Ich schmiere immer wieder gern jedem, der sich zwischen meinen Zeilen verfangen hat, aufs Butterbrot: ach, wir haben’s gut, weil wir in Neuwied wohnen!

Ist Neuwied etwa eine so wunderschöne Stadt? Nö. Aber wer wandern will, braucht nur ein paar lässige Schritte zu machen, und schon spürt er nicht mehr Asphalt, sondern flaumig-weichen Waldboden unterm Laufwerk. Die Eifel gehört zu den vier Mittelgebirgen in Nahwanderweite. Und doch … es gibt Regionen der Eifel, zu denen selbst wir ein gutes Stündchen oder etwas mehr reisen müssen.

Umso froher bin ich, wenn sich dann ein Wanderbuch um »Eifel, Osteifel, Hohe Eifel« kümmert – wobei mir besonders die Osteifel in zweierlei Sinn am Herzen liegt. Sie ist Heimat. Sie liegt einen Katzensprung entfernt.

33 Wandertouren hält Hans Naumann für uns also bereit, gleichmäßig verstreut vom Rhein die Eifel aufwärts bis etwa Müsch und Bermel (bitte jetzt auf einer einschlägigen Eifelkarte nachgucken, von welchen Ortschaften ist überhaupt rede). Auf der Rückseite des Buchs entdecke ich eine Übersichtskarte mit farblich unterschiedlichen Kennziffern. Im Buch dann erfahre ich, was es mit den Farben auf sich hat: Blau sind leichte Wanderungen, rot mittelschwere und schwarz … richtig, die schweren. Bei der »Schwierigkeitsbewertung« gibt der Autor noch Hinweise, was man je nachdem beachten sollte.

Aber damit bin ich eigentlich schon einen Schritt zu weit. Zuvor wird mir unter »Inhalt« nämlich eine Übersicht gereicht, mit der ich eine Vorauswahl treffen kann. Neben den genannten Schwierigkeitsgraden benennt er dort die Gehzeit, Länge und Höhenmeter, außerdem werden wichtige Aspekte gekennzeichnet: Parkplatz, öffentliche Verkehrsmittel, Abstiegshilfe, Einkehr, Übernachtung unterwegs, Gipfel, Schwindelfreiheit erforderlich, Kinderwagentauglich, Kinderfreundlich, Fahrradtauglich, kulturelle Highlights, Bademöglichkeit, mit Panoramablick, Rundtour.[tip]

•        Wanderführer Eifel, Osteifel, Hohe Eifel
•        Autor: Hans Naumann
•        164 Seiten
•        Verlag: Kompass-Karten
•        Erscheinungsjahr: 2012
•        Besonderheiten: Broschiert
•        ISBN:  978-3-850263-61-0
•        Verkaufspreis: EUR(D) 14,99
•        Format: 18,6 x 10,8 x 1,6 cm

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Das sind ordentliche viele Kurzinfos, mit denen bepackt ich die folgenden Seiten durchlese. »Das Gebiet« nennt sich das zweiseitige Kapitel, das sich in aller Kürze mit der Eifel und ihren Bedingungen fürs Wandern befasst. Danach erfahre ich bei »Städte und Gemeinden« und »Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele« mehr über markante Örtlichkeiten, die entweder auf den Wanderungen selbst (beispielsweise Virneburg oder Monreal oder Burg Eltz) eine Rolle spielen oder abseits einer Wanderung von Belang sein kann für Übernachtungen. Damit verbunden ist auch die Angabe der Tourist-Informationen. Letztlich geht der Autor noch auf die Wanderwege in der Eifel im Allgemeinen und die Traumpfade im Besonderen ein – alles dargereicht in kompakter Form.

Weit wichtiger sind mir natürlich die Wanderwege. Die Gestaltung der einzelnen Wandertouren geschieht nach einem eingängigen Schema. Der Titel jeder Tour fasst auch gleich die wichtigen Anlaufpunkte zusammen, ein Untertitel hebt zusätzliche Aspekte hervor. Die 7. Tour: »Bassenheim – Karmelenberg« sagt mir durch den Untertitel »Auf dem Kelten-Rundwanderweg«, was mich erwartet.

Im darauf folgenden eingerahmten Kasten werden Ausgangspunkt, Bus, Charakter, Einkehr und Karte in Stichpunkten angeführt und die GPS-Koordinaten gelistet. Zum »Bus« erfahre ich nicht allzu viel (es wird keine Linie benannt und keine Frequenz, in der die Busse den Startpunkt anfahren), bei »Einkehr« bleibt es manchmal bei Anmerkungen wie »Nur in Bassenheim«, bei anderen Wegstrecken werden Gaststätten namentlich genannt. Unter »Charakter« werde ich über das Wichtigste zur Route informiert (bei der genannten Tour 7 zum Beispiel: »langer, aber unschwerer Anstieg bis auf den Karmelenberg, danach wechselnd auf und ab …« Das reicht mir aus, um die Schwierigkeit einer Strecke neben der bereits erwähnten farblichen Markierung einzuschätzen. Bei »Karten« werden natürlich die aus dem Hause »Kompass« empfohlen.

