»Saugst du noch, oder nuckelst du schon?« Menschen im fortgeschrittenen Alter (weshalb eigentlich »fortgeschritten«, noch sind wir doch da) stehen ja im Ruf, sich langsam auf das letzte Alter, das echte Alter vorzubereiten. Beispielsweise auf die Schnabeltasse. Während der jüngere Mensch also das Nuckeln an einer Trinkflasche als systembedingt ansieht, scheut der Ältere womöglich davor zurück.

Zu den Womöglichen zähle ich. Womöglich sieht das doch ziemlich bekloppt aus, wenn ich an so einer knautschigen Gumminülle lutsche und mir häppchenweise Flüssigkeit zuführn. Fehlt nur der Rollator und die (natürlich, ich bin ja ein Chauvi) knackige Pflegekraft, und schon ist das Rundum-Sorglos-Paket des klapprigen älteren Menschen perfekt.

Mal abgesehen davon, dass mir meine Ehefrau bei der knackigen Pflegekraft ordentlich eine auf die Finger geben würde – ich bin nicht so wie die anderen Älteren, ich geniere mich nicht, an einer Nuckelflasche zu schlabbern.

Gut, es kostete mich eine gewisse Überwindungszeit. Erst nuckelte ich im stillen Kämmerlein, später dann allein im Wald, ehe der Übermut siegte und ich in aller Öffentlichkeit nuckelte.

Und ich muss sagen: Mensch, das Nuckeln tut gut!

Klar, werden jetzt einige nicken, das Alter, der freundet sich mit seiner bald einsetzenden Nuckelphase an. Aber ganz so ist es doch nicht. Und um mit dem alten Slogan eines alten Freundes zu sprechen: »Jetzt aber mal ernsthaft!«

Die Bergfreunde sind nett, sie schicken mir immer das zu, was ich gern haben mag. Diesmal war ein Trinksystem dran. Ich wollte nuckeln, jetzt, man kann damit ja nie früh genug anfangen, und sollte es dereinst zum Ernstfall kommen, bin ich schon einmal bestens vorbereitet.

Aus den Händen des Postboten habe ich dann das Päckchen mit dem Platypus™ Big Zip SL gefischt. Das Set besteht zum einen aus einer Trinkblase. Vom Big Zip SL gibt es drei Größen: 1,8 Liter, 2 Liter und 3 Liter. Ich bestellte die kleinste Größe, weil ich die Trinkblase auf Tageswanderungen und Fahrradtouren mitnehmen wollte. Meine beiden dafür geeigneten Rucksäcke verfügen über jeweils ein Trinksystemfach, das beim Bikerucksack aber eher klein ausfällt.

Zum Nuckeln steht ein ausreichend langer Gummischlauch zur Verfügung. Beim Big Zip SL ist er mit einem Beißsystem aus Silikon ausgestattet. Der Trinkschlauch wird einfach auf den Anschluss im unteren Teil geflanscht; der Schnellverschluss sitzt fest und hält dich, wie sich bei der späteren Anwendung (sprich: beim Wandern und Fahrrad fahren, also auch bei heftigem Auf und Ab.)

Den Trinkschlauch befülle ich durch eine große Öffnung oben. Die ist so groß, dass ich ihn nach der Benutzung recht mühelos auswaschen kann. Die Öffnung wird mit einem SlideLock verschlossen. Dazu wird der Schieber einfach über die Öffnung gezogen. Probehalber habe ich den Trinkschlauch kopfüber gehalten und ordentlich bewegt und geknautscht, und auch hier gilt: Das ist dicht. Der Schieber dient dann gleichzeitig noch als Tragegriff. Besonders angenehm ist der, wenn ich den Trinkschlauch wieder aus dem Fach im Rucksack herausziehen will. Reingreifen – rausziehen.

Das Trinksystem im schmalen Bikerucksack

Die Frage nach der Haltbarkeit muss ich hinten anstellen; erst nach einigen Monaten Benutzung wird sich herausstellen, ob der Trinkschlauch aus Kunststoff eine längere Beanspruchung durchsteht oder auch einmal einer stärkeren Belastung standhält. Wie es mit der Haltbarkeit aussieht, sollte der Trinkschlauch beispielsweise geknickt werden, weiß ich (noch) nicht. Man möge es mir nachsehen, doch ich bin nicht Mitarbeiter einer »Stiftung«, die im Interesse des Verbrauchers Produkte über den Jordan schickt. Ich will noch länger am Trinkschlauch saugen … Sollte der aber seinen Geist frühzeitig aufgeben, werde ich den Praxistest entsprechend ergänzen.

Auf die Tastphase folgt die Trinkphase. Also Befüllen. Mit Wasser. Im Sinne einer Langzeitbenutzung verzichte ich auf fruchtige Säfte. Weshalb? Kunststoff misstraue ich. Bekomme ich den wieder so gereinigt, dass keine Rückstände anhaften bleiben? Wie schaut es mit dem Schlauch aus, wenn ich klebriges Zeugs durchschleuse?

Da kann ich gut eine andere Frage zwischenschieben: Wie reinige ich Trinkblase und – noch wichtiger – Trinkschlauch. Der Umkarton hält sich da bedeckt, kein Wort also dazu, wie ich das Ganze ordentlich säubere. Ich muss wirklich die Website von Platypus durchforsten, um ganz am Rande – unter FAQs (dem Link dorthin folgen, dann dort unter »How do I clean my Platypus bottle or reservoir?« und folgende Fragen nachlesen) – eine Antwort zu erhalten. Das ist nicht gut, das geht besser.

Jedenfalls beruhigt mich das für den Schlauch nicht so richtig. Auf Dauer empfehle ich also mir und anderen ein »Platypus Reiningungskit«, um wie ein Schornsteinfeger in klein den Schlauch kräftig durchzuschrubben.

Für mich aber gilt: Lieber keinen Saft einfüllen, der Rückstände eher hinterlässt als eben Wasser.

Das Trinksystem im größeren Wanderrucksack

Den vollgefüllten Trinksack verstaue ich also im Rucksack. Der Wanderrucksack zeigt sich ausreichend groß für die 1,8 Liter, beim Bikerucksack muss ich etwas fester drücken, bevor er sich in das schmalere Fach schieben lässt. Aber es geht. Den Schlauch führe ich durch die vorgesehene schmale Öffnung aus dem Rucksack heraus. Mit einem Clip kann ich den Schlauch dann befestigen; als praktikabel erweisen sich bei meinen Rucksäcken die Gurte – am besten selbst schauen, wo’s für einen selbst am Griffigsten ist. Beim Bikerucksack zum Beispiel habe ich ihn möglichst weit oben befestigt, um ihn in der Bewegung auf kurzem Weg zum Mund führen zu können; beim Wandern ist das eher zweitrangig, da erscheint mir eine bequeme Position (also dort, wo er nicht stört) wichtiger. Doch wie geschrieben: Jeder wird seine eigene Vorliebe entwickeln.

Und los geht es.

Meine gemachten Erfahrungen sind ähnlich, egal ob ich gewandert oder geradelt bin. Auf einen Nenner gebracht: Durch Platypus wurde ich zum Trinker.

Das Schließventil ist der einige Haken. Beim Wandern stellt das keine Schwierigkeit dar, beim Radfahren arbeite ich mit den Zähnen. Das Ventil muss nämlich um 90 Grad gedreht werden, erst dann ist der Durchfluss frei. Und dann heißt es: Saugen, was das Zeug hält. Das Beißventil klemmt dabei sicher zwischen den Zähnen, während ich die Flüssigkeit durch den Schlauch heranbefördere. Sicher, kräftiges Saugen ist nötig, bevor die Tropfen fließen, doch nach einiger Übung hatte ich die Sache im Griff. Der Saft fließt …

Das Angenehme dabei ist: Ich muss nicht mehr den Wanderrucksack absetzen, um meine Trinkflasche zu erreichen; die steckt nämlich im Seitenfach (und fasst zudem deutlich weniger als 1,8 Liter). Bei mir hat dies den Effekt, dass ich in schöner Regelmäßigkeit trinke – also nicht nur gefühlt, sondern wirklich viel häufiger als mit Trinkflasche. Gerade die Wanderungen bei warmer Wetterlage ging ich gern einmal unterwässert, sprich: Ich trinke dann eher zu wenig, als zu viel. Das passiert mit dem Trinksystem nicht.

Noch etwas war gut: Ein paar Eiswürfel hineingeworfen, und das Getränk bleibt auch bei hohen Temperaturen längere Zeit kühl. Die Trinkflasche in der Seitentasche neigt da eher zum Warmlaufen, ein Sauger wie ich darf da auf ein gut gekühltes Getränk zurückgreifen (nennt es übervorsichtig oder nicht, aber bei den Eiswürfeln achte ich darauf, dass sie nicht über scharfe Kanten verfügen – sprach ich bereits von meinem Misstrauen gegenüber Kunststoff?)

Das »längere Zeit kühl« gilt natürlich auch für die Trinkflaschen beim Radfahren. Bei mir verwandelt sich die wohltemperierte Köstlichkeit in den Flaschen, sicher am Rahmen befestigt, nach einer Stunde oder so in eine schmierige Brühe. Im Trinkschlauch bleibt sie länger frisch.

Geschmacklich kann ich auch nichts Schlechtes zum Trinksystem sagen. »Kunststoffgeschmack« oder andere Geschmacksrichtungen, die nicht zu »Trinkwasser« gehören, habe ich nicht feststellen können.

Nach dem Wandern/Biken steht die Reinigung an. Dank der ausreichend großen Öffnung gelingt das gut, einzig das Trocknen des Innenteils ist nicht ganz einfach. Da habe ich bessere Lösungen gesehen. Es fehlt mir eine Lasche zum Aufhängen, es fehlt mir eine Hilfe, um die Öffnung zum Trocknen offenzuhalten.

Zum Trocknen sollte es besser anders herum aufgehängt werden

Ansonsten aber hat mich der »Big Zip SL« von Platypus überzeugt – ich nehme ihn gern mit zur Wanderung oder zum Rad fahren. Immer öfter, wenn auch nicht immer. Warum nicht immer? Weil ich auch kürzere Wanderungen mache, für die mir der Aufwand (sprich: später säubern und trocknen) zu groß ist. Bei einer längeren Wanderung, vielleicht sogar noch bei heißer Witterung, gehört er seit dem ersten »Probetragen« zu meiner Standardausstattung. Wer das Gefühl hat, unterwegs zu wenig zu trinken, oder wer das Hantieren mit Trinkflasche und/oder größerer Flasche im Rucksack leid ist, sollte sich das Trinksystem einmal genauer ansehen. Mir sagt es zu.

Aber ich gehöre ja zu den Womöglichen, die alles probieren wollen. Womöglich gibt’s ja noch mehr von meiner Sorte. Wäre also schön, bliebe ich nicht der einzige Nuckler im Wald.[tip]

+ Befüllen
+ geschmacks- und geruchsneutral
+ Handhabung
+ Tragegriff
+ Reinigung der Trinkblase
o  zusätzliche Ausrüstung (Bürste) zur Reinigung
o fehlende Vorrichtung zum Aufhängen (trocknen)
– fehlende Anleitung fürs Reinigen (nur auf der Website)[/tip]

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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