Seit vielen Jahren fahren wir zu Freunden in den Pfälzer Wald. Erst war die A 63 noch nicht bis Kaiserslautern ausgebaut, ein größeres Teilstück führte über die alte Bundesstraße. Natürlich sahen wir schon damals auf der Hinfahrt rechts von uns (auf der Rückfahrt dann richtigerweise links von uns, alles andere hätte Anlass zur Sorge gegeben) den Donnersberg aufragen; er ist ja nicht plötzlich aus dem Boden gewachsen, nur weil eines Tages dann die Autobahn vollendet war.

Aber abfahren, ob von der Bundesstraße oder später von der Autobahn: Iwo.

Das wollten wir vor dem jüngst geplanten Besuchs – der speziell zum Wandern verabredet war – nachholen. Der Donnersberg lädt ja allein wegen seiner exponierten Lage zum Wandern ein. Wer dort oben steht, steht ziemlich hoch und sollte doch schön weit über die Bundesstraße und die Autobahn und die Landschaft überhaupt gucken können. Wegekarten gab es auch, von denen wir drei ausdruckten.

Heute also fahren wir nicht durch bis Kaiserslautern (und noch etwas weiter), sondern zeitig von der Autobahn ab.

In Dannenfels geht es die Donnersbergstraße entlang bis zum Parkplatz »Am Geissberg«. Jetzt, außerhalb der Saison und an einem Freitagmorgen, finden wir hier ohne Schwierigkeiten einen Parkplatz; an Sonntagen kann ich mir vorstellen, dass man besser auf einen der ausgewiesenen Parkplätze im Ort ausweicht.

Gut gelaunt ist halb gewandert.

Kaum sind wir losgegangen, kommen wir mit einem Anwohner ins Gespräch, der gerade den Weg vor seinem Grundstück vom Laub befreit. Auf den Punkt gebracht erzählt er uns vom Gewitter in der vergangenen Nacht, das am Donnersberg etliche Bäume niedergestreckt hat. Besonders das letzte Stück des großen Wanderwegs sei nicht passierbar, meint er. Wir hören die Kettensägen im Wald arbeiten.

Eigentlich wollen wir einen anderen Weg gehen – und damit das Wildensteiner Tal passieren -, den wir über Outdooractive zusammengestellt hatten. Davon sehen wir jetzt natürlich ab. Der Wind bläst kräftig, und als wir weitergehen, knirscht und knarzt es arg im Gebälk. Wenn also ein Weg geräumt sein sollte, dann sicher der eher bekannte „Rund um den Donnersberg“. Also umgeplant, die Wanderkarte ausgetauscht – und ab, hinauf zum Moltkefelsen.

Der Wind wird uns bis zum Schluss begleiten, doch das Wetter hält, Regen wird uns nicht erwischen und – soviel sei verraten – die Bäume halten sich auch wacker auf den Beinen.

Der Adlerbogen mit dem Adler, der damals sehr böse nach Frankreich guckte, jetzt aber nicht mehr und wahrscheinlich gar nicht weiß, was der ganze Mist überhaupt sollte.

Zum Moltkefelsen geht es unabhängig vom windigen Wetter schön abenteuerlich; der Pfad ist schmal und schlängelt sich über Stock und Stein hinauf. Petra ist es sogar zu steil, weshalb ich mir allein den Adlerbogen am Moltkefelsen anschauen muss. Und die Aussicht. Gut, das Wetter spielt uns heute einen Streich, trotz des Windes hängen die Wolken noch tief, die Sicht ist bestenfalls mittelmäßig. Aber bei schönem Wetter muss es eine echte Panoramaaussicht sein, die man hier in verschiedenen Blickwinkeln genießen kann.

Barad-dûr knapp hinter den Nebelbergen.

Auch das folgende Wegstück geht strack bergauf; bis zum Ludwigsturm werden wir 250 Höhenmeter hinter uns gebracht haben. Doch vorher erwartet uns mit dem Hirtenfels ein weiterer Aussichtspunkt – mit weiterhin vom Dunst beeinträchtigter Aussicht. Es sieht ganz so aus, als ob wir zu einem anderen, wetterfreundlichen Zeitpunkt wieder kommen sollten (was wir im Anschluss an die Tour dann auch so planen werden).

Der Ludwigsturm, der ungefähr zwischen 13 und 14 Uhr für die Schaulustigen geöffnet wird.

Am Hirtenfels halten wir uns deshalb auch nicht länger auf, denn von hier aus ist es nicht mehr allzu weit bis zum Ludwigsturm. Doch halt: Der keltische Ringwall steht zuvor auf dem Plan. Nur dass wir von diesem außer einer Hinweistafel gar nichts sehen. Vermutlich können wir uns wegen der schlechten Sicht nicht ordentlich orientieren, jedenfalls sehen wir den Ludwigsturm strack vor uns, während der Ringwall nicht in unser Blickfeld gelangt.

