Die wichtigste Frage an jedem Morgen ist: Nehme ich ein irisches Frühstück zu mir, oder esse ich nur so viel, wie ich Hunger habe. Wenn ich mir, während ich einen Mundvoll vom gut geflockten Müsli fünfzig Mal durchkaue, die mampfenden Menschen an den Nachbartischen anschaue, zweifle ich daran, dass sie es beim reichhaltigen Frühstück belassen. Danach kommt wohl ein nicht weniger reichhaltiges Mittagessen, dem ein reichhaltiger Kaffeetisch und ein reichhaltiges Abendessen folgen. Irgendwie scheint Irland ja auch ein Hobbitland zu sein.

Alles so schön bunt hier.

Trotzdem gut satt verlassen wir das Wilton Hotel. Heute haben wir ja auch noch einiges vor. Beispielsweise am Autoverkehr teilnehmen. Wobei alles halb so schlimm ist (tja, natürlich kann „halb so schlimm“ immer noch sehr schlimm sein …) Als Fahrer gewöhne ich mich recht rasch daran, dass mir auf meiner Spur Fahrzeuge entgegenkommen. Meine Beifahrerin hat größere Probleme, die ihr sonst eigene Lockerheit zu bewahren – und das nicht, weil ich Linksverkehr mit Rechtsverkehr verwechsele, nein. Die Straßen sind oft niedlich schmal. Wie Einbahnstraßen. Nur dass die irischen Einbahnstraßen in beide Richtungen befahren werden. Einbahnige Zweibahnstraßen also. Zum Glück gibt es Ausweichkuhlen, Dellen in der Landschaft, an denen sich Fahrzeuge nach links oder rechts (je nachdem, wer länger die Augen beim draufzufahren zulassen konnte) in die Büsche geschlagen haben.

Lieferwagen sind auch in Irland im Vorteil, SUVs gleichen das Manko aus, dass der Fahrer hinterm Steuer eigentlich nur die Lizenz fürs Bobbycar-Fahren hat. Ihre angstvollen Blicke sind ein schöner Kontrast zu den martialischen Kühlergrills. Aber auch an diesem Tag werden wir Glück haben und niemand richtig in die Quere kommen.

Die Landstraßen sollen früher ja viel schlimmer gewesen sein. Solche Geschichten kennen wir in Deutschland ja auch von unseren Eltern. „Damals“, beginnen solche Geschichten, „damals sind wir mit den Pferdefuhrwerken zur Schule/zur Arbeit/zum Friedhof gefahren. Und wir hatten nicht einmal Pferde! Die mussten wir ja schlachten, weil wir nichts zu essen hatten.“ Irland hat ähnlich harte Zeiten hinter sich. Natürlich, ich möchte „damals“ nicht gelebt haben, als die Straßen Mondlandschaften glichen und so schmal waren, dass man vom Fahrrad nicht absteigen konnte, ohne im Graben zu landen.

Aber es gab auch keine SUVs, die dir in einer Haarnadelkurve mit abgebremsten 100 Sachen entgegenkamen. Der Irrsinn grassiert halt doch zu jeder Zeit, nur heute ist er schneller auf den Beinen.

Unsere heutige Landstraße ist also hier und da putzig schmal. Wir fließen einfach mit dem eher dünnen Verkehr mit, immer mit einem Auge nach links spähend, wo denn eine passende Buschlücke wäre, um … Aber dazu kommt es, wie gesagt, nicht. Wir schaukeln also richtig Glendalough – das Ziel unseres heutigen Ausfluges in die Spätsommerfrische.

Gottverlassen?

Das Wetter ist angenehm, wir knautschen uns an Hecken vorbei und passieren hier und dort einen kleinen Ort und sehen oft herrlich weit über die Landschaft. Die Wicklow Mountains tauchen bald auf, und als wir den Flecken Roundwood hinter uns gelassen haben, fällt uns ein Hinweisschildchen am Straßenrand ins Auge.

Und zurück zum Schildchen. Dellalossary. Unscheinbarer geht es kaum, aber nicht weit von der Straße entfernt winkt ein Kirchturm. Schon im Vorbeifahren sah der interessant genug aus, um einen Abstecher zu lohnen. Also reingequetscht auf den geteerten Pfad zwischen Hecken und Zäunen, um dann nach wenigen Hundert Metern an einem mit vielen erläuternden Hinweistafeln gespickten Platz haltzumachen.

Innehalten nach der Autofahrt.

