Mittwoch im März. Zeit für die Geierlay bei Sonnenschein. Zuerst aber wanderten mein Schwager Herbert und ich auf der »Traumschleife Layensteig Strimmiger Berg« im Hunsrück, die wir in Mittelstrimmig begannen und beendeten (das traf sich gut, denn da stand nicht nur Herberts Cabrio, sondern vollendete sich auch diese Rundtour). Zur Traumschleife an einem späteren Tag mehr, heute präsentiere ich die längste Hängeseilbrücke Deutschlands.

Die lässt sich gut in Mörsdorf angehen. Im Dorf Sosberg auf der anderen Seite der Brücke – und eigentlich recht nahe an Mittelstrimmig – stehen ebenfalls, wenn auch weniger Parkplätze zur Verfügung. Und da wir nun schon im Hunsrück und quasi auf Tuchfühlung mit der Geierlay wanderten, bot sich ein Besuch der Hängeseilbrücke an.

Doch weil es eine eher spontane Entscheidung war am Ende der Traumschleife, wählten wir die einfache Option und nicht die naheliegende. So verpassten wir auch eine andere Gelegenheit, nämlich im Tal des Mörsdorfer Bachs einfach mit dem Saar-Hunsrück-Steig Richtung Geierlay zu wandern. An der Geierlay selbst entdeckten wir einen Hinweis darauf, dass es von der Traumschleife hin und zurück rund 5 Kilometer sind.

Die hatten wir vom Besucherzentrum in Mörsdorf auf einem sicher ungleich unschöneren Asphaltweg annähernd auch. Wie heftig besucht die Geierlay ist, zeigt das »Parkleitsystem« an den Ortseingängen, mit dem auf die Parkplätze 1 – 4 hingewiesen wird. An diesem frischen Fast-Frühlingstag aber war P1 noch soweit frei, dass wir ein Parkplätzchen (gegen den Obolus von 2 Euro für 2 Stunden zum Erhalt der Hängeseilbrücke, dafür wird kein Eintritt für die Brücke selbst verlangt) fanden und die rund 1,2 Kilometer zu Fuß stiefelten (gut, Herbert trug nun seine Birkenstock, womit er viel cooler und lässiger wirkte als ich in meinen Meindl-Vollschutzwanderschuhen).

Die Fotos zeigen, dass der Mittwoch ein guter Tag war, trotz der Uhrzeit (es war gegen 15 Uhr) und trotz des schönen Wetters. An Wochenenden, Feiertagen, in den Ferien sieht es anders aus: einfach bei Google »Geierlay sonntags« eingeben. Mein Ratschlag also: Unbedingt wochentags hin, vielleicht recht früh am Tag, wenn die folgenden Besucher noch das Daunendeckchen im Bett ein letztes Mal aufschütteln.

In der »Neuen Rottweiler Zeitung« steht ein interessanter Artikel zur Hängeseilbrücke – Rottweil möchte wohl auch eine Brücke. Das kommt mir jetzt so vor wie mit den Kreisverkehren. Sobald ein Dorf einen Kreisverkehr installiert hat, muss das Nachbardörfchen auch einen haben. Die Hängebrücke in Rottweil soll derweil offenbar die längste Hängebrücke der Welt werden. Dann dürfen wir demnächst wohl irgendwo die allerlängste Hängebrücke im Universum erwarten. Oder die erste Hängebrücke ohne Geländer. Oder ohne Boden. Oder doch lieber in der Luft schwebend ohne Seile? Ach, es wird sich schon ein neues Superlativ finden.

Mir genügt die Geierlay. Es war ein schönes Erlebnis, einmal hin und wieder zurück zu eilen. Anhalten wollte ich nicht allzu lange, Herbert (der absolut schwindelfrei ist, aber ihm genügte das halbe Wegstück) kehrte sogar zur Hälfte wieder um. Wir hatten das Tal ja schon ausgiebig »von unten« betrachtet, die Perspektive von oben ist nett, aber das Erlebnis steht im Vordergrund: Drüber über die 360 Meter lange Brücke, die bis zu 100 Meter über dem Talgrund schwebt. Sie schwingt übrigens leicht, was ich aber nur spürte, wenn ich stehenblieb und fotografierte. Ein Gefühl der Unsicherheit hatte ich nicht, und wie Herbert und ich auch einhellig feststellten, vertrauen wir hier ganz auf die Ingenieurskunst. Bei den Fotos steht die Hängeseilbrücke im Mittelpunkt, außerdem natürlich mein Schwager Herbert!

Wer mehr zur Geierlay erfahren will, besuche die Website »Geierlay«. Dort steht alles zur Anfahrt, zur Brücke selbst, zum Besucherzentrum. Und unter »Fragen & Antworten« wird auch die Frage der fußfaulen Mitmenschen beantwortet: »F: Kann ich mit dem Auto bis zur Brücke fahren? – A: Nein.« Vielleicht findet sich aber jemand, der einen zur Brücke trägt (für die Sarkasmus-Resistenten: Das war sarkastisch!) [Update vom 21.03.2017 (ohne Worte: Die Weltrekordbrücke im Harz]

 

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Georg

Georg

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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