Es gibt so Tage.

Ein Blick aus dem Fenster: trüb, diesig, dunstig, neblig. Der Blick aus einem anderen Fenster sorgt auch nicht für mehr Klarheit. Dafür guckt mich unsere Neu-Katze Nala irritiert an – sie ist meine Flüche noch nicht gewohnt. Aber es hilft nichts, die Sucht ist stärker. Ich bin ja fast schon auf Entzug, die letzten Wochen waren meine Wanderungen rar gesät. Der Entschluss also steht fest: Ich muss hier raus.

Blöd, wenn man noch beim Packen gar nicht weiß, wohin mich die Reise führen soll. Also doch das Wanderbüchlein »Westerwald« (die Besprechung findet sich hier: Lesen! Westerwald mit Siebengebirge, Mittelrhein und Naturpark Nassau) aufgeschlagen und nach einer Tour nicht allzu weit von Neuwied entfernt gesucht. Und zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Das Buch muss ich noch besprechen – und bei den »50 Touren« sollte doch etwas zu finden sein, was nah und nicht zu lang, trotzdem nett und »erbauend« ist.

Das Grauen wartet nicht weit von zu Hause …

Heute reihe ich mich auch in die Schlange der Abkratzer ein. Schon früh morgens hört man das schabende Geräusch hoch bis in unser Schlafzimmer; das Weckkommando arbeitet zu unserem Leidwesen nicht gleichzeitig, sondern nacheinander. Bei deftigem Frost durchgängig von gefühlt 3 Uhr nachts bis zum Aufstehen, vermutlich reichen die den Eisschaber einfach weiter. Zu meiner Basisausstattung gehören heute auch Schal und Handschuhe und Mütze, für die einen bin ich natürlich ein Weichei, für mich selbst der Mann, der sich auch bei Kälte in die Wildnis traut …

Das Büchlein verriet mir, dass ich hoch bis zur Rheinbrohler Lay reisen muss, in Hammerstein führt mich die neu verlegte B 42 geradewegs am Wanderweg vorbei, den ich bald – wenn nichts schiefläuft – begehen werde. Die Rheinbrohler Lay, das hat eine Lay ja so an sich, liegt recht hoch oben, von Rheinbrohl führt ein verschlungenes Sträßchen, bei dem man hinter jeder Kurve ein entgegenspringendes Fahrzeug erwartet, hinauf. Der Parkplatz ist groß genug, um einer Schafsherde ausreichend Auslauf zu gewähren. Jetzt aber ist er verwaist – wer traut sich außer mir auch bei dem Wetter in die Wildnis.

[tip]KurzInfos! 12 Kilometer lang, 572 Höhenmeter – kurz, aber knackig trifft es ganz gut. Die Wanderung startet auf der Rheinbrohler Lay, die man über die B 42 erreicht. In Rheinbrohl befährt man die Hauptstraße, biegt in die Kehrstraße ab (unterquert die B 42), fährt weiter ins Gaulental und erreicht den Parkplatz gleich an der Lay.

Besonders der Anstieg zur Burg Hammerstein (vom gleichnamigen Ort am Rheinufer kommend) bläst die Lungen gut durch. Und weil einige Pfade gerade bei Nässe rutschig sind, lege ich gute Wanderschuhe (mit rutschfestem Profil) nahe. Ansonsten darf ein Fernglas nicht fehlen, um die Aussichten auskosten zu können. Für unterwegs ist Verpflegung immer ratsam, obwohl in Hammerstein beispielsweise im Weingut Zwick und im Weinhaus Emmel eingekehrt werden kann.

Die Wandertour habe ich dem Wanderbuch Anhand der Beschreibung und der Orientierung am “Rheinsteig” und am “Rheinhöhenweg” kann die Wanderung nachgegangen werden. Als Wegekarte kann dienen; Rheinsteig und Rheinhöhenweg sind dort eingezeichnet.

