Die vergangenen Monate ist es auf dem Schlenderer etwas ruhiger zugegangen. Lag es am Winterschlaf? Lag es an Wanderfaulheit? Lag es am Wetter? Nein, es lag (und liegt) am „Wanderführer Westerwald“.

„Wanderführer Westerwald“ – wie – wo – waaas?

Ja, jetzt hat es mich faustdick erwischt. Ich schreibe einen Wanderführer. Für den Droste Verlag. Seit einigen Monaten wechsele ich bereits eifrig E-Mails mit dem Verlag. Genauer gesagt: mit der dort für mich zuständigen Lektorin. Natürlich flutscht ein solches Projekt nicht mal eben so durch, all dies braucht seine Zeit, und das ist auch gut so. Am Donnerstag vor Ostern fuhr ich nach Düsseldorf zum Gespräch. Die Inhalte nochmals durchsprechen. Vorher Angerissenes festzurren. Details im Vieraugengespräch abklären. Und natürlich auch sich persönlich kennenlernen, denn die Arbeit für einen Verlag (und umgekehrt natürlich die Arbeit des Verlags mit einem Autor) ist ja nichts Unpersönliches, das sich via Internet regeln lässt. Immerhin vertraut der Autor dem Verlag sein Liebstes an – das Geschriebene (wenn ich bei Facebook manche Autoren über ihre Bücher schreiben sehe, kommt das mit dem „Liebsten“ wirklich der Sache ganz nah, und dann frage ich mich, was wohl ihre Partner dazu sagen). Und der Verlag bietet dagegen sein Know-how an, seine