»Hiermit erkläre ich den Winter für beendet!«

So oder ähnlich (oder doch ganz anders) könnte die Absprache zwischen meinem Freund KD und mir begonnen habe. Während KD in den vergangenen Wochen gefühlt fast täglich nicht nur auf den Beinen, sondern mit denen sogar im Wald war, lag ich mehr auf der faulen Haut herum. Das lag auch am Wetter, womöglich bin ich im Laufe der Jahre zum Schönwetterwanderer mutiert – eine zahlenmäßig wachsende Spezies, die kein Wasser, sondern nur Sonnenstrahlen an ihre Haut lässt. KD ist da offenbar mit anderen Wassern gewaschen.

Das wartet auf uns!

Doch da die Sonne scheint, raffe auch ich mich auf. Wir fahren gemeinsam, was auch gut ist, denn bis zu unserem Ziel (dem Startpunkt der Tour) ist’s ein gutes Stück, einmal halb quer durch die Eifel, runter zur Mosel, hoch sodann und rein in den Hunsrück. Zwischendrin hagelt es Nebelfelder, hier und da sehen wir Gebüsch am Wegesrand, manchmal sogar die kargen Äste still im Nebel harrender Bäume. Manchmal sehen wir frühzeitig genug ein entgegenkommendes Auto, dem wir ausreichend viel Zeit zum Ausweichen lassen.

Der Letzte kehrt den Dreck weg: Gesehen – und doch nicht benutzt – in einem der Bachtäler

Doch bei all dem Nebel und Dunst sehen wir, je näher wir unserem Startziel kommen, die Sonne. Und als wir in Mittelstrimmig ankommen – wobei ich ganz kleinlaut anmerke, dass unsere Wege nach Mittelstrimmig gar seltsam waren und wendungsreich, um nicht zu sagen: ordentlich verfahren war die Situation im Hunsrück -, fällt die Sonne wirklich erbarmungslos über uns her. Wir lassen also einiges an Bekleidung im Wagen liegen.

Mittelstrimmig

Mitten in Mittelstrimmig

So mit weniger Ballast machen wir uns auf den Weg. Wir sind mitten in Mittelstrimmig, nahe bei der Kirche, und arbeiten uns die ersten Meter durchs Dorf, um bald zum eigentlichen Start der Tour – etwas außerhalb von Mittelstrimmig, fast schon in Altstrimmig – zu gelangen.[tip]

KurzInfo! Die Traumschleife Layensteig Strimmiger-Berg kann an drei Orten gestartet werden; genauere Informationen stehen auf der Webseite der Traumschleifen. Wir sind zum Parkplatz an der Kirche in Mittelstrimmig gefahren und haben dort geparkt. Wer den Weg durch das Dorf umgehen möchte, kann auch vor dem Ortseingang (von Blankenrath auf der K44 kommend) am eigentlichen Startpunkt der Traumschleife parken, denn dort stehen auch geeignete Parkplätze zur Verfügung

Die Traumschleife Layensteig Strimmiger-Berg ist ohne Zuweg 13,8 Kilometer lang, die Tour weist 443 Höhenmeter auf. Für die Gehzeit sollten 5 – 6 Stunden veranschlagt werden, die Traumschleife ist als “mittelschwer” eingestuft, was ich wegen der beiden Klettersteige auch so sehe. Insbesondere die zahlreichen Aussichten und Ruhebänke auf der Höhe oder in den Bachtälern sind für kurze oder längere Erholungspausen sehr gut geeignet. Wanderschuhe mit gutem Profil sind schon wegen der Klettersteige dringend angeraten, zudem ist es je nach Witterung insbesondere in den Bachtälern feucht und bisweilen rutschig.

Die Traumschleife ist bestens ausgeschildert, eine Wanderkarte ist nicht nötig. Weitere Hinweise zum Weg selbst finden sich auf der Traumschleifen-Seite. Wer möchte, kann auf die weiter unten im Bericht angeführte Wegekarte zurückgreifen. Am unteren Rand stehen die Optionen “Alle Tourdaten ansehen” und/oder “Mehr erfahren” zur Auswahl. Klickt man eine davon an, wird man zu Outdooractive weitergeleitet. Dort steht die Tour dann zum Herunterladen bereit: Unter “Service” stehen verschiedene Möglichkeiten bereit – am besten einfach ausprobieren, herunterladen und dann entscheiden, welche Version man bevorzugt. GPS-Tracks können ebenfalls abgerufen werden. Und die Karte kann mit Hilfe des Reiters über dem Kartenbild in unterschiedlichen Ansichten (beispielsweise bei “Google Earth”) betrachtet werden.[/tip]