Zudem biete ich – weiter unten – wie meist eine Wegekarte von Outdooractive an. Diese dokumentiert den Weg so, wie ich ihn gegangen bin und beschrieben habe. Über den Klickpunkt “drucken” stehen Optionen zur Auswahl, wie detailliert die PDF sein soll – am besten einfach ausprobieren, herunterladen und dann entscheiden, welche Version man bevorzugt. GPS-Tracks können ebenfalls abgerufen werden. Und die Karte kann mit Hilfe des Reiters über dem Kartenbild in unterschiedlichen Ansichten (beispielsweise bei “Google Earth”) betrachtet werden.[/tip]

Apropos Wetter. Das Neuwieder Becken ist ein richtiges Loch. Ein Nebelloch. Nicht selten ertrinken wir »da unten« im dichten Dunst, doch sobald wir auf die Höhe fahren (sprich: Westerwald), reißt der Nebel auf, und die Sonne scheucht ihn endgültig zum Teufel. Bei einem solchen Wetter fahre ich heute auch los, meine Laune bessert sich aber mit jedem Meter, den ich mich der Lay nähere. Oben dann empfängt mich ein schöner Herbsttag.

Hier pfuscht der Autor: Der Blick auf die Rheinbrohler Lay (weit hinten) eröffnet sich erst später von der Burg Hammerstein aus.

Wanderbücher müssen sich ja vor Ort bewähren. Selten liest man ein Buch so genau wie ein Wanderbuch. Jeder Satz muss ja stimmen. »Von der Rheinbrohler Lay wandern wir auf dem Rheinsteig über das Hochplateau zum Annahof.« Gut gesagt. Die Wegekarte im Buch weist einen Schlenker aus, den ich ohne das Niederreißen von Zäunen nicht nachmachen kann. Und aus dem Alter, dass ich Zäune oder gar Mauern niederreiße, bin ich schon länger raus. Außerdem verläuft der Rheinsteig anders, und dem folge ich jetzt.

Wenn das mal eine gute Idee war. Aber vorher gönne ich mir noch einige Blicke ins Rheintal, flussabwärts aalt sich der Strom im Sonnenlicht, flussaufwärts schwappt nur Nebelsuppe. Suppig wird’s auch beim Abstieg in das kleine Kerbtal, holladiewaldfee, die Sutsche verwandelt meine gut profilierten Schuhe in echt coole Slicks, ein Königreich für Halteseile, aber da ist natürlich nichts, nur ausgelatschte Pfade oder das, was der tage-wochen-monatelange Regen davon übriggelassen hat. Unversaut unten anzukommen, ist pures Glück, doch das Aufatmen ist zeitlich eng begrenzt, denn nach dem Abstieg ist vor dem Aufstieg. Mein Ruf nach Halteseilen verhallt ungehört im Tälchen, meine Flüche muss Nala diesmal aufgrund Nichtanwesenheit nicht hören.

Ums auf den Punkt zu bringen: Schlamm, Matsch, Morast ist beileibe nichts Schlimmes, aber ich habe ebenso beileibe keinen Bock darauf, mich gleich nach geschätzt 100 Metern Wanderung wie eine Sau im Schmatzmatsch zu wälzen und die übrigen 13 Kilometer vollgesaut wie Eber Erich nach der nächtlichen Schlammschlacht durch die Prärie zu ziehen. Die Wege sind derzeit nicht nur hier von der andauernden Nässe übel zugerichtet, gutes Schuhwerk ist vonnöten, wenn man nicht bäuchlings Abkürzungen entdecken will.

Der Experte für Outdoor und Touren_________________________________________________________________________________________________

Oben frage ich mich, weshalb ich eigentlich »vorher« die Schuhe geputzt habe. Was soll’s, Mund abputzen, Schuhe dreckig lassen, weiter geht’s. Rechts der lichte Wald, links die Wiesen und Weiden, und bald komme ich auch zum Zuweg, wie er im Buche beschrieben steht. Das ist natürlich das Manko eines Wanderbuches, das in diesem Fall 2011 erschienen ist: Änderungen finden nur bei einer überarbeiteten Neuausgabe Eingang ins Buch. Was nichts anderes heißt als – immer eine Wanderkarte mitnehmen, um auf Alternativwege zurückgreifen zu können. Bei meiner Wanderung war es einfacher, erst jetzt nämlich wird mir klar, dass diese Rundwanderung den ersten Teil über dem Rheinsteig folgt, danach dann dem Rheinhöhenweg. Die Beschilderung ist bei beiden Fernwanderwegen gut.

