Die Jacke

Endlich Regen! Nun hatten wir das Frühjahr über sogenanntes schlechtes Wetter, und trotzdem war es in unserer Gegend mit dem Regen nicht weit her. Es war kalt, es hat geschneit. Aber Regen – auf den musste ich bis in den Mai warten, zumindest wenn es um »wanderfreundlichen« Regen geht.

… denn die Bergfreunde stellten mir eine Regenjacke von The North Face zur Verfügung, eine sogenannte Hardshell-Jacke also, die sich für Aktivitäten ab einer bestimmten Temperatur eignet. Für den Winter ist sie zu dünn, denn sie ist nicht gefüttert. Aber ich beginne von vorne.

Testperson mit The North Face-Jacke, zwei gesunden Gesundheitsriegeln und erschreckend guter Laune. Es regnet ja noch nicht.

Zur Auswahl standen mir vier verschiedene Farben: schwarz, rot, braun und hellblau. Ich habe mich nach einigem Überlegen für Schwarz entschieden, denn damit kann ich nichts falschmachen. Was denn falschmachen? Bevor ich mich der Jacke zuwende, erläutere ich dies kurz, denn für mich ist es ein grundsätzliches Problem, wenn ich im Internet bestelle. Ich hatte zuerst die rote Jacke ins Auge gefasst – eben weil ich nicht immer in Schwarz, vielleicht in oliv oder alters-grau herumlaufen möchte. Aber während manche Farbtöne wenig von der Grundfarbe abweichen (siehe schwarz), gibt es sehr viele Rotnuancen, die sich voneinander abheben. Und da kommt der Monitor ins Spiel. Der Bildschirm meines Laptops ist nicht kalibriert, nicht einmal gut in der Farbwiedergabe. Das Rot dort ist (vermutlich) ein anderes Rot als in der Wirklichkeit. Ich habe also eine »ungefährliche« Farbwahl getroffen. Und siehe da: Der neue Bildschirm stellt die Farbe wirklich ganz anders dar. Tja … angenehmer. Hätte ich so genommen. Habe ich aber nicht.

Was bleibt also als Tipp am Rande: Schauen, dass der Monitor die Farben möglichst echt darstellt. Bei der Auswahl des neuen Monitors habe ich die Erfahrungsberichte von Anwendern zu Rate gezogen in der Hoffnung, dass er auch ohne Kalibrierung nah an der Wirklichkeit dran ist (was ich schon für die Bearbeitung der Fotos hoffe). Nicht mit irgendeinem Gerät die Bestellung tätigen und nachher enttäuscht sein, weil das Rot, das Grün, das Blau doch so viel anders ausschaut als im Internet.

Testperson mit The North Face-Jacke auf dem Weg zum Testparcours.

Mir hat mein eigener Ratschlag nichts genützt, denn er kommt zu spät. Ich sitze auf der schwarzen Jacke – aber was muss ich sagen: Es ist ein schönes Schwarz. Nein, wirklich, es tendiert ins Dunkelgraue, und damit bringe ich ja fast schon Farbe ins Spiel. Trotzdem, ruhig nach den anderen Farben umsehen, damit nicht jeder wie ich in der schwarzen The North Face-Jacke herumläuft.

Und die Gefahr besteht ja, soweit die Jacke empfehlenswert ist. Doch dazu am Schluss einige Sätze, erst einmal geht es nach der ach so schweren Farbwahl und dem Warten auf den Regen endlich hinaus ins Gelände. Praxistest.

Eine derart seltsame Wanderung haben wir ja selten erlebt. Sie war mit 8 Kilometern recht kurz, und es bestand ja doch die Möglichkeit, dass wir auch diesmal wieder trocken ans Ziel kämen. Furchtbar! Aber einige Aspekte lassen sich auch ohne Nasswerden testen.

Es ist zeitweise windig, zwischendurch scheint – was wir mit einem weinenden Auge sehen – die Sonne. Wir haben an dem Tag außer Eiseskälte alle Wetterkapriolen, für die eine Regenjacke geeignet sein muss.