Wer sich verfährt, verläuft sich auch. Eine alte Weisheit. Wir geben uns alle Mühe, diese alte Weisheit nicht auf den Kopf zu stellen. Dabei wusste ich, was die Traumschleifen-Macher vorgeschlagen haben: Falsch herum laufen! Vielleicht hat die Sonne doch schon zu stark auf unsere Häupter geschienen, vielleicht war die überlange Anfahrt auch zu stressig für die älteren Herrschaften KD und K-G, jedenfalls rennen wir wie die Teufel los. Mit dem Uhrzeiger. Also falscherömm …

Das ist oftmals nicht so schlimm. Viele Touren haben ihre speziellen Reize, egal wie herum man sie wandert. Hier mein Tipp gleich vorweg: Gegen den Uhrzeiger wandern. Im Grunde müsste man jetzt also meinen Wanderbericht von vorne nach hinten lesen. Wäre ja mal was anderes.

Traumschleifen-Logo

Das Traumschleifen-Logo

 Aber warum dieses vehemente »gegen den Uhrzeiger wandern?« Es sind die Klettersteige, es sind die Aussichten. Zu 1.: Den ersten Klettersteig wandern wir (kommt gleich im Bericht) von oben nach unten. Klettersteige gehen sich angenehmer von unten nach oben. (Wer anderer Meinung ist, sollte diese Traumschleife dann doch vielleicht wie wir mit dem Uhrzeiger laufen, also so, wie im Bericht beschrieben). Der zweite Klettersteig geht einmal nach oben und einmal nach unten. Da wäre es eigentlich egal. Genau genommen ist es das vermutlich doch wieder nicht, denn die Stahlleiter geht man hinauf, während man die Steigeisen hinab geht. Nun sind Steigeisen aufwärts angenehmer zu steigen als abwärts, was also auch wieder für die Wanderung gegen den Uhrzeiger spricht. (Wer anderer Meinung ist, sollte diese Traumschleife dann doch vielleicht wie wir mit dem Uhrzeiger laufen, also so, wie im Bericht beschrieben). Zu 2.: Am Ende der Tour springen dem Wanderer schöne Aussichten gerade ins Auge. Irgendwie lagen die aber meist im Rücken, wir mussten also stehenbleiben, uns umwenden und dann gucken. Wären wir anders herumgewandert, hätten wir laufen und gucken können (was für Männer andererseits nicht ungefährlich ist, weil die ja nicht zwei Sachen auf einmal machen können, ergo entweder gucken oder wandern, ansonsten sie wahrscheinlich arg auf die Schnauze fliegen vor lauter Gucken …)

Die erste schöne Aussicht mit Blick auf den Mayener Berg

Langer Rede kurzer (aber wichtiger) Sinn: Gegen den Uhrzeiger wandern. Wir aber ahnen von alledem noch nichts, als wir‘s erste Wegstück an Feldern entlang und durch ein lichtes Wäldchen hindurch zurücklegen, unterbrochen von einer ersten herrlichen Aussicht (sagt man) bis in die Eifel. Gleich garniert mit einer einladenden Rastmöglichkeit und einer schiefernen Schautafel, die uns markante Punkte in der Landschaft aufzeigen wie den bekannten »Mayener Berg«.

Ob hier die Schiefertafeln herkommen?

Auf zwei weiteren, ähnlichen Schiefertafeln werden uns später die Hunsrücker noch zweimal einen vom »Mayener Berg« erzählen – wer den kennt, möge dies bitte kundtun. (Weil auch »588 m u NN« angegeben sind, handelt es sich vermutlich um den Hochsimmer, aber der Schieferplattengestalter kannte mutmaßlich nur die grobe Richtung (»do leit Mayen, dat moss de Mayener Bersch sin« … »Schreib aber besser Mayener Berg, die Eifeler sind eigen«)

 

Voller Fragezeichen wandern wir weiter. Wir überqueren eine Straße und nähern uns dem Fäbelbach, der nun für längere Zeit unser ständiger Begleiter sein wird. Die Hänge links und recht des Baches sind felsig, ab und an stehlen sich die Zugänge in alte Schieferstollen ans Tageslicht, Abraumhalden geben Zeugnis davon, wie unermüdlich hier gearbeitet wurde.

Ruinen aus vergangenen Zeiten

Überreste alter Bauwerke – Wohn- und Werkgebäude – liegen am Wegesrand, Schautafeln informieren uns, wie hier vor Jahrhunderten der Schiefer abgebaut wurde.

Sind so kleine Steine …

Eine Knochenarbeit, die sich unsereins gar nicht vorstellen kann. Im Gegensatz dazu steht das wild-romantische Tal, in das außer Vogelgezwitscher kein Lärm dringt. Die »Höhlenschlucht« windet sich hin und her, mal wird es auf dem Weg sogar felsiger, bis wir vor (oder: über) dem ersten Klettersteig stehen.

