Heute liegt der Dunst nicht nur über dem Neuwieder Becken, sondern auch über den Ausläufern des Westerwaldes. Nicht selten starten wir nämlich in Neuwied im Nebel – und kaum sind wir auf der Höhe (da reicht dann schon Monrepos), lichtet sich der Schleier. Wie gesagt, heute ist es nicht so.

Ich muss dazusagen, dass ich die Touren um Monrepos herum seit langem über bin. Warum? Weil wir sie zum einen viel zu oft gegangen sind. Zum anderen schafft es die Stadt Neuwied einfach nicht, in diesem landschaftlich schönen Terrain auch nur einen kleinen Wanderweg auf die Beine zu stellen, der nur einfachsten Wanderansprüchen gerecht werden soll. Ich verkneife mir, ein Foto von einer der blechernen Wandertafeln einzustellen, die noch aus der Altvorderzeit stammen muss. Das ist beschämend, und wollten Freunde oder Bekannte von mir einen Tipp, wo sie in Neuwied wandern sollen, müsste ich mit hochrotem Kopf an die Decke starren …

Trotzdem ist diese kurze Wanderung am Rand des Naturparks Rhein-Westerwald sehr schön; von unserer Haustür bis nach Monrepos sind‘s knapp über 5 Kilometer Fahrstrecke, ein Katzensprung also. Die Wanderung starten wir am Parkwald, an dem auch der Rheinsteig entlangführt. Der Parkwald dient noch immer als Gelände direkt an Wald und Wiesen zur Stadtranderholung. Jetzt ist dort keine Menschenseele, und wir parken auf dem großzügigen Parkplatz.

Streuobstwiese mit Streuobstsammlerin

Wir verlassen den Parkplatz und wenden uns gemeinsam mit dem Rheinsteig nach links auf einen Wirtschaftsweg. Später werde ich die Flurnamen nachlesen, und weil viele von ihnen eine eigenwillige Poesie ausstrahlen (und mich nicht selten an Hobbingen erinnern), erwähne ich sie speziell in diesem Bericht.

Zur rechten Seite steigt der Berg sanft an, während er links – welch Überraschung – ebenso sanft abfällt. Einige Obstbäume stehen verloren »Auf dem Diemrich«, die Wiesen sind noch saftig-grün, die Äste sind noch vollgepackt mit Äpfeln, die sich frei von jeder Norm präsentieren: schrumpelig, beulig, schorfig. Lecker.[tip]

KurzInfo! Der Wanderweg vor den Toren Neuwieds ist bei knapp 300 Höhenmeter gerade einmal 8 Kilometer lang. Wir starten an der K 110, die wir über Neuwied-Segendorf erreichen. Zwei Wanderparkplätze stehen zur Auswahl: Im Wanderbericht halten wir am Parkwald (gegenüber vom Parkplatz sieht man das Gelände für die Stadtranderholung; folgt man der Straße noch circa einen Kilometer, gelangt man zum Parkplatz nahe beim Museum Monrepos. Von dort ist der Einstieg in die beschriebene Wanderroute problemlos möglich.

Gutes Schuhwerk reicht für diese recht einfache Wanderung aus. In den Hahnhof kann entweder zwischendurch oder – wenn man am Museum Monrepos parkt – zum Abschluss eingekehrt werden. Das Museum Monrepos wird derzeit renoviert; die Wiedereröffnung ist für das Jahr 2014 vorgesehen.

Der Wanderweg ist frei gewählt und also nicht ausgeschildert. Teilweise führt er über den Rheinsteig. Hilfreich ist zum einen die . Zum zweiten empfehle ich die unten aufgeführte Wegekarte, die bei Outdooractive eingebunden ist. Über den Klickpunkt “drucken” stehen Optionen zur Auswahl, wie detailliert die PDF sein soll – am besten einfach ausprobieren, herunterladen und dann entscheiden, welche Version man bevorzugt. GPS-Tracks können ebenfalls abgerufen werden. Und die Karte kann mit Hilfe des Reiters über dem Kartenbild in unterschiedlichen Ansichten (beispielsweise bei “Google Earth”) betrachtet werden.[/tip]

