Der „Touristik-Verband Wiedtal“ hat mich verführt! Nach einem Wochenende mit Geburtstagsfeier (es war eine runde Sache …) und Gästen in Haus, Hof und Garten schlendere ich gestern ziellos durchs Facebook-Gestrüpp – und lande auf der Fanseite des Wiedtals. Und ich lese: „Unsere neuen Erlebnisschleifen heißen: Basaltbogen, Katzenschleif, Wiedblick-Tour und Wiedtaler Höhenpfad“. Weil das Wetter bald herbstlich werden soll, der Montag aber noch heiter wie mein Gemüt, knobele ich aus, welchen Wanderweg ich am Montag gehe. Die Wahl fällt auf den „Basaltbogen“. Das „Roßbacher Häubchen“ liegt auf der Wanderstrecke, und obwohl Petra und ich in den vergangenen Jahren immer wieder zu Fuß im Wiedtal verkehrten, haben wir’s nicht geschafft, uns dieses Häubchen einmal näher anzusehen.

Das soll also anders werden. Alleine lege ich die 20 Kilometer nach Roßbach zurück, immer an der Wied lang. Als Fußballspieler einer tieferklassigen Mannschaft lernt man die Heimat ja auch über die Fußballplätze kennen. In Roßbach spielte ich zuletzt vor, auweia, gut 20 Jahren. Der Sportplatz liegt wie damals am Ortseingang, nur dass der SV Roßbach heutzutage einige Klassen höher spielt (und zuletzt im DFB-Pokal dem FSV Mainz mit 0:4 unterlag).

Roßbach ist das aufgeräumte Dorf von damals geblieben, besonders die kleine Wiedpromenade erweist sich als angenehmer Ruhemagnet des Ortes. Und dort entlang absolviere ich auch die ersten Meter des „Basaltbogens“, streife für eine kurze Strecke die Wiedtalstraße entlang (die wenigen Straßenstücke durch Roßbach sind neben einem kurzen Abstecher durch das Masbachtal die einzigen Abschnitte auf asphaltiertem Grund!), um schon bald in die Breitscheider Straße einzubiegen. Von nun an geht es bergauf, und die Steigung wird mich erst auf dem besagten Roßbacher Häubchen zu Atem kommen lassen.

KurzInfo! Der „Basaltbogen“ ist 11,7 Kilometer lang und weist 489 Höhenmeter auf. Als Wanderzeit sind 3:40 Stunden bis 5:00 Stunden angegeben; das erscheint je nach Verweildauer an den zahlreichen Rastmöglichkeiten realistisch. Wegen der zügigen Anstiege und dem knackigen Aufstieg zum „Roßbacher Häubchen“ (circa 340 Meter) ist eine gute Kondition gefragt. Gute Wanderschuhe sind in meinen Augen immer obligatorisch, bei Nässe sollte man beim „Basaltbogen“ aber auch sein Augenmerk auf rutschfestes Schuhwerk legen, da gerade die Passagen am genannten Basaltkegel glatt sein können.

Ausreichend Parkraum ist an der Wiedhalle in Roßbach vorhanden, von dort startet der Rundweg. Nach dem Ortseingang von Roßbach (von Waldbreitbach kommend) wendet man sich nach links und folgt der Beschilderung zur Wiedhalle. Einkehrmöglichkeiten bestehen in Roßbach und unterwegs im „Hotel Wiedfriede“.

Im „Online Tourenplaner“ kann über „Touren“ und die Eingabemaske „Region wählen“ der Kreis Neuwied angeklickt werden. Unter den „Ergebnissen“ erscheint dann der „Basaltbogen“. Zu den Optionen zählen nun ein 3D-Flug oder ein GPS-Track, außerdem gibt es die Möglichkeit, Karten und Wegebeschreibung auszudrucken.

Die wenigen Meter durch Roßbach sind schnell geschafft. Von nun an wechselt der Weg zwischen weichem Waldboden und Wiesengrund, bis ich den ersten Aussichtspunkt erreicht habe. Roßbach macht sich unter mir breit, die Wied schlängelt sich vor meinen Augen durchs Tal, jenseits desselben steigen die Hügel sehr sanft an, anders als auf meiner Hangseite, der ich mich jetzt wieder zuwende.

Nur wenige Meter und wenige Minuten gewandert, und schon ist die Zivilisation nichts als ein paar Punkte in der Landschaft

Der Weg gabelt sich kurz darauf, denn er macht eine Schleife um den Basaltkegel und wird hier wieder mit dem ursprünglichen Weg zusammentreffen.

