Sie haben mich gleich zweimal beworfen! Wer und was – und warum? Elke war’s, und Jürgen auch. Elke warf das Blogstöckchen rüber von ihrem Blog “Fotografische Reisen und Wanderungen”, Jürgen holte von seinem Blog “Wanderwegewelt” weit aus. Jetzt liegt das Blogstöckchen schon eine gute Woche bei mir im Garten, und es ist – nach dem Prüm-Urlaub – endlich Zeit, mich drum zu kümmern.

Mit dem Finger, dem bösen, zeig ich jetzt mal auf den, der damit angefangen hat. Der da war es, Axel von “Outdoorseite”. Axel fing also an (na, genau genommen war es wohl Hendrik, den ich nicht kenne, aber die Geschichte dahinter steht auf Axels Blog). Was also, stellt er die Frage, ist wirklich immer und auf allen Touren dabei.

Sehr viele Wander- und Outdoorblogger haben bereits Antworten gegeben (auch diese auf Axels Outdoorseite nachlesen), jetzt also bin auch ich dran. (Danke, Elke! Danke, Jürgen!)

Eine optische Täuschung, und du fällst wirklich herein! Es sind Gesundheitsriegel. Schau bitte genauer hin.

Natürlich, es sieht etwas mager aus, das Häufchen. Üblicherweise nehme ich mehr mit, aber irgendjemand (und ich bekomme noch raus, wer das war!) hat mir einige Schokoriegel unter der Nase weggefuttert! Wer sich bisher gewundert hat, weshalb ich mit einem 50-Liter-Rucksack unterwegs bin, kennt nun einen Grund.

Einen!

1. Es dürfte jedem einleuchten, dass ich niemals (NIE!) Gesundheitsriegel, Biofladen oder Halt-dich-fit-mit-Kitt-Schnitten mitnehme. Ich bin in den 60er- und 70er-Jahren sozialisiert worden. Damals, als das Naschen nur mit einem erhobenen Zeigefinger, aber nicht mit stundenlangen Zitaten aus Gesundheitsbibeln geahndet wurde. Kleine Sünden haben noch richtig Spaß gemacht, ohne dass ein Besserwisser im Fernsehen eine Sondersendung drüber veranstaltete.

Holladiewaldfee, was sehe ich da! Der sogenannte “Obstriegel” gehört selbstverständlich nicht auf den Haufen! Wenn ich den erwische.

Moment, ich bin mal grad weg, ich schreibe gleich weiter.

Den Fremdgänger in der Mitte bitte ignorieren.

Bin zurück. War wieder keiner gewesen. Klar.

2. Also, weiter mit meinen unverbindlichen Empfehlungen an alle, was sie mitnehmen sollten, weil ich es mitnehme. Kaffe in verschiedenen Sortierungen. Bevor der Hype um Kaffelatten so richtig einsetzte, nahm der gemeine Wanderer natürlich schon längst eine größere Palette an Kaffeevarianten mit. Eine Wanderung soll ja das Gefühl vermitteln, daheim zu sein, nur unter Bäumen. Kaffe gehört dazu. Tee natürlich nicht. Das Foto spiegelt also eine nicht richtige Situation wieder, für die jemand anderes verantwortlich ist. Also bitte nochmal Geduld, ich kläre das. Bin gleich zurück.

GPS-Gerät für die Altvorderen.

3. Und der Beginn eines kleinen Suchspiels. Welchen Gegenstand muss ich unbedingt immer dabei haben? Genau, man sieht es kaum, wenn man die Lesebrille nicht aufsitzen hat. Die Lesebrille. Ohne die bin ich blind. Man sagt dann zwar: das ist das Alter. Aber es sind, wenn man genauer hinschaut, die Augen.

Um die folgende Situation – in die zwei ortsbekannte ältere Wanderer gerieten – nicht ein zweites Mal erleben zu müssen, steckt die Lesebrille immer im Rucksack. (Entscheidend ist dann nur noch, den richtigen Rucksack mitzunehmen.)

Freund: “Wir haben uns verlaufen.”

Schlenderer: “Kein Problem. Wir haben die Karte. 1:1.000, da ist alles drauf, sogar die Kuhfla…”

Freund: “Ist klar, dann guck mal drauf.”

Schlenderer: (holt die Karte zögerlich heraus, breitet sie etwas ungeschickt auf dem Rasttisch aus) “Da. Mach du mal, du guckst doch so gern.”

Freund: “Iiiich! Nein, ähm, weißt du … du hast doch heut Geburtstag, du darfst gucken.”

