Fragt mich mein Schwager Herbert doch mitten in der betulichen Wanderung: »Was ist eigentlich eine Klamm?«

Während ich mit einer Hand am Stahlseil hänge und in der anderen Hand die Kamera halte, drückt er mir diese Frage ins Genick. Als ob ich jetzt Zeit hätte, mir über Klamm und nicht Klamm Gedanken zu machen. Außerdem hab ich gar kein Internet zur Hand – wie soll ich da überhaupt antworten können?

Wir verschieben die Auflösung auf später. Im hartnäckigen Kampf von Mann gegen Klamm steht Wichtigeres auf dem Plan. Das reine Spaßabenteuer. Jedenfalls ein kleines, aber ein für unsere Region außerordentliches Abenteuer.

Erwartungsvoller Blick

Doch ich beginne besser mit dem Anfang. Nicht oft genug betone ich ja, in welcher komfortablen Wohnsituation der Neuwieder als solcher lebt. Umzingelt von Mittelgebirgen, immer nasse Füße durch Rhein, Mosel und anderen Flüssen, deren Namen noch nie ein Mensch gehört hat. Jedenfalls nicht die, die jenseits der 7 Berge leben.

Komfortabel deshalb, weil wir nur wenige Minuten und wenige Kilometer fahren müssen, um mitten in der Natur zu stehen. Es gibt deshalb – auch eingedenk des klammen Geldbeutels (der »Joke« muss jetzt natürlich sein!) – gewisse Distanzen, die wir nicht gern überschreiten. Alles innerhalb von 10 – 15 Kilometern ist sehr gut (da kommen wir schon bis in die Voreifel oder ins Kannenbäckerland), weiter bis 30 Kilometer ist gut (die halbe Wanderwelt steht uns damit schon offen), bis 50 Kilometer muss die anvisierte Wanderroute schon gute Gründe bieten (damit decken wir aber alle Traumpfade ab und fahren bis hoch in den Westerwald).

Ab 50 Kilometern tut’s weh. Andere fahren noch weiter, aber wir überlegen dann schon, ob nicht eine andere Wanderstrecke, näher an zu Hause, auch das Wandervergnügen bescheren wird.

Das werde ich später öfter sehen: Ein Schwager, der mir davonrennt.

Am Montag hole ich meinen Schwager Herbert daheim ab. Ich habe eine guten Grund gefunden, etwas mehr als 60 Kilometer zum Wanderziel zu fahren. Die Baybachklamm. Weil ich hier und da immer wieder andere, nicht minder verlockend erscheinende Touren auf dem Plan habe, stand sie bis zum Wochenende gar nicht auf meiner »Wunschliste«. Doch dann blätterte ich irgendwas durch (vermutlich einen Wust Wanderbroschüren, die Petra ach so gern wegwerfen würde, ich aber unbedingt brauche. Meine ich jedenfalls). Und da fiel mir die Baybachklamm ins Auge. Und mit einem Mal wusste ich: die – will – ich.

KurzInfos! Die Traumschleife Baybachklamm liegt in der Nähe von Emmelshausen im Hunsrück. Sie ist 11,6 Kilometer lang und weist gut verteilte 549 Höhenmeter auf. Als Gehzeit werden auf der Website 4 1/4 bis 5 Stunden genannt; Herbert und ich brauchten 3 1/2 Stunden, ohne dass wir das Gefühl hatten, durch die Klamm zu hetzen. Mit einrechnen sollte man auf jeden Fall Pausen, zum einen laden nämlich viele Bänke zum Verweilen ein, zum anderen ist eine Verschnaufpause, verbunden mit einer Vesper, ja nie verkehrt.

Eine Einkehr ist auch in der Schmausemühle möglich, über die Öffnungszeiten und die Speisekarte informiert die Website. Startet man auf dem Parkplatz Heyweiler wie wir, liegt die Schmausemühle auf halber Wegstrecke. Unterwegs finden sich zudem viele Bänke nicht nur zum Ausruhen, sondern auch zum Mahlzeiten einnehmen.

In welche Richtung wandern? Wir sind mit dem Uhrzeiger gewandert, und uns erscheint das im Nachhinein auch die „richtige“ Richtung zu sein, um das meiste Gefallen am Weg aufzubauen. Zudem sind die Kletterpassagen bachaufwärts angenehmer zu gehen als abwärts – für uns, was in diesem Falle auch wieder ein gefühltsmäßiger Grund sein kann.

