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Eine Stadtführung? Ja, bitte!

Ich will immer etwas mehr als nur Wandern. »Ist ja so schön grün hier«, reicht mir nicht, da muss noch was kommen. Burg und Berg geht bei mir immer. Malerische Städtchen oder Flecken kommen mir sehr recht. Auch Museen passen rein in mein Bild einer erlebnisreichen Wanderung. Denn:

Natur ist schön, doch ich lebe gerne auch im von Menschen geschaffenen Hier und Jetzt (ich ergehe mich jetzt aber nicht darin, dass auch unsere heimischen Wälder Kulturlandschaften sind …) – und wandele auch auf den Spuren unser Ahnen. Geschichte lebt für mich nur dann, wenn ich ihr begegne, und versuche, sie zu verstehen.

Umso zufriedener werde ich nach der Stadtführung durch Uwe Feiert in der Stadt Blomberg sein. Blomberg ist eine kleine Stadt, heute verlieren sich rund knapp 9000 Einwohnern in der Kernstadt innerhalb und rund um die mittelalterlichen Reste der Stadtmauer. Die Stadt wurde 1283 erstmals urkundlich erwähnt. Sie trägt also ordentlich Geschichte auf ihrem Buckel, und das sieht man ihr an – wenn auch hier Kriege gewütet haben. So wurde Blomberg in der Soester Fehde 1447 fast komplett in Schutt und Asche gelegt, danach entstand eine Klosterkirche.

45 Hostien und ein Wunderbrunnen

Nicht unwichtig, so erfahre ich gleich zu Beginn des Rundgangs, zu dem wir uns erfreulich viel Zeit nehmen, war eine Frau mit Namen Alheyd, die im Jahr 1460 45 geweihte Hostien aus der Stadtkirche stahl. Wohl erschrocken über ihr frevelhaftes Tun, warf sie die Hostien in einen Brunnen. Das Ende der Geschichte ahnen wir, denn solche Taten wurden damals zeitgemäß geahndet: Scheiterhaufen. Obgleich wir darüber nicht entsetzt sein dürfen, so weit weg sind wir modernen Menschen vom Mittelalter auch nicht immer, wenn ich gerade lese, wie in Bremen ein Mann von einem Mob aus einer falschen Verdächtigung heraus fast gelyncht wird.

Zur Strafe für die Gottesgläubigen wurde dem Wasser des Brunnens fortan eine heilende Kraft zugesprochen. Und so kamen die Kranken und die Siechenden und die Pilger in Scharen, weshalb bald eine Kapelle über dem Wunderbrunnen erbaut wurde, später eine Kirche, noch später ein Kloster, das aber im Laufe der Reformation 1536 wieder aufgelöst wurde.

Dieser Geschichte also begegne ich, besonders am Alheyd-Brunnen nahe beim Rathaus aus dem Jahr 1587, drapiert um den ruhigen Marktplatz. Von hier wandern wir zum Martiniturm, dem ältesten, noch erhaltenen Bauwerk der Stadt. Früher stand er nicht so allein herum wie jetzt, sondern gehörte zur Martinikirche, die vielleicht – so genau weiß man ja vieles nicht, wenn keine schriftlichen Zeugnisse überliefert sind – aus der Zeit um die Stadtgründung im 13. Jahrhundert stammt.

Es gibt ja ungefähr zwei Möglichkeiten, sich eine Stadt zu nähern. Auf eigene Faust. Oder mit Stadtführer. Auf eigene Faust ist ja immer schön nach dem Motto: »Ich will mich unbefangen einer Sache nähern«. (Stadt, Land, neuer Waschmaschine) Ist ja auch modern, so individuell. Also eigentlich ein echtes Männerding. Richtig gut wird’s aber nur mit jemandem, der sich auskennt. Der die besonderen Ecken kennt und zeigt. Geschichten zu den kleinen Dingen erzählt.

Alte Türme, alte Mauern, neue Schlüssel

Und der DIE SCHLÜSSEL™ hat!

Zum Beispiel den zum Martiniturm. Dort hinauf geht’s natürlich nur mit jemandem, der die Lizenz zum Öffnen hat. Da also steigen wir hinauf, passieren noch das Uhrwerk der Uhr aus dem Jahr 1888, die in unsrer Zeit munter elektrisch läuft, aber noch vor wenigen Jahren mit menschlicher Kraft aufgezogen werden musste. Heißt das »aufgezogen?« Jedenfalls staune ich über das zwar nicht uralte, aber faszinierende Gerät, bevor mir dann die Augen geöffnet werden.

Rausgucken ist angesagt. Den richtigen Überblick hat der Stadtbesucher ja meist von den Kirchtürmen, Drohnen sind da ja nur ein dummes Hilfsmittel, quasi ein drittes Auge, mit dem man hilfsweise sieht. So aber kreisen meine Augen (gut, gut, Augen kreisen jetzt nicht, aber es klingt so poetisch) über die Dächer der Stadt, bleiben an markanten Häusern hängen, tanzen weiter …

Bevor Rosamund Pilcher mit mir durchgeht: Der Blick von hier oben ist halt wirklich anders als der zwischen engen Gassen oder Häuserschluchten. Einer der Gründe halt, sich einer Stadtführung anzuschließen.