Ob links herum, ob rechts herum, es ist egal: Dem „Roßbacher Häubchen“ entkommt niemand

Apropos Weg: der „Basaltbogen“ verfügt wie die übrigen drei genannten Wanderwege nicht über ein eigenständiges Wanderzeichen. Es ist also unbedingt nötig, die Wanderkarte mit Wegebeschreibung herunterzuladen – und auch mitzunehmen. GPS-Tracks sind auch vorhanden. Ich habe noch meine zerfledderte „Wanderkarte der VG Waldbreitbach“ im Rucksack, packe die aber gar nicht aus, sondern orientiere mich ausnahmslos an der ausgedruckten Beschreibung. Damit komme ich bestens zurecht. Nur den Übergang vom „Westerwald-Steig“ (die erste Hälfte folge ich diesem Weg) zum „Wiedweg“ verschlafe ich, die Markierungszeichen ähneln sich, und obwohl ich nicht drauf achte, leitet mich die Karte auf den richtigen Pfad.

Obgleich mich einige Bänke zur Rast verleiten wollen, bleibe ich standhaft. Ich will lieber hoch hinaus. Eine kurze Passage probt dann ihr Mütchen an mir: über Basaltfelsen und Basaltsteine hebt es mich Meter um Meter hoch, letztlich darf ich noch an einem Stahlseil entlang hangeln. Das ist nicht schlecht gedacht, denn einige Wegstellen sind steil und bei genügend Nässe mit Sicherheit auch rutschig.

„Also dann zwei Spitze und dazu zwei Flache und ein Paket Kies.“

Heute aber ist es staubtrocken – sogar mein Hals trocknet aus, während ich die letzten Schritte hoch hinauf mache. Oben bleibt mir erst recht die Spucke weg. Die Aussicht ist grandios. Eine Schautafel hilft mir auf die Sprünge, was ich denn wo sehe. Das Siebengebirge erhebt sich in der Ferne, zur rechten Seite hin sehe ich die A 3 und rasend-schnell dahinhuschende Fahrzeuge. Während die einen beschleunigen, entschleunigt der andere. Ich kann mich gar nicht satt sehen – und trotzdem fluche ich.

Genau, over the hills and far away …

Das Fernglas.

Muss ich mehr sagen? Nein.

Roßbach und eine Wiedschleife

Der Tag wird kommen, an dem ich im Morgenmantel zur Wanderung aufbreche. Aber wenigstens habe ich Sprudel dabei. Der Anstieg war ja auch sehr … nett. Das Wiedtal kann einem Wanderer schon Beine machen, und das gerade waren um die 200 Höhenmeter Aufstieg nonstop. Etwas Kondition sollte man für diese Wanderung mitbringen. Es dauert eine geraume Zeit, bis ich mich vom „Roßbacher Häubchen“ trennen kann. Wieder unten, bringt mich der Weg um den Basaltkegel herum.

„Und ein Paket Kies. Müßte eine lustige Steinigung werden.“ – Jetzt wissen wir auch, woher die Filmleute für „Das Leben des Brian“ ihren Steinevorrat haben

Von den Schautafeln zum angekündigten Basaltlehrpfad sehe ich gar nichts. Das ist wenig. Zu wenig. (Später werde ich im Internet nach Informationen zum Basaltkegel und zum Basaltabbau, der lt. Website der Gemeine Roßbach 1883 begonnen hat, suchen, aber nicht fündig werden.) Nur zwei Metallpfosten schauen mich verschämt an; wahrscheinlich hat jemand ihnen die Schautafel geklaut, und nun stehen sie nackt herum.

Der Stein des Anstoßes – aber ich hatte wirklich alle Mühe, etwas zum Mäkeln zu finden

Der Abstieg windet sich ins Masbachtal, dem ich für einige wenige Schritte auf der Straße folge. Schon geht es wieder in den Berg hinein. Weicher Waldboden, nicht zerfurcht von schwerem Gerät, sondern schön locker zu gehen. Die Sonne versucht ab und zu ihr Glück und sendet mir Licht entgegen, aber meist gehe ich in einem schattigen Halbdunkel durch einen Wald von Buchen und anderen Laubbäumen und Nadelgehölz. Es ist still, aus dem Wiedtal dringt kein Lärm herauf. Der Weg schmiegt sich an den Hang, es ist alles so viel enger und dichter als „draußen“, außerhalb des Waldes. Wenn ich jetzt hier stehen bleibe, dann höre ich vermutlich wirklich die Bäume flüstern.

Zum Glück habe ich aber meine Sinne noch beisammen, mir ist nicht danach, fremden Stimmen – und mögen es auch Bäume sein – zu lauschen. Zudem geht es schon bald wieder zügig hoch, der Weg verwandelt sich in einen engen Stich, der mich erst auf einer kleinen Anhöhe wieder freigibt.

