Ein Abschied auf Zeit

Die Schrammsteine rufen, und ich folge ihnen. Doch erst nach einem ausgiebigen Frühstück.

Hotel Elbresidenz an der Therme Bad Schandau

Im Hotel Elbresidenz an der Therme Bad Schandau kommt gar nicht der Gedanke an ein schnelles Frühstück auf – bei der Vielfalt endet der Appetit nie.

Und so bediene ich mich vor der geplanten längeren Wanderung in die Schrammsteine ebenso wie Petra so ausgiebig, dass uns die Zeit einmal mehr davonrennt. Wir frühstücken sogar draußen, obwohl es noch recht schattig ist. Doch die Gartenterrasse hatte uns schon gestern gelockt, nur war es da morgens zu frisch. Heute ist es angenehm. Ein kleines Heftchen informiert uns (und natürlich auch die übrigen Gäste) zudem über das Wetter und gibt Tipps, was sich in Bad Schandau und Umgebung erleben lässt.

Am Vortag habe ich vom Aktiv Zentrum Bad Schandau den Vorschlag zu einer Wandertour in den Schrammsteinen, einschließlich einer Wanderkarte. Die Wanderkarte muss ich besonders erwähnen, und wer einen Blick auf die Seite zu den Böhm-Wanderkarten wirft, wird es verstehen. Einen Detailausschnitt einer Karte sieht man hier: Schrammsteine und Affensteine. Das schaut auf den ersten Blick arg verwirrend aus, vor Ort aber fällt die Orientierung recht leicht. Ich kann es als nicht Einheimischer natürlich nicht beurteilen, aber es sieht so aus: Da ist alles benannt, was unterwegs wartet. Und kleinste Pfade sind verzeichnet.

Was soll also schiefgehen? Gut, Petra gibt mir noch einige wohlmeinende Worte mit auf den Weg, begleitet mich dann zum 1904 erbauten Historischen Personenaufzug in Bad Schandau (meine Wanderung begann quasi direkt im Hotel, jedenfalls stapfte ich rucksackbepackt durchs Foyer) und schaut von unten recht skeptisch nach oben. Aber es wird ja nur ein Abschied auf Zeit sein.

Ostrau

Der Personenaufzug befördert mich direkt zum Luchsgehege, das ich aber weiträumig umgehe. Nicht, weil es keinen Besuch wert ist, sondern weil der Wandertag lang zu werden verspricht. Rund 15 Kilometer sollen nach Wegeplanung vor mir liegen, über die Schrammtore auf die Schrammsteine, dann später über die Heilige Stiege – nach einem Abstecher zum Carolafelsen – hinunter nach Schmilka. Und von dort mit dem Personenschiff zurück nach Bad Schandau, das regelmäßig zwischen den Orten verkehrt.

So war der Plan.

Ostrau hielt mich dann aber gleich auf. Die auf Initiative des Hoteliers Rudolf Sending erschaffene Villenkolonie hielt etliche beachtliche Bauwerke parat, von denen viele frisch restauriert waren, wogegen ein Restaurant beispielsweise auf wieder bessere Zeiten wartet.

Von Ostrau wandere ich hinab zum Lattengrund. Vom Parkplatz dort und von anderswo strömen weitere Wanderer hinzu. Bei der Wanderung werde ich sehen, wie beliebt die Schrammsteine sind. An manchen Örtlichkeiten tummeln sich die Wanderer, jung und alt, und manchmal ist es gar nicht möglich, Fotos ohne Beiwanderer zu machen.

Hinauf zu den Schrammsteinen

Gleich nach dem Lattengrund wird es – wie soll ich meine wachsende Begeisterung in Worte fassen? – aufregend. Aufregend für mich, der ich Eifel und Westerwald oder Taunus als heimatliches Wandergebiet ansehe. Da gibt es auch „Steige“, beispielsweise den „Traumpfad Förstersteig“, oder Stiege wie den „Traumpfad Schwalberstieg“ – aber verglichen, was mich im Elbsandsteingebirge erwartet, ist das – und ich entschuldige mich nicht – echt Pillepalle. Die Leitern oder Treppen, die hier an einem Anstieg verbaut wurden, reichten bei uns für drei Traumschleifen.

Über die Schrammtore geht es dann richtig hinein in die Schrammsteine. Ich wage gar nicht erst, jeden Fels genau zu benennen oder jede Aussicht. Nein, ich kenne mich nach der Wanderung nicht aus. Dazu sind die Schrammsteine zu vielfältig, Felsen, die sich auftürmen hier und da wie tausend Finger einer vielköpfigen, zu Fels erstarrten Schar. Dazu der matte oder schimmernde Sandstein, je nach Wetterlage. Anfangs scheint die Sonne, es bewölkt sich dann, bis später die Wolkendecke erst zaghaft, dann entschlossener wieder aufreißt. Das Farbenspiel ist jeweils ein anderes. Bezaubernd!

