Den Traumpfad Eltzer Burgpanorama kenne ich ja. Nicht wie meine Westentasche, aber doch gut genug, dass ich mich über jede erneute Wanderung zur Burg freue. Doch manchmal setze auch ich gern neue Reize. Warum nämlich wandert man so nahe bei der Mosel – und sieht sie trotzdem nicht?

Also sorgte ich für Abhilfe. Wandervorschläge von der Mosel zur Burg Eltz gibt es einige, eine besonders schöne Variante schließt den Buchsbaum-Wanderpfad mit ein. Dieser rund 4 Kilometer lange Pfad quer durch malerischen Buchsbaumbestand führt von Müden nach Karden, immer an der Wand lang, also hart am Fels. Mit Seilversicherungen und Stufen in Hülle und Fülle, aber so abgesichert, dass ich mich bei der Wanderung nie unsicher fühlte. Dass gutes Schuhwerk und Trittsicherheit nötig sind, sollte ich bei Wanderungen in den Weinbergen der Mosel im Grunde nicht mehr dazuschreiben müssen, aber ich bin so nett …

Wer über diesen Traumpfad und alle weiteren Traumpfade mehr lesen will, greife einfach zu meinem Wanderführer Unterwegs auf den Traumpfaden (der Link führt zu Amazon, mein Wanderbuch ist aber überall im Buchhandel lieferbar.)

Die harten Fakten: Der Traumpfad Eltzer Burgpanorama ist 12,7 Kilometer lang, der Buchsbaum-Wanderweg (PDF mit genaueren Angaben – Anmerkung dazu: Der in der PDF gezeigte Wanderweg ist eine längere, über Moselkern führende und mit 16 Kilometern längere Variante, folgt aber von Müden aus bis kurz nach der Burg Eltz meinem bei Outdooractive aufgezeichneten Weg). Die beiden Rundtouren touchieren sich bei der Burg Eltz. Wer den Traumpfad bereits gegen den Uhrzeiger gewandert ist, erinnert sich an die Brücke über den Elzbach kurz vor der Burg (bevor diese dann nach einem kurzen Anstieg und nach dem bekannten »Ohhh«-Fels auftaucht). Dort läuft der Moselsteig zu, der ein Stück laufgleich mit dem genannten Buchsbaum-Wanderweg ist. Kurz nach der zweiten Brücke über den Elzbach (jeder guckt noch einmal zurück und starrt hinauf zur dann bald entschwindenden Burg) zweigt der Buchsbaum-Wanderweg dann rechts in den Hang hinein in Richtung Müden ab. Das baugleiche Wegstück ist also recht kurz. Was mich besonders lockte, war der zweimalige Gang zur Burg. Und das zu verschiedenen Uhrzeiten. Dazu später ein paar Worte mehr.

(Die Wanderkarte sowie die GPS-Daten können nach Registrierung oder Anmeldung bei Outdooractive heruntergeladen werden.)

Zur Wanderung selbst erzähle ich nicht viel, sondern lasse Fotos sprechen. Meine Wanderung kann dank Outdooractive mit der Wanderkarte nachverfolgt werden – nein, mehr noch: nachgewandert. Dazu am besten aber die GPS-Daten herunterladen. Ich kam damit bestens zurecht. Bis auf einen kleinen Aussetzer, den ich wie immer selbst verschuldete. Vermutlich höchst euphorisiert von den tollen Ausblicken auch von der neu geschaffenen Aussichtsplattform auf dem Kompuskopf (zu bestimmten Zeiten mit Weinausschank, den ich aber reflexartig abwinkte, was ich die folgenden Stunden über noch bedauerte …) latschte ich einfach strack weiter den Berg hinab in Richtung Karden, wiewohl gut sichtbar der Abzweig rechts der rechte Weg war. Das brachte mir einige zusätzliche Höhenmeter … Jedenfalls sind alle Wege gut gehbar gewesen, wo nötig, waren sie freigeschnitten. Einige Teilstücke führen über asphaltierte Wege und über eine Straßenabschnitte auf den Höhen, die aber – so mein Eindruck – nur gering befahren sind.