[tip]“Rund um den Donnersberg” führt über 14,6 Kilometer – genau: rund um den Donnersberg. Die Wanderung startet in Dannenfels am Fuße des Donnersberg. Der Ort ist gut beispielsweise über die A 63 erreichbar. Der Wanderweg ist mit der “4” (grüne 4 auf gelbem Grund) ausgeschildert; die Beschilderung war durchgängig gut. Einen Großteil seiner 516 Höhenmeter bürdet er dem Wanderer gleich zu Beginn auf, wenn man den Weg mit dem Uhrzeiger geht. Wegen der Weglänge und Steigungen sollte man zwischen 4 und 5 Stunden Gehzeit einrechnen. Eine Einkehr ist auch auf dem Donnersberg im Waldhaus Donnersberg oder in der Keltenhütte möglich, später dann im Bastenhaus oder natürlich in Dannenfels.

Zu Anfang ist es pfadig und steil – gute Wanderschuhe helfen bei dieser Passage sehr. Ein Fernglas hilft sicher, die vielen Aussichten noch besser genießen zu können. Auf der Seite der Donnersberg Touristik findet sich neben anderem Informationsmaterial eine PDF-Broschüre mit dieser und weiteren Wanderungen um den Donnersberg herum mit dem folgenden Titel: Dannenfels Wanderwege 2012

Wer möchte, kann für die Wanderung auf die weiter unten im Bericht angeführte Wegekarte zurückgreifen. Über den Klickpunkt “drucken” stehen Optionen zur Auswahl, wie detailliert die PDF sein soll – am besten einfach ausprobieren, herunterladen und dann entscheiden, welche Version man bevorzugt. GPS-Tracks können ebenfalls abgerufen werden. Und die Karte kann mit Hilfe des Reiters über dem Kartenbild in unterschiedlichen Ansichten (beispielsweise bei “Google Earth”) betrachtet werden.[/tip]

Außerdem halten wir uns zuerst am Ludwigsturm auf. Wir rasten, denn die Zugangspforte zum Turm ist fest verriegelt, ein Schildchen weist darauf hin: Ab 13.00 Uhr ist aufgeschlossen. Die 15 Minuten wollen wir warten. Viel zu sehen ist von hier unten nicht, und weil es mitten im Wald ist, bleibt auch die Aussicht rundherum eher eingeschränkt. Stattdessen wirft Petra einen Blick – wie klug! – in eines der Heftchen, die wir mitgenommen haben. Das war weise, denn dort liest sie von einer geänderten Öffnungszeit: Um 14.00 Uhr erst möchte jemand uns das Türchen aufschließen.

Jetzt sind wir satt und packen ein, solange wollen wir nicht warten, zudem wir ja ein „Date“ mit unseren Freunden haben. Also auf, den ausgewiesenen Weg weiter. Und während wir so wandern und auch an der Keltenhütte vorbeikommen, verpassen wir die Rekonstruktion des Keltenwalls. Keine Ahnung, wo der sich versteckt hat, jedenfalls sind wir schnell so weit vom möglichen Standort entfernt, dass wir nicht mehr umkehren möchten. Beim nächsten Mal …

Wir sehen vor lauter Schildern den Keltenwall nicht.

Mit dem Königsstuhl steuern wir mit seinen 687 Metern den höchsten Punkt im Nordpfälzer Bergland (und in der Pfalz) an, doch weil wir gleich zu Beginn der Wanderung die Höhenmeter schon hinter uns gebracht hatten, läuft der Weg jetzt gemächlich auf gleicher Höhe durch den Wald bis zur besagten Erhebung.

Wenn man richtig hinguckt, sieht man die tolle Aussicht vom Königsstuhl.

Vom Königsstuhl hat man eine gute Sicht übers Land, wenn auch „hinter mir“, in südlicher Richtung, der Wald den Blick versperrt. Das ist nicht schlimm, denn die Aussicht ist ja eh getrübt, dafür treibt der stete Wind mögliche trübe Gedanken gleich davon.

Der Königsstühl von schräg unten hinten (oben vorne ist dann die Aussicht.)

Während der Wanderweg bis zum Königsstuhl von etlichen Waldbesuchern genutzt wird – man kann mit dem Fahrzeug bis hoch zum Donnersberg fahren -, werden uns auf der jetzt folgenden Wegstrecke kaum mehr Menschen begegnen.

