Heimfahrt! Unsere vier Tage Rhön-Urlaub neigen sich dem Ende entgegen, doch noch ist nicht Schluss. Wir verabschieden uns von unseren lieben Gastgebern in der Weihers-Mühle in Fladungen. Kurz vor der Autobahn wartet noch die »Extratour Ulmenstein« im Hessischen Kegelspiel auf uns, nahe genug gelegen an der Landstraße, die uns nach Hünfeld führt. In Hofaschenbach steuere ich unseren Wagen also abseits der Hauptverkehrsstraße. Noch abseitiger wird es, als wir quer durch das beschauliche Dörfchen hinanfahren und durch die Ulmensteinstraße gänzlich Zivilisation und Geschäftigkeit hinter uns lassen.

Ein schmales Sträßchen leitet uns zum am Waldrand wartenden Wanderparkplatz. Dort empfängt uns eine großformatige Informationstafel. Unsere ausgedruckte Wegekarte steckt in der Hosentasche – praktisch überflüssig, wie sich herausstellen wird, denn der Wanderweg ist vom Anfang bis zum Ende bestens mit einem roten »U« ausgeschildert; unterwegs warten Wegweiser in großer Zahl und Markierungszeichen an allen nötigen Stellen.

Wie von den Wegemachern vorgeschlagen, wandern wir mit dem Uhrzeiger (zur Gehrichtung am Schluss noch ein paar anfügende Worte.) Gemächlich schleift der Pfad auf weichem Waldboden entlang von Buchen, Eschen, Ulmen und Ahornbäumen, steigt ein paar Schritte hinunter zum Basaltsee Ulmenstein und präsentiert uns gleich einen malerisch gelegenen Rastplatz mit Ausblick auf den See und den aufgelassenen Basaltsteinbruch.

Von hier windet sich der Weg einige Meter aufwärts und dann abgesichert am Rand des Steinbruchs vorbei, um am jenseitigen Bereich eine zweite Abstiegsmöglichkeit zu bieten. Auch hier könnten wir rasten, wir aber entschließen uns – wir sind ja erst wenige hunderte Meter gewandert –, dem Waldpfad weiter zu folgen. Der zieht uns nun den Ulmenstein hinab, lotst uns an einigen Basaltsteinhaufen vorbei, die von der regen Tätigkeit künden. Dass weiterhin in der Region Basalt abgebaut wird, hören wir durch die Arbeitsgeräusche aus der Ferne; später werden wir von der Kuppe an der Laurentiuskapelle aus das Abbaugebiet gut sehen.

Nachdem wir den Wald hinter uns lassen, wechseln sich Feldwege mit Wiesenwegen ab, umsäumt von Hecken. Felder sprenkeln den Landstrich, Streuobstbäume bereichern die Wiesen, der Oders-Berg drängt sich ins Bild. Später öffnet sich der Blick in die Kuppenrhön mit Milseburg oder zur Wasserkuppe und das umliegende Hünfelder Land.

Und damit wir das in aller Seelenruhe genießen können, harren bereits die ersten Liegebänke auf uns – insgesamt sieben zählen wir auf der vergleichsweise kurzen Strecken, fast schon ungezogene Aufforderungen zum Müßiggang, denen wir bereitwillig nachgeben, zu märchenhaft sind aber auch die Aussichten. Dass sich unsere Gehzeit damit deutlich verlängert, nehmen wir gerne in Kauf. (Zudem daheim ja das Koffer auspacken wartet.)

Bei Mittelaschenbach steigt der Weg am Linsberg einmal etwas kräftiger an, wobei dieses kräftig sich auf den gesamten Ulmensteig bezieht. Insgesamt verteilen sich die Höhenmeter nämlich sehr harmonisch über die komplette Strecke.

Wir erreichen die Laurentiuskapelle. Schmucklos schaut sie von außen aus, sodass wir uns erst einmal an den herrlichen Aussichten erfreuen. Die Kapelle ist aber ein schüchternes Kleinod, denn im Innenraum zeigt sich die 1844 erbaute Laurentiuskapelle durchaus prächtig mit einem barocken Altar.