Wir stellen den Wagen am Straßenrand ab (bei uns daheim hieße das: mitten auf der Straße) und schauen uns um. Keine Menschenseele. Wie wir es auch früher schon häufiger an versteckten historischen Orten bemerkt haben – wo nicht „Newgrange“ oder „Cliffs of Moher“ dransteht, verlieren sich nur wenige Besucher auf dem Terrain.

Hier sind wir allein mit den vielen Toten. Wir flanieren an den sich selbst überlassenen Gräbern entlang, schauen in die ehemalige Kirche, die weder Dach noch sonst etwas hat, und lassen die morbide Atmosphäre, die um uns fließt, frei auf uns wirken. Wir betrachten still die manchmal unleserlichen Inschriften auf den Grabsteinen, die schief vom Zahn der Zeit im weichen Untergrund hängen.

Die Grabstätte von Erskine Hamilton Childers

Einige wenige Grabsteine sind noch so gut erhalten, dass sich Name und Jahre erkennen lassen, andere dagegen sind ein Zeichen dafür, wie es auch uns dereinst ergehen wird. Vergessen.

Erskine Hamilton Childers hebt sich mit einem auffälligen Grabmal hervor; Childers war von 1969 bis 1973 Tánaiste, also Präsident des Landes.

[tip]

KurzInfo! Diesmal gibt es keine Karte zum Nachverfolgen. Wer sich für die Regionen näher interessiert, denen wir uns zu Fuß oder im Wagen genähert haben, klicke auf die Karte “Schlenderer Wanderwege” oben rechts auf dem Bildschirm. Mit dem blauen Symbol (vier voneinander abweisende Pfeile) lässt sich die Karte in einem neuen Fenster öffnen. Im neuen Fenster links oben das Minuszeichen drücken, einmal, zweimal, vielleicht dreimal. Irgendwann taucht Irland auf. Mit der Maus die Insel in die Mitte ziehen, dann wieder heranzoomen (das Pluszeichen!) Nun sollten die Ziele in Irland sichtbar und durch Heranzoomen größer dargestellt werden können. (Ich beschreibe dies für die älteren Mitglieder meiner Familie so ausführlich.)

Noch ein Tipp für diejenigen, die Wege “nachwandern” möchten: Google Earth separat öffnen, Ziele wie Glendalough eingeben – und schon kann man mit “Street View” bis vor das Visitor Centre fahren.

Im Internet finden sich natürlich viele Seiten zu Irland. Eine, die ich selbst gern besuche, ist Irish-Net.de. Der Betreiber vermittelt nicht nur Reisen und anderes, sondern bietet daneben auch reichlich Informationen – beispielsweise Reiseberichtezu Irland an.

Und noch ein Tipp! Landlinien war in diesem Sommer mit dem Rucksack auf dem Wicklow Way unterwegs. Über ihre Wandererlebnisse und ihre tiefe Verbundenheit zu Irland berichtet sie ausführlich auf ihrem Blog Landlinien.[/tip]


Nicht, dass ich an solchen Plätzen einer bedrückenden melancholischen Stimmung anheimfalle – sie sind mir mehr ein Ort der Besinnung, gar nicht einmal der großen, schweren Gedanken (woher kommt der Mensch, wo geht er hin? Und warum fällt er zwischendurch immer so blöd auf die Schnauze?), sondern einfach des Innehaltens, des Wahrnehmens. In der hektischen Zeit, die auch unseren Urlaub hier in Irland gefangen hält, sind Friedhöfe wie dieser der Ruheplatz nicht nur für die Toten.

Glendalough

Der für die Kirche gewählte Ort, auch wenn er früher anders ausgesehen haben mag, scheint prädestiniert gewesen zu sein. Nach allen Seiten blicken wir weit übers Land, endlos weit sogar. Aber doch nicht so weit, dass wir unser Ziel aus den Augen verlieren.

Wir fahren weiter. Wir wollen ja nach Glendalough – zum nächsten Friedhof.

Doch zuvor hat der Gott der Wollsocken noch die Wooden Mills in die Landschaft geworfen. Jetzt muss man Wooden Mills nicht kenne (so wie ich es vorher auch nicht tat), doch wer wie Petra gern gut bewollt durchs Leben geht, hat im Vorfeld natürlich ein waches Auge auf gewisse Geschäfte geworfen.

Da wollen wir drüber.