Nach einer kurzen Strecke, auf der wir auch die ersten Weitblicke ins Neuwieder Becken genießen können, tauchen wir in den Wald ein. »Auf dem Ongert« nennt sich das bunt gemischte Wäldchen. »Vorn im Nebental« wandern wir jetzt, und folgerichtig landen wir bald, während der nun schmale Pfad gemächlich abwärts leitet, »Im Nebental«. Dort treffen wir auf den Aubach, der von hier hinab zur Wied fließt. Wir überqueren ihn dort, wo die Flur »Aubachbüschelchen« heißt, und gelangen treffsicher zum »Im Sack«.

Schilder-Potpourri

Bevor der zugemacht wird, steigen wir den Pfad hinauf, um gleich darauf wieder Licht nach all dem Dunkel zu sehen. Vor uns breitet sich Weide- und Wiesenland aus, dazu eine Schutzhütte und der nächste schöne Blick hinein ins Neuwieder Blick und hinüber in die Eifel. Einzig die trüben Aussichten verhindern, dass wir dieses Panorama uneingeschränkt genießen können.

Am Tierheim Ludwigshof vorbei erreichen wir einen breiteren Weg, dem wir wieder bergauf folgen. »An der Kuhrast« gehen wir, wenn auch die Gemarkung dem Namen nicht gerecht wird; es ist recht kuhlos hier. Nach »Unter dem Thalfeld« und »In der Riegelbach« – muss ja so heißen, denn gleich dabei fließt der Reichelbach … – kommen wir zu »In der Dollwand«, aber bevor wir dort die Puppen tanzen lassen, schwenken wir auch schon ab auf eine kleine Passage, die recht zügig hinaufführt zum fürstlich-wiedischen Waldfriedhof.

Verstohlener Blick durchs Gitter auf den fürstlich-wiedischen Waldfriedhof

Doch selbst im Tode schotten sich die guten Fürsten ab; das schmiedeeiserne Tor ist versperrt, der Zaun hoch genug, um Übergriffe des gemeinen Volkes zu unterbinden. Schade, denn echte Rowdys ließen sich auch von einer solchen Sperre nicht abhalten, während der gewöhnliche Wanderer wohl kaum zu Ausschreitungen auf Friedhöfen neigt. Ein wenig mehr Offenheit schadet nichts, der Waldfriedhof lädt im Grunde nämlich zum Flanieren ein. Andererseits möchte vielleicht die einen doch nach dem Tod noch Abstand halten, während die anderen dicht gedrängt in Reihengräbern ihr Nachleben fristen werden.

Kastanienallee N° 1, Marstall, Wanderin

Wir wenden uns ab. Der Weg mündet in eine Kastanienallee. Die Zweige und Äste der alten Bäume breiten sich über uns aus, nicht weit entfernt sehen wir bereits den ehemaligen Marstall. Am Hahnhof vorbei steigt der Weg schon wieder an, wenn auch etwas zaghaft. Der Hahnhof ist auch heute gut besucht, und aus eigener Erfahrung wissen wir, dass man sich dort auf jeden Fall gut essen und natürlich auch trinken kann und nett auf der Terrasse sitzt.

[Informationen zur Historie des Hahnhofs finden sich auf der Website. Interessant ist auch, dass im September 2013 ein Hofladen eröffnet wurde. Und noch interessanter sind beispielsweise die Bisons, die auf der angrenzenden Weide grasen und – zumindest aus der Entfernung – beobachtet werden können.]

Das renovierte Museum

Ein schmaler Pfad führt von hier hinauf zum Archäologischen Forschungszentrum und Museum Monrepos. In den vergangenen Jahren wurde es renoviert, im nächsten Jahr soll es wiedereröffnet werden.

Wachmammut

Wir überqueren die geteerte Straße und lassen auch das Gros der vielen Spaziergänger und Wanderer hinter uns. Etwa 100 Meter die Straße abwärts befindet sich übrigens der große Wanderparkplatz auf Monrepos – auch alternativer Einstieg in diese kleine Wanderroute, bestens geeignet, wenn man zum Abschluss in den Hahnhof einkehren oder nach der Wiedereröffnung das Museum besuchen will.