Nach dem Anstieg von Karden zum Klickerterhof weist der Weg übrigens nach links und leitet dann eine Weile über eine besagte Straße. Hier mag es möglich sein, dass eine Route auch über Feldwege – dann rechts am Klickerterhof vorbei – geführt werden kann. Google Earth jedenfalls lässt die Vermutung zu. Wer es probieren möchte …

Ähnlich schaut es beim Österhof aus, den ich rechter Hand nach dem Aufstieg aus dem Elzbachtal sah. Dort führt die vorgeschlagene (GPS-)Route über einen asphaltierten Zuweg, später dann über eine Straße bis zum Flecken Müdenerberg (der sicher anders heißt). Auch hier könnte eine Feldwegvariante (dann rechts beim Österhof über den Parkplatz und danach im Bogen zu dem genannten Flecken) eine Alternative sein.

Noch zu meiner Wanderung. Ich stapfte in Wierschem los (angenehm hektikfrei und nur mit zwei Fahrzeugen belegt, wovon das eine dem Jägersmann gehörte, der mir mit folgsamem Hund entgegenkam), wanderte gegen den Uhrzeiger hinunter ins Elzbachtal, bestaunte Burg Eltz und freute mich über die ungeöffnete Burg, die erst am 1. April wieder der Öffentlichkeit preisgegeben wird, schaffte mich hinauf zur Trutzeltz, um mir die frische Luft um die Nase wehen zu lassen, und folgte dann bis zum Abzweig nach der Brücke tief im Tal dem Traumpfad. Hier dann folgte ich dem Schild »Müden«, erklomm die Höhe, schnupperte sonnige Höhenluft und entdeckte dann nahe bei dem besagten Flecken den Kreuzweg, der mich hinunterführte in Richtung Müden.

 

Weiter auf dem Buchsbaum-Wanderpfad

Beim fränkischen Gräberfeld entdeckte ich Hinweistafeln zum Buchsbaum-Wanderpfad. Ich war richtig, freute mich und freute mich noch viel mehr, als ich auf dem bald schmaler werdenden Weinbergsweg einen imponierenden Ausblick nach dem anderen einsammelte. Und ehe ich mich versah, stiefelte ich zwischen herrlichen duftenden Buchsbaumsträuchern entlang. Wonach die duften, diese blühenden Gewächse? Na, nach Buchsbaum eben! Ich bewundere durchaus Menschen, die allem Duftnoten wie »feiner Hauch von Zitrone« oder »eine Brise Pfefferminz, aber der altägyptische mit den zart-gezackten Blättchen« zuordnen können. Also, jetzt nicht falsch verstehen, ich fand den Duft ansprechend, eher dezent, leicht wie Frühlingsluft, vielleicht ein Häuchchen von Vanille beigemischt, aber mehr unterschwellig … ach, genau: Buchsbaum duftet wie Buchsbaum! Muss man selbst gerochen haben, darf man sich nicht erzählen lassen.

Die Passage über schmale Wege wird veredelt durch Seilversicherungen und von Zeit zu Zeit von Treppenstufen, zwischendurch blieb ich zwanglos stehen und schaute. Während Müden aus dem Blick entschwindet (eigentlich sogar recht schnell, weil es im Rücken liegt), taucht Karden vor mir mit der dominierenden Stiftskirche St. Castor auf, die auch als Moseldom bezeichnet wird (offenbar ein Pendant zu den zahlreichen Eifeldomen) und deren Bau im 12. Jahrhundert begonnen wurde. Zweifelsohne ist sie einen Abstecher wert, und der Besuch bietet sich an, wenn man den Buchsbaum-Wanderpfad in Karden startet. (Wobei mich ja der erwähnte Abschweif nach dem Kompuskopf fast bis hinunter gebracht hatte und ich … naja, beim nächsten Mal.) Wer wie ich nicht die Variante über Moselkern, sondern verkürzt über Müden wandert, doppelt den Weg auch nur auf rund 1 Kilometern, nämlich von der ersten Brücke über den Elzbach bis zum Abzweig nach der zweiten Brücke. Die Moselkern-Variante dagegen läuft noch weiter bis zur Ringelsteiner Mühle wegegleich.