Der Wind bläst auf der Höhe des Westerwaldes recht kühl. Ich trage ein T-Shirt darunter, doch bin ich um die zusätzliche schützende Wirkung der Jacke froh. Den Reißverschluss geschlossen, und es kommt kein Lüftchen durch. Vorne arretiere ich die Abdeckleiste noch mit dem Klettverschluss, und Schluss ist mit dem Wind. Die Ärmelbündchen liegen eng an, den Saum der Jacke kann ich noch mit einer Kordel enger ziehen oder weit lassen. Die von mir gewählte Größe L passt genau und lässt noch ausreichend »Luft« für einen etwas dickeren Fleece-Pullover, den ich bei einer vorhergehenden regenfreien Wanderung untergezogen hatte.

Das Wetter hält, die Jacke ist winddicht. Nur der offensichtlich wohlschmeckende Gesundheitsriegel verdirbt die gute Laune.

Bei Sonnenschein geht’s anders herum: Reißverschluss auf und Luft holen. Der Zipper lief anfangs etwas straff (ich habe die Jacke vorher bereits zweimal getragen, das geht ja auch ohne Regen), doch jetzt rutscht er zügig rauf und runter. Die Hände kann ich in zwei ausreichend große Seitentaschen verstecken, doch heute bringe ich darin meine kleine Kompaktkamera unter. Mit dem Reißverschluss ist sie gut vor dem Herausfallen gesichert.

Eine Innentasche bietet sich für nicht so wichtiges Material an; da sie nicht mit einem Reißverschluss versehen ist, vertraute ich ihr keine Geldbörse oder eben keine Kamera an. Aber für wertvolle Utensilien trage ich zum einen den Rucksack, zum anderen wählte ich dafür andere Behältnisse, die sich gut sichern ließen. Zudem führt nicht unbedingt nötiger Schnickschnack auch zum Mehrgewicht – und damit kann die Jacke ja auch punkten.

Als Anhaltspunkt: Sie ist in Größe M 500 Gramm schwer, ein Leichtgewicht also. Und sie kann zu einem kleinen Päckchen zusammengefaltet werden, richtig handlich, sodass sie ohne Schwierigkeiten noch in den Rucksack passt, wenn der schon fast randvoll ist. Genau das also, was einer Regenjacke auch in den drei wärmeren Jahreszeiten gut zu Gesicht steht: Für alle Fälle mitnehmen, doch soll sie nicht allzu viel Platz beanspruchen. Dieses Kriterium erfüllt die North Face-Jacke.

Und was ist bei Sonne? Nun, einerseits kann ich sie wie beschrieben zusammenlegen und im Rucksack verstauen. Oder ich lasse sie an, weil nach der ersten dicken Regenwolke bereits die nächsten Wolken im Anmarsch sind. Endlich Regen also! Und heute herrscht gewissermaßen Irland-Wetter, ein Regenschauer löst bald den nächsten ab. Bei Sonnenschein »dampft« die Jacke nicht, obwohl ich sie geschlossen lasse. Manchmal ist es nicht praktikabel, den Reißverschluss zu öffnen und kurz darauf wieder zu schließen. Das liegt beileibe nicht an der Jacke, sondern am Sun Sniper-Kameragurt; der läuft quer und macht es – egal, welche Jacke ich trage – etwas umständlich. Mit der North Face-Jacke tue ich mir damit einen Gefallen, wenn ich sie geschlossen lassen, denn ich schwitze trotzdem nicht darin.

Der Rest des Regens, und auch der perlt sauber ab.

HyVent-Technologie nennt The North Face dies, die spezielle PU-Beschichtung soll nicht nur wasserabweisend, sondern auch atmungsaktiv sein. Reißverschlüsse zur Belüftung wären unter den Achseln möglicherweise ein weiteres positives Attribut, aber da wäre ich wieder beim Abwägen: preislich günstig und alles, was eine erschreckend kostenspieligere Jacke zu bieten hat, das geht vermutlich nicht. Also verzichte ich auf Reißverschlüsse und zusätzliche Belüftung und spare dafür Geld und wohl auch Gewicht. Geschwitzt habe ich ja trotzdem nicht.

Aber was wäre eine Regenjacke ohne Kapuze? Ein Cabrio ohne Faltdach – sieht gut aus, hat aber bei Regen schlechte Karten. Und eine Regenjacke hätte sogar ihren Zweck nicht erfüllt. Also schnell die Kapuze über den Kopf, während die Wolken ihre nassen Schübe auf uns herabfließen lassen. Die Kapuze ist im Kragen verstaut, der kleine Reißverschluss ist rasch geöffnet, die Kapuze hervorgeholt. Die Kapuze bedeckt meine Stirn so weit, dass ich wenig vom Regen abbekomme, den Reißverschluss ziehe ich vorne nun bis hoch zum Kinn zu, sodass auch vorne kein Regen eindringen kann. Bei einem richtig ergiebigen Wolkenbruch mag trotzdem mein Gesicht ordentlich Wasser abbekommen, doch viel wichtiger ist mir: Wie regendicht ist die Jacke?