Der Experte für Outdoor und Touren___________________________________________________________________________________________________

»Bornweis« und »Thalfeld« haben wir jetzt hinter uns gelassen, den »Sterngarten« sehen wir nur aus der Ferne, dafür liegt gleich rechts von uns die »Vordere Wiesenhält« – genau dort, wo früher das Schloss Monrepos war. 1969 wurde es »mittels 100 Liter Benzin und 300 Liter Rohöl« von der Freiwilligen Feuerwehr Niederbieber niedergelegt. Das barocke Schloss wurde von 1757 bis 1762 erbaut, später diente es als Sommerschloss. Vom Schloss ist heute nichts mehr sichtbar – dafür steht uns ein ansehnlicher Mammutbaum fast im Weg.

Naja, wir können natürlich problemlos an ihm entlanggehen. Wenige Schritte später erreichen wir einen gut ausgebauten Wirtschaftsweg, den wir erst zwischen Bäumen rechts und links und dann an einer Wiese entlang folgen. Waren wir beim Mammutbaum noch im »Sterngarten«, so wechseln wir nun in den »Holzstoß« über.

Das passt irgendwie. Auch wenn wir am Beginn der zweiten Kastanienallee nach rechts abbiegen und einem weichen Weg abwärts folgen, könnten wir etwa 50 Meter weiter auf dem breiten Weg eine Schutzhütte mit Sitzmöglichkeiten auch außerhalb zur Rast nutzen. Das tun wir, wie gesagt, nicht, sondern wandern stattdessen schnurstracks hinunter. Die Kastanienbäume spenden im Sommer Schatten, jetzt raschelt das Laub nur im Wind; der Bestand wurde offenbar ausgedünnt, um wieder neue Kastanienbäume anzupflanzen. »Haard oberm Pastoreiwäldchen« bewegen wir uns.

Melsbach, unter uns das Wiedtal.

Bald, nachdem wir wieder im Laub- und Nadelwald verschwunden sind, wendet sich der Weg erst nach rechts, kurz darauf nach links, zieht sich nochmals eine kurze Strecke den Berg hinab, bevor es ein weiteres Mal hin und hergeht. Wir bleiben auf dem Weg, sehen schon kurze Zeit später über das Wiedtal hinweg auf Melsbach, das sich am jenseitigen Hang abzeichnet. Zwischen Weiden und Wiesen geht es pausenlos hinunter, und weil das ja so anstrengend ist, besetzen wir kurzerhand eine neue Schutzhütte, um die erste und einzige Pause einzulegen. »Bei der Hütte« ist der Flurname.

Lockmittel

Name hin oder her, es geht weiter, runter ins Wiedtal. Gleich nach dem Wiesengelände geht es hinein in ein Gemisch aus wild wuchernden Büschen und Sträuchern und Bäumen; es sieht so aus, als ob hier eine ganze Anzahl Grundstücke sich selbst überlassen worden ist. Der Weg mäandert, bis er »Am Bienengrund« fast die Talsohle erreicht; von nun an macht er mit dem Rheinsteig gemeinsame Sache.

Die folgende Wegstrecke führt recht eben oberhalb der Wied entlang; vom Fluss sehen wir aber gar nichts. Stattdessen lassen wir uns wieder vom Wald einfangen, hören den Moorbach nahe bei uns plätschern, müssen ihn sogar über ein Brücklein queren, um wenig darauf die Bäume wieder hinter uns zu lassen.

Auf dem Rheinsteig bleibend, gewinnen wir bei der »Kuchenpfann« wieder an Höhe, gehen an »Im Lanzenberg« und »Auf dem Langenberg« vorbei (so viele Berge auf so einem kurzen Stück …), passieren noch »Auf dem Langenberg« und »Am Langenberg« und lassen auch auf dem Weg, der uns erneut zwischen Wiesen entlangführt, »Am Stiefvater« und »Im Tempel« hinter uns.

Das sind ja schöne Aussichten! Der Kühlturm aber ist immer sichtbar.

