„Atemlos!“

Da haut’s mich doch fast aus den Socken! Häng ich im Klettersteig am Dollling, hoch über dem betulichen Moseltälchen, da seh ich aus den Augenwinkeln bunte Wagen fahren. Mir schwant, was ich eh schon weiß, denn auf dem Hinweg bin ich, wie üblich, wenn ich an die Mosel fahre, durch Mülheim geschaukelt. Oder geschunkelt. Und Mülheim ist, das weiß ein jedes Kind in unserem Rheinland, eine – nein, DIE Hochburg der Möhnen. Aus eigener Anschauung weiß ich, was da los ist, auch wenn ich mich nur noch unscharf daran erinnern kann. Manchmal ist es gut, wenn sich ein Mantel des Schweigens oder ein Schleier des Vergessens über etwas ausbreitet. Doch offenbar sind wir Freunde im jungen Alter immer gut zu Fuß wieder von Mülheim nach Weißenthurm gekommen, auch wenn mir schleierhaft ist, wie wir das geschafft haben.

Und nun das! Ich wandere arglos, wie es meinem Naturell entspricht, auf dem Traumpfade Rhein-Mosel-Eifel „Hatzenporter Laysteig“, hänge gefühlt kopfüber an der Stahlleiter, die mich gemächlich einige Meter nach unten bringen soll, höre das melodische Tuckern der Traktoren, und dann – „Atemlos!“ Vor Schreck wäre mir fast alles aus den Händen geglitten. Kamera. Diktiergerät. Bierflasche. (Ja, Bierflasche. Es ist Schwerdonnerstag, und als Rheinländer ist das nicht nur erlaubt, sondern ein Muss bei einer Schwerdonnerstag-Wanderung!)

Nun weiß auch ich, dass Geschmäcker unterschiedlich sein können. Aber manches muss nicht sein. Ein herausgepresstes „Entschuldigung!“ an diejenigen, denen – argh, ich verwechsle die Atemlos-Sopraneuse immer mit Andrea Berg, aber die ist es nicht, sondern … ja, ich komme wirklich nicht auf den Namen und googel auch nicht – dieses Liedgut ans Herz gewachsen ist. Aber muss das sein, mir nach einer wunderbaren Wanderung so ein Herzeleid zu verursachen. Nicht atemlos, aber fast besinnungslos krieche ich zum Wagen, hieve mich rein und schalte mit letzter Kraft den CD-Player ein. Lynyrd Skynyrd liegt drin. Auch nicht jedermanns Geschmack. Als launeerhaltende Maßnahme pumpen die Lautsprecher „Free Bird“ raus. Das hilft. Ich erreiche wohlgelaunt Neuwied. Natürlich über die Autobahn und nicht über Mülheim. Wie man mir später erzählt, soll „Atemlos“ dort der große Hit gewesen sein. Ja, das befürchte ich auch. ;-)

Aber da war doch noch was! Ja, der Traumpfad. Erst diesig, dann sonnig. Das Wetter. Der Traumpfad? Erst steil. Es geht sofort in die Weinberge, Hanglage halt. An der Wetterstation vorbei rüber zur Rabenlay. Vorher Aussichten, dort erst recht. Wer will, kann schon da eine Klettertour zur Alten Kirche einbauen. Wollte ich nicht. Also weiter übers Maifeld. Es gibt zwei Übergangspassagen, die vor dem Schrumpftal und die nach dem Schrumpftal. Immer an der Hangkante entlang. Rechts drückt das genannte Maifeld rein. Äcker. Äcker. Äcker. Es gibt Tage, da nervt mich das. Es gibt Tage, da mag ich das. Heute war’s mir eine willkommene Abwechslung, statt immer auf schmalen Pfaden eng am Hang entlang flache Fläche. Einfach laufen lassen. Besonders schön, wenn nach dem Aufstieg aus dem Schrumpftal die Sonne lacht.

Überhaupt Aufstieg. 11,9 Kilometer lang ist der „Hatzenporter Laysteig“, 481 Höhenmeter schiebt der einem unter. Und die verteilen sich im Grunde auf den Aufstieg zur Rabenlay und den Aufstieg aus dem Schrumpftal, der Rest ist Kleckerkram.