Am Hang entlang zieht uns der Wiesenweg bis nach Hofaschenbach, Pferde stehen geruhsam an einem Wegweise, als ob sie uns auf den rechten Pfad weisen wollen.

Der jedenfalls bringt uns rasch zur 14-Nothelfer-Kapelle. Die von außen wiederum recht unscheinbare Kapelle aus dem Jahr 1744 imponiert innen mit einem Barockalter aus der Erbauungszeit und einer auf dem Altartisch stehenden Pietà. 13 der 14 Nothelferfiguren wurden 1976 gestohlen, sodass wir heutzutage nur mehr Nachbildungen der Originalfiguren in der Kapelle sehen können.

Unterhalb der Kapelle warten die fast schon obligatorischen Liegebänke und Rastplätze auf uns, und diesmal fassen wir die Gelegenheit beim Schopf, packen aus, sehen uns satt an den Ausblicken und füllen unsere Mägen.

In Richtung Sömgeshöfe neigt sich der Weg abwärts – und hier sehen wir auch die ersten Rhönschafe für heute. Petra als Wollefreundin kann sich kaum losreißen.

Die Extratour verlässt bald darauf einen Feldweg und hangelt sich über den wirklich steilsten Aufstieg am heutigen Tag einige eingelassene Stufen hinauf, wendet sich dann nach links und führt uns noch ein letztes Mal vor Augen, welch grandiose Fernblicke fast auf jedem Schritt auf uns warten.

Der Wind pfeift uns auch hier wie schon zuvor kräftig um die Ohren, bis wir später – wir können uns kaum losreißen von den Aussichten – ein letztes Mal in den Wald schlüpfen. Schüler haben auch hier etliche Nistkästen aufgehängt und für das »Nüsttaler Vogelparadies« gesorgt. Viel zu schnell sind wir dann am Wagen. Die Heimfahrt geht weiter …

Holla die Waldfee – das ist ja mal ein feiner Wanderweg! Ach, eigentlich hatte ich im Vorfeld schon befürchtet, dass mir diese Extratour extra viel Spaß bereitet. Es ist ja wirklich so, dass man als Vielwanderer ein Gespür dafür entwickelt, welche Wanderungen »schön« sein könnten. Es gibt ja allerhand Hilfsmittel, um sich vorab zu informieren: Internetrecherche, Google Earth, das Gefühl oder Wissen, dass ein Landstrich gefällt und so fort.
Und trotzdem überraschte, nein, begeisterte mich der Ulmenstein ein ums andere Mal durch die tolle Wegeführung mit viel zu vielen Aussichten. Kein Wunder, dass hier die Liegebank-Dichte exorbitant ist – und keine davon ist verzichtbar!

Extratour Ulmenstein
Fahrt also hin und wandert die »Extratour Ulmenstein«. Wir hatten geplant, diese Extratour entweder am Anreisetag oder zum Abschluss zu wandern, weil sie auf der Strecke von Neuwied nach Fladungen, unserem Urlaubsdomizil, liegt. Eine weise Entscheidung, denn so kommt man entweder schon gut gelaunt im Urlaubsort an oder fährt mit lebhaft-tollen Eindrücken nach Hause.
Mit dem Uhrzeiger wandern ist übrigens die beste Wahl, aber: Wer die »Extratour Ulmenstein« ein zweites oder drittes Mal wandert, sollte die andere Gehrichtung auch ins Auge fassen. Manche Fernsichten präsentieren sich aus der entgegengesetzten Richtung ganz anders. Und zudem lockt der Basaltsee am Ulmenstein für eine ausgiebige letzte Rast im Schatten der Bäume – die übrigen Passagen führen ausnahmslos über schattenlose Offenlandschaft.
Die Wegekarte führt zu Outdooractive mit ausdruckbarer Karte und GPS-Daten. Ein Flyer zur Extratour Ulmenstein kann hier abgerufen werden: Flyer Extratour Ulmenstein

 

 

 

Schlenderer

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... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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