Wandert ein Wanderbuch-Autor eigentlich die Wanderwege später selbst wieder, die er im Wanderbuch beschrieben hat?

Bei meinem Wanderführer »Unterwegs auf den Traumpfaden« liegt das auf der Hand. In den vergangenen zwei Wochen wanderte ich drei der Traumpfade, den vierten hatte ich für heute eingeplant, doch – »Weichei! Weichei!« – das Wetter entsprach nicht meiner guten Laune, sodass ich so ließ, wie es war: alleine draußen. Selbst schuld. Das Wetter. Damit wartet der »Bergschluchtenpfad Ehrenburg« noch auf die diesjährige Begehung.

Bei meinem neuen Wanderbuch »Rheingau/Taunus. Wanderungen für die Seele« schaut es nur deshalb ein wenig anders aus, weil die Wanderwege weiter entfernt von unserem zu Hause liegen. Und trotzdem: Schon vor dem Schreiben gingen wir einige der Wege, beispielsweise bei Frücht oder Pohl, andere Touren bin ich fürs Buch sowieso mehr als einmal gewandert – Tour 18 bei Nassau, um überhaupt zu spüren, ob die lange Rundwanderung (mit 26 Kilometern die längste Tour in meinen bisherigen sechs Wanderbüchern) als Tourenvorschlag gut im Buch aufgehoben ist (ist er!), und ein zweites Mal gemeinsam mit Jörg Thamer von Outdoorsüchtig für einige sonnige Fotos. Ich bin mir sicher, den Rundwanderweg noch mindestens ein weiteres Mal zu wandern. Weil ich die Wege einfach mag, die ich vorstelle (ansonsten hätte ich nach der Auswahl doch arges Bauchgrimmen bei meinen Vorschlägen).

Auf jeden Fall zu den »Gehnwirnochmals«-Wegen zählt der Hildegard-Weg bei Rüdesheim. Nach der Arbeitswanderung im Sommer – gemeinsam mit meiner Schwester und meinem Schwager, die sich auf einige Fotos geschmuggelt haben – drehten wir an Petras Geburstag eine zweite Runde. Anlass dafür war zum einen der nochmalige Besuch der Abtei St. Hildegard, zum anderen die prächtigen Ausblicke in den Rheingau, das Flanieren durch die Weinberge (die voll im Saft standen) und die Besichtigung der Wallfahrtskirche Eibingen. Ach, und natürlich schlidderten wir auch durch Rüdesheim, hartscharf an der Drosselgasse vorbei. Wer will, lotst die Füße vom Hildegard-Weg nur kurz nach rechts und steht schon mitten drin im Getümmel.

Der Rundweg ist knapp 7 Kilometer lang und mit moderaten Anstiegen gespickt (das haben Weinberge ja so an sich), Zeit nahmen wir uns natürlich für die Besichtigungen und die Einkehr im Klostercafé oder die Stippvisite im Klosterladen, der neben sehr viel Literatur – natürlich auch zu Hildegard von Bingen – natürlich auch die Weine aus dem eigenen Weingut offeriert.

Um den Bogen zu schließen und auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Ja, ich wandere die von mir vorgestellten Wanderwege ausnahmslos alle wieder gerne. Es mag sowas wie »mein liebster« oder »mein schönster« Wanderweg geben, aber die können durchaus auf der Prioritätenliste mal nach unten, mal nach oben rutschen.

Abtei St. Hildegard

Das Schöne am Wandern ist für mich: Je nach Gefühlslage und Stimmung (eigene oder die der Natur) suche ich mir den Weg aus, der mutmaßlich am besten passt. Das mit der »es gibt nicht das falsche Wetter, es gibt nur die falsche Kleidung« wandele ich lieber ab in: »Es gibt nicht den schlechten Wanderweg, es gibt aber die falsche Gefühlslage.«

Beispielsweise bei Amazon kann das Wanderbuch aber bereits vorbestellt werden, ein Blick ins Buch ist auch bereits möglich – speziell Tour 1 ist gut sichtbar. Offiziell erscheint »Rheingau/Taunus. Wanderungen für die Seele« Anfang April im Droste Verlag.

 

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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