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Das wäre aber vielleicht ganz abwechslungsreich gewesen, denn der sehr waldige, sehr geradlinige Weg bis zur Krummkehr ist … tja, manche nennen das „Waldautobahn“, etwas anderes fällt mir nun auch nicht ein. Nett gesagt klänge es so: Wir können unsere Gedanken fließen lassen, ohne durch äußere Einflüsse abgelenkt zu werden.

Bis zur Krummkehr geht es stetig, aber sanft bergab. An der Krummkehr – dort lädt eine Hütte zum Verweilen und Verarbeiten der geflossenen Gedanken ein – krümmt sich unser Weg und schwenkt ein zum Mordkammertal. Hier wiederum fühlen wir uns wohl, wir gehen an einem kräftig sprudelnden Bach entlang, der an vielen Stellen über seine Ufer getreten ist und uns anschaulich belegt, welche Wassermassen in der vergangenen Nacht über dem Donnersberg entladen wurden. Klar, Schuhe und Beinkleider sind, als wir den Wald verlassen und somit den Mordkammerhof erreichen, nicht mehr fürs feine Ausgehen geeignet, der Morast schlabbert um die Socken, aber es stört uns nicht.

Der Donnersberg ist sehr nah am Wasser gebaut.

Und was nass geworden ist, wird auf dem weiteren, vom Wind umspielten Weg schnell wieder trocken. Das nächste Wegstück läuft am Gebrannten Berg entlang, jetzt über eine Teerstrecke, auf der es zügig in Richtung Bastenhaus geht. Das Tal liegt offen vor uns, die nicht sehr weit entfernte Landstraße ist wenig befahren und stört nicht.

Nach dem Mordkammerhof und auf dem Weg zum Bastenhaus.

In der Nähe des Bastenhauses, in dem man köstigen und nächtigen kann, schwenkt der Weg scharf nach rechts ab, um bald darauf an der Gebhardshütte nach links zu laufen. Wir laufen mit. Von hier an wird der Weg wieder naturnäher, die Bäume rücken uns wieder dicht zu Leibe, und als wir das Naturschutzgebiet Eschdell erreichen, fühlen wir uns wieder mittendrin im Wald.

Schon heute: der Urwald von Morgen.

Manchmal weitet sich der Weg, manchmal kommen uns die Sträucher und Büsche sehr nahe, und manchmal sehen wir wieder Zeugnisse des jüngsten Unwetters. Bäche, die sonst vermutlich eher zaghaft zu Tal fließen, schießen jetzt kräftig hinunter.

Wenn er nicht ganz blöd ist, geht er weiter links übern Bach.

Nicht mehr lange, und die ersten Häuser von Dannenfels lugen durch die Baumreihen. Bevor wir aber wieder am Wagen sind, kommen wir noch am Bärenloch vorbei und an der Ruine Tannenfels, von der wir nicht allzu viel entdecken können. Zuletzt wird der Weg sogar wieder richtig pfadig – ach, was sag ich, er nimmt die Form eines Urwalds an.

Noch ist der Weg passierbar …

Das liegt aber heute am vergangenen Gewitter, durch das eine erkleckliche Anzahl Bäume aus den Socken gehauen und quer über den schmalen Weg geworfen wurden. Ein paar Meter hangeln und schieben wir uns über das Geäst und Gebäum, dann haben wir ein Einsehen: Heute will uns der Pfad nicht, heute kehren wir besser um. Also zurück, vorbei am Kloster Gethsemani und hin zu unserem Fahrzeug.

Da hat sogar Holladiewaldfee alle Hände voll zu tun.

Die durchs Unwetter geschaffenen besonderen Bedingungen beeinträchtigten unser Wandervergnügen nicht. Sicher, es gab Abschnitte, die gefielen uns weniger (siehe die „Waldautobahn“), es gab Umstände, die hätten wir gern anders erlebt (siehe geschlossener Ludwigsturm oder der verschwundene keltische Ringwall), aber zum einen müssen wir uns das ja selbst in die Schuhe schieben, zum anderen waren die etwas monotonen Waldpassagen schnell vergessen.

He cuts down trees, he eats his lunch,
He goes to the lavat’ry.
On Wednesdays ‘e goes shopping
And has buttered scones for tea.

Zudem bin ich mir sicher, dass bei gutem Wetter die Aussichten grandios sind. Weitsichten vom Adlerbogen/Moltkefelsen und vom Königsstuhl, sicher auch vom Ludwigsturm, schmale Pfade zu Beginn und auch am Ende, stille Waldwege und keltische Hinterlassenschaften, die es für uns noch zu entdecken gilt (wir kommen wieder, um vielleicht mit unseren Freunden einen dann kürzeren Weg um den Ringwall herum zu nehmen) – das alles und noch etwas mehr bereiteten uns großes Vergnügen und waren der ideale Einstieg für die anschließenden Wanderungen im Pfälzer Wald.

Rund um den Donnersberg

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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