Zehnthof

In Serpentinen (weniger glitschig) gelange ich hinab zum Hammersteiner Bach, dort erleichtert mir der asphaltierte Weg das Vorwärtskommen. Ich gehe vorbei an einem Wanderparkplatz am Ortsanfang von Hammerstein (oder am Ende der Dorfstraße, wenn man vom Ort aus hochfährt, was ja die übliche Fahrtrichtung sein dürfte), der sich auch als Ausgangspunkt eignet, passiere den ehemaligen kurtrierischen Zehnthof aus dem 16. Jahrhundert und gelange nach einem kurzen Blick auf die Kirche St. Katharina zum Weingut Scheidgen. Von diesem Winzer lagern noch einige Flaschen Riesling in unserem Keller. Früher wäre mir Wein aus Hammerstein (oder auch Leutesdorf) nicht ins Haus gekommen, aber die Weine von dort haben eine ähnliche Entwicklung wie die Ahrweine durchlaufen und haben qualitativ einen großen Sprung gemacht. Mit dem, was ich vor etlichen Jahren aus der Weinbauregion trinken durfte, haben sie nichts mehr gemein. Durch ein kleines Weinbaugebiet geht es weiter, bevor die nächsten Meter mich an der B 42 entlangführen; wäre ich etwas früher unterwegs, könnte ich jetzt sehen, wie ich mit unserem Wagen gerade auf dem Weg zur Rheinbrohler Lay bin.

Flache Weinberge

Hart am Straßenbaugebiet entlang geht es nun in den Berg – Burgweg nennt sich das Sträßchen, und es hält, was der Name verspricht. Unterwegs, keuchkeuch, bewundere ich die Rittersleut, die früher all die vielen Weinfässer den Berg hinaufgerollt haben. Und die haben ja gesoffen, was das Zeug hält, und mussten viele, sehr viele Fässer hochrollen. Mir genügt der Rucksack als Ballast, der Anstieg ist sehr ordentlich, und das Geläuf schmatzt auch wieder verdächtig unter meinen zugesuppten Sohlen.

Dafür gibt es unterwegs die eine oder auch andere Aussicht, und ich freue mich immer, wie schnell man doch an Höhe gewinnt, alles unter einem klein wird, vielleicht sogar verschwindet. Bald bin ich oben – doch soll es sich später erweisen, dass dies nun erst die halbe Miete ist, die ich zu zahlen habe.

Lustwandern unter Linden …

Unter einer Linde könnte ich jetzt die Beine ausstrecken, zwei Bänke laden geradewegs dazu ein, doch ich habe Besseres vor. Ein kleiner Abstecher bringt mich zur Burg Hammerstein. Den Abstecher darf man auf gar keinen Fall auslassen. Das ist kein Tipp, sondern eine Anweisung!

Die Burganlage ist begehbar, viel erhalten ist aber nach all den Jahrhunderten nicht mehr. Immerhin wurde die Burg im 10. Jahrhundert von den Konradinern erbaut (eine Tafel im Innern der Burg weist sogar auf das 9. Jahrhundert hin), womit sie »wohl« (das »wohl« weist auf »möglich, aber nicht gesichert«) die älteste Burg am Mittelrhein ist. Um den Bergfried herum verhindert ein Eisengeländer den Absturz, weiter oben in der Burg ist eine Aussichtskanzel auf ähnliche Weise gesichert, ansonsten ist es natürlich ratsam, sich weit genug vom steil abfallenden Hang fernzuhalten; an manchen Stellen geht es geradewegs bergab.

