Vor einigen Wochen fragte ich, wer denn welche “Bestimmungsbücher” zum Wandern mitnimmt. Die Resonanz war eher gering, was mich nicht erstaunt und auch nicht enttäuscht, denn zum einen bloggt ja heutzutage jeder Wanderer selbst (und ich nehme mich da nicht aus!) und hat wenig Zeit, anderen Bloggern in die Hände zu arbeiten, zum anderen erfordert die Beantwortung doch etwas mehr Aufwand, als manche leisten möchten oder können oder was auch immer. Mir geht es oft genauso, weshalb ich – siehe oben – auch gar nicht enttäuscht bin. Eher im Gegenteil, habe ich doch damit quasi die Lizenz zum Labern erteilt. In den letzten Tagen habe ich von verschiedenenen Verlagen einige aktuelle Bestimmungbücher erhalten, die ich nun Buch für Buch vorstellen werde. Den Anfang mache ich heute. Ihr habt es so gewollt.

Gut, es ist nicht die beste Zeit, um in einem Blumenführer zu blättern, und wer sich wie ich den »Kosmos Blumenführer für unterwegs« gerade jetzt für die Wanderung mit in die Tasche packt – was dank der abwaschbaren Kunststoffhülle und des handlichen Formats wegen bestens funktioniert -, wird draußen auf der Wiese und im Wald ein wenig wie der Ochs vorm Berg stehen: was nun, wo doch keine Blümlein blühen?

Auf der anderen Seite ist die Winterzeit genau richtig, um in Büchern zu blättern und sich Anregungen oder Appetit für die wärmeren Jahreszeiten zu holen. Das nächste Frühjahr kommt bestimmt, und dann ist es nicht verkehrt, sich vorher schon einmal schlaugemacht zu haben. Zum Beispiel darüber, welches Büchlein ich denn in den Rucksack packe …

Bei Naturführern ist weniger wichtig, wie viele Seiten das Buch hat, entscheidender ist wohl die Zahl der vorgestellten Pflanzen oder Tiere. 180 bekannte heimische Pflanzen weist der Naturführer auf, umrankt von über 200 Fotos und 100 Farbzeichnungen. Doch halt, eigentlich bin ich schon einen Schritt zu weit. Bei einem Buch ist es wie bei einer Wanderung: Es ist klug, den zweiten Schritt nicht vor dem Ersten zu machen.

Kosmos Blumenführer

Das Buch ist in fünf Abteilungen gegliedert, wie ich gleich zu Beginn erfahre: »Im Wald«, »Auf der Wiese«, »Am Wasser«, »In der Stadt« und »Bäume und Sträucher«. 1 bis 3, Wald bis Wasser, sind auf den ersten Blick einsichtig. »In der Stadt« wird gesondert ausgewiesen, weil sich viele Pflanzen (und Lebewesen) in Stadtnähe und damit auch außerhalb ihres eigentlichen Lebensraumes finden. Genau wie die vier übrigen Abteilungen ist auch »Bäume und Sträucher« durch einen Farbcode hervorgehoben; hier werden die Blüten und Früchte durch weitere Fotos gemacht.

Die Autorin Heike Dorsch führt nach einer anschaulichen Seite mit Fachausdrücken, die anhand einer Zeichnung bildlich dargestellt werden, auf zwei weiteren Seiten kurz und prägnant zum Thema. Deutlich wird, dass dieses Büchlein speziell für Einsteiger gedacht sein wird, ein abschließender Hinweis auf einen anderen, ausführlicheren Blumenführer des Verlages unterstreicht dies. Also genau das richtige Bestimmungsbuch, um die besagten ersten Schritte auf der Blumenwiese zu wagen (aber dabei doch den Hinweis der Autorin beachten: »Um in hohen Wiesen keinen Flurschaden zu hinterlassen, bitte nur vom Wegrand aus botanisieren.«

Aber ich bin ein guter Mensch und gehe vorerst nur im Buch auf die Entdeckungstour. Auf die Wiese. Nun gibt es ja sehr viele Pflanzen dort auf der Wiese, weshalb ich schon sehr froh bin, dass im oberen Teil jeder Seite noch die Blütenfarbe zur Unterteilung dient. Rot, weiß, blau, grün/braun und so weiter – das reduziert die Auswahl doch beträchtlich.[tip]

