Was tun, so losgelöst vom Wanderbuch schreiben? Ach, einfach drauflos wandern. So wie sonst auch. Und weil wir (Petra, ich, Schwester und Schwager) am vergangenen Samstag das formidable WeinDate Mittelrhein, das zum ersten Mal stattfand, in Leutesdorf besuchten. 30 Winzer vom Mittelrhein von Bad Hönningen bis Niederheimbach – zu denen illustre Namen wie Matthias Müller oder Gotthard Emmerich (Gotthard zähle ich zu illustre Namen, alldieweil wir gemeinsam die Schulbank drückten) – zählten, ließen uns ihre leckeren Tropfen kosten. Und weil jeder Winzer gutgeschätzt 4 – 6 Weine kredenzten, kam am Ende des Nachmittags (die Veranstaltung ging von 14 – 19 Uhr, verbunden mit einem Fußmarsch zu sechs Winzern vor Ort, die dann den Gastweingütern Platz zur Präsentation boten) eine gute Zahl zusammen. Aber da es beim Wein weniger auf die Süffigkeit, sondern mehr auf die Genüsslichkeit ankommt, hielt sich die konsumierte Menge in Maßen.

Was will ich erzählen? Ach, die Wanderung! Also, los ging ich am Ortsausgang von Leutesdorf (jetzt hat Leutesdorf zwei Ortsausgänge, gemeint ist der in Richtung Bonn), parkte wie öfter nahe beim Weingut Hohn. Von dort schwingt der Weg erst einmal sanft hinauf, um sich mit dem Rheinsteig zu verbünden. Mit dem dann zusammen runter zum Bachhof (gegenüber der Hubertusburg, die man von den Weinbergen aus gut sehen kann), dann weg vom Rheinsteig rechts hinein ins Tal. Erst am Mühlbach entlang, dann am Gesterbach, stetig Höhe gewinnen. Der Waldweg ist gut ausgebaut, und irgendwann einmal diente er auch als örtlicher Wanderweg L1 (ab und an huschen entsprechende Wegezeichen an mir vorbei). Doch weil er anscheinend nicht mehr bedient wird, liegen immer mal wieder Baumstämme quer über den Weg. Alles kein Problem, bisschen kraxeln, und schon geht es weiter.

Auf der Höhe begegne ich dem Limeswanderweg, mit dem ich dann – rechts abbiegend – gemeinsame Sache mache. Später schließt sich sogar noch der NR6 an, einer der Wanderwege bei Neuwied. An geeigneter Stelle verabschiede ich mich von den beiden und schließe mich dem Rheinhöhenweg an. Beim Neuer Weg kommt mir dann Asphalt in die Quere, am Eckerhof vorbei wandere ich auf Hüllenberg zu, weiter dann auf dem Rheinsteig-Zuweg hinunter nach Feldkirchen.

Von da an ist der Rheinsteig wieder mein guter Freund, und fast bis zum Ende (siehe den Einstieg zu Beginn ohne Rheinsteig) lasse ich ihn nicht mehr aus den Augen. Es hagelt feine Aussichten, hinüber nach Andernach, hinauf auf den Krahnenberg, hinunter nach Leutesdorf. Der Geysir bei Namedy wird just, als ich die Edmundhütte erreiche – die wie immer, wenn ich unterwegs bin, geschlossen hat –, vom Passagierschiff angefahren.

Eine kleine, aber risikolose Kletterpassage führt mich dann wieder etwas höher und weg vom Rhein. Das nutzt der Geysir offenbar schamlos aus, sprudelt wohl los – denn als ich später beim Rastplatz an den Streuobstwiesen einige Minuten ausharre und mit allseits gut gelaunten Wanderen plausche, lässt sich der Geysir nicht blicken. Gemeiner noch, die Passagiere steigen ein. Ich steige aus der Beobachtung aus und lege die letzten Meter in einigen Schwüngen durch die Weinberge zurück.

Wie lange war die Rundtour? Rund 18 Kilometer, rund 550 Höhenmeter. Wie lange ich brauchte. Länger als nötig, denn der Herr Müller hatte es zwischendrin nicht nötig, das GPS-Gerät zu Rate zu ziehen. Die zusätzlichen Kilometer rechne ich nicht dazu. Wenngleich mir das Umwege laufen wirklich egal ist – denn ich bin nicht unterwegs, um den kürzesten Wanderweg zu finden, sondern den schönsten.

Ich stelle eine ganze Menge Fotos ein. Die Mehrzahl dieser Fotos kommt direkt aus der Kamera, weil mir so gar nicht nach Bearbeitung ist. Mehr nach Eis. Und Garten. Und Liegestuhl. Den Beginn der Runde habe ich fotografisch nicht festgehalten, weil neblig, nicht sonnig.

Schlenderer

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... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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