Der Rucksack

Wandern ist eine vergleichsweise günstige Freizeitbeschäftigung. Natürlich geht es noch günstiger: Beine hochlegen kostet rein gar nichts, obwohl … naja, es geht wohl dauerhaft auf Kosten der Gesundheit. Gesundheit ist aber ein gutes Stichwort. Für die Gesundheit tue ich ab und an etwas, Sport treiben zähle ich dazu. Das Fußball spielen war keine teure Sache, einmal im Jahr neue Fußballschuhe, dazu der Mitgliedsbeitrag; das Trikot stellt der Verein. Die Kosten hielten sich im Rahmen. Mitgliedsbeitrag möchte jetzt, da ich nicht mehr aktiv im Verein Fußball spiele, auch das Fitnesscenter. Tja, und das haut richtig ins Kontor. Das kostet richtig Geld. Womit ich beim Wandern und beim vergleichsweise günstig bin.

Da heißt es: Wanderschuhe kaufen und loswandern. Wanderschuhe sollten zwar nicht billig sein (die Füße werden die Knauserigkeit übel nehmen), halten aber auch einige Kilometer aus. Mehr braucht es im Grunde nicht. Ähnlich wie beim Joggen, steht und fällt alles mit dem guten Schuhwerk, alles andere Drumherum ist eher zweitrangig. Natürlich, mittlerweile gibt es für alles funktionelle „Sachen“, Unterwäsche, Oberhemden, Strümpfe (mit Stütz- und Massagefunktion und feingehäkelt und grobgestrickt und was weiß ich), aber mal ehrlich: Es ginge auch ohne. Ging früher doch auch.

Der Rucksack freut sich auf die Testwanderungen – noch hat er gut lachen, noch sitzt er bequem im Garten.

Zu den Dingen, auf die ich heutzutage aber bei keiner Wanderung verzichte, gehört der Rucksack. In frühen Jahren (ich spreche von den 80ern) tat ich mich mit Rucksäcken schwer. Es gab eine Zeit, da trug auch ich die Last der Vaterlands auf dem Rücken – das … wie nenne ich es nur … Lasttragegerät war unter aller Sau. Käufliche Rucksäcke waren nicht viel besser – da verzichtete ich gern darauf, so etwas zu beladen und dann auf meinen Rücken zu packen.

Seit einigen Jahren hat sich in diesem Segment aber viel getan. Die Rucksäcke sind durchgestylt – und das im positiven Sinn. Sie werden gemessen, gewogen und von den Herstellern für gut befunden – und gehen dann unters Wandervolk. Ich muss sagen: Meinen Deuter-Rucksack, den ich nun seit ein paar Jahren auf den Rücken hieve, spüre ich nicht. Klar, bei Tageswanderungen bemisst sich die Last, die auf den Schultern ruht, nach wenigen Kilogramm. Aber ein schlecht sitzender, ein schlecht gebauter Rucksack würde auch mit geringer Last auf die Dauer zur Qual. Ich möchte eine der Marken, die sich preislich nach unten orientieren und für jeden erschwinglich sein sollen, nicht beim Namen nennen, obgleich mein malträtierter Rücken da sehr nachtragend ist..

Aber: Der damals als Ersatz gekaufte Deuter-Rucksack ist ein Damen-Modell. Huch! Frag mich keiner nach dem Grund, warum wir den kauften; wohl nach dem Gedanken: Erst einen, den wir beide tragen können, dann kaufen wir bald einen echten Männer-Rucksack. Jedenfalls kam es nicht zum Zweit-Rucksack, es blieb beim Deuter, was auch kein Problem war, denn er saß wie eine Eins auf dem Rücken.

Gewöhnlicher Schlenderer mit einem neuen Rucksack, der farblich zum T-Shirt passt und alles fasst, was unterwegs gebraucht wird. Oder auch nicht.

Nur fehlte der besagte Zweit-Rucksack. Braucht man zwei? Der gemeine Wanderer wahrscheinlich nicht (erst recht nicht, wenn er alleine unterwegs ist …) Wir schon. Wenn wir beispielsweise besonders viel Hunger mit auf die Wanderung nehmen. Wenn ich ein Fernglas einpacke, mehrere Objektive, viele Behältnisse mit Wasser. Und das eine oder andere, um unsere Dekadenz für alle Augen sichtbar zu machen. Sitzunterlagen! Windjacke! Regenjacke! Also alles, was den Rucksack füllt und dick und schwer macht. Und den Ruf zu einem zweiten Rucksack laut werden lässt.