Schlenderer: (gespielt empört) “Ich? Hab ich nicht.” (guckt wirr über die Karte, der Zeigefinger huscht von hier nach dort und weiter weg) “Mist, ist nicht drauf. Jetzt guck du doch mal.”

Freund: (verschränkt die Arme vor der Brust) “Nö, ich mag jetzt nicht mehr.” (schaut nervös zur Seite weg, kneift die Augen zusammen, sucht den Wald)

Schlenderer: “Ach, kannst mich mal. Gehn wir halt zurück. Wo kamen wir denn her?”

Freund: (sucht weiterhin den Wald) “Ich glaub, von da.” (zeigt in eine ungefähre Richtung) “Aber guck besser mal auf die Karte.”

Schlenderer: “xxxxxxxxxxxxxxxxx”

Mein Rat also: Lesebrille (spätestens ab 50) nichtundniemals vergessen! Es erhält alte Freundschaften.

[Ich gebe das Blogstöckchen nicht weiter, sondern behalte es. Mirmirmir! Wenn ich nicht völlig blind bin – was ja, siehe zuvor, durchaus möglich wäre -, finde ich niemanden mehr, der das Blogstöckchen noch nicht in den Händen gehalten hat. Sollte ich jemanden in meiner Linkliste übersehen habe, dann bitte ich vielmals um Entschuldigung!]

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
Schlenderer

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29 Responses

  1. Wanderreporterin Karin

    Hi Georg, nach dem ich sozusagen das Blogstöcken einfach genommen habe, ohne es erhalten zu haben… habe ich durch Querlinks Deinen Beitrag gelesen und bin nachträglich zutiefst beleidigt, dass Du ihn mir nicht zugeworfen hast, wo Du doch sogar ab und zu schon auf meinem Blog unterwegs warst… *Schmoll*.
    Aber dafür hast Du mich mit einem Beitrag sehr amüsiert und damit alles wieder gut gemacht. *Grins*.

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    • Georg

      Oh, ich werfe doch jungen Damen keine Blogstöckchen zu! :-) Aber Du wirst mir vielleicht verzeihen. Menschen wie ich, die jenseits der 50 schlendern, verlieren rasch den Überblick über all das, was ihnen im Internet auf den undurchschaubaren vielen Pfaden begegnet.

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  2. Felix

    Hallo, ein wirklich außergewöhnlich schönes Blogstöckchen :). Alles gute für Ostern und beim Schlendern, Gruss, Felix

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    • Georg

      Das Blogstöckchen wurde bereits bunt angemalt und im Garten zwischen den Sträuchern versteckt. Leider fehlt – noch! – das Grün drumherum, weshalb es jeder aus einer Meile Entfernung entdecken kann.

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    • Georg

      Meine mürben Knochen werden es danken. ;-) Aber ich muss zugeben, für dieses Jahr mit dem Ältesten noch eine Tour eingeplant zu haben: Bopparder Hamm. Die stellt für geübte Kletterer sicher keine Herausforderung dar, doch meine mir Angetraute hat schon alle Arme, die ihr zur Verfügung stehen, über dem Kopf zusammengeschlagen.

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    • Georg

      Deshalb gebe ich das Blockstöckchen ja auch nicht mehr her! :-) (Und die Schokoriegel natürlich auch nicht, sonst knurrt mir der Magen noch beim Wandern, und dann ist es mit dem Genießen auch vorbei.)

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    • Georg

      Viele Grüße zurück in die Fränkische Schweiz. Und beim Besuch deines Blogs stolperte ich über dein Buch “Biergartenwanderungen Fränkische Schweiz” (ich verlinke auf Amazon, obgleich du jüngst deine Verbindungen dorthin abgebrochen hast), das ich mir näher anschauen werde. Aus familiären Gründen werde wir in diesem oder im nächsten Jahr höchstwahrscheinlich einige Tage nahe bei Nürnberg verbringen, und die Fränkische Schweiz hatten wir uns da bereits ausgeguckt.

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      • Christof

        Danke! Ja, das Buch ist von mir (und meinem Vater) ;) Und stimmt, ich verlinke nicht mehr auf Amazon. Allerdings blogge ich auch über Minimalismus und Nachhaltigkeit. Da passt Amazon einfach nicht dazu.

        Die Fränkische Schweiz ist ein tolles Wandergebiet, das noch so etwas wie ein Geheimtipp ist. Die Halbe kostet hier noch 1,80 EUR … Apropos, falls Du wirklich hier mal vorbeischaust, können wir uns gerne auf eine Halbe treffen.