Wie gesagt, es geht bergan, 120 Höhenmeter auf 1,5 Kilometer auf schön weichen Wegen – der Langenberg hat doch etwas zu bieten. Zwischendrin locken Bänke, aber wir schauen im Gehen und im Stehen wieder hinein ins Neuwieder Becken, das sich heute überhaupt nicht von der Dunstschicht befreien kann.

Was soll’s … bei den »Eisenkaulen« erreichen wir wieder den Parkwald. Den betreten wir aber nicht, denn unser Weg – und der Rheinsteig – führt zwischen Bäumen und Wiesen bis zur Straße. Die überqueren wir noch, dann sind wir zurück.

Partnerlook am Parkwald

Ich wollte über diesen Wanderweg erst gar nicht berichten. Dann fragte ich mich – warum eigentlich nicht? Wir gehen den Weg so oder in abgewandelter Gestaltung seit vielen Jahren, wenn auch zuletzt nur noch selten. Und dann ärgert es mich unheimlich, dass die Gegend um Monrepos seit genau so vielen Jahren eine Art Wanderwege-Abenteuerland ist. Wer dort wandern will, muss sich seine Wege selbst suchen. Mag ja spannend sein – für manche.

Andere wollen aber gern wissen, wo sie hergehen müssen und wo sie ankommen werden. Die beschriebene Wanderung ist nur eine exemplarische Route, von denen sich um Monrepos einige weitere gestalten ließen. Steht ja auch auf der Website der Stadt Neuwied: »… aus den früher 46 Wanderwegen mit einer Gesamt-Streckenlänge von 270 Kilometern entstanden neun neue Rundwanderwege, NR 1 bis NR 9 genannt.« Steht schon länger dort. Faktisch hat die Stadt es bisher nur geschafft, NR 1 und NR 2 aus dem Ärmel zu schütteln. Ganz ehrlich, das ist ein Armutszeugnis.

Für »Rund um Monrepos« wird niemand einen weiten Anfahrtweg auf sich nehmen. Doch wer in Neuwied oder in der Nähe wohnt, drucke sich die Wanderroute ruhig einmal aus und laufe los. Und vielleicht motiviert das, eigene Wanderwege zu gestalten, vielleicht sogar aufbereitet mit Outdooractive oder einer anderen Hilfe zur Wegeplanung. Wäre doch schön, wenn zu den bereits bestehenden und/oder erhofften Wanderwegen NR 1 bis NR 9 noch NR 10 bis NR XX kämen.

»Rund um Melsbach« jedenfalls bietet einiges: Schöne Aussichten in die Rheinebene, das Neuwieder Becken und ins Wiedtal, ein Museum (bald wieder), reichlich Wald und Streuobstwiesen, manchmal sogar fast zauberhafte schmale Pfade, ausreichend viele Gelegenheiten zum Verweilen und sogar zur Einkehr, ein bisschen Vergangenheit (der Waldfriedhof, das niedergelassene Schloss). Und viel frische Luft. Und die sollte auch der Neuwieder öfter mal schnappen gehen.

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
Schlenderer

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4 Responses

  1. Elisabeth

    es scheint, wir schlendern ab und an die gleichen Wege.
    In Neuwied lebend, freue ich mich, diese Seite entdeckt zu haben.

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    • Georg

      Derzeit wandere ich fast ausschließlich im Westerwald – und ich stelle fest, dass ich längst noch nicht alles gesehen habe, was der Westerwald zu bieten hat. Danke für die Anmeldung zum Newsletter; ich versuche, wenigstens einmal monatlich einen kurzen Überblick zu den neuen Beiträgen zu geben.

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  2. Guido

    Müsste vielleicht jeder mal tun, eine interessante Wanderstrecke in eigener Umgebung selbst gestalten; dürfte doch eigentlich nicht so schwer sein. Hatte wiederum Freude beim Lesen, Karl-Georg ;-)

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    • Georg

      Ich danke Dir, Guido! Ich stimme Dir zu, die “eigenen” Wanderwege vor der Haustür sind oft genug auch einen Bericht wert – und das “Nachwandern”.

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