Aber Achtung! Die Klamm sollte nach meiner Ansicht nicht bei Schnee und erst recht nicht bei Eisglätte begangen werden. Viele Streckenabschnitte sind wohl die meiste Zeit des Jahres über glitschig und rutschig, die schmalen Pfade auf- und besonders abwärts sind bei Regen glatt wie eine Seifenkiste und auch sonst nicht ungefährlich. Gut profilierte Wanderschuhe sind also sehr ratsam, um einen Schutz vor Umknicken zu bieten, sind knöchelhohe Schuhe gut geeignet. Wanderstöcke hatten wir zwar mit, aber an den Rucksäcken belassen, also nicht verwendet. Schwierige Passagen sind mit einer Seilversicherung ausgestattet. Die Traumschleife ist als mittelschwer bis schwer eingestuft; besonders bei den Kletterpassagen ist Trittsicherheit erforderlich.

Die Traumschleife ist sehr gut ausgeschildert. Für die Wanderung empfehle ich trotzdem, einen Blick auf die Website der Traumschleifen zu werfen, auf der auch Materialien zum Herunterladen bereitliegen; zum anderen lege ich die neue Wanderkarte Wandergebiet Hunsrück ans Herz, auf der sogar die noch nicht eröffnete Traumschleife Oberes Baybachtal eingezeichnet ist.

Zudem biete ich – weiter unten – wie meist eine Wegekarte von Outdooractive an. Über den Klickpunkt “drucken” stehen Optionen zur Auswahl, wie detailliert die PDF sein soll – am besten einfach ausprobieren, herunterladen und dann entscheiden, welche Version man bevorzugt. GPS-Tracks können ebenfalls abgerufen werden. Und die Karte kann mit Hilfe des Reiters über dem Kartenbild in unterschiedlichen Ansichten (beispielsweise bei “Google Earth”) betrachtet werden.

Herbert ist ein sehr angenehmer Mitwanderer. Wenn ich ihm eine Strecke vorschlage, sagt er niemals nein. Erst als ich ihm auf der Fahrt beichtete, dass die Baybachklamm »so gut wie im Ausland« liegt, wurde er ein wenig skeptisch. Andererseits ist der Hunsrück seit vielen Jahren verkehrstechnisch gut erschlossen; prinzipiell könnten wir sogar mit dem Flugzeug vom Flughafen Köln/Bonn zum Hahn fliegen, dort einen Wagen mieten und von da nach Heyweiler fahren.

Wir wählen die Autobahn, driften kurz vor Emmelshausen ein wenig vom Weg ab – womit wir das mit dem Verlaufen schon quasi im Auto vorweggenommen haben -, werden aber auf den rechten Weg zurückgeführt und kommen nach einer guten drei viertel Stunde im sehr sehr beschaulichen Heyweiler an. Kaum sind wir drin im Ort, sind wir auch schon wieder draußen; ein Teerweg befördert uns schnurstracks zum Wanderparkplatz Heyweiler, von dem aus wir starten wollen. (Weitere Startmöglichkeit wäre der Steffenshof, eine mögliche Alternative wäre auch die Schmausemühle: dort beginnen, dort enden bei einem leckeren Essen).

Herbert ist noch immer »begeistert« vom »Traumpfad Bleidenberger Ausblicke«, da speziell der Einstieg: hinein in den Weinberg. Puls von gefühlt 0 auf nichts mehr gefühlt 180. Zunge leckt die Schuhe sauber.

Baybachbeibächlein

Die Baybachklamm macht’s anders herum. Ist subtiler. Wiegt uns in Sicherheit. Von steilen Anstiegen noch keine Spur. Der Pfad mäandert am Hang entlang abwärts, immer weiter. Lichter Laubwald verdeckt die Wolken. Tja, wir haben keinen Schönwettertag erwischt, aber zum Trost werden wir uns ja die meiste Zeit nicht auf offener Fläche bewegen.

Mitten in der Abwärtsbewegung lockt eine Felsnase zum Schauen. Doch wir halten uns nicht lange auf, wollen hinab ins Tal. Nach wenigen Minuten schon überqueren wir den schmalen Fahrweg, der zur Schmausemühle führt, und den Buchbach, um gleich darauf am jenseitigen Bachufer wieder in den Berg hineinzusteigen. So kurvig, wie es hinunter ging, geht es nun mit uns hinauf. Die Pfade sind so schmal, dass ich nur noch Herberts Haken vor mir hochfliegen sehe.