Aussichtspunkte reichen sich die Hand. Manchmal direkt am Wanderweg gelegen – ich folge auf weiter Strecke dem Malerweg -, manchmal auch abseits, aber gut beschildert. Wer darüber hinaus wissen möchte, welche speziell für Kletterer zu den Kletterfelsen bestimmten Wege warten, schaue beispielsweise auf der Seite des Nationalparks Sächsische Schweiz unter Downloads bei den Kletterkarten nach.

Schon ein Blick in die Karten zu den Schrammsteinen zeigt die Vielfalt an Namen, Stiegen und Steigen und schmalen Pfaden auf.

Zwischendurch bieten sich immer wieder tolle Aussichtspunke zum Verweilen ein. Ach, eigentlich hätte ich jede halbe Stunde – mindestens! – eine halbstündige Rast einlegen können.

Ach, ich lasse Fotos sprechen

Ab und an ist Orientierung nötig, besonders in den Schrammsteinen. Doch neben den erwähnten Wanderkarten warten gut verteilt Wanderwegweiser. Zudem waren ja sogar so viele Wanderer unterwegs, dass ich sicher sachkundige Hilfe erhalten hätte.

Meine gesamte Strecke habe ich daheim mit Outdooractive nachgehalten.

 

Zudem hatte ich ja den Wanderplan. An den halte ich mich. Vorerst.

Ach du heilige Stiege!

Wie vorgesehen verabschiede ich mich – wirklich nicht ohne Wehmut, und wenn nicht Wanderer um mich herum gewesen wären, hätte ich mehr als eine Träne verdrückt – von den Schrammsteinen. Denn nun geht es bergab. Über die Heilige Stiege.

Drei Kreuze mache ich, dass ich hinuntersteige. Mitleidige Blicke habe ich für diejenigen, die mir entgegenkeuchen. Doch so christlich bin ich nicht, dass ich sie hinauftrage. So springe ich denn behende hinab, wiewohl an dieser Stelle das mahnende Wort zum Elbsandsteingebirge an der Zeit ist.

Das ist wirklich kein Späßchen. Ich fühlte mich auf jedem Schritt gut abgesichert. Erfahrene Alpinisten werden sagen: zu gut. Aber selbst auf den Schrammsteinen sprang mir Jungvolk um die Füße, manchmal auch ältere Spaziergänger mit leichtem Schuhwerk, in das ich vielleicht zu einem Stadtspaziergang hineingeschlüpft wäre, aber nicht hier. Wer einen Eindruck von den Stiegen abseits der gewöhnlichen Wanderwege haben möchte, schaue sich eines der Videos auf Youtube an. Die Rübezahlstiege zum Beispiel … tja, hat was (Petra, bitte nicht Anschauen! 😉 ): Rübezahlstiege auf Youtube

Es ist felsig, es ist steil. Man kann abrutschen, hinunterfallen, abstürzen. Man muss aufpassen. Auf jeden Fall schwindelfrei sein. Einen sicheren Tritt haben, also genau wissen, wo man hinzutreten hat. Sich an den Seilversicherungen wirklich festhalten und nicht den Affen markieren. Bedachtsam gehen. Langsam, wo es nötig ist. Auf die anderen Wanderer Rücksicht nehmen, also beim Einstieg in eine Leiter auch einmal auf den Entgegenkommenden warten. Nicht ungeduldig werden. Genießen, auch wenn mal eine Gruppe entgegenschlafwandelt und die Zeit verrinnt.

Zurück zur Heiligen Stiege. Verbunden mit dem Abstieg genieße ich noch weitere wundervolle Ausblicke.

Dann bin ich unten. Stehe an der Weggabelung. Links weiter abwärts nach Schmilka, zurück mit dem Schiff. Rechts lockt der Elbleitenweg. Ein Blick zur Uhr, und ich bin tiefenentspannt. „Du bist zum Wandern hier, Bootchen fahren kannste auch auf dem Rhein“, sage ich mir und stapfe los. Jetzt unterhalb der Schrammsteine. Und nun passiert mir ein Malheur, das sich als netter Zug der Verwirrung entpuppt. Es mag an der hakeligen Lesebrille gelegen habe, die meine Sehfähigkeit so geringfügig verbessert, dass ich weiterhin als Blindschleiche durchgehen könnte. Jedenfalls fabriziere ich einen „Interpretationsfehler“, sehe eine weiten Bogen dort, wo ein Aufstieg gemeint ist. Es lag nicht an der tadellosen Böhm’schen Karte, sondern am Anwender.

So entpuppt sich der elegante Wegeschlenker als strammer Aufstieg, der nicht endet, wo der Wanderer doch denkt: „Gleich, gleich ist’s vorbei.“

Ja, war es auch. Ich lande am Abzweig „oben“, dort, wo die Schrammsteine nicht mehr höher hinausgehen. Gut, das merke ich schon früher. Aber wie der Biertrinker so sagt: „Wenn es läuft, dann läuft es.“ Und außerdem: Oben ist es doch sehr schön!

