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Zu Irland hege ich eine besonders innige Beziehung. Ich (gemeinsam mit Petra) reise gerne auf die Grüne Insel. Das ist nicht oft, aber doch regelmäßig. Die Dingle-Halbinsel haben wir bei unserer ersten Irland-Reise besucht. Das ist mittlerweile mehr als 30 Jahre her. Wir fuhren mit einem Mietwagen von Dublin aus nach Westen, begeisterten uns an Connemara und den Cliffs of Moher und kurvten auf engen Straßen hinunter nach Dingle. Dort verbrachten wir – wohnend in einem heimeligen Gästehaus – viel zu wenig Zeit.

Umso mehr interessiert mich der vorliegende Wanderführer zum Dingle Way aus dem Conrad Stein Verlag. Dabei bereist Autorin Diana Steinhagen den rund 180 Kilometer langen und im Südwesten Irlands gelegenen Rundweg (Rundweg mit kleiner Einschränkung) zum zweiten Mal (und dies nicht allein, denn ihr Begleiter Lars ist wohl auf einigen Fotos zu sehen und sorgt auch dafür, dass wir die Autorin im Bild erblicken können.)

Irland: Dingle Way

Das ist nicht unwichtig. Die 1. Auflage erschien (wenn ich den Eintrag beim Amazon richtig interpretiere) im Jahr 2014. Das Buch wies 80 Seiten auf. Ein beachtlicher Unterschied zu den nun vorliegenden 128 Seiten, bei dem auch 51 statt 33 farbige Abbildungen gezeigt werden (und wenn ich den Etappenplan im Inhaltsverzeichnis richtig deute, unterscheiden sich auch die Etappen 5 und 6 bei den Ziel-/Startorten). Und weil der Dingle Way im Lauf der Jahre nicht länger geworden ist, ist das Mehr an Seiten vermutlich in die Beschreibungen geflossen. Sehr gut.

Nun ist es ja nicht einfach, so aus der Lamäng heraus einen Wanderführer zu besprechen. Wenn ich nicht selbst den Dingle Way (vorteilhaft: Mit dem Buch in der Hand) erwandere, kann ich nur daheim die einzelnen Etappen nachvollziehen.

•        Outdoor-Handbuch aus der Reihe »Der Weg ist das Ziel«, Band 329
•        Autor: Diana Steinhagen
•        128 Seiten
•        Verlag: Conrad Stein Verlag
•        Erscheinungsjahr: 2018 (2., überarbeitete und erweiterte Auflage)
•        Besonderheiten:  51 Abbildungen, 15 Kartenskizzen und 1 Stadtplan
•        ISBN: 978-3-86686-591-4
•        Verkaufspreis: EUR(D) 10,90
•        Format:  11,8 x 1,5 x 16,5 cm

Im Innenteil der Umschlagseite finde ich eine doppelseitige Übersichtskarte. Der Dingle Way startet in Tralee; bis in den Ort Camp sind nun Hin- und Rückweg deckungsgleich. In Camp teilt sich der Dingle Way, üblicherweise wandert man ihn mit dem Uhrzeiger. Genau machte es auch Diana Steinhagen. 15 farbige Übersichtsskizzen im Innenteil finden sich durchnummeriert auf dieser Übersichtskarte, ergänzt um ein Höhenprofil (insgesamt stehen etwa 2.300 Höhenmeter auf dem Programm, wobei das Höhenprofil bei Punkt 18 einen herausstechenden steilen Anstieg zeigt: Hinauf zum Mount Brandon.)

Ein Drittel des Bandes beanspruchen allgemeine Informationen, die für eine Reise nach Irland und in die Region Dingle wichtig sind. Zu »Land und Leute« erfahren wir alles Nötige wie Flora und Fauna, zur Geografie oder zur Geschichte – übersichtlich aufbereitet, ohne ausufernd zu sein. Wer sich noch intensiver mit Irland beschäftigen möchte, kommt natürlich an weiterführender Literatur nicht vorbei. In einem Wanderführer jedoch sind wie hier am Besten kompakt und auf das Wichtige konzentriert.

Danach widmet sich die Autorin auf rund 30 Seiten »Reise-Infos von A bis Z«, beginnend bei A wie An-/Abreise bis Z wie Zeit. Diese Informationen sich bestens aufbereitet. Zur Anreise erhalten wir beispielsweise Infos zu den Mietwagen, auch darüber, dass einige Autobahnen wie die M50 mautpflichtig sind und wie dies abgerechnet wird (wobei man sich darüber noch genauer vorab informieren sollte, denn ich empfinde das System als nicht unkompliziert.) Wer eine Streckenwanderung macht, wird aber mit höherer Wahrscheinlichkeit nicht mit einem Mietwagen fahren – auch hierzu ist es ratsam, sich vor der Reise selbst kundig zu machen.

Gut sind auch die Hinweise zu den Etappen und zur Laufrichtung. Die Etappenlänge kann ja immer nach persönlichen Vorlieben und Möglichkeiten bestimmt werden, wobei nie die Unterkunftsmöglichkeiten aus sein Augen gelassen werden dürfen. Insofern schränken sich die Alternativen ein. Zudem erscheinen mir die von Diana Steinhagen vorgeschlagenen Etappen gut ausgewählt, wie Streckenlängen zwischen 16,9 und 30,1 Kilometer lang. Gute Vorschläge für die eigene Gestaltung der Etappen – und auch bewährt, denn die Autorin ja am Ende jeder Etappe eine (oder mehrere) Unterkünfte genutzt und im Buch angeführt.