[tip]

Es geht weiter. Nach meinem Wanderführer “Wandern im Westerwald”, der im Frühjahr 2015 im Droste Verlag erscheinen wird, wandere ich nun weiter im Namen eines Verlags. Diesmal ist es Public Press – der Verlag mit der Sonne. Im Spätsommer 2015 erscheint dort mein nächster Wanderführer: “Traumpfade”. Das ist mir eine besondere Freude, denn seit einigen Jahren wandern Petra und ich besonders gern auf diesen Wanderwegen – zum einen, weil sie direkt vor unserer Haustür liegen, zum anderen, da sie einfach schön sind und zum Schlendern einladen. Für den Wandererführer “Traumpfade” bin ich in den kommenden Monaten häufig unterwegs. Die Routen müssen natürlich nochmals erwandert werden, auch wenn ich jeden Traumpfad mindestens einmal, die meisten aber mehrmals entlang geschlendert bin. Ich werde von jetzt an meine Touren kurz zusammenfassen und einige Fotos auf dem “Schlenderer” einstellen, die es nicht ins Wanderbuch geschafft haben. Natürlich will ich damit Appetit auf den Wanderführer wecken. Aber vielleicht wandern die Schlenderer-Leser einfach auch mal gerne mit und lassen sich durch die Fotos anregen und erkunden schon jetzt einen der Traumpfade.[/tip]

Neben Aufstiegen zähle ich einige Aussichten. Vor dem Schrumpftal der von der Kreuzlay. Nach dem Schrumpftal eine Aussicht mit Raststation. Die sollte man gefälligst nutzen, weil die Aussicht gut ist, der Platz gut ist, und die Sonne im Sommer gut draufscheint. Also Behütung im Sommer nicht vergessen. Heute war es weniger heiß (um die 5°), aber dafür passend hier sonnig.

Von da nach dort, also bis Hatzenport, ist’s dann nur noch ein Katzensprung (um die 2,5 Kilometer), dort aber wartet noch die Kletterpassage. Sie ist nicht sensationell, aber trotzdem sollte man trittsicher sein. Und wer sich später mal an spektakuläreren Klettersteigen versuche möchte, kann solche kurzen Abstecher zum Proben nutzen.

… und nun steht nur noch ein Traumpfad fürs Wanderbuch aus. Der „Bergschluchtenpfad Ehrenburg“. Weiß der Teufel, warum ich wie beim Westerwaldbuch wieder die längste Etappe bis zum Schluss aufbewahrt habe. Vielleicht so als „dickes Ende?“ Aber dann täte ich dem Ehrenburger unrecht, ich habe ihn durchaus in guter Erinnerung. Das Beste ist natürlich: Die Chance, dass mir auf der Ehrenburg „Atemlos!“ aufs Ohr gedrückt wird, ist eher gering. Und das sind doch für mich sehr gute Aussichten. :-)

Mehr Informationen zu diesem Traumpfad gibt es auf der Seite der Traumpfade: Hatzenporter Laysteig

[tip]

Zur Etappe 1: Pyrmonter Felsensteig

Zur Etappe 2: Waldschluchtenweg

Zur Etappe 3: Nette-Schieferpfad

Zur Etappe 4: Förstersteig

Zur Etappe 5: Eltzer Burgpanorama

Zur Etappe 6: Hochbermeler

Zur Etappe 7: Rheingoldbogen

Zur Etappe 8: Schwalberstieg

Zur Etappe 9: Virne-Burgweg

Zur Etappe 10: Monrealer Ritterschlag

Zur Etappe 11: Wolfsdelle

Zur Etappe 12: Booser Doppelmaartour

Zur Etappe 13: Waldseepfad Rieden

Zur Etappe 14: Pellenzer Seepfad

Zur Etappe 15: Wanderather (1)

Zur Etappe 16: Höhlen- und Schluchtensteig (1)

Zur Etappe 17: Vier-Berge-Tour

Zur Etappe 18: Vulkanpfad

Zur Etappe 19: Wacholderweg

Zur Etappe 20: Bleidenberger Ausblicke

Zur Etappe 21: Höhlen- und Schluchtensteig (2)

Zur Etappe 22: Saynsteig

Zur Etappe 23: Wanderather (2)

Zur Etappe 24: Heidehimmel Volkesfeld

Zur Etappe 25: Koberner Burgpfad

Zur Etappe 26: Streuobstwiesenweg

[/tip]

 

 

Schlenderer

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... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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