Wir fahren also in Laragh vom Weg ab, sinnloserweise schreie ich noch „da ist ja schon Glendalough“, da lenkt Petra mich auch schon von der Straße ab. Rüber über eine steinerne Brücke, hinein in ein weiteres Paradies für Wollüstige (was im noch immer streng katholischen Irland natürlich arg frivol anmutet).

Wir kaufen nichts. [Hah! Die Zeit verklärt doch vieles. Petra weist mich jetzt, nachdem der Bericht online gegangen ist, darauf hin, dass sie dort Wolle und mehr gekauft hat. Vielleicht ohne mein Wissen? Frauen traue ich ja alles zu, sogar das heimliche Wolle kaufen …] Für mich als Mitläufer eine ganz andere Art des Einkaufserlebnisses. Entsprechend entspannt setzen wir die kurze Weiterfahrt fort, um bald Glendalough zu erreichen.

Ein Turm aus grauer Zeit.

Wandelten wir vorhin noch allein durchs altehrwürdige Gemäuer, wandelt sich das Bild hier natürlich. Wir sind nicht allein. Aber weil wir mehr außerhalb als in der Saison unseren Urlaub verbringen und wir mitten in der Woche ankommen, tritt uns niemand auf die Füße. Nur zwei ganz lockere Burschen, rucksackbepackt und wander-lässig gekleidet, schauen leicht angenervt dem Treiben zu, dem wir uns anschließen.

Farbtupfer

Ich schließe mich ja auch ungern einem großen Tross an und gehöre auch zu denen, die an Heiligabend noch schnell („hab was vergessen, bin schnell zurück“) einkaufen gehen und dann knurren: „Warum geht ausgerechnet heute jeder Idiot einkaufen!“ Ich bin lieber alleine einsam, Menschen stören mich dann.

Genau wie die hundert anderen Menschen auch. Auch sie wollen dieses Tal sehen, das bereits in der Bronzezeit besiedelt war. Richtig in den Fokus der Geschichte geriet es aber erst im 6. Jahrhundert mit dem damals noch nicht heiligen St. Kevin, der sich als Einsiedler an diesen Ort zurückzog. Wenn der die vielen Menschen heute sehen können, die sich wie wir davon überzeugen wollen, wie idyllisch, still und malerisch dieses Tal doch … einstmals gewesen sein mag.

Hochkreuz und Rundturm.

Von dieser Einsiedelei blieb im Übrigen schon bald nach Kevins Auftauchen nicht viel, denn Glendalough diente später als Bischofssitz, und um die 5000 Menschen sollen im und um das Kloster gelebt haben. Mit der Ruhe war es also in früheren Zeiten schon vorbei. Doch auch wenn am heutigen Tag viele Menschen neben, vor und hinter uns herlaufen und wir auch dem Glendalough Visitor Centre nur einige schnelle Blicke gönnen, fängt uns auch hier wieder diese besondere Atmosphäre ein, die man selten beschreiben, aber viel besser selbst erleben muss.

Durch und am Tal entlang führen zahlreiche Wanderwege, manche kurz für die Gehbequemen, andere länger und auch über die Höhen führend. Wir entscheiden uns für einen breiten Weg am Lower Lake entlang; hoch hinaus wollen wir nicht, nachdem Petra kritisch die Bergkämme und die engen Pfade dort hinauf aus der Ferne betrachtet hat.

Grabräuber?

Gut, klammern wir uns also an die Fußwege im Tal. Nachdem wir einen prähistorischen Mahlstein passiert haben, nähern wir uns am Gleneala entlang dem weithin sichtbaren Rundturm und der ehemaligen Klosterstadt. Eine Brücke überqueren wir, dann stehen wir doch andächtig vor den alten Gebäuden. Das Größte, die aus dem 9. Jahrhundert stammende Kathedrale Peter und Paul, dominiert, wird aber überragt vom Rundturm, dessen Spitze erst vor wenigen Jahrhunderten erneuert wurde. Der Rundturm diente als Fluchtburg, worauf der erhöhte Eingang Zeugnis gibt. Vor der Kathedrale – wobei „Kathedrale“ nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass wir es hier mit einem kleinen Komplex zu tun haben – steht St. Kevin’s Cross, das größte einer Vielzahl von Hochkreuzen, die in Glendalough zu finden sind.