Für Irland spezifische Anmerkungen sollten auch berücksichtigt werden. Hunde sollte man nicht mitnehmen (Schafweiden müssen gequert werden, viele Bauernhöfe sind zu passieren), der Wanderweg läuft nicht selten über Privatgelände, worauf besonders Rücksicht genommen werden muss. Vieles versteht sich von selbst (die Gattertore nach dem Passieren immer schließen), wird aber von Diana Steinhagen in übersichtlichen Beiträge festgehalten und steht somit zum schnellen Nachschlagen bereit.

Apropos Unterkünfte. Am Dingle Way sind die Unterkünfte sicher begrenzt, sodass der Tipp, die Übernachtungen im Voraus zu buchen, Gold wert ist. Im beschreibenden Teil fügt die Autorin dann noch genauere Tipps zum Beispiel zu den von ihr genutzten B&Bs ein.

Auf Seite 48 geht es dann ans Eingemachte, sprich: Der Rucksack ist geschultert, die Wanderschuhe sind geschnürt, und los geht es. Gestartet wie, wie erwähnt, in Tralee, gleichwohl Diana Steinhagen nach der zweiten Begehung im vorderen Teil anmerkt, dass sie eine dritte Wanderung auf dem Dingle Way in Camp beginnen und beenden würde.

Egal aber, wie sich der Wanderer entscheidet, bei Camp teilt sich der Dingle Way und wird zur Rundtour, sprich: Hierher wird man unweigerlich zurückkehren. Bis dahin aber stehen einige Etappen an, wobei naturgemäß jeder nach eigenem Gusto und Können entscheidet, wie viele Etappen es werden sollen. Diana Steinhagen wählte die Etappen so, wie sie auch auf der Website zum Dingle Way vorgeschlagen werden.

Zu jeder Etappe findet sich eine Wegekarte mit darin eingetragenen besonderen Punkten, die sich dann natürlich auch im Fließtext wiederfinden. Ein Höhenprofil vervollständigt dies. Die größeren Orte, die wichtig sind für Unterkunft und Verpflegung, werden genauer aufgeführt mit den wesentlichen Angaben zu den genannten Aspekten, aber auch zu Poststationen, Cafés und Restaurant oder Touristinformationen. Zu Tralee sehen wir einen Stadtplan, den ich mir für Dingle auch gewünscht hätte. Dingle ist zwar unüberschaubar großer Ort, aber zur Orientierung bei den aufgezählten Örtlichkeiten wäre dies hilfreich gewesen. Darüber hinaus vermisse ich als Leser aber keine Wegekarten.

Die Beschreibungen wechseln von einer genauen Auflistung aller relevanten Punkte (Richtungsänderungen, Gatter, die überstiegen werden müssen, Straßen, die asphaltiert sind) hin zu persönlichen Eindrücken, die den Text sehr angenehm untermalen und auch unterfüttern, wie gut oder wie weniger gut ein Abschnitt der Autorin gefallen hat. Noch dazu weist sie auf Streckenführungen hin, die ihr als Alternative empfehlenswert erscheinen (beispielsweise auf Seite statt über einen hoch mit Gras bewachsenen kurzen Dünenweg über den längeren Strandweg.)

Bei den Unterkünften wie Bed&Breakfast werden wieder selbst gemachte Erfahrungen festgehalten – immerhin ist Diana Steinhagen ja zweimal den Dingle Way gewandert und hat entsprechend viele Unterkünfte selbst prüfen können. Das ist gut und macht einem die eigene Entscheidung natürlich leichter.

Überhaupt gefällt mir genau diese Mischung von genauer Wegebeschreibung und persönlichen Wahrnehmungen, die mir sehr gut ein Gefühl für den Dingle Way vermitteln konnten. Unterstützt wird dies noch durch die zahlreichen, sehr anschaulichen Fotografien, die nicht nur das Blaue vom Himmel erzählen, sondern wie auf Seite 80 auch einmal die windigere und regenreichere Seite Irlands zeigen.

Wanderbücher regen bei mir immer den Appetit aufs Wandern an. Heimatnähere Bücher nehme ich dann gern als Anregung. Bei einem Wanderführer wie dem vorliegenden zum Dingle Way ist es schwerer, den geweckten Wunsch in die Tat umzusetzen. Aber es ist gut, auch Ziele nicht für die nächste Zeit, aber fürs nächste Jahr zu haben. Oder das Übernächste. Irland ist für mich immer eine Reise wert, und die Dingle-Halbinsel allemal. Der Dingle Way zudem könnte genau der Anlass sein, um wieder einmal den Südwesten der Insel aufzusuchen. Der Wanderführer »Irland: Dingle Way« gehört dann auf jeden Fall in meinen Wanderrucksack (oder besser noch: In die Hand).

 


[Hinweis! Das besprochene Buch wurde mir vom Conrad Stein Verlag kostenlos für diese Besprechung zur Verfügung gestellt.]

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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