Wir müssen draußen bleiben! – Der Bergfried

Die Bank am Bergfried gehört heute mir allein. Der Bergfried selbst ist nicht begehbar, lugt man durch eine der (vergitterten) Öffnungen ins Innere, sieht man den Grund: es fehlen Treppe und Plattform. Schade drum. Aber wundern tut’s mich nicht, die Burg ist sicher seit Jahrhunderten verlassen. Das leuchtet mir auch ein, denn als ich so da sitze und ins Rheintal schaue und die Augen schweifen lassen, wackeln meine Ohren.

Abgründe tun sich auf.

Und jetzt stelle ich mir vor, wie das im Mittelalter gewesen sein muss, dieser höllische Verkehrslärm, der hier gnadenlos hochschallt, dass die Wände wackeln! Und obgleich die Wände deswegen ja ordentlich dick gebaut wurden, nützte es wenig. Der Ritter schlief gern bei offenem Fenster (»Warum rülpset und furzet ihr nicht« ist ja nicht bloß ein geflügeltes Wort, sondern hatte Hand und Fuß, siehe auch die Weinfässer und was sonst noch hochgebracht wurde an Ochsen, halben und ganzen, und Kohl, den duftenden). Zudem gab es die dreifach verglasten Fenster nur bei den reichen Bürgern im Ort »da unten«, während der Ritter und überhaupt der Adel als solcher bereits damals arg verarmt war. Die Ritter also zogen irgendwann von dannen, weil es einfach zu laut geworden war. (Sie vermieteten darauf die Burgen, doch minderten die Mieter den Mietpreis teils um bis zu 70 % wegen des Lärms, weshalb auch die Vermietung baldigst unrentabel wurde. So verfielen dann die Burgen.)

Fenster mit mangelhaftem Lärmschutz.

Von hier oben sehe ich übrigens noch besser, welchem Wetter ich entronnen bin: links der Nebel, recht die Sonne, dazwischen ich. Inzwischen bin ich auch satt, und also geht es weiter.

Da komm ich her, da will ich grad mal gar nicht wieder hin.

Der schmale Pfad an der Burg entlang ist nicht viel weniger glitschig als der zu Beginn meiner Wanderung, rutschfestes Schuhwerk ist am heutigen Tag also auf vielen Schritten nicht nur nützlich, sondern nötig. An der Linde nehme ich den anderen Abzweig (der nach rechts brachte mich zur Burg, ich folge jetzt dem nach links).

Das folgende Wegestück bis zum Forsthof, mal durch noch leicht mit Laub bedecktem Wald, mal an Grünflächen entlang, geht es stetig, wirklich stetig bergan. Hier liegen etliche der knapp 600 Höhenmeter begraben … Oben dann eröffnen sich mir Weitblicke, nach Westen hin müsste versteckt zwischen den Hängen das Rheintal liegen, in die übrigen Himmelsrichtungen (drei sind es) erstreckt sich der Westerwald, am heutigen Tag sanft im Sonnenlicht schimmernd. Hier oben herrscht nicht der Nebel, schlimmstenfalls ein Händchen voll Dunst, vielmehr aber eitel Sonnenschein.

Das ist ja die Höhe: der Westerwald.

Den Streifen habe ich noch in guter Erinnerung. Zwar ist es ein paar Jahre her (und ich war jung und brauchte den Kick), aber dereinst bin ich von Neuwied aus über die Wüstung Rockenfeld hier über die Piste gebrettert. Mit dem Mountainbike natürlich. Wäre nochmal einen Versuch wert, das Stückchen Abhang von der Burg nach Hammerstein runter, das war schon grob. Wenn ihr euch also demnächst den Weg hinaufschleppt und euch ein hektisch »Flieht, ihr Narren!« kreischender Mountainbiker entgegengeflogen kommt – dann bin ich das. Flieht dann bitte wirklich, es ist das Beste für uns alle.

Eines der gut gehbaren Wegstücke.