Obwohl ein einziges Gewusel um uns herrscht – und ich ja nicht weniger Fotos schieße als die übrigen Touristen -, bleibt uns doch genügend Raum, das Gesehene und das Erspürte wirken zu lassen. Gemeinsam oder auch ohne den anderen gehen wir behutsam von Ort zu Ort, bleiben stehen, betrachten nichts anderes als Steine, atmen Vergangenheit ein. Kevin’s Kitchen – eine weitere kleine Kapelle – fasziniert noch einmal ganz anders, denn neben dem Rundturm verfügt auch diese kleine Kammer – viel mehr ist es nicht – über ein Dach. Der Zugang ist verschlossen, wir lugen durchs Eisengitter ins Innere. Letztlich schauen wir uns natürlich noch den Friedhof mit dem Priest’s House an, um nach einer längeren Zeit genug zu haben und uns zu lösen.

Reefert Church

Es geht noch weiter. Wir gehen das kurze Stück zur Reefert Church, in der manche Wissenschaftler das Grab des Hl. Kevin vermuten. Hier sind wir wieder allein, nur später kommen einige verirrte Touristen hinzu. Es ist halt weniger spektakulär, zudem ist das Gelände um die Seen, mittlerweile sind wir auf der Höhe des Upper Lake, sehr weitläufig.

Ruheplatz

Nicht wenig verwaist ist dann Kevin’s Cell, zu der ich mich alleine aufmache. Der Pfad windet sich am Hang entlang, ist schmal und erklimmt rasch die Höhe. Die Fundamente weisen hin, wo der Platz einmal gewesen ist. Kevin’s Bed dagegen liegt ein Stück höher im Berg.

Später betrachten wir noch den Upper Lake vom Ufer aus, die Stelle, an der ich dann einige Fotos mache, sieht sehr ausgetreten aus. Wahrscheinlich schieße ich hier das Motiv des Jahres, so wie etwa eine Million Fotografen vor mir. Interessiert mich das – nein. Auch wenn es jeder Fotoschule widerspricht und bestimmt nicht einem einzigartigen Foto gleichkommt, wird es mich später an diesen doch magischen Ort erinnern.

Kevin’s Cell

Muss man religiös sein, um von der Atmosphäre eines Ortes wie Glendalough gefangen zu sein? Nein. Ich muss „nur“ offen sein für den Hauch der Zeit, der aus einem längst vergangenen Zeitalter hinübergetragen wird zu mir. Erinnerungen nachfühlen, die nicht gestorben, sondern lebendig geblieben sind. Steine, die manchmal mehr erzählen können als dicke Folianten, die mir das Leben und das Dasein erklären wollen. Manchmal genügt die Berührung eines Felsens, den vor mir – und vor vielen anderen – vor unglaublich vielen Jahren von jemand anderem berührt wurde, um etwas in Gang zu setzen. Die Gewissheit, dass ein Menschenleben im Laufe der Jahrmillionen nichts ist – und doch alles in diesem einen Moment.

Upper Lake

Religiös muss ich wirklich nicht sein, um solche Orte andächtig zu betrachten. An einem „Upper Lake“ zu stehen, ein vielgeknipstes Motiv abzulichten und gleichzeitig hinter mir Bauwerke zu wissen, die alt sind und mit viel Geschichte aufgeladen.

Wir besuchen nicht die Minen am jenseitigen Ufer des Upper Lake; der Weg dorthin ist – wie sagt man – gut frequentiert, jetzt mögen wir nicht mehr in die Menge eintauchen. Wir haben genug von Stille und Menschen und gehen zurück, diesmal auf der anderen Seite des Lower Lake, durch spärlichen Laubwald, über Planken, die den Pfad so nah am Wasser auch für Sandalisten gut gehbar machen.

Ein letzter Blick zurück …

Noch neigt sich der Tag nicht dem Ende zu. Unser Rückweg führt uns wieder in Richtung Roundwood, vorher biegen wir aber auf die R 763, die wir von unserer Wanderung zum Devil’s Glen bereits kennen. Die Straße führt am Vartry Reservoir entlang, dann hoch in die Berge, durch mitteldichten Nadelwald und das gewohnte Gemisch aus Hecken und Büschen, das an den Straßenrändern für gute Sicht auf circa 20 Zentimeter sorgt. Kurz hinter dem Parkplatz, auf dem wir bei unserer Teufelswanderung den Wagen abstellten, geht es wieder hinunter. Der Wald lichtet sich, das Gestrüpp links und rechts bleibt als ein immergrünes Spalier erhalten.

Die Augen wandern schon in die Ferne, irgendwo am Horizont schält sich das Meer aus dem Dunst, und nicht weit von uns liegt Ashdorf, unser nächstes Ziel.