Der Augenblick der Erkenntnis: Die Regenjacke ist dicht! Doch was macht die Wanderhose? Das Gesicht verrät’s.

Für einen Regentest muss man wahrscheinlich masochistisch veranlagt sein. Oben trage ich eine Regenjacke, unten eine übliche Wanderhose. Unten werde ich bis auf die Knochen nass, oben herum bin ich trocken, als ob es nie einen Regen gegeben hätte. Selbst an den getapten Nähten dringt kein Wasser ein, die Regentropfen perlen ab, die äußere Schicht lässt keinen Regen durch. Was soll ich lange reden: Test bestanden.

Bei der Wanderhose muss ich mir dagegen etwas überlegen. Sie trocknet zwar am Körper, aber das dauert, und bis dahin – kennt ja jeder – schmiegt sich kaltes nasses Stoffgewebe an die Ober- und die Unterschenkel. Da die Regenjacke im Rückenbereich ausreichend lang geschnitten ist, bleibt wenigstens der Allerwerteste im Großen und Ganzen vom Regen verschont.

Obenrum ist alles – abgesehen vom vorderen Resthaar – trocken, untenrum ist alles nass. Hört sich blöd an, war aber Sinn der Testwanderung.

Als wir Zuhause aussteigen, ist auch die Jacke außen vollkommen abgetrocknet. Abgesehen von der Wanderhose und den Wanderschuhen bin ich nicht nass geworden (klar, das Gesicht hat’s erwischt, aber das bleibt nicht aus).

Eine kurze Mountainbiketour (ohne Regen) habe ich übrigens auch unternommen. Durch den ausreichend langen Schnitt im Rücken reicht sie weit genug hinab. In meiner Größe lag sie bequem an und bedeckte die Arme bis zu den Händen. Ich hatte dabei genügend Bewegungsfreiheit.

Test bestanden. Die Jacke von North Face lege ich jetzt, sobald sich Wolken ankündigen, griffbereit ins Fahrzeug, um sie bei Bedarf mit auf die Wanderung zu nehmen.

Ich kann mich noch an Regenjacken erinnern, die eine Struktur wie Fahrradreifen hatten. Diese Regenjacke gefällt sogar mir.

Die Jacke besteht aus Nylon (Außenmaterial: 70D Nylon Ripstop HyVent 2-Lagen) und Polyester (Innenmaterial: Mesh-Knit). Lt. The North Face ist »HyVent®: Eine hochwertige, wasserdichte und atmungsaktive Technologie mit Polyurethan (PU)-Beschichtung, die aus drei Komponenten und mehreren Schichten besteht, um wasserdichten Schutz, Feuchtigkeitsabtransport und Haltbarkeit zu gewährleisten.« Ausführliche Informationen zu HyVent gibt es auf der amerikanischen Webseite des Unternehmens. Die Jacke kann lt. eingehefteter Anleitung bei 30° gewaschen werden.

Mein Fazit

Bislang mied ich beim Wandern den Regen wie der Teufel das Weihwasser. Natürlich hatte ich eine Regenjacke, aber die war von anno dazumal, nicht wasserdicht und schon gar nicht gegen Wind gewappnet. Die Men’s Resolve Jackett von The North Face dagegen lässt mich nicht im Regen stehen. Klein, leicht, regen- und winddicht und das zu einem guten Preis. Ums noch einmal zu sagen: Sie ist jetzt immer in meiner Nähe, sobald die Regenwolken aufziehen. Doch mit meiner nächsten Jacke werde ich Farbe ins Spiel bringen. Es muss nicht immer Schwarz sein. [note]

+ regendicht
+ winddicht
+ gute Verarbeitung
+ Innentasche und 2 Außentaschen
+ leichtes Gewicht
+ kleines Packmaß
+ Passform[/note]

Men's Resolve Jacket von The North Face

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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2 Responses

  1. Jörg

    Mir ist bei unserer gemeinsamen Tour in Belgien schon aufgefallen, dass du die gleiche Jacke trägst wie ich!

    Liebe Grüße aus Limburg!

    Jörg

    Antworten

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