Die Bergfreunde erhörten meinen Ruf, ohne dass ich rufen musste. So sind echte Freunde halt. Sie schickten mir (ja, mir, denn es ist ein echter Männer-Rucksack) einen Rucksack von Lowe, den Lowe Alpine Airzone Trek 27. Bevor sie ihn zuschickten, durfte ich die Farbe aussuchen. Blau, rot oder schwarz. Was für eine Frage! Die einzig echte Männerfarbe ist natürlich nicht blau und erst recht nicht rot, sondern l logisch! – schwarz.

Der schwarze Lowe-Rucksack flog also ein, und wir brachen auf. Passend standen einige Tage im Pfälzer Wald an, die wir wandernd verbrachten. Und danach  musste der Lowe Alpine noch Testwanderungen im Hunsrück, in der Eifel und im Westerwald bestehen, damit er beweisen konnte, wie hart ein echter Männer-Rucksack im Nehmen ist. Die Frage war: Stünde er wie der Träger seinen Mann, oder ginge ihm die Luft allzu früh aus?

Befestigung für die Wanderstöcke. Ich bin ja geschädigt von der Farbenexplosion in den 70er-Jahren; ich sag nur: Prilblümchen. Aber dieses Orange steht sogar mir.

Zuerst einmal aber interessierte mich die technische Ausstattung. Ein Rucksack muss gut sitzen, alles Notwendige aufnehmen und gut zugänglich sein. Alles andere ist dann Beiwerk – aber gerade dieses Beiwerk macht dann den Unterschied.

Zuerst einmal: Eine Regenhülle ist vorhanden. Das ist mir wichtig, weil ich das Kameraequipment lieber trocken als nass nach Hause bringe. Uns erwischte bei den Wanderungen zwar nur ein mäßig-dichter Regen, dem die Regenhülle ohne Schwierigkeiten standhielt. Für eine Wanderung im richtig dicken Männer-Regen muss ich, so wie es dieser Tage aussieht, noch einige Zeit warten. Mein Eindruck aber ist: Die wird dichthalten.

Der Rucksack bietet an den Außenseiten zahlreiche Ösen, an denen zum Beispiel eine Isomatte befestigt werden kann. Meine Bedürfnisse überschreitet das derzeit, aber was da ist, werde ich eines Tages nicht vermissen. Sehr gut ist die Halterung für die Wanderstöcke. Oben werden die Stöcke festgezurrt, unten werden sie entweder auf ähnliche Weise befestigt oder mit den Spitzen in Ringe aus Kunststoff gesteckt; da rutscht dann nichts.

Aber zurück zur Vorderseite. Zwischen den Ösen findet sich eine geräumige Mesh-Tasche, in die ich abwechselnd meine Windjacke oder Wanderkarten gesteckt habe. Beides zusammen funktioniert auch, für mehr ist sie natürlich nicht gedacht, aber der schnelle Zugriff kommt mir sehr entgegen; ich öffne nicht gern bei jeder Gelegenheit den kompletten Rucksack, um im Innenraum herumzuwühlen.

Zwei weitere Meshtaschen sind an den beiden Seiten angebracht; ideal für eine Trinkflasche oder kleinere Dinge, die ich schnell zur Hand haben will. Sie sind mit Kompressionsriemen ausgestattet, sodass ich den Inhalt festzurren und gegen das Herausfallen sichern kann. Klappte alles bestens, bisher ging mir nichts verloren.

Sitzt, passt und hat nicht nur Luft, sondern sogar Platz für Wasser.

27 Liter fasst der Rucksack – muss der da noch ein separates Bodenfach haben? Muss er nicht, aber mir gefällt’s. Das Bodenfach verfügt über einen Reißverschluss, den ich bei Bedarf öffnen kann; der Rucksack wird somit zu einem großen Fach. Geschlossen habe ich aber ein leicht zugängliches Fach, das ich mit weiteren Utensilien befüllen kann. Die Webseite spricht zwar davon, dort hinein eine Rucksack stecken zu können – ich schaue skeptisch. Mir dient das Fach fürs Verstauen der Regenjacke, die ich ansonsten unten in den Rucksack packen und beim überraschenden Regen erst herausklauben müsste. So ziehe ich den Reißverschluss auf, entnehme die Regenjacke und habe ich in Sekundenschnelle angezogen, ohne vorher meinen Rucksack entleeren zu müssen. Jetzt im Sommer stopfe ich unsere Sonnenhüte hinein; jeder wird den Zweck entdecken, für den er das Bodenfach benutzen kann.

Das Bodenfach (noch leer).