Nur wer auf der Flucht ist, bleibt hier nicht stehen und schaut und schaut und schaut

Dort schwenken meine Augen einmal mehr über den Westerwald, finden kleine Dörfer wie bunte Tupfer in die Landschaft gemalt. Das Bild hält nicht lange an, weil mich der Wald wieder einfängt. Der Weg senkt sich von nun an, denn es geht hinab zur Wied und über die Brücke zum „Hotel Wiedfriede“ bei Arnsau. Ich durchquere den einladenden Biergarten und finde mich von da an immer in Hörweite zur Wied.

Kinderträume, nur kurz aufgehalten

Die letzten Kilometer lasse ich den Fluss nicht mehr aus den Augen. Und doch – es geht noch einmal rauf, um dann am Hang entlang bis nach Roßbach zu wandern. Das Wegstück geht sich  – obwohl so schmal und auch verwurzelt – wie von selbst, und die Wied fließt und schäumt mit mir im Gleichklang.

Wurzelweg nah an  der Wied

Erst am Ortseingang von Roßbach begegnen mir zwei ältere Damen, die erste Begegnung, seit ich vom Parkplatz vor knapp vier Stunden aufgebrochen bin. Das ist mir auch selten passiert, dass ich unterwegs niemanden angetroffen habe.

Doch nicht nur deshalb ist der „Basaltbogen“ ein fabelhafter Wanderweg. Das „Roßbacher Häubchen“ ist den Aufstieg allemal wert. Nur nehmt zu eurem eigenen Gefallen ein Fernglas mit (dafür könnt ihr auf den Morgenmantel verzichten)! Die Wälder sind malerisch-still und die Ausblicke verführerisch (weil man schaut und schaut und gar nicht weiter will). Und die Tour an der Wied gibt noch den letzten Entspannungs-Kick. Abgerundet wird der „Basaltbogen“ durch Rastplätze nicht nur an den Höhepunkten.

Und doch fehlt das letzte I-Tüpfelchen. Dazu gehören die fehlenden Schautafeln am „Roßbacher Häubchen“. Da könnte man einiges draus machen. Natürlich, das Geld fehlt überall, sonst hätten wir an jedem Wanderort eine Multimedia-Schau. Aber wenn ein solches Kleinod in der Stube liegt, sollte man es gut behandeln. Und dann die Markierung – gut, mit Hilfe der Wanderkarte ist die Orientierung möglich. Nur: Wertet ein eigenständiges Markierungszeichen den „Basaltbogen“ nicht sogar auf? Im Augenblick ist er ein Weg, der den Westerwald-Steig nutzt und den Wiedweg. Aber dieses Schneewittchen-Dasein hat er nicht verdient. Der „Basaltbogen“ gibt so viel her, dass er sich sein eigenens Zeichen verdient hat …

Basaltbogen

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[Die Galerie zeigt weitere Impressionen vom „Basaltbogen“. Die Galerie lässt sich mit den beiden Buttons unten rechts “bedienen”. SL – der linke Button – löst eine Slideshow aus, mit FS – der rechte Button – wechselt man in den Vollbildmodus. Für die richtige Anzeige der Galerie ist der Flash Player von Adobe notwendig.]

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8 Responses

  1. Ulrike

    Hallo,

    das ist ja eine wirklich schöne Wanderbeschreibung und macht Lust zum nach wandern :-)…. Der Westerwald hat auch einiges zu bieten und sehr schöne Ecken, vor allem in der Kroppacher Schweiz.

    Die Webseite gefällt mir sehr gut und ich setze gerne einen Link :http://www.westerwald-blog.de/uber-mich/linkseiten/ !
    Andere Wanderfreunde freuen sich immer über neue Touren im Westerwald.
    Über einen Gegenlink freue ich mich natürlich auch 🙂

    Mit einem lieben Gruß aus dem Westerwald

    Ulrike

    Antworten
    • Georg

      Ich muss gestehen: Wir haben bislang den unteren Westerwald erwandert, die Kroppacher Schweiz ist noch unbekanntes Terrain für uns. Aber wir sind ja noch jung.

      Ich danke dir fürs Verlinken! Den Link auf deine (sehr empfehlenswerte!) Website habe ich bereits in meine Linkliste aufgenommen: Linkliste

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    • Georg

      … und die von mir reklamierten Schautafeln rund um das Roßbacher Häubchen sollen lt. einer Auskunft des Touristikverbands Wiedtal bald installiert werden; auch im Internet fand ich nur sehr dürftige Informationen zum Berg.

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  2. Michael

    Bisher haben wir bei unseren Wanderungen den Westerwald eigentlich nie beachtet.
    Nach deinem Bericht wird sich das wohl jetzt ändern. Der Weg sieht richtig gut aus.

    Gruss

    Michael

    Antworten
    • Georg

      Die vergangenen Jahre haben wir das Wiedtal auch aus den Augen verloren, aber manchmal braucht es nur einen Wink mit dem Zaunpfahl (hier war es die Neuvorstellung der vier „Erlebnisschleifen“ auf http://www.wiedtal.de), um sich zu erinnern.

      Antworten

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