Den Forsthof lasse ich links liegen, schwenke gleich im Anschluss auch nach links und trete wieder in den Wald ein. Der Rest ist im Grunde reines Auslaufen: Der Wanderweg schlingert durchs Grün, oder vielmehr durch ein Meer von Farben, unter denen Grün noch die geringste Rolle spielt. Selbst im November erwische ich noch einen Hauch von Oktober, golden und zart gelb, rot in allen denk- und träumbaren Tönungen, braun in tausend Färbungen und so fort leuchten die Blätter in der Sonne, die sich durchs dünn gewordene Blätterdach stiehlt.

Ernüchtert vom bald auftauchenden Asphaltweg und den eher kargen Feldern und langsam saftlosen Wiesen beschreite ich das letzte Stück. Seit dem Forsthaus neigt sich der Weg genauso stetig, wie er vorher anstieg, hinab. Am Berghof, am Magdalenenhof und letztlich am Annahof vorbei nähere ich mich wieder der Rheinbrohler Lay; auch diesmal muss ich improvisieren, doch unser Auto vor Augen, kann sogar ich das Ziel ja nicht verfehlen. Ich absolviere aber noch eine Zusatzrunde, indem ich mich der Lay von unterhalb nähere, eine Gedenkstätte besichtige und gleich mehrere, aber letzte Ausblicke ins Rheintal genieße.

Ja, wo laufen sie denn hin?

Bin ich am Ende? Nein, noch lange nicht. Zuerst einmal begegnen mir waschechte Schafe. Selten genug laufen mir die bei meinen Wanderungen über den Weg (die laufen sogar vor mir weg, dabei will ich doch nur spielen!) Außerdem strickt Petra ja nicht »nur«, sondern spinnt auch selbst und färbt die Wolle. Also komme ich mit dem Schäfer ins Gespräch, erwähne das (nein, nicht dass ich seine Schafherde aufgescheucht habe), worauf er meint, das sehe er anders. In Neuwied gäbe es zwei Schäfer. Und er selbst komme ja aus Kadenbach.

»Kadenbach? Dann kenne ich ihre Schafe.« Nicht nur das Internet ist ein kleines Dorf, auch die reale Welt ist klein. Schafe (und Ziegen!) sahen wir im Sommer bereits. Dazu gibt es auch einen Wanderbericht: “Männer, die auf Ziegen starren” – oder: die ‘Wäller Tour Augst”.

Das passiert halt, wenn ein Wanderschäfer unterwegs ist. Und speziell für Petra gibt es ein paar Schaffotos mehr …

Schafe feat. The Wanderschafer weiter hinten im Bild

Zurück natürlich wieder auf der B 42. Parallel vorbei am Wanderweg, den ich noch vor wenigen Stunden gegangen bin. Der Wanderer ist schon eine seltsame Sorte Mensch. Fährt hin, wandert her, fährt später dann nochmal da her, wo er vorher hergewandert ist. Ist ähnlich seltsam wie die Transportbänder im Supermarkt. Da nimmt ein scheinbar vernunftbegabter Mensch alle Waren aus dem Einkaufswagen, legt sie auf ein Band und legt sie zwei Minuten später wieder unverändert in den Einkaufswagen zurück. Ein nicht vom Zivilisationsgerüst geformter Mensch hielte jeden, der das tut, für irre. Und er hätte recht.

Keine Sorge, obwohl mich manchmal so eigenartige Gedanken umtreiben, komme ich gut gelaunt nach Hause. Denn trotz einiger mittelmäßig launiger Passagen (ich erinnere an die Rutschpartien) bietet dieser Wanderweg doch genügend Kurzweil, um ihn noch einmal zu einer etwas trockeneren Zeit zu wandern. Ausblicke gibt es en masse, die Annäherung an die Bundesstraße sollte man mit staubtrockenem Humor nehmen (im Sommer halb einfach das Gesicht in die andere Richtung halten, um nicht vom Straßendreck oder der aus dem Fenster geschnippten Kippe belästigt zu werden), die Anstiege sind ordentlich, aber auf der anderen Seite das Salz in der Suppe.