Meine verquere Wegewahl zeigt sich gut auf der Wanderkarte bei Outdooractive. Es hat etwas Gutes. So nach Mittag sind die meisten Wanderer schon durch, sage ich mal. Und ich erlebe die Schrammsteine aus der anderen Richtung. Hat ja auch etwas. 🙂 Und außerdem entscheide ich mich – aus Trotz, aus Wanderlust – am Schrammsteintor, gleich noch den Falkenstein mitzunehmen, also eine andere Rückroute zur Straße zu wählen. Eine gute Wahl. Allein genieße ich die Stille.

Ach, und weil ich schon auf anderen Wegen unterwegs bin, halte ich mich auch nicht an den Weg nach Ostrau. Gehe hier auf schmalem Pfad, sehe wuchtige Felsen, ausgetretenen Treppenstufen …

… zurück in die Elbresidenz

Na ja, ganz so dramatisch ist es natürlich nicht. Aber die letzten Schritte führen mich durch Ostrau. Nochmals ein Blick zurück zu den Schrammsteinen …

… und schon geht es mit dem Historischen Personenaufzug hinunter nach Bad Schandau.

Bis zur Hoteltür waren’s letztliche 19,5 Kilometer und gut 650 Höhenmeter – und kein einziger Meter davon kam das Gefühl bei mir auf: „Boah, muss das jetzt sein?“ Langeweile, Eintönigkeit, die Frage, warum ich mir das antue? Nicht einen Moment. Im Gegenteil, ich hätte noch weiterwandern können, so im Hochgefühl schwebte ich. Wer diese Wanderregion nicht liebt, sollte besser Hallenjojo spielen.

Weil ich gegen 16 Uhr zurück bin, bietet sich nach dem Duschen ein Eis auf der Hotelterrasse an, das ich richtiggehend euphorisiert genieße. Den Kuchen, obschon er sehr lecker aussieht, lassen wir bei dem sonnigen Wetter unberührt.

Ja, Petra genießt ihr Eis auch. 😉 Im Anschluss fahren wir zwei noch nach Schmilka. Wir kaufen dort in der Historischen Mühle Backwaren für den Heimweg, und ich sacke ein Fläschchen vom hausgebrautenen Bier ein.

Zurück in Bad Schandau, flanieren wir noch durch den Park des Hotels und das Hotel, bevor wir für das Menü am Abend wieder die schöne Terrasse des Hotels wählen.

Unser letztes Abendessen genießen wir:

  • Apfel-Selleriesüppchen mit Kräutergarnele
  • Schweinefilet unter mediterraner Kräuterhaube auf geschmolzenen Tomaten mit gebratenen Gnocchis
  • Erdbeer-Joghurtmousse mit Vanille-Sahne und Schokoladen-Eis.

Dies alles nach einem feinen Gruß aus der Küche. Dazu schmeckt uns ein Grüner Veltliner – der ist schön fruchtig und genau richtig temperiert.

Muss ich erwähnen, dass wir später müde bis zum Umfallen in die Daunen fallen?

Was bleibt?

Wer unsere vier Wander- und Reiseberichte gelesen hat, der weiß, was für uns bleibt. Wunderbare Erinnerungen. An einen Aufenthalt im Hotel Elbresidenz an der Therme Bad Schandau, der uns auch wegen der überaus freundlichen Mitarbeiter begeisterte. Unser Zimmer verschaffte uns einen Freiraum, den wir sonst nur von zu Hause gewohnt sind. Die Räumlichkeiten sind topp, die Ausstattung wird den Ansprüchen gerecht. Das Frühstück war immer reichhaltig, der Service dabei vorzüglich und nicht anders als beim Abend. Die abendlichen Menüs im Rahmen unserer Halbpension waren delikat, die Speisenauswahl passte jeweils gut zueinander, und zum Hauptgericht standen jeweils zwei Alternativen zur Wahl. Die Weinkarte ist gut bestückt, und – was ich als Rheinländer als Segen empfinde – als Biere stand kein Bitburger zur Auswahl! (Wer in der Eifel oder in den umliegenden Regionen einkehrt, sieht sich ja immer der Bitburger-Plörre ausgesetzt.)

Petra und ich erlebten vier sagenhafte Tage in der Sächsischen Schweiz rund um Bad Schandau. Wir fühlten uns sehr wohl. Die Wanderregion ist ein Gedicht, von dem ich jetzt desöfteren träume. Sicher so oft, das ein Wiederkommen ganz und gar nicht ausgeschlossen ist. Ich befürchte: Wer das Elbsandsteingebirge einmal gesehen hat, den lässt es nicht mehr los. Wer mehr über die Region erfahren möchte, schaue sich auch auf der Internetseite zum Elbsandsteingebirge um: Sächsische Schweiz.

 


[Hinweis! Unsere Wanderreise in die Sächsische Schweiz und ins Elbsandsteingebirge erfolgte auf Einladung von Hotel Elbresidenz an der Therme Bad Schandau und auf Vermittlung von Pressegroup.com – Winterstetter PR GmbH. Die Wanderreise wurde vom Hotel Elbresidenz an der Therme Bad Schandau gesponsert.]

Print Friendly
Georg

Georg

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
Georg

Letzte Artikel von Georg (Alle anzeigen)

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.