist The North Face darauf, dass die Pants »bluesign zertifiziert« und damit umweltfreundlich ist. Wasserdicht ist die Hose nicht, aber das erwarte ich auch keineswegs.

Zusätzlich weit sie einen UV-Schutz mit dem Lichtschutzfaktor 50 auf, bei den sehr heißen Sonnentagen in unseren Breitengraden ein nicht zu unterschätzender Vorzug – wobei man natürlich konsequent sein muss und die Oberbekleidung inklusive Kopfbedeckung nicht außer Acht lassen darf.

Mein Fazit

Wanderhosen können hässlich sein, sie können aber auch gut aussehen – und die »Trekker Pant« macht eine wirklich gute Figur! Und sie spielt ihre Vorzüge aus: Sie sitzt perfekt, fühlt sich gut an, ist also trageangenehm und mit einigen zusätzlichen, positiven Aspekten ausgestattet: Sonnenschutz, Abperleffekt, aufrollbare Beine, Reißverschlusstaschen. Mehr erwarte ich nicht von einer guten Wanderhose, aber auch nicht weniger. Die »Women’s Trekker Pant« von The North Face erfüllt meine Erwartungen voll und ganz.[tip]

+ elastisch
+ regenabweisend
+ atmungsaktiv
+ gute Passform
+ kleines Packmaß
+ knittert nicht
+ vier verschließbare Taschen
+ aufrollbare Beine[/note]

(Autorin: Petra Müller)

Schlenderer

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... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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2 Responses

  1. Ursula Peters

    Alles gut und schön mit der ausführlichen Hosenbeschreibung – aber bei den Bergfreunden gibt es sie anscheinend nicht mehr, und auch ansonsten war Fehlanzeige. Ich hätte nämlich gerne gewußt, wieviel sie kostet.
    Lieben Gruß Ursula

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    • Georg

      Super, das habe ich (haben wir) noch gar nicht mitbekommen. Offenbar wurde die Hose von “The North Face” aus dem Programm genommen, kurz nachdem wir sie zum Testen erhalten haben. Und bei den Bergfreunden ist sie nun auch ausverkauft. Ich habe jetzt bei The North Face und bei den Bergfreunden nachgeschaut: Die verlinkte Hose entspricht nach den Spezifikationen (Material, Taschen, Extras) der von Petra getesteten Hose, der einzige Unterschied, den ich erkennen kann: Bei dieser Hose können die Hosenbeine durch einen Zipper abgetrennt werden; hochgekrempelt werden wie bei der getesteten Hose können die Hosenbeine auch.

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