Darunter werden der Schwierigkeitsgrad, die Streckenlänge, Höhenmeter und Gehzeit festgehalten. Auf der jeweils rechten Seite blickt mir das Höhenprofil entgegen, auf dem markante Punkte im Kilometerraster eingetragen sind. Besonderheiten auf oder an der Wanderstrecke werden in einem farblich hervorgehobenen Kasten unter »Kompass Info« erwähnt; bei Tour 7 gibt es Infos zu Bassenheim, zum Karmelenberg und zum Golo-Ring.

Neben einigen Fotos steht der übrige Platz auf diesen (in der Regel) zwei Seiten für die Streckenbeschreibung zur Verfügung. Und der ist so knapp, wie es sich anhört. Wer epische Wegebeschreibungen gewohnt ist, muss sich umstellen. Ich zitiere aus Tour 7: »Vor dem Parkplatz links die Hauptstraße ansteigen zur St. Martin-Kirche. Oberhalb ‚Walpot-Platz‘ links durch die ‚Mayener Straße‘ auf den Kelten-Rundwanderweg (grünes Symbol): Ansteigen, nach 480 m links ‚Karmelenberger Weg‘; geradeaus auch durch das Werksgelände und im Wald bergauf …«

Die Beschreibung ist auf das Nötige reduziert, auch wenn der Autor sich zwischendurch ein »staunend hoch bis zum Wegetreff« nicht verkneift. Aber braucht es diese Anmerkungen überhaupt? Ich habe mich schnell daran gewöhnt, nur das Wesentliche zu erfahren. Tour 7 bin ich nachgewandert (wobei ich zugeben muss, einen Teil der Strecke (bis zum Karmelenberg) bereits gekannt zu haben. Insgesamt hatte ich keine Mühe, anhand der klaren Angaben meinen Weg zu finden.

Diesen beiden Seiten folgt auf der nächsten Doppelseite die passende Wanderkarte, die einem Ausschnitt aus der jeweiligen Kompass-Karte entspricht. Die Karten sind im Maßstab 1:50.000 und weisen alle wichtigen Merkmale (bei Tour 7: Karmelenberg, Achterspannerhöfe, Golo-Ring und so weiter) auf.

Eigentlich, tja, eigentlich wollte ich noch weitere Touren aus dem Wanderbuch gehen. Aber jetzt mal ernsthaft, bei dem miesen Wetter der letzten Wochen (und wenn die Sonne doch mal scheint, liegt irgendwas Wichtiges an …) gehe ich Wege, die ich nicht neu »erleben« will. Mir jedenfalls schlägt das Wetter schnell mal auf die Stimmung, und da hilft mir auch kein bei strahlendem Sonnenschein wundervoller Wanderweg, der bei Nieselregen und kahlen Bäumen nicht sein anderes, sein liebliches Gesicht zeigt.

Und so bleiben etliche Wege, die ich gleich beim Durchblättern ins Auge fasste, für eine andere Zeit: Tour 15 von Kesseling nach Weidenbach (wer den Schlenderer schon länger verfolgt, wird vielleicht wissen, was es mit Weidenbach auf sich hat); die unter »Rheinhöhen« beschriebenen Touren, weil sie wirklich so nahe bei Neuwied liegen, viele weitere Touren quer durch die Osteifel.

Weniger aufregend finde ich, dass sechs Traumpfade mit aufgenommen wurden; der »Ettringer Bellerberg« wurde dabei aber, das halte ich zugute, um einen interessanten Zuweg ergänzt. Andere Wanderwege orientieren sich an den Traumpfade, bereichern sie aber um Wegevarianten: »Tour 28 – Virneburg – St. Jost« nimmt sich das womöglich Beste aus zwei Welten vom »Virne-Burgweg« und »Wanderather«, »Tour 23 – Durch die Arfter Heide« wandelt entlang den Traumpfaden »Bergheidenweg« und »Wacholderweg« (dieser 15 Kilometer lange Weg wird auf vier Seiten beschrieben!)

Die Auswahl ist mit 33 Wandertouren erfreulich groß, die Streckenlängen von 6 bis 18,5 Kilometern sind für jede Kondition geeignet, die Schwierigkeitsgrade breit gestreut. Die Wanderkarten begeistern mich nicht vollkommen; fürs Wandern nehme ich Karten im Maßstab 1:25.000. Die abgedruckten Ausschnitte sind circa 21 x 17 cm groß, bei »Tour 30 – Um und durch Monreal« nimmt die Rundtour davon etwas 4 x 4 cm in Anspruch; der Rest ist für die Wandertour nicht relevantes Umland. Das ist verschenkter Platz. Bei manchen Touren liegt die Wanderstrecke dann auch ausgerechnet in der Falz, wodurch die Nutzbarkeit leidet. Zur Sicherheit nehme ich aber ohnehin eine (separate) Wanderkarte mit.

Abgesehen von diesen Abstrichen gefällt mir »Eifel, Osteifel, Hohe Eifel« von Hans Naumann. Viele Wandertouren, die ich in der Gestaltung nicht kannte, in klaren Worten beschrieben, das Buch selbst im handlichen Format mit flexiblem, abwaschbaren Einband, passend für eine größere Seitentasche oder natürlich den Rucksack: Alles in allem ist das Wanderbuch mindestens einen Blick wert! Ich werde auf jeden Fall noch einige der beschriebenen Touren nachwandern …

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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