Vom Vulkanismus geformt, vom Bimsabbau verformt. In der Osteifel klaffen Wunden, die Erde wurde aufgebrochen, die Bodenschätze wurden ihr entrissen. Kruft steht für mich symbolisch für die Region: Vorne pflastert mit TUBAG ein Zement- und Steinwerk den Zutritt zum Ort, hinten öffnet EHL mit »Steine fürs Leben« die Spur zurück in die Freiheit. Seit kurzer Zeit scheint’s so, als ob jemand Erbarmen mit den Reisenden in Richtung Mayen (und natürlich umgekehrt) habe. Eine Ortsumgehung leitet weiträumig um die Tuffstein-Gemeinde herum.

Und doch. Ich liebe die Pellenz. Alte Geschichte halt, Kindheit. Opa nahm mich einige Male mit auf dem Laster, Hänger hinten dran. Opa war Bimsfahrer. Arbeitete bei Hubaleck in Weißenthurm. Das Betriebsgelände lag auf Steinwurfweite vom Elternhaus entfernt. Der graue Staub der Bimslaster, der sich beim leichtesten Lüftchen von der offenen Ladefläche löste, legte sich als feinkörniger Mantel auf alles, was in seiner Segelflugbahn lag. Wir Weißenthurmer sind mit Bims groß geworden, nicht umsonst hieß die Stadt einstmals 3B-Stadt: Bims, Bier und Blech. Bimsfirmen gibt es längst nicht mehr wie Sand am Meer, das Betriebsgelände von Hubaleck (einer von zahlreichen Firmen dort) wich einer Neubausiedlung. Kruft ist geblieben. Die Wunden in der Erde auch.

Die Erinnerungen auch. Sind das Heimatgefühle, Gefühle, mit etwas verbunden zu sein, was Außenstehende als hässlich, unschön bezeichnen möchten? Vermutlich. Aus Weißenthurm bin ich weggezogen, mir ist die Flucht gelungen. Nach Kruft würde ich niemals ziehen. Aber dort wandern, mir die Landschaft betrachten, nahe sein – aber doch aus einem guten Abstand heraus (nämlich nachher wieder nach Hause fahren zu können), das möchte ich.

•        12 Wanderungen auf den Spuren des Vulkanismus in der Osteifel
•        Autor: Sven von Loga
•        98 Seiten
•        Verlag: Eifel-Verlag
•        Erscheinungsjahr: 2013
•        Besonderheiten:  Downloadmöglichkeit der GPS-Tracks
•        ISBN:  978-3-94312-310-4
•        Verkaufspreis: EUR(D) 3,95
•        Format:  11,3 x 0,7 x 16 cm

Und so war es keine lange Überlegung, als ich in der Klosterbuchhandlung in Maria Laach ein Büchlein entdeckte mit dem wortreichen Titel »12 Wanderungen auf den Spuren des Vulkanismus in der Osteifel« von Sven von Loga. Gleich am folgenden Wochenende telefonierte ich mit meinem Wanderfreund KD. »Du, ich hab das was Neues. Da suche ich uns eine Tour aus.« Tour Nummer 5 klaubte ich raus: »Zeugen der Römer und Zeugen der Eiszeit.« 13 Kilometer lang laut Beschreibung und mit einer Gehzeit von 4 – 5 Stunden moderat lang. Start in der Nähe des Lydiaturms unweit vom Laacher See. Auf der Wanderung habe ich ein paar Fotos mit der Kompakten gemacht, die einen Eindruck von diesem Weg vermitteln sollen.

Das Buch ist 96 Seiten dick und kostet angenehm günstige 3,95 Euro. Die Rundwanderungen sind von 4 bis 22,5 Kilometer lang. Der Schmöker zum auch nur so lesen ist sehr handlich und passt in jede Beintasche. Die Touren sind natürlich baugleich aufgebaut. Eine Wanderkarte zeigt sich zu Anfang der Tourenbeschreibung, der Wegeverlauf ist deutlich sichtbar in roter Farbe eingetragen. Zusätzlich hält der Autor auf seiner Website die GPS-Daten und Änderungen bei den Wanderwegen (zum Beispiel bei Sperrungen wie auf dem Kottenheimer Büden) bereit. Wir sind Tour 5 mit Wanderbeschreibung und meinem GPS-Gerät nachgewandert und hatten keine Probleme, auf der richtigen Spur zu bleiben (und trotzdem rannten wir einmal zu weit geradeaus, weil der Herr Müller mal wieder gequatscht und nicht aufs Gerät geguckt hat …)

Eine kurze Streckenbeschreibung und wichtige Örtlichkeiten, die Streckenlänge und die Wegezeit, die Höhenmeter (Auf- und Abstiege aufaddiert), der Startpunkt, ÖPNV und der Schwierigkeitsgrad runden die allgemeinen Angaben ab.

Danach folgt eine genaue Wegebeschreibung. Die ist auch notwendig, weil die Rundwege nicht ausgeschildert sind, sondern entweder auf eigener Fährte laufen oder bekannten Wanderwegen folgen. Untermalt werden alle Tourenbeschreibungen durch farbige Fotografien, die einen gelungenen Eindruck vom Wanderweg vermitteln.

Die Auswahl der 12 Rundwanderwege und die ausführlichen Beschreibungen beispielsweise zum Thema Vulkanismus erklärt sich vermutlich aus der Berufung des Autors, die sich auch auf der Autorenseite bei Amazon nachlesen lässt: »Sven von Loga hat in Köln Geologie studiert und leitet seit vielen Jahren GeoExkursionen in den Rheinlanden, aber auch auf die atlantischen Vulkaninseln.« Für mich stellte genau das ein weiteres Kaufargument dar: Wenn mir einer was zu erzählen hat über meine Heimat und zur Geschichte, dann halte ich ihn nicht davon ab. So erfahren wir auf unserer Wanderung quasi nebenher mehr über das, was wir am Wegesrand sehen oder entdecken. Welcher Steinbruch rückt da in unser Blickfeld, was haben die Römer hier aus den Felsen geschlagen, was hat es mit dem Dachsbusch-Vulkan auf sich?

Zwei klitzekleine Mäkeleien am Rande: Ein Höhenprofil zu jeder Tour wäre schön; ich weiß gerne, wann ich wieder hastiger schnaufe. Und die markanten Orte im Fließtext möchte ich bitte schön durchnummeriert und in der Wanderkarte entsprechend eingetragen. Das macht es etwas übersichtlicher, wo ich was erwarten kann.

Herrlich, davon möchte ich lesen, das möchte ich sehen, das möchte ich erwandern. So nähere ich mich gerne meiner Heimat an. KD und ich haben die anberaumten 4 Stunden bei herausragend schlechtem Wetter verbracht, ohne dass ich mich nur eine Sekunde gelangweilt hätte. Es gab immer etwas zu sehen. Und zu hören, denn ein Teilstück rennt auf Spuckdistanz mit der A 61 bergab und bergauf. Geschenkt, Opas Laster war lauter …

11 Touren stehen mir noch bevor, alle in der Region von Mayen im Westen bis Plaidt im Osten und Niederzissen im Norden. Sobald sich eine Gelegenheit findet, ist die nächste Tour fällig. Heimat erkunden und einatmen, Bimspuder zwischen den Zähnen knirschen lassen, Staub und Schweiß abwischen nach getaner Wanderung. Und dann ein Bier trinken. (Sven von Logas Tipp zum Abschluss der Tour, doch ins Gasthaus Waldfrieden am Startpunkt einzukehren, mussten wir leider sausen lassen: »Januar + Februar montags geschlossen« …)

[Update 8. Februar 2016: Am vergangenen Samstag wanderten Petra die Tour 11. Fotos dieser Wanderrunde finden sich im Beitrag »Die Wingertsbergwand bei Mendig in der Osteifel«]

Wer eine Hauch Verbundenheit zur Osteifel verspürt, dem lege ich das Buch »12 Wanderungen auf den Spuren des Vulkanismus in der Osteifel« aber sowas von ans Herz! Und für Ortsfremde oder Ortsferne: Lernt die Region kennen, die andere als »Heimat« bezeichnen. Fahrt hin, lauft los.

 

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