Für unsre Jacken hingen sie zu niedrig, die Rucksäcke aber passten: die Kleiderhaken für Wanderzwerge

Jetzt heißt es sich entscheiden: Klettersteig oder alternative Wegestrecke. Ich entscheide mich für die Klettertour, KD will’s heute lieber gemütlich angehen und geht »außenrum«. Außenrum bedeutet, auf dem gut ausgebauten Weg in einer Schleife um den Klettersteig herumwandern, während ich den direkten Weg hinunter wähle. Der Vorteil dieser Kombination liegt auf der Hand: Wanderer mit Vorbehalten gegen den Klettersteig können diese Traumschleife genau wie derjenige erwandern, der sich in die Tiefe traut. Wobei ich diesen und auch den nachher folgenden Klettersteig als angenehm empfinde, denn beide sind sehr gut mit Seilversicherungen, Steigeisen und Stahltreppe ausgestattet.

Natürlich muss jeder selbst beurteilen, inwiefern er das nicht ungefährliche »Abenteuer Klettersteig« auf sich nimmt, und auf keinen Fall sollte man sich überschätzen oder genötigt fühlen, sich oder anderen etwas zu beweisen. Dann lieber die alternative Route. Insbesondere bei diesem Klettersteig verpasst man außer dem Klettererlebnis nichts. Wichtig ist auch gutes Schuhwerk, Schlappenträger oder Schlimmeres haben hier nichts verloren.

Kurz hinter der Weißmühle öffnet sich die Landschaft zu einem breiteren Tal. Zeit, die passend am Wegesrand wartende Tischgarnitur mit unseren Fresspaketen zu belagern. Beine ausstrecken, Sonne genießen. Die Zeit vergessen …

Trotz der vielen Täler gibt es diese Lichtblicke

Auf einem alten Keltenweg geht es weiter bis zum zweiten Klettersteig. Die Hinweise sind dieselben: Wer nicht schwindelfrei ist, bleibt unten und geht um den Burgberg herum. Ich klettere hoch und genieße die Aussicht, denn anders als beim ersten Klettersteig wird die Mühsal mit einem Blick ins Tal des Flaumbachs belohnt.

Die Ureinwohner am Strimmiger Berg waren offenbar eine Nummer größer als unsereins

Zur anderen Bergseite geht es wieder hinunter, unten wartet KD mit sehnsüchtigem Blick. Weniger Sehnsucht nach mir (wär ja noch schöner), mehr nach dem kleinen Erlebnis. Ich mag die Klettersteige sehr, weil sie ja was Abenteuerliches haben. Nein, nicht etwas Abenteuerliches, sondern etwas Kindliches. Ein Rückfall in vergangene Zeiten. Denn wann geht der gemeine Mensch wie ich die Wände hoch? Früher waren es Bäume, Kastanien, Pflaumen, was-weiß-ich, die wir hochgeklettert sind, manchmal was Felsiges. Alpine Erfahrungen fehlen mir, sodass ich im gewöhnlichen Leben bestenfalls mit einer Leiter aufs Haus steige. Da sind solche kleinen Kletterpartien ein angenehmer Rückfall in alte Zeiten.

Durch das Flaumbachtal wandern wir weiter, lassen die bis Mitte März noch geschlossene Pulgersmühle links liegen, wandern an der Birkmühle vorbei, sind jetzt mittendrin im Tal des Morsdorfer Bachs. Mehr Bach als auf dieser Traumschleife geht ja kaum noch. Schroffe Felswände ragen zu den Seiten auf, die Bäume spenden Schatten und lassen den Gedanken aufkommen, wie ideal gerade dieser Wanderweg mitten im heißen Sommer wäre. Langsam steigt der Weg an, seit einiger Zeit sind auch unsere Gespräche, die wir bis dahin stetig führten, abgeklungen. Haben wir uns nichts mehr zu sagen? Nein, soweit sind wir noch nicht. Eher liegt es an der Stille, die uns umfängt, die ist doch immer wieder ungewöhnlich für Menschen wie mich, die in der Stadt wohnen. Und bei »Stadt« spielt es ja keine Rolle, ob es sich um Klein-, Mittel- oder Großstadt handelt, Lärm ist doch immer und überall.

Wassernahe Wege

Strammer bergauf müssen wir am Bildbach, das enge Tal durchlaufen wir auf einem schmalen Weg, der uns zum Portal Altstrimmig führt, einem der möglichen Startpunkte. Von dort geht es an die frische Luft, sprich: Wir verlassen Täler und Bäche und Wald und finden uns umgeben von Feldern und Weiden wieder.