        Viele Grüße,

        Christof

      • Georg

        Unser ältester Sohn und ich haben uns auch gemeinsam in einem Buch “verewigt”; war zwar ein sogenanntes Quellenbuch zu einem Fantasy-Rollenspiel (MIDGARD), aber nun stehen wir beide halt namentlich drin. Und dieser älteste Sohn veranlasst uns auch zu einer (weiteren) Reise ins Frankenland, die wir dann mit einem kurzen Wanderurlaub verbinden wollen. Es schaut also so aus, als ob wir sehr höchstwahrscheinlich in nicht ferner Zukunft dort einfallen; mit Prospektmaterial hatten wir uns unlängst bereits versorgt.

        Für den Preis gibt’s bei uns nur Öttinger Bier im Pappbecher. Stell also schonmal das Bier kalt.

        Ansonsten empfehle ich an dieser Stelle deinen Blog gerne weiter: einfach mal hinüberschauen zu Christof.

      • Christof

        Da gibts ja paar Parallelen! Dann bring ich meinen Vater mit und wir machen zu mindestens viert eine Tour durch die Fränkische … Danke auch für den Hinweis auf meinen Blog!

      • Georg

        Mindestens … Aber nur, wenn ihr Jüngeren nicht auf die Idee kommt, zu bouldern und zu klettern. Unser Ältester springt, seitdem er “bei euch” lebt, von Fels zu Fels.

  3. Rosi

    Ich habe herzlich gelacht und mich nebenbei noch köstlich amüsiert
    über das Gelesene im Blogstöckchen Georg ;-)
    und frage auch nach, wann gibt es den Eifel-Krimi endlich zu kaufen?

    Antworten
  4. Katrin

    Hallo Georg,

    so, nun wissen wir also Bescheid, was in deinem Rucksack so herumschlendert… oder mit geschlendert wird…. wie auch immer – es hat Spaß gemacht, zu lesen.

    Aber sag mal Muckefuck??? Urgs…. Wer trinkt denn sowas beim Wandern? Oder doch eher beim Schlendern?

    Lesebrille… Oh da hast du ein Thema angesprochen…. Habe ich doch auf meinen letzten Wanderungen selbst bemerkt, wie anstrengend sich das Karten-/Smartphone-/Garminlesen ohne Brille inzwischen gestaltet und – noch viel schlimmer!! – das Lesen der Speise- und Kuchenkarte bei der Wandereinkehr. Und ich habe mich gefragt, ob ich nun bald auch eine Wander-Lesebrille mit mir tragen muss? Du hast die Frage beantwortet, zumal ich die von dir genannte runde Jahreszahl in naher (und zwar seeeehr naher) Zukunft erreichen werde. Danke, danke, danke für deinen Rat, ich bin erleichtert. :-D

    Viele Grüße aus dem Aichtal
    von Katrin
    (kommentiert mit Lesebrille)

    Antworten
    • Georg

      Muckefuck biete ich unterwegs den Bikern an, die ich auf den engen Pfaden treffe. ;-)

      Und Speisekarten sind ein eigenes Kapitel. Schöne Atmosphäre mit Kerzenschein und Düsternis (damit man nicht sieht, was man aufgetischt bekommt) – und dann wird mir die Speisekarte gereicht. Im Restaurant habe ich nie eine Lesebrille dabei. Ich bestelle dann immer blind “Jägerschnitzel”, das ist meist verlässlich im Geschmack; bei der Soße ist halt nur die Frage: Ist es Maggi oder Knorr.

      Antworten
  5. Angelika

    Ach ist der Bericht mal wieder herrlich. Hatte ihn im Zug gelesen und musste wieder mal von einer Backe zur anderen grinsen und mich beherrschen nicht lauthals los zu lachen – sonst hätten sie mich vermutlich an der nächsten Haltestellen mit der Jacke abgeholt :-) – herrlicher Bericht wie immer ! Übringes die Thermoskanne mit dem roten Becher befindet sich auch in meinem Rucksack ab und zu :-) allerdings nur mit Kaffee ohne Milch !
    Liebe Grüsse Angelika

    Antworten
    • Georg

      Dann werde ich mich bei den folgenden Berichten bemühen, sehr ernsthaft zu sein, damit du gefahrlos im Zug mitfahren kannst. Es wirft auch kein gutes Licht auf mich, wenn meine Leserinnen und Leser in die Geschlossene eingeliefert werden. (Andererseits käme ich so vielleicht ins Fernsehen …)

      Antworten
  6. WanderHund

    Lieber Georg,

    wann kommt endlich dein erstes Buch heraus? Ich bin eigentlich bekennender “Nicht-Leser” aber auf Deine Berichte freue ich mich immer wieder aufs Neue. So unterhaltsam geschrieben, mit unglaublich viel Witz und Ironie, da bekommt man tagelang das Grinsen nicht aus dem Gesicht.