Abgesehen von den Abweichungen zu Beginn ist die Beschreibung im Wanderbuch im Übrigen exakt; obwohl ich mich an den Wegeschildern orientieren konnte, wäre ich auch ohne diese sicher ans Ziel gelangt. Und das ist wichtig bei einer Wegebeschreibung.

Es muss nicht immer der Blick ins Rheintal sein, der Westerwald sieht auch “ganz nett” aus.

Daheim habe ich im Internet gestöbert und zwei weitere Berichte zu diesem Wanderweg entdeckt. Elke berichtet auf ihrem Blog Fotografische Reisen und Wanderungen, Mungo auf seinem Blog Unterwegs mit Hunden. Mungo empfiehlt, die Wanderung mit dem Uhrzeiger zu gehen, ich empfinde die andere Variante als gut (schon weil ich den Anstieg von Hammerstein hinauf mag). Womöglich fällt dieser Weg unter die Kategorie: egal, wie herum, der Weg hat immer was. Also am besten selbst ausprobieren, wie’s am besten passt.

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
Schlenderer

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13 Responses

  1. Mungo

    Hi Georg.

    Komme endlich dazu, auch einen Kommentar zu hinterlassen.
    Wie immer “gnadenlos” gut geschrieben und beschrieben.
    Lese Deine Berichte “wahnsinnig” gerne.

    Bis bald:

    Mungo

    Antworten
    • Georg

      Die Fotos sind “frisch” vom Dienstag dieser Woche. :-) Durch das bunte Laub war die Wanderung ja besonders, ich hatte einfach Glück: kein Regen, sondern weitgehend Sonne, und das zwar wenige, aber dafür umso buntere Laub an den Ästen. Die schlammige Wege nehme ich dafür gern in Kauf.

      Antworten
  2. Ulrike

    Hallo Georg,

    ich habe noch nie so grandiose Wanderbeschreibungen gelesen wie deine, der Leser denkt, er wäre dabei gewesen.
    Du hast das so toll geschrieben, ich habe den Artikel beim essen gelesen und musste aufpassen, das ich mich vor Lachen nicht verschlucke.

    Tolle Tour und mal wieder super Aufnahmen einfach nur WOW :-) Da möchte jeder sofort die Wanderstiefel schnüren und losgehen.
    Mutter Natur ist echt der spannendste Spielplatz.

    Liebe Grüße

    Ulrike

    Antworten
    • Georg

      Vielen Dank, Ulrike! Aber es war schon gut, dass ich alleine unterwegs war, irgendjemand hätte sich garantiert der Länge nach hingelegt. :-)

      Antworten
  3. Angelika

    Hallo Georg
    ein herrlicher Bericht bei dem man sich wieder überlegen muss wo man ihn liest weil man ständig am Schmunzeln ist und am liebsten laut lachen möchte :-)
    Vielen Dank fürs Teilhabenlassen der Runde man kann sie wirklich miterleben.
    Tolle Herbstbilder die Du da gemacht hast – klasse
    Liebe Grüße Angelika

    Antworten
  4. Elke

    Lieber Georg,
    schade, dass du weder Schuhwerk noch Hosen dem interessierten Leser opräsentierst :D

    Ein wenig Schadenfreude steckt doch in jedem.
    Ich durfte diesen Weg bei frostigen Temperaturen gehen und habe mir damit Rutschpartien erspart.

    Dein Bericht ist wie immer, super geschrieben und bebildert.

    VG Elke

    Ach ja, danke dir für den Verweis auf meine Seite :-)

    Antworten
    • Georg

      Ich musste in die Waschstraße. Ohne Auto. :-) Und auf Deinen Blog verweise ich natürlich sehr gerne.

      Antworten
  5. pierre

    Hallo Georg,

    ich finde deinen Artikel grandios geschrieben und habe bei vielen Passagen geschmunzelt und gelacht. Der Artikel ist frisch und lebendig geschrieben und gepaart mit einer Prise Selbstironie. Einfach großartig!

    Viele Grüße
    Pierre

    Antworten

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