… Wahnsinn, welches Tempo ein Mähdrescher doch bergan draufhaben kann.

Keine Ahnung, wie die das machen. Die Straße ist 3 Meter breit, der Mähdrescher gefühlte 6 Meter. Unser Mähwagen … Mietwagen ist ein Muckelding, und trotzdem passt er nicht dran vorbei, höchstens unten durch. Aber wer will das schon, so mitten im Urlaub und nach der Besichtigung schöner Orte wie dem Friedhof bei Glendalough …

Warum er anhält, weiß ich nicht, vielleicht hatte er keinen Hunger, womöglich kam er frisch vom Fressen. Noch satt vom SUV, den er gerade untergepflügt hat. Er lässt uns also die Chance – die Letzte! -, in eine schmale Seitengasse auszuweichen. Ich packe die Chance natürlich am Schopf und brettere in die Nische, und schon hämmert das Gefährt vorbei.

Kurzes Innehalten. Dann habe ich Mitleid. Mitleid mit meinen Nachfahrern. Ich bin mir sicher, dass auf gut 2 oder 3 Kilometern keine Seitenstraße kam, kein Feldweg, keine Nische. Nur Büsche, Hecken, Sträucher. Wer auch immer dem Mähdrescher da oben in die Fänge gerät, wird schwitzen. Und für einen ganz kurzen Moment werde ich christlich und schicke ein Bittwort hinauf. Ein ganz gemeines.

Möge es ein SUV sein.

Stilleben

Erleichtert und erheitert zugleich kommen wir in Ashford an. Ashford hat keine „Wool Mills“, aber die Mount Usher Gardens. Herrschaftlich wie womöglich alle Parkanlagen in Irland, jedenfalls bewirtschaftet von einem Unternehmen namens Avoca, das offensichtlich viel bessere Menschen als mich in seinen Reihen vereint (siehe das Kapitel: Mähdrescher vs. SUV), die gute Waren produzieren und hehre Ziele haben.

Herrenhaus (Ausschnitt)

Über den Park verliere ich nicht viele Worte, obschon ich ihm damit nicht gerecht werde. Doch Parks machen mich eher sprachlos. Beim Wandern durch das bunt blühende Gemisch heimischer und, wie mir scheint, exotischer Pflanzen kommt mir die eigene Sprachlosigkeit natürlich entgegen; der Natur nähert man sich ja besser still. Später, also jetzt beim Schreiben, wollen mir nicht die richtigen Worte einfallen. Einige Fotos illustrieren vielleicht, was uns dort begegnete. Freiwillig gehe ich eher selten in Parks, mögen sie auch noch so wundervoll angelegt sein – wobei das „wundervoll“ ja von Betrachter zu Betrachter unterschiedlich aufgefasst wird.

Flusslandschaft im Park.

Mount Usher zählt sicher zu den Parks, den auch ich mit einer großen Prise Genuss beschritten habe, zumal er reichlich Gelegenheit bot, die Beine weit von sich zu strecken. Wir sind kurz vor Toresschluss noch unterwegs, flanieren und streifen umher, viel los ist nicht, was dem Ambiente natürlich zuträglich ist. Je weiter wir uns vom nicht zugänglichen Herrenhaus entfernen, umso wilder wird das Gewächs sogar, gewisse Nachlässigkeiten gefallen und sind ein netter Gegensatz zum akkurat beschnittenen Rasen.

Nicht jede irische Bank schaut noch so frisch.

Den Besuch runden wir noch mit einem korrekt gebackenen Stückchen Kuchen und einem Heißgetränk ab, dann geht es hotelwärts. Später werden wir noch einen längeren Blick aufs Meer werfen und den Wellen bei ihren sinnlosen Versuchen zuschauen, an Land zu gelangen. Und ganz viel später spülen wir den Tag und die vielen Eindrücke, die wir gesammelt haben, mit einem – in meinem Falle – Glas Guinness hinunter.

Vielleicht hätte der Hl. Kevin das auch gemacht, ganz glückselig-einsam dort oben in seinem Kevin’s Bed, während sein Blick über den See wanderte und er noch nichts davon ahnte, wie die Welt dort und überall nach den vielen Jahrhunderten aussähe.

Derralossary & Mount Usher Parks

 

 

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
Schlenderer

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7 Responses

  1. Karin

    Hach wie schön – danke für den Bericht! Ich bin auch ein Irlandfan, war bislang aber immer im Südwesten (Dingle, Kerry, Beara etc.). Nach Deinem Beitrag würde ich glatt mal in die Wicklow Mountains fahren.