Jetzt ist es aber gut mit besonderen Staumöglichkeiten. Nein, ist es nicht. Aufgesetzt auf den Schulterträger findet sich noch eine kleine, mit einem Reißverschluss gesicherte Tasche, die für ein Handy oder Ähnliches gedacht ist. Passt rein, darf aber nicht zu groß sein. Am Hüftgurt geht es ähnlich weiter, nur ist diese Tasche größer. Ich nutze beide Taschen, wenn auch nicht unbedingt mit den Optionen, die der Hersteller vorsieht. Aber Kleinteile zum Verstauen, die ich schnell bei der Hand haben möchte, gibt es immer.

Die kleine verschließbare Tasche am Hüftgurt für alles, was klein ist und weggeschlossen werden soll.

Die angenehm gepolsterten Gurte lassen sich passgenau einstellen, der Hüftgurt ist schön breit und liegt bei meiner Körpergröße (1,80 Meter) sehr gut an, der Brustgurt sitzt perfekt. Die Schultergurte sind etwas schmaler als beispielsweise beim Deuter – ist das gut? Tja, das muss man halt selbst austesten. Ich bin sehr zufrieden damit, weil ich neben dem Rucksack noch einen Kameragurt von Sun-Sniper trage. Beim Deuter überlappten sie sich, das war nicht gut, jetzt sitzen sie perfekt nebeneinander. Das ist gut.

Das Rückentragesystem passt, sitzt und hat Luft. Trotz hoher Temperaturen blieb das Wanderhemd entweder vollkommen trocken oder war nur wenig vom Schweiß nass, was vermutlich sogar ohne Rucksack vorgekommen wäre. Ich schwitze bei Hitze ja auch ohne Rucksack, sodass es falsch wäre, jede Ausdünstung auf einen möglicherweise mangelhaften Rucksack zurückzuführen.

Im Innenteil tut sich natürlich auch so einiges. Zum einen gibt es ein großes, wieder mit einem Reißverschluss versehenes Innenfach. Ich packe Kartenmaterial dort hinein, denkbar ist selbstverständlich auch die Unterbringung von wichtigen Dokumenten wie Reisepass, die an der sichersten Stelle im Rucksack deponiert werden wollen. Apropos sicher: Im Deckelfach finden sich zwei getrennte Taschen. Die eine ist von außen zugänglich (Reißverschluss: ja), die andere nur von innen (Reißverschluss: ja). Das Innenfach ist dann dank des Schlüsselhalters bestens für Schlüssel oder auch Dinge geeignet, die ich lieber gar nicht verlieren möchte oder die nicht gegen mein Wissen den Besitzer wechseln sollen.

Das Innenfach selbst ist relativ schmal geschnitten, bietet mir aber mehr als genügend Stauraum, um alles für meine Tageswanderung einzupacken – und das ist immer einiges. 27 Liter halt. Mir hat er bisher immer ausgereicht, auch wenn ich allein gewandert bin und wir zwei Rucksäcke mitnehmen konnten.

Zwei Dinge habe ich noch nicht erwähnt, weil ich sie bislang nicht anwenden konnte oder musste. Zum einen verfügt der Brustgurt über eine Signalpfeife, passend dazu werden im Innenteil die Notsignale auf einer eingenähten Übersicht bildlich dargestellt. Zum anderen wurde der Rucksack für ein Trinksystem vorbereitet. Ich habe keins, konnte die Funktionalität also nicht testen.

Die Notsignale bildlich dargestellt – bleibt zu hoffen, dass ich im Notfall auch genügend Luft für die Signalpfeife.

Die Reißverschlüsse und Clipverschlüsse hinterlassen einen guten und auf Dauerbenutzung ausgelegten Eindruck. Die Verarbeitung sieht nicht weniger lobenswert aus; nach nun recht häufiger Benutzung stelle ich keine Schäden oder vorzeitigen Verschleiß fest. Der Test auf Dauerbelastung steht natürlich noch aus.

Weitere Videos zum vorgestellten Rucksack finden sich direkt auf der Website von Lowe Alpine: Videos zum Airzone Trek 27

Mein Fazit

Bin ich zufrieden? Auch ohne Frage: ja. Die Gründe lassen sich aus meinem langen Bericht herauslesen. Das Fazit ist aber eindeutig: der Lowe Alpine Airzone Trek 27 bekommt meine Empfehlung. Ich trage ihn zwar nicht rund um die Uhr, aber bei jeder Wanderung.[note]

+ Rückentragesystem
+ umfangreiche Ausstattung
+ Regenhülle
+ viele Staufächer
+ abteilbares Bodenfach
+ Verarbeitung
+ Vorbereitung für Trinksystem[/note]

Lowe Alpine Airzone Trek 27

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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