Wir beide sind derselben Ansicht: Aufwärts geht es sich schöner als abwärts. Vielleicht hat es damit zu tun, dass der Mensch viel lieber hinauf strebt, zum Licht, also hier zur Sonne, als hinabsteigt in ein dunkles ungewisses Etwas. Bei uns ist es wahrscheinlich viel eher so, dass wir, nicht mehr ganz frisch im Gelenk und weniger sehnen-geschmeidig als vor etlichen Jahren, aufwärts die Gefahr, sich auf die Nase zu legen, etwas geringer und in aller Regel viel weniger schmerzhaft ist.

Männer sind halt in ihren Verhaltensweisen doch recht einfach strukturiert.

Oben dann: Verschnaufen. Aber wieder nicht über Gebühr lang, denn die mutmaßlich schönsten Etappen stehen noch an. Hetzen wir etwa? Das Gefühl habe ich nicht, obwohl wir zügig unterwegs sind. Die Luft ist aber auch nicht dick wie im Sommer, sondern trotz der noch spürbaren Feuchtigkeit angenehm leicht und genau in der Gemengelage zwischen warm und kühl, die uns zwischen T-Shirt und Pullover oder Jacke wechseln lässt. Die Temperatur hat ja auch etwas Gutes: Beim Sitzen und Verweilen wird’s schnell zugig um die Hüften, sodass es schon deswegen weiter, immer weiter geht. Diesmal entlang einiger Häuser, die kleine Siedlung Steffenshof mustern wir im Vorbeigehen, dann sind wir auch schon vorbei, rüber über die Kreisstraße, die eben in Steffenshof endet und deswegen wohl genauso stark frequentiert ist wie die Zubringerautobahn zum Zentralflughafen Grönland-Mitte.

Keine Menschenseele weit und breit, doch das soll sich ändern. Vorher aber sitzt sich Herbert doch noch fest. Bei Steffenshof wäre nämlich die zweite Einstiegsmöglichkeit in die Traumschleife; ein Ruhehäuschen, das gut mit dem Namen »Trølläbøllä« leben könnte, lockt Herbert, und da sitzt er neben Blümchen auf dem Tischchen und Informationsmaterial Drumherum. Sehr schön!

Den Trøllä persönlich in seiner Hütte erwischt.

Aber Herbert nützt das nichts, ich schleife ihn hinaus ins Freie. Die kurze waldlose Zeit hat bereits wieder ein Ende, als wir vom breiteren Weg auf den wieder schmalen Pfad wechseln. Der Wald nimmt uns wieder auf, die Stille wird nur gebrochen von unserem Geschwätz … tja, als Indianer eignen wir uns wirklich nicht, wir sind mehr von der auffälligen Sorte. Städter halt.

Geschwätz hin oder her, wir tauchen ab, stapfen am nächsten kleinen Bächlein entlang, wieder führt uns der Pfad tiefer hinunter. Eine Wegkreuzung hält uns erneut auf; während diesmal Herbert ungeduldig mit den Schuhen scharrt, begebe ich mich einen frisch mit Rindenmulch beflockten Pfad hinunter, um eine komfortable Sitz-Tischgarnitur für einige wenige Sekunden Probe zu sitzen.

Der Experte für Outdoor und Touren___________________________________________________________________________________________________

Die Feuchtigkeit dringt mir vom gut angenässten Holz gleich ins Sitzfleisch, weswegen ich mich auch schleunigst Herbert wieder anschließe. Als fotografierender Wanderer hetze ich ja zumeist meinen Begleitern – oder Voreilern – hinterher, dafür darf Herbert auf meine Anweisungen hören. »Noch etwas weiter nach links.« »Aber der Abhang!« »Stell dich nicht so an, mach schon.« »Na guuuuuuuu…«

Wie erkläre ich das meiner Schwester. „Ja, und dann war Herbert einfach weg.“

Wer sich einmal gewundert hat, weshalb auf den professionellen Fotos immer ganze Wanderscharen zu sehen sind, sollte sich solch eine Bilderreihe einmal in aller Ruhe ansehen. Die Wandergruppe ist zu Beginn der Bilderreihe größer.