    Ach ja- Welche Kamera nutzt Du eigentlich? Und: Bearbeitest Du die Fotos nach?
    Sie sind wirklich super, die Bilder!

    Gruß, Karin

    Antworten
    • Georg

      Für uns war es auch der erste längere Urlaub an der Ostküste, bis dahin hatten wir zwar Dublin gesehen, sind aber entweder dort geblieben oder ins nördliche Umland. Diesmal wollten wir ausschließlich die Wicklow Mountains heimsuchen, wir sind nicht einmal bis nach Wicklow, der Stadt, gekommen. Unser Urlaub zeigte uns also eine eng umgrenzte Region, “drumherum” gibt es sicher noch viel mehr zu entdecken. Ich verweise da auch noch einmal gern auf die Berichte bei Landlinien.

      Eine Nikon D5000; mittlerweile ist Nikon in der Modellreihe bei D5200 angekommen. Die Kamera ist nicht auf dem neuesten Stand, aber für meine Ansprüche reicht sie derzeit aus. Meist schraube ich das 18-105 mm-Objektiv drauf, wenn wir wandern, damit kann ich die meisten Situationen abdecken, ohne viele Objektive mit mir herumtragen zu müssen. Manchmal nehme ich, auch wegen der Lichtstärke von 1,8, nur das 35 mm-Objektiv mit, manchmal noch ein Makroobjektiv. Das Teleobjektiv dagegen nutze ich selten. Seit einigen Monaten kann ich zusätzlich oder ausschließlich eine Kompaktkamera mitnehmen – der Vorteil ist, und der Name sagt’s ja, dass sie so kompakt ist. Gleich mache ich mit dem Jüngsten eine Fahrradtour, da kommt die in den Fahrradrucksack: wenig Gewicht, wenig Platz. Fürs Bearbeiten nehme ich dann die Fotos im RAW-Format, und die muss man nachbearbeiten, was ich dann mit Photoshop erledige. Ehrlich gesagt: Ich schreibe lieber, das Bearbeiten der Fotos ist nicht ganz mein Ding. ;-)

      Antworten
  2. Landlinien

    Es ist immer wieder schön Reiseberichte über Orte zu lesen, die man selber schon besucht hat. Bei Deinem Bericht habe mich besonders gefreut, da ich erst kürzlich (im Juni 2013) im Glendalough war, und mich in Deinen Bildern und Worten wiedergefunden habe. Besonders die Stelle “Muss man religiös sein, um von der Atmosphäre eines Ortes wie Glendalough gefangen zu sein? Nein. Ich muss „nur“ offen sein für den Hauch der Zeit, der aus einem längst vergangenen Zeitalter hinübergetragen wird zu mir.” Genau so habe ich es auch empfunden!

    Mount Usher Gardens kannte ich bisher noch nicht und möchte jetzt, nachdem ich Deine Fotos gesehen hab, unbedingt dahin!

    Vielen lieben Dank für diesen Bericht, und auch für die Erwähnung von Landlinien :-)

    Sonnige Grüße,
    Daniela

    Antworten
    • Georg

      Das Reiseberichte lesen ist schön – und macht melancholisch. Aber Irland läuft ja nicht weg, auch wir werden sicher wieder die Insel besuchen. Mount Usher Gardens hätte ich auch nicht gekannt – oder gar nicht danach gesucht -, aber Petra hat für Gärten sicher einen etwas anderen Blick als ich und entdeckt sie auch eher als ich. ;-) Landlinien habe ich natürlich sehr gern erwähnt und empfehle Deine Berichte auch jetzt noch einmal: Landlinien (Und vielleicht entdeckt jemand auch das Foto vom Upper Lake/Glendalough, bei dem Du und ich fast fußgenau, nur um Monate versetzt, an derselben Stelle standen …)

      Antworten
  3. Guido

    Herrlich der Beitrag und auch das Bild Deiner rothaarigen Irin ist sehr gut gelungen :-D Ich lese jetzt mal die anderen Irlandberichte; vielleicht gab es auch irisches Wetter? ;-)

    Antworten
  4. M.R.

    Dann gieße das alles noch in eine Form ;-)
    Aber das Foto auf den Upper Lake ist traumhaft schön.
    Wenn der Bericht dann auch so gut wird, ist nichts
    auszusetzen :-)

    Antworten

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