Ich schließe mich »meinem« Stadtführer wieder an. Die Klosterkirche ist unsere nächste Station. An Stelle einer ersten Kapelle entstand diese Kirche, mutmaßlich an der Stelle des vorhin genannten Brunnens, der sich auch genau verorten lässt, wie mir Uwe Feiert erläutert. Die Grabstätte der Grafen zur Lippe können wir zwar nicht betreten, aber dafür betrachten wir die Tumba des Klostergründers Bernhard VII. und interessante Wandmalereien, die im Rahmen restauratorischer Arbeiten freigelegt wurden.

Danach schlendern wir durch die Straßen und Gässchen. Zu etlichen Fachwerkhäusern höre ich eine mehr oder minder ausführliche Geschichte, bevor wir dann am Weinberg verharren.

Von Weinbergen und Nelken

Weinberg in Blomberg? Nun, wenn die Stadt schon auf eine Weinberggasse zählen kann, dann wird es ja wohl dereinst auch Weinbau gegeben haben. Und so wurde 2005 ein Weinberg zu Füßen der Burg angelegt, mit der Rebsorte »Regent« bestockt, fürderhin eifrig gelesen und als »Nelkenstädter Paradiesblick« abgefüllt. Die 99 Reben ergeben eine überschaubare Menge an Wein, zudem der Regent ein recht süffiger Tropfen ist, der sicher schnell … na ja … genossen ist.

Entlang der Stadtmauer nähern wir uns der Blomberger Burg, in der heute ein Hotel angesiedelt ist. Den Burghof schauen wir uns an, das markante Gemäuer wurde nach der Zerstörung der ursprünglichen Burg (ich erinnere an die erwähnte Soeste Fehde) als Dreiflügelanlage errichtet. Markant sind der befensterte Vorsprung (Utlucht genannt) und die Fachwerkgiebel.

… und wenn ich einige Zeilen zuvor vom »Nelkenstädter Paradiesblick« schreibe, dann leuchtet hier eine Blume durch, der wir bald darauf begegnen. Und eine Geschichte gibt es natürlich auch hier. Früh im 19. Jahrhundert begründete sich ein mittlerweile etwas verblühter Ruhm auf die Nelkenzucht. Auf dem alten Meierei-Gelände der Burg wurden Nelken gezüchtet, erst 75 verschiedene Sorten, später rund 1.500. Ganz Europa wurde mit Nelken aus Blomberg bedacht – bis zum 1. Weltkrieg. Die Nelkenzucht trocknete aus. Heute wird das Nelkenfest gefeiert und die Nelkenkönigin gekürt.

Das Wandern ist des Schusters Lust

Gleich darauf nähern wir uns dem einzigen erhaltenen Stadtor nicht nur der Stadtbefestigung, sondern von ganz Lippe, und gehen auch noch (dank DES SCHLÜSSELS™) hinein und hinauf. Einst führte hierdurch ein Handelsweg, die Kölnische Landstraße. Außen ziert übrigens stadtwärts ein Ziffernblatt den Turm, auf dem nur die Stunden angezeigt werden. Das öffnet der Unpünktlichkeit ja Tür und Tor (oder ist man nicht gerade deswegen eher pünktlich?) – und macht mir diesen Zeitmesser richtig sympathisch.

Wir spazieren noch ein letztes Mal durch Gassen, den Langen und den Kurzen Steinweg. Ich lasse mir die Geschichte des Handwerks in Blomberg schildern, in der die Schuhmacher eine tragende Rolle spielten. Zeitweilig arbeiteten 100 Schuster in der Stadt, die ihre Schuhe – denn so viele Füße schlenderten jetzt auch nicht durchs betuliche Städtchen – weit über die Grenzen der Stadt hinaustrugen. Und weil sie auch des Nachts unterwegs waren, ließen sie ihren »Hemdschlapp« aus der Hose hängen, die sogenannten Blomberger Schusterlaterne, damit der Hintermann nicht über den Vordermann stolperte. Eine Skulpturengruppe wartet in der Kuhstraße auf uns, bevor wir die Stadtführung am Groene Plaats vollenden. Das war eine Stadtführung nach meinem Geschmack in einem Städtchen nach meinem Geschmack. Und: Blomberg ist eine Reise wert. Dann aber unbedingt mit Stadtführung. Stadtführer wissen einfach mehr. Und haben DIE SCHLÜSSEL™.

Doch der Tag ist noch lange nicht zu Ende. Uwe Feiert lotst mich zu meinem nächsten Programmpunkt gleich vor den Toren von Blomberg. Segelfliegen steht an. Und das ist eine eigene Geschichte, die ich später erzähle.

 


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Hinweis! Meine Reise wurde unterstützt von Teutoburger Wald Tourismus und weiteren Institutionen vor Ort. Dieser Artikel ist in einer Kooperation entstanden und deshalb als Anzeige gekennzeichnet. Dennoch gebe ich hier meine ganz persönlichen Eindrücke wieder. Darüber hinaus habe ich mich per Outdoor Blogger Codex dazu verpflichtet. Mein Dank geht an alle Menschen, die mich bei meinen Erlebnissen begleitet und unterstützt haben.

Schlenderer

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... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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