Kosmos Blumenführer für unterwegs
Autor: Heike Dorsch
Verlag: Kosmos
Erscheinungsjahr: 2012
Seiten: 194
Besonderheiten: über 200 Fotos und über 100 Farbzeichnungen
ISBN: 978-3-440-13012-4
Verkaufspreis: EUR(D) 8,95
Format: 18,6 x 11,0 x 1,4 cm

[/tip]

Am »Gewöhnlichen Dost« (lat. Origanum vulgare, wie ich unter der deutschen Bezeichnung erfahre) illustriere ich, wie jede Pflanze beschrieben wird. Den genannten Namen folgt ein Abschnitt mit »Merkmalen«. Größe und Blüten sind hier wichtig oder die Form der Pflanze: »die derben Stängel sind rötlich überlaufen mit gegenüberstehenden Ästen und aromatisch duftenden Blättern.«

Danach lese ich einiges über »Vorkommen/Standort«, bei Dost sind’s Magerrasen, Gebüschränder, Böschungen und so fort.

Unter »Wissenswertes« erläutert mir die Autorin, dass Oregano – nichts anderes ist ja bekanntlich Dost – bei Bienen und Schmetterlingen eine beliebte Futterpflanze ist und sie in der Heilkunde Verwendung findet.

Innenseiten mit dem “Gewöhnlichen Dost”

Letztlich gibt es noch »Tipps für unterwegs« Fingerzeige wie, dass der Dost besonders an sonnigen Wuchsort ein intensives Aroma besitzt.

Abgerundet wird der Beitrag durch eine farbige Fotografie auf der Gegenseite. Zwei bis drei Pflanzen finden sich auf einer Doppelseite, zu jeder Pflanze entdecke jeweils mindestens eine Abbildung. Das durchgängige Schema wird nur im letzten Teil »Bäume und Sträucher« aufgebrochen, die Blüten oder Früchte nehmen mit kleineren Fotos vorlieb, die Texte beschränken sich auf das Wesentliche – kein Problem, denn die Pflanzen wurden zuvor in den passenden Abschnitten bereits ausführlicher vorgestellt.

Ein Register mit deutschen und lateinischen Pflanzennamen schließt den kleinen Naturführer ab. Nein, nicht ganz, denn eine Werbeseite stellt sich gleich noch als Wink mit dem Zaunpfahl dar, den ich nicht unterschlagen will, denn in der erwähnten Hinführung weist Heike Dorsch genau auf das beworbene Buch hin. Wem nämlich das handliche Buch zu wenig ausführlich ist, kann zu »Was blüht denn da?« greifen, dem »Original«, wie es rot auf dem Cover prangt. 1800 Abbildungen auf 496 Seiten. Hört sich gewichtig an – und ist es auch, wenn ich in der Buchhandlung meines Vertrauens mit eigenen Händen feststellen konnte.

Und genau das ist das Pfund, den das um einiges griffigere Büchlein »Blumenführer für unterwegs« auf die Waage werfen kann. Prinzipiell muss ich im Vorfeld wissen, wozu ich den Naturführer nutzen will. Möchte ich daheim in aller Ruhe nachschlagen, womöglich weitreichender informiert werden, vielleicht mehr Fotos geboten bekommen und dafür in Kauf nehmen, den Brocken nicht im Rucksack unterbringen zu können? Oder will ich die schnelle, aber ausreichend ergiebige Information vor Ort, also dort, wo ich aufs Gewächs stoße, dann auch noch mit der direkten Vergleichsmöglichkeit? Vielleicht auch, um seinen Kindern etwas mehr als ein wenig »Basiswissen Wald« (»Nadelbäume sind die mit den spitzen Dingern«) zu vermitteln.

Wer bei Letzterem nickt, für den die Natur auch noch Neuland ist wie für andere das Internet und der endlich wissen möchte, was für eine seltsame rote Frucht denn da am Wegesrand so lockend-lecker ihren zarten Duft verströmt (ach, es ist die Wald-Erdbeere), der braucht auch nicht sofort den dicken Wälzer. Der erschlägt einen Pflanzenneuling eher durch seine Informationsdichte, und für denjenigen ist ein übersichtliches, handliches Bestimmungsbuch wie der »Blumenführer für unterwegs« genau richtig.

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
Schlenderer

Letzte Artikel von Schlenderer (Alle anzeigen)

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ich akzeptiere