„Du kommst hier nicht hinein!“

Weniger gefährlich als die Abhänge sind die vielen Schiefergruben. Schiefergruben ungefährlich? Ja, die hier schon, denn ihnen wurde der Zahn gezogen, indem sie mit stabilen Eisengittern vor neugierigen Wanderern gesichert wurden. Fledermäuse dürfen hinein und hinaus, wir nicht. Schade, aber einleuchtend, denn es ist ja dunkel in den Höhlen. Und tief und einsturzgefährdet sind sie womöglich auch.

Abwechselnd wandern wir also und gucken in Gruben und nähern uns so dem Baybach.

Klettern geht an der kleinsten Wand.

Ist der Baybach erst einmal erreicht, wird es gleich abenteuerlich. Im Nachhinein fällt es mir schwer, die Passagen nah am Bach oder etwas weiter im Hang, dann gesichert durch ummantelte Stahlseile, auseinanderzuhalten.

„Da hoch?“ „Ja, und du trägst mich.“

Es ist ein steter Wechsel, rauf und runter, Felsklippen aufwärts und wieder hinab, festhalten und loslassen, Tritt fassen, auf glitschigem Gestein oder satt-feuchtem Untergrund wegrutschen, fluchen über die Sche…kamera, die am Gurt um den Hals baumelt und den Fels knutschen will, Herbert, der wieder weghuscht, um sich weiteren Fotos zu verweigern (»Herbert, noch ein Fotoooo!«), so geht es bachauf, das gurgelnde, über die Steine springende Wasser immer vor den Augen.

Wie die Klamm einen Menschen doch verändert:

Das sollte man selbst erleben. Ob es anderen gefällt, weiß ich nicht. Etwas mögen ist immer sehr individuell, Gott sei Dank, sonst würden wir ja alle dieselbe Biersorte trinken (Alt womöglich. Gott bewahre.) Manche mögen keine glitschigen Steine, ab und zu mal einen Fehltritt ins schlammige Geläuf, die wenige Sonne, die sich heute ganz verweigert, aber auch sonst nur hin und wieder durchs Blätterdach traut.

Spielkinder

Herbert und ich jedenfalls haben Spaß an der spät-pubertären Springerei. An der Schmausemühle schnappen wir kurz Luft, sagen aber nein zu einer Einkehr trotz der verführerischen Speisekarte (die Forelle soll hervorragend sein), machen einen erneuten Schlenker von dem Fahrweg weg, überqueren eine weitere Brücke und gelangen zur Heyweiler Bauernmühle, die, entgegen dem ersten Anschein, gerade mal 40 Jahre alt ist, auf einem alten Mühlengebäude neu errichtet und heute in Privatbesitz ist.

„Mach auf, sonst trete ich ein.“

Das hindert uns nicht daran, die dort befindliche Sitz-Tisch-Ruhegruppe breitflächig in Besitz zu nehmen. Mahlzeit! Und wie, denn als ob sie es gerochen hätten, kommen nun aus allen Richtungen (na, genau genommen sind es zwei Richtungen: die, aus der wir kommen, und die, in die wir gehen werden) Heerscharen von Wanderern beiderlei Geschlechts. Das »Mahlzeit« bleibt uns erspart, ich hätte auch sonst mit Brotkrumen geworfen, doch die vielen »Guten Appetit« nehmen wir gern an.

„Du kommst hier nicht vorbei!“

Vorhin schrieb ich von »Passagen nah am Bach …« und so fort. Ich könnte mich nun wiederholen, tue es aber nicht, was Papier spart und die Zeit des Lesers. Aber zwischendurch verrate ich etwas: Ich kann mich an keine Wanderung erinnern, bei der es so wie auf der Traumschleife nicht einen einzigen Moment der Eintönigkeit gab, bei der es nicht mittendrin mal eine Passage nach dem Motto »hätte jetzt nicht sein müssen« oder »nicht schon wieder Wald« gab. Die Traumschleife Baybachklamm hat für mich keinen einzigen überflüssigen Meter, da bringt jeder Schritt etwas Neues oder etwas bereits Gesehenes, nur wieder anders.

Ehrlich gefährlich? Nein, nur Eindruck schinden.

Irgendwann findet aber jede Klamm ihr Ende – der Pfad führt nun am Frankweiler-Bach entlang. Hinauf, was auch sonst. Schieferwände links und rechts, Hinweise auf längst aufgegebene Stollen, ein Schwenk zu einer Felsrippe mit einer spektakulären Aussicht und der Chance für Herbert, seine Schwindelfreiheit ein weiteres Mal erfolgreich auf die Probe zu stellen.

