Da zitiere ich also gleich mal den alten Kanadier Neil Young – »There’s more to the picture than meets the eye« -, denn seid unserem Kurzurlaub in Irland sind 1 1/2 Jahre vergangen. Viel Zeit ist seither vergangen. Zeit, die manche Erinnerung löscht. Andere Erinnerungen tauchen immer wieder auf, zu unterschiedlichen Anlässen entstehen dann wieder Bilder, lebt etwas auf. Fotos sind natürlich eine moderne Krücke, um solchen Erinnerungen auf die Sprünge zu helfen. Letztens traf ich mich mit einigen alten Freunden, einige von ihnen habe ich seit 30 und mehr Jahren nicht mehr gesehen. Als wir uns trennten, kam der Gedanke auf, beim nächsten Treffen alte Fotos mitzubringen. Offensichtlich, um den Erinnerungen auf die Sprünge zu helfen. Mal abgesehen davon, ob ich das wirklich wollen sollte, sind Fotos nur ein magerer Ersatz für das damals Erlebte. Es gibt etwas “hinter” den Fotos, ein, “in” den Fotos, das sich den Augen entzieht, sich nicht sehen lässt, sondern vielleicht spüren – wenn man selbst es erlebt hat. Deshalb sind auch die zum Glück nicht mehr notwendigen Dia-Abende so ermüdend gewesen – der Diamacher frischte seine Erinnerungen auf, verband vielleicht sogar mit jedem Foto ein besonderes Erlebnis. Seine Mitguckopfer konnten das nicht nachvollziehen.

Als ich die Fotos, von denen ich eine kleine Auswahl nun in den Reisebericht vom letzten Tag unseres Irland-Urlaubs einstelle, betrachtete, erwachten Erinnerungen. Erinnerungen an Geschehnisse, die ich vermutlich niemandem so weitergeben kann, wie ich sie damals erlebte. Deshalb erspare ich das auch heute, sondern lasse Fotos sprechen, so gut es geht. Einige kurze Kommentare und passende Google-Maps zu den Stationen füge ich noch an. Mehr nicht.

 

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Am Donnerstag brachen wir mit unserem Mietwagen zeitig auf, weil wir eine größere Schleife durch die Wicklow Mountains geplant hatten. Unsere erste Station brachte uns über Enniskerry zum Wicklow Way. Wir wanderten ihn ein Stück bis Raven’s Rock. Petra war es die letzten Meter zu abschüssig, weshalb ihr unverschämt schöne Blicke über das Land und die Irische See entgingen. Weiter ging es zum Lough Tay, der nördlich gelegene Abschnitt gehört der Guinness-Familie und kann nicht betreten werden; wir blieben also oben und schauten hinunter. Am Ufer sahen wir Nachbauten früher Häuser und Schiffe.

 

 

Den nächsten Halt legten wir, nachdem wir Sally Gap passiert hatten, an der Old Military Road ein.

 

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Das alles spielt sich auf circa 500 Metern ab, doch die Landschaft, die uns danach erwartete, war karg und kahl. Der Wind pfiff uns um die Ohren. Weit und breit nichts von der grünen Insel. Die Old Military Road wurde von den Engländern um 1800 gebaut; nicht, um den Iren den Weg von A nach B zu erleichtern: Military Road.

 

 

Nach dem Grauen ging es wieder ins Grüne. Obwohl uns mehr der Blues überkam, denn die Abreise stand an. Zum ersten Mal wanderten wir von unserem Hotel aus hoch zum Bray Head, 241 Meter hoch und direkt über der Stadt Bray liegend – grandiose Rundumblicke sind als Belohnung inbegriffen.

 

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Wieder musste ich alleine hoch, was auch erklärt, dass ich wildfremde Menschen dort oben aufs Korn nahm und fotografierte. Auf dem Hügel ist die Hölle los, kein Wunder bei den Aussichten, da wird dann gepicknickt, was das Zeugs hält. Und ich kann das sehr gut verstehen, denn nicht nur das Meer lockt zum Schauen, sondern auch die Landschaft drumherum mit dem Great Sugar Loaf, der immerhin 501 Meter in die Waagschale werfen kann. Der Rückweg führte uns noch einmal zum Strand des kleinen Küstenstädtchens Bray

 

 

… dann war es Zeit für die Abreise. Zum Abschluss warfen wir einen letzten Blick zurück auf unser Hotel, in dem wir uns sehr wohlfühlten.

 

Unsere Bleibe in Bray: Wilton Hotel

 

Natürlich werden wir wieder nach Irland reisen. Ob in die Wicklow Mountains? Wir werden es sehen. Die Sehnsucht ruft auch nach Connemara, und darüber hinaus haben wir den Nordwesten noch gar nicht gesehen, ganz zu schweigen von Nordirland. Und – und – und. Wir müssen also wiederkommen.

»Slán anois!«

 

 

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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2 Responses

    • Georg

      Die Frage ist: Wer macht wem die Nase lang? :-) Wir würden sicher sofort die Rucksäcke packen und den Wicklow Way auch wandern. Wenn, ja – wenn das übliche Wenn nicht wäre.

      Antworten

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