    Bitte gib bekannt, wenn dein 1. Buch käuflich zu haben ist, ich bin einer der ersten, die zugreifen.

    Wunderbares “BlockStögchen”, bei Georg haste’s gut ;-)

    Antworten
    • Georg

      Wenn du mich fragst, welche Genres für einen Autor am schwersten zu bedienen sind, dann antworte ich dir: Erotik und Humor. Die Erotik habe ich in einem Roman abgearbeitet, vom Humor werde ich die Finger lassen. Für die “kurze Strecke” wie bei den Wanderberichten genügt es, aber ich selbst läse nicht gern ein Buch im Stil meiner Berichte – das wäre mir zu viel auf einen Schlag. Ich belasse es deshalb bei den kürzeren Beiträgen hier und widme mich lieber wieder meinem Eifelkrimi “Blutschnee”, der geschrieben ist, aber noch nicht zu Ende bearbeitet.

      Und das Blogstögchen hat’s bei mir wirklich gut. Ich habe es gestern sogar vor dem Feuertod im Kamin bewahrt (unter Einsatz meines Lebens, jedenfalls teilweise; der Finger kokelt immer noch).

      Antworten
      • Georg

        Ach, und wenn ich schon übers Schreiben schreibe: Seit einigen Tagen ist “Der Dieb” wieder erhältlich – diesmal aber in der “Kindle Edition”, nachdem die Printausgabe seit etlichen Jahren vergriffen ist. “Der Dieb” ist meine erste längere Erzählung, erschienen in der Fantasy-Reihe “Saramee”. Bei Amazon lassen sich die Einleitung von Christoph Weidler, dem Herausgeber der Reihe, und eine kürzere Leseprobe einsehen.

        “Nachdem sein alter Lehrmeister Adall ermordet wurde, muss der junge Dieb Salil auf eigenen Füßen stehen. In seiner Bewährungsprobe schliddert Salil in das Abenteuer seines Lebens mit einem hinterlistigen Halunken, einem merkwürdigen Gelehrten und einer undurchsichtigen Schönheit. Und Salil schließt eine neue, sehr ungewöhnliche Freundschaft …” All das und noch viel mehr lässt sich nun also wieder nachlesen.

        Wer mehr über Saramee erfahren möchte, wird im Saramee-Wiki fündig.

  7. Guido

    Herrlich, Karl-Georg und eine verflixt schwere Aufgabe für die, die nach Dir kommen ;-) sowie meine Wenigkeit….

    Antworten
    • Georg

      Ach, das wird schon. Eine gute Tasse Kaffee und ein Snickers dazu – und die Finger springen nur so über die Tasten.

      Antworten
  8. Frank

    Sehr unterhaltsam, ich lache noch immer – jetzt brauche ich erst ma einen Schokoriegel und einen anständigen Kaffee ;-)

    Liebe Grüße aus der Eifel
    Frank

    Antworten
  9. Elke

    Ein Wunder, dass du überhaupt zum Schreiben gekommen bist, bei so vielen Übeltätern in deinem sozialen Umfeld, andauernd auf der Suche nach dem Richtigen.

    Ganz ehrlich? Ich habe alles gesehen, auf dem Stapel Karten, auch das Donald Duck Heft, aber die Lesebrille, die habe ich nicht wahrgenommen :-( UND
    du musst sehr stark sein, dass du so viele verschiedene Kaffe Arten mit dir herum schleppst.

    Danke für die Zeit des Grinsens, das immernoch mein Gesicht beherrscht, war wieder eine tolle Beschreibung.
    LG Elke

    Antworten
    • Georg

      Wenn ich ehrlich bin: Ich hatte den Bericht schon vergangenen Mittwoch begonnen. Die Fährte führte mich dann bis nach Prüm, dort musste ich dann erstmal einige Tage zwecks Recherche bleiben. Dem Täter war ich also auf der Spur, allein – ich hab ihn nicht erwischt. Bleibt also nur, zumindest die Schokoriegel so schnell wie möglich (selbst!) zu essen, bevor es jemand anderes tut.

      Dass mit diesem sogenannten “Donald Duck Heft” halte ich für ein Gerücht. Schundliteratur kommt mir nichts ins Haus! Die Lesebrille konntest du nicht sehen, die hatte ich ja auf. Und der Kaffe ich natürlich für all die armen Wanderer, die unterwegs erst feststellen, was ihnen fehlt. Kaffe nämlich. Ich bin halt ein guter Mensch, auch wenn es niemand außer mir glaubt.

      Antworten

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