Einige Bänke erleichtern das Sitzen und Schauen, ganz famos ist natürlich der genannte Aussichtspunkt am Kompuskopf mit Tischen, Bänken, Hütte und Wein (nicht immer!)

Von da an geht’s bergab – bis zum Abzweig. Dann nach rechts, noch einige Aussichten mitnehmen, und ab dafür zurück auf die Höhe. Der Klickerterhof wird rechts liegen gelassen, das kleine asphaltierte Wegstück fliegt unter den Hufen nur so weg, und dann heißt es auch schon wieder: rein ins Grün! Der Wald ruft, das dreistöckige Forsthaus Rotherhof wird halb umrundet, der Weg neigt sich gemächlich abwärts, bevor dann das erste »Ohhh« auf den Blick zur Burg Eltz verweist. Rechts schält sie sich sauber zwischen den Bäumen heraus. Die Wanderschuhe laufen dann wie von selbst auf schmalem Kammweg abwärts bis zum Elzbach, wo der Buchsbaumwanderweg wieder gemeinsame Sache mit dem Traumpfad Eltzer Burgpanorama macht.

… und wieder auf dem Traumpfad Eltzer Burgpanorama

Gemeinsam also ein zweites Mal hinauf zur Burg Eltz, nochmals um den »Ohhh«-Fels herum, nochmals hinauf zur Trutzeltz (bitte mich nicht für irre halten, aber es waren einige Stunden vergangenen, und die Vegetation hatte große Fortschritte gemacht, sodass sich dem Fotografen in mir ganz neue Ansichten boten, ähem).

Danach tief hinunter ins Elzbachtal, dem Traumpfad folgen bis zur Ringelsteiner Mühle, den schlaffen Tagesgästen dort einen überschlauen Blick zuwerfen (die hatten echt eine saugeile Tour verpasst), um dann im Anstieg von der Mühle scharf ausgebremst zu werden. Für einen kurzen Moment – ich war geneigt, mich flach auf den Boden zu legen – schlug der Hungerast von hinten zu, obwohl ich gut gegessen hatte. Jedenfalls hatte ich ein Augenblickchen lang das Bedürfnis, diese »Scheißwanderung« zu einem Ende zu bringen. Kennt sicher jeder, so ein Punkt mal zwischendurch, bei dem durch den Kopf der Gedanke kreist: »Jetzt aber mal richtig schön Nachmittags-Fernsehen gucken, so mit Talkshow und Deppen, die nie ihren Arsch hochkriegen und wandern«

War aber nur ein Augenschlag lang oder zwei, in denen ich an der Sinnhaftigkeit des Wanderns zweifelte (unter meinen gut profilierten Wanderschuhen flutschten mir gerade die knöchelhoch ausgelegten knackig-alten Blätter weg, während ich mich mit dem Ganzkörper leicht dem Boden zuneigte und mit der Nase die oberste Schicht Laub antippte) und die Bierbelohnung daheim von einer auf (mindestens!) zwei Flaschen erhöhte. Dann war dieser Aussetzer auch schon wieder vorbei, und so gut wie pfeifend stocherte ich die letzten Schritte hinauf.

Die Bank nach dem Anstieg kennt sicher jeder. Die war natürlich besetzt. Wie üblich von Rucksäcken, während die Träger danebenstanden und schwatzten (um sich in Kürze an den mühsamen Abstieg zur Mühle zu machen). Das war gut, denn so ging ich die wenigen Meter rechts zum schönen Aussichtspunkt. Unbebankt, aber dafür mit lebhafter Luft, die mir um die schweißnasse Stirn wedelte.

Der Rest ist einfach laufen lassen. Ein bisschen Auf und Ab, umschmeichelt von Ausblicken über die Eifelhöhen. Noch ein paar Grußworte an das Fleckvieh auf der Weide, dann ab ins Auto und heim mit Iron Maiden. Irgendwann muss die Entspannung ja auch ein Ende haben.