Hart am Rand:

Abwechselnd geht es wieder über ausgetretene Wege und die hoch gelobten und heiß geliebten schmalen weichen Pfade weiter, bis wir Licht sehen. Wir sind auf der Höhe, die Sonne lässt sich noch immer nicht blicken, sodass wir unbehelligt an Feldern entlang und gesäumt vom Wald wandern, um bald schon wieder in den Laubwald abzuschweifen.

„Also jetzt nochmal hier runter?“

Ich sag noch zu Herbert: »Hoffentlich nicht schon wieder eine Aussicht.« Da wartet sie schon auf uns, die Barreterlei. Augen auf Wanderschaft schicken. Gelassen einatmen. Ins Tal schauen. Der Stille lauschen.

Beiläufige Fußpflege (dieser Besen liegt übrigens an der Bank bereit!)

Sich abwenden, den Weg weiter, erneut raus aus dem Wald, ein kleiner Bogen für den Weg, um noch einen Blick auf Burg Waldeck zu erhaschen. Und dann wieder … in den Wald. Hin und her, bis es genug ist.

Am Parkplatz nutzen wir den dort an einer Bank angebrachten kleinen Besen, um unsere Sohle reinzuwischen. Und schon dort bedauere ich, dass die Baybachklamm schon ihr Ende gefunden hat. Meinetwegen hätt’s noch ein gutes Stück so weitergehen können. Oder …

Nein, besser doch nicht. Ist wie mit Vanilleeis oder so. Ein Bällchen ist lecker, zwei sind gut, drei schon viel. Danach wird’s eintönig. Genug ist genug. Es gibt wie bei vielem ein »ideal«, auch bei Wanderwegen. Die »Baybachklamm« hat die ideale Länge. Mehr wäre zu viel, weniger nicht genug.

Baybach

Reicht das als Fazit? Nein, natürlich nicht. Ich weiß eigentlich gar nicht, wo ich mit meiner Begeisterung hin soll. Will aber betonen, wie es ja für alle meine Wanderberichte gilt, dass die Eindrücke sehr persönlich sind. Manchmal verliert der Leser das vielleicht aus den Augen und meint womöglich, ich sähe mich als jemanden, der meint, die Wanderweisheit mit der Schöpfkelle gegessen zu haben. Sicher nicht. Sicher ist, dass die »Traumschleife Baybachklamm« bei jemand anderen nicht dieselbe Schwärmerei auslösen wird wie bei mir.

Im Dunst und im Grün versteckt: Burg Waldeck

Irgendwie war es so ein kleines Jungsabenteuer für ältere Herrschaften mit weniger lockeren Gelenken und weniger Tatkraft wie damals, als wir noch bis in die Wipfel der Bäume kletterten oder auf Felsen herumturnten. Heute flutscht das alles weniger geschmeidig, Hochgebirge ist für mich eine Nummer zu groß und zu weit. Deshalb bin ich sehr froh, ab und zu mal in einer Klamm wie dieser herumkraxeln zu können. Keine große Sache, aber groß genug, um Spaß dabei zu haben.

Spaßvogel

Und die Baybachklamm ist davon abgesehen ein Hort der Wohltat; schon allein durch ihre Enge und Abgeschiedenheit löst sie schnell die Anspannungen, die der Alltag mit sich bringt, lässt zumindest mich in eine andere Welt, immerhin für ein paar Stunden, versinken. Lange genug, um das Ende zu bedauern.

Sicher, im Hochgebirge wird es häufig klammer zugehen als in unseren an sanften Erhebungen reichen Mittelgebirgen. Umso mehr wert ist mir jetzt die Baybachklamm. Gibt es Wanderwege, die ich liebe. Ja, einige. Die »Traumschleife Baybachklamm« gehört nun ohne Vorbehalt dazu. Dafür fahre ich auch meilenweit …

Und die Frage nach der Klamm haben wir dann dank Wikipedia auch geklärt.