Mit den alten Männern geht es endlich wieder aufwärts

Statt der Stille handeln wir uns Ausblicke ein, die genauso labend fürs Gemüt sind. Wir können bis in die Eifel schauen, denn der Nebel hat sich in der Zwischenzeit auf und davon gemacht, und in der Ferne meine ich sogar, den Mayener Berg sich aus dem Dunst in die Höhe recken zu sehen …

Hunsrückblick

Noch ein letztes Mal strecken wir alle Glieder von uns: An der Schockkapelle stehen Bänke und Tische und laden uns mit offenen Armen ein. Wir sagen nicht nein, haben wir doch unser Ziel – die Kirche – vor Augen. Wir lassen die Flasche kreisen (Sprudel, versteht sich) und teilen das letzte Brot. Nur das letzte Snickers, das bleibt natürlich mir allein!

Die letzten Meter lassen wir es ausrollen. Voller guter Eindrücke, Sprudelwasser, Brot (und nur ich: Snickers) fallen wir ins motorisierte Gefährt, das uns – erstaunlicherweise! – ohne Umwege zurück nach Neuwied bringt.

Rahmenhafte Aussicht auf Mittelstrimmig

Das Finale: Diese Traumschleife zähle ich zu den Wanderwegen, die ich auf jeden Fall wieder gehen möchte – in anderer Konstellation. Gegen den Uhrzeiger, das ist sicher klar. Und im Sommer, wenn die Hitze Wanderungen ohne schattenspendende Wäldchen zu einem schweißtreibenden Missvergnügen macht. Und dann gehe ich mit Petra, denn dieser Weg ist trotz der Kletterpassagen auch für sie wanderbar. Sie mag keine Höhen, doch die können gut umgangen werden.

Wo Schatten ist, da ist auch Sonne

Alles Übrige wird ihr sehr gefallen: Zahlreiche Bachtäler, gluckernde Wasser, schmale Pfade am Bach entlang, ausufernde Weitsichten über Hunsrück und Eifel, viele Gelegenheiten, das Wandern einmal beiseitezulegen, sich hinzusetzen und nichts zu tun als die pure Natur genießen. Mittendrin noch Erlebnispunkte wie die Schieferstollen, eine Möglichkeit zur Einkehr in der Pulgersmühle (die ab Mitte März wieder geöffnet hat). Ach, um es kurz zu machen: die »Traumschleife Layensteig Strimmiger-Berg« ist reich an Abwechslungen und erlebnisreichen Glanzpunkten. Und ein bisschen Abenteuer ist ja auch dabei …

Wie singt der Kölner: “Ene Besuch im Klo” – war aber heute trotz der Klettersteige nicht nötig

 

 

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
Schlenderer

Letzte Artikel von Schlenderer (Alle anzeigen)

6 Responses

  1. karl- rainer manderscheid

    bin einer der “macher”des layensteiges u.werte ihren bericht als
    anerkennung der arbeit vieler ehrenamtlicher helfer
    lade sie ein den layensteig nochmals zu “machen”,denn es hat sich inzwischen einiges getan.der dritte klettersteig , mit einem “spektakulärem”abstieg in einen aufgelassenen steinbruch hat dazu geführt , daß der layensteig vom deutschen wanderinstitut
    im juni 2014 mit jetzt 87 erlebnispunkten bewertet wurde
    aber dann bitte gegen die uhr

    Antworten
    • Georg

      Wir gehen den Layensteig auf jeden Fall ein zweites Mal, schon allein deswegen, um ihn dann gegen die Uhr zu gehen. Der dritte Klettersteig ist natürlich ein sehr guter weiterer Grund.

      Antworten
  2. Elke Weber

    Ein sehr schöner Bericht. Ich hatte viel Spaß beim Lesen. Ich seh schon: Um einen Wanderurlaub im Hunsrück werde ich wohl nicht herum kommen :-).
    Viele Grüße
    Elke

    Antworten
    • Georg

      Das sieht bei uns nicht anders aus, denn bald haben wir alle Traumschleifen abgegrast, die für eine Tagestour nahe genug liegen. :-)

      Antworten
  3. Guido

    Der Beitrag ist wieder so genussvoll zu lesen und macht absolut Lust, die Wanderung mal selbst zu gehen. Gegen den Uhrzeiger, versteht sich ;-) Schöne sonnige Bilder von den Klettersteigen auch.

    Antworten
    • Georg

      Sagte ich eigentlich, dass Du dann gegen den Uhrzeiger wandern musst? Nein? Musst Du aber unbedingt! ;-)

      Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere