Uss de lameng. Hitze draußen, Hitze drinnen. Hitze auch beim Wandern. Und beim Schreiben. Deshalb haue ich diese kleine Erzählung von meiner gestrigen Wanderung auf dem feinen, aber kleinen Wanderweg N1 im Wiedtal Freischnauze in die Maschine, hoffend, dass die Finger nicht aneinander kleben vom Schweiß. Mehr will sicher niemand wissen. Jedenfalls war’s gestern nicht viel minderer heiß denn heute, weshalb ich recht zeitig raus ins Wiedtal fuhr. Nun sind’s bis Niederbreitbach, Start- und Zieldorf des genannten Wanderwegs, kaum mehr als 15 Kilometer, und trotzdem stand die Sonne schon so hoch im Zenit, dass mir beim Wanderschuhe schnüren der Schweiß aus allen Poren lief. Und ich habe viele Poren! Vermutlich will aber auch darüber wieder niemand mehr wissen.

Wiedblick mit Rosen

N1 ist einer aus einer kleinen, aber einen Auswahl an örtlichen Wanderwegen im Wiedtal, die mit neckischen Namen wie W1, H2 oder eben N1 durchdekliniert werden. Das System ist einfach: H beispielsweise für Hausen, W für Waldbreitbach. Und richtig, N für Niederbreitbach. Gelb auf Schwarz sind die Wegeschildchen, und überall – bis auf eine Ausnahme, dazu später ein paar warme Worte – hängt dieses auf dem Rundweg an Bäumen, Häusern, Pfählen und so fort.

Fort zieht es mich dann endlich auch. Ich wähle den Rechtsverkehr, sprich: Falsch herum, also gegen den Uhrzeiger, tapere ich los. Gucke aber noch rasch von der Wiedbrücke hinab ins kühle Nass, um dann umso eiliger vorbei am Sportplatz zu hasten. Von dem gibt’s ein Bildchen, denn weiland – es ist echt schon Jahrzehnte her – schlug auch ich einmal den Ball in Weiten, die noch nie ein Mensch und so fort … In der Region habe ich mit meinen Sportkameraden sowieso so etliche Sportplätze abgegrast, aber erinnert sich noch an den ASC Neuwied oder den FC Torney.

 

Ich erinnere mich jedenfalls, auch damals im Hochsommer, da die Turniere besonders beliebt waren, geschwitzt zu haben wie ein Schwein. Noch ist es auszuhalten, besonders hier so nahe bei der Wied. N1 verläuft auf gleichem Wege wie der Wiedweg, wir laufen also Hand in Hand, hangeln uns ein Felshügelchen hinauf, mal auf schmalem Pfad, bald wieder auf breiterem Weg, bis wir die L255 erreichen, dort die Wied überqueren und dann auf der anderen Straßenseite unters schattige Laubdach schlüpfen.

Der gut ausgebaute Weg schleift an der Wied entlang, passiert dann zusammen mit mir den Campingplatz Bürder, den ich zwischen den dicht belaubten Bäumen auf der anderen Wiedseite ausmache. Zeitweilig erhöht sich die Begegnungsfrequenz, und alle Menschen und ihre tierischen Begleiter sind sonnenfroh und gut gelaunt. Dann hangelt sich der Weg hinauf, schmaler geht’s weiter, ruppiger der Buschbewuchs, junge Buchen säumen meinen Pfad, nicht der erste Schweiß fließt. Oben dann, beim Funkmast, öffnet sich der Blick, wie unsereins so schreibt, eine noch grüne Wiese breitet sich weit aus.

Mein Blick gilt kurz dem Firmanent. Ja, sie steht dort und wartet auf mich, dass ich mich traue. Die Sonne. Und der Wanderer. Er geht. Er schwitzt. Er denkt an Trinken.

Nur nicht übertreiben. Die grasgrüne Passage ist rasch geschafft, und Blätter spenden bald wieder Schatten. Der Wanderweg schlendert hoch über dem Tal des Dombachs, bis sich der Blick wieder öffnet und Wolfenacker vor meine Augen tritt.

Spaziergänger mit spazierenden Hunden grüßen freundlich, das kleine Dorf passiere ich auch durch den Panoramaweg, der schon ein deutlicher Hinweis darauf ist, dass von hier oben der Blick … also, sich nicht öffnet, aber weit schweift. Ins Wiedtal und darüber hinweg. Wenn die Sonne nicht wäre, würde ich hier weilen und gucken. So aber husche ich über die Sonnenstraße (ach!) hinauf, ein leichter Anstieg steht an, der mich auch auf schmeichelnden Wiesenwegen hinauf zum Hegerhof trägt.

Dort halte ich mich links und erreiche nach rund 200 Meter nach den letzten Häusern eine T-Kreuzung. Hier und auf dem folgenden Wegstück schwächelte die Beschilderung – generell könnte es aber auch sein, dass meine Augen schwächelten, weil flirrende Hitzebilder vor denselben flimmerten. Jedenfalls ist es generell gut, zumindest eine Wegekarte auszudrucken und/oder die GPS-Daten ins moderne Gerät eingespeist zu haben.

Wegweiser mit Klosterweg

Das bestätigt sich bald darauf, als die Anhöhe erreicht ist. Ich halte mich auf dem Hauptweg, erreiche eine Rastbank mit herrlichem Eifelblick und orientiere mich mal so eben auf der Wegekarte. Derzufolge hätte ich mich kurz zuvor (es mögen 50 Meter sein) links in den Wald schlagen müssen. Das GPS-Gerät belegt dies auch. Ich gehe trotzdem auf dem Hauptweg weiter, entdecke auch ein N1-Wegeschild und einen Parkplatz. Trotzdem gehe ich zurück, nehme den Weg laut Wegekarte und GPS und balanciere über einen schönen schmalen Waldpfad, der zwar noch erkennbar, aber erkennbar selten benutzt wird. Am Ende stößt er auf N1. Von dort tapere ich mal schnell zum Parkplatz. Die Auflösung ist: Der ausgeschilderte N1 führt über einen nicht ansehnlichen Parkplatz, der am jenseitigen Ende nach links über einen Waldweg wieder verlassen wird. Wegekarte und GPX-Track verweisen auf die vermutlich ältere, für mich aber schönere Wegführung, die dann aber wiederum die genannte Rastbank mit dem formidablen Blick auslässt. Wie man’s macht, ist’s falsch – aber wie es hier der Wanderer macht, überlasse ich dem Wanderer selbst.

Eifelblick

So oder so bleibt’s waldig, der gut ausgewalzte Waldweg bringt mich zügig weiter, bis ich mit dem Klosterweg, der sich mir frontal nähert, zusammenstoße. Hier nun verspricht mir mein N1 Pfadigkeit, doch halt! Ein Einschub. Denn folge ich auf dem genannten Waldweg (und also dem entgegenkommenden Klosterweg) rund 200 Meter, gehe mit einer Rechtskurve, so sehe ich einen urigen Rastplatz mit Tisch und Bank, den ich heute mal wieder besetze. Wer weiß denn auch, wie lange die Bankd sich noch im Hang hält, denn dereinst stand sie quer – mehr oder weniger so weit quer, dass ihr rechts Seitenteil nun ein wenig frei über dem Abhang schweben täte. Egal, ich gucke mit nicht ganz freiem Blick zur Neuerburg, die eh nicht besucht werden kann, und vertilge im schattig-lauschigen Plätzchen meinen Pausensalat. Und fülle Wasser nach bis Oberkante Unterlippe. Wer weiß, was noch kommt …

Gut, ich weiß es zwar, aber trinken schadet nicht. Gut getränkt also nehme ich den vorhin erwähnten Pfad, halte mich an einem Abzweig rechts (ein kleines Schildchen weist darauf hin) und stehe bald vor den Mauern der Neuerburg. Gucke hoch zum Bergfried und schluffe weiter. Zu wie immer ist die Burg, und Schilder weisen überhaupt darauf hin, dass dies privat ist und Betreten und so fort. Ob das in wilderen Zeiten den Schwarzen Ritter abgehalten hätte? Heutzutage sind die Burgherren offenbar aus einem anderen, weit weicheren Holz geschnitzt und bitten, früher war die Axt geflogen.