Wehmütiger Blick

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12 Responses

  1. Bastian

    Sehr schöner Bericht über meine „Hausstrecke“. Eine Einkehr bei Thea auf dem Steffenshof hätte euch noch gefehlt.
    Vom Datum her könnten wir uns sogar fast begegnet sein, ich war am 22.09. mal wieder dort unterwegs um mir die neuen Streckenpassagen und Infotafeln anzuschauen, die für die Neuzertifizierung des Weges eingearbeitet wurden.
    Freut mich, dass es euch im Hunsrück gefallen hat, auch wenn die Anfahrt natürlich etwas länger ist.
    Was mich aktuell noch von den Wegen in eurer Gegend, vor allem den Wäller Touren, abhält.

    Grüße aus dem Hunsrück,
    Bastian

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    • Georg

      Dann sind wir in Deinen Fußspuren gewandert, Herbert und ich waren zwei Tage später dort unterwegs. Tja, am Steffenshof sind wir vorbeigelaufen – und das, obwohl ich Deinen Wanderbericht einige Tage vorher gelesen hatte. Aber was ich nicht aufschreibe, vergesse ich … Und letztendlich: Der Hunsrück wird mich auf jeden Fall wiedersehen, es stehen ja noch einige (sehr viele „einige“) Traumschleifen aus. Und die vielen anderen Wanderwege.

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  2. Rosi

    Das sieht mir ja fast leicht aus, wie ihr zwei das bewältigt. Herbert geht die Wanderung ganz locker an, deine Reaktion sieht man ja leider nicht 😉
    Ganz abgesehen davon, wieder mal eine gute Beschreibung der interessanten Wanderung, Georg.

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  3. Judith

    Sehr schön!!!
    Viele schöne Bilder und ein geistreicher Text machen Lust darauf, die Traumschleife zu erwandern. Auch wenn ich dafür über 100 km in den schönen Hunsrück fahren müsste….;-)
    Liebe Grüße
    Judith

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    • Georg

      Vielen Dank! Es gibt nahe bei der Baybachklamm noch einige weitere Traumschleifen (beispielsweise Murscher Eselchen, Rabenlay, Ehrbachklamm – möglich sind dort auch schöne Streckenwanderungen direkt hinunter zur Mosel) und Traumpfade („Bergschuchtenpfad Ehrenburg), zudem sind ja Rhein und Mosel nicht allzu weit entfernt. Vielleicht eine Möglichkeit, für ein oder zwei Übernachtungen in den Hunsrück zu fahren?

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  4. Angelika

    Oh ja die Klamm … da kommen auch für mich Erinnerungen auf – ein wirklich sehr schöne Runde, die ich wie Ihr empfunden habe – immer interessant – abwechslungsreich – und eine kleine Spur von Abenteuer genau das richtige Maß. Vielen Dank für den wieder toll gelungenen Bericht bei dem man ständig schmunzeln muss. Gern wäre ich als Beobachter da mal unaufällig dabei gewesen – ich glaub ich hätte mich mehr als einmal weggeschmissen.
    Schön wenn man solch passende Wanderfreunde hat 🙂

    Liebe Grüße Angelika

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    • Georg

      Die Enttäuschung wäre Dir gewiss, Angelika. Natürlich sind die Fotos inszeniert, die Leichtigkeit und Ausgelassenheit beim Wandern gestellt und überhaupt: Wandern ist eine ernste Angelegenheit! 😉 Aber vielleicht erwischen wir uns ja mal auf einer Tour. Du erkennst uns ja dann: Wir sind die Lauten im Wald.

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  5. Elke

    Für mich war die Baybachklamm eine der schönsten Wanderungen, die könnte ich nochmal gehen, fällt mir beim lesen des Berichtes und schauen der Fotos so ein 🙂
    Schön, dass du deinen Schwager wohlbehalten zu Hause abgeliefert hast und nicht in Erklärungsnot warst 😀
    LG Elke

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    • Georg

      Meine Schwester kennt mich ja und ist sehr verständig, wenn ich Herbert nicht schadfrei nach Hause bringe. Was aber vornehmlich dann vorkommt, wenn wir – selten! – mit dem Mountainbike unterwegs sind; und dann erwischt es eher mich.

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  6. Einfach bewusst

    Ausführlicher Artikel mit schönen Bildern. Weiter so! Schade nur, dass die Klamm nicht um die Ecke ist. Den Weg mit der Seilversicherung würde ich liebend gerne gehen.

    Viele Grüße aus Franken,

    Christof

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    • Georg

      Im nächsten Jahr werden Petra und ich ja sehen, ob die Fränkische Schweiz nicht mindestens ebenso schöne Klammen zu bieten hat. 🙂

      Antworten

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