Wer bis jetzt aufmerksam gelesen hat, wird jetzt wissen: Ich bin eine Acht gewandert. Die Variante würde ich so wieder wählen, aber viele halten mich ja sowieso für komisch. Es gibt natürlich zahlreiche Möglichkeiten. Zum einen gibt es einen offiziellen Parkplatz am Österhof (2 Euro fürs Tagesticket, dafür ist der Parkplatz auch unbewacht, aber grasfrei). In Karden lässt sich auch gut starten. Weiterhin wäre eine noch längere Version mit dem Weg hinunter nach Moselkern machbar. Generell ließe sich das Auto auch an der Ringelsteiner Mühle parken (kostenpflichtig, aber frag mich jetzt niemand, wie teuer es dort ist, sein gutes Stück gegen Gebühr den unbekannten Parkplatzhütern anzuvertrauen). Dann käme der Aufstieg von der Ringelsteiner Mühle gleich zu Beginn (der jetzt wirklich nicht so arg ist, wie es sich vorhin las).

Glasklar ist aber für mich: Das war eine atemberaubende Wanderung! Burgen nehmen mich ja immer ein (und dann noch zweimal die Burg Eltz!), die Mosel ist wunderbar, der Buchsbaum-Wanderpfad ein Erlebnis, die Abschnitte über die Höhen bringen frische Luft in die Lungen … Famos.

Ein Tipp noch: Wer wirklich die gesamte Strecke in der vorgestellten Variante gehen möchte, bedenke bitte, dass ab 1. April Burg Eltz wieder geöffnet ist. Mein Vorschlag deshalb. Früh in Wireschem los, 7 Uhr ist eine gute Uhrzeit. Dann ist man gegen 8 Uhr an der Burg. Menschenleer (verglichen auf jeden Fall mit später). Gegen 9 Uhr werden die ersten Schritte im Moseltal gemacht, also bei noch guten Temperaturen, wenn ein heißer Sommertag ansteht. 1 Stunde verlustieren in den Moselhängen, dann wieder rauf auf die Höhe. Vermutlich gegen 11 – 12 Uhr steht Burg Eltz zum zweiten Mal an. Der Unterschied besonders an einem sonnigen Sonntag zum Erleben wenige Stunden zuvor dürfte … tja, bemerkenswert sein. Wer jetzt mag, kehrt ein, weil es ist ja Mittag. (Zum Glück wird man der Einzige mit dem Bedürfnis sein, Nahrung aufnehmen zu wollen.) Gegen 13 Uhr steht dann der schattige Aufstieg von der Ringelsteiner Mühle an. Zur prallen Mittagszeit dann geht es ein letztes Mal über Freiflächen zwischen den Feldern – und jeder, der jetzt nicht nur Sonnencreme, sondern auch eine lustige Kopfbedeckung bei der Hand hat, wird sich über seine eigene Weitsicht freuen.

So ungefähr könnte der Zeitplan ausschauen. Aber wir kennen ja den guten Murphy. Vermutlich wird irgendwo ein Stau sein, in Wierschem kommt man um 11 Uhr an und passend um 12 bei der Burg. Und die zweite Runde führt dann gegen 16 Uhr wieder zur Eltz – schön, dann den übrigen Gästen nicht nur beim Mittagsessen, sondern auch noch beim Kuchen fassen zuschauen zu können.

So oder so, für mich ging ein toller Wandertag zu Ende.

Nach Iron Maiden hatte ich mir übrigens nicht nur zwei, sondern drei Flaschen Bier verdient.

Die Fotos teile ich in Abschnitte ein, die sich jeweils einem Thema widmen:
Traumpfad Eltzer Burgpanorama
Burg Eltz
Buchsbaum-Wanderpfad
Burg Eltz
Traumpfad Eltzer Burgpanorama

Traumpfad Eltzer Burgpanorama

Burg Eltz

Buchsbaum-Wanderpfad

Burg Eltz

Traumpfad Eltzer Burgpanorama

 

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Georg

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... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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