Glücklich über diese unsere besseren Zeiten treffe ich bald wieder auf N1, der mich über geteerten Weg weiter hinabträgt. Am Bächlein Burgseifen verabschiede ich mich für kurze Zeit vom Klosterweg, der über einen kleinen Steg den Burgseifen quert und dann im Hang abtaucht. (Wer hier dem Klosterweg folgt, erwischt den in meinen Augen weitaus schöneren Weg hinunter ins Fockenbachtal zur Mutter-Rosa-Kapelle. Also ruhig dem Klosterweg folgen, denn beim Steg – siehe gleich – treffen N1 und Klosterweg wieder aufeinander.)

So oder so taucht der Wanderweg nun in ein uriges Stück Westerwald ab, wippt mit mir gemeinsam den Berg hinauf und sieht wieder Sonnenlicht, sobald wir den Ackerhof erblicken. Freie Flächen breiten sich aus, der Blick schwingt über das Wiedtal und hinan zum Malberg. Und mit trockener Stimme krächze ich »More Rain, More Rain«, während ich über staubtrockene Wege torkele und dem nächsten Waldstück zustrebe. Das ist bald erreicht, der Klosterweg winkt mir noch zu, als er nach rechts und ich nach links drifte.

Dichtes Blätterwerk wirbelt nun um mich, und ein letztes Mal darf ich wählen. N1 nämlich strebt an einer Wegegabelung nach rechts. Wer dieser Fährte folgt, kann auf einem Pfad über den Clausberg wandern und rechter Hand am Waldrand schöne Aussichten über Hausen einsammeln (wozu er aber vom Wege abweichen muss.) Wer aber mit N2 und N2 den linken Pfad nimmt, gelangt nach kurzem Wegstück zu einer Rasthütte mit galanter Aussicht über Niederbreitbach. Ich bevorzuge diese Variante.

N1 und weitere Wege winden sich dann den Clausberg hinab, garniert von offenen Blicken ins Wiedtal und mit zahlreichen Rastmöglichkeiten, die ein Weiterkommen unverschämt behindern. Unten dann passiere ich die Sankt Laurentius-Kapelle, gehe ein nur kurzes Stück Jakobus-Wirth-Straße entlang und erreiche über die Weihergasse die Wiedbrücke und gleich darauf meinen Zielpunkt, den Campingplatz Neuerburg mit dem Parkplatz.

Nass wie ein Hering schlüpfen ich ins Auto. 13 Kilometer auf dem N1 liegen hinter mir. Der N1 ist kein Prädikatsweg und keine Premiumschleife, kein Traumwipfelpfad und keine Extrasonderbonustour. N1 ist ein mit Asphalt und Gras, Schotter und Erdkrumen getünchter Weg, der mal zu nah an Autos entlangschleift, um dann durch stille Täler zu bezaubern. Burg und Bäche beleben das Bild, Wiesen und Weiden liegen links und rechts und unterstreichen die feinen Aussichten ins Wiedtal und darüber hinaus. Mich hat er auf dem richtigen Fuß erwischt, ich wollte genau diese Kombination, und die Hitze war heute auch noch gerade so auszuhalten, weil doch ein großer Teil durch Schattenwald stromert. Wer partour nur auf schmale Pfade abfährt, soll meinethalben andernorts sein Glück finden – ich fahre mit Wanderwegen wie N1 bestens. Und werde morgen wieder im Wiedtal wandern. N2 gibbet ja auch noch. Oder H2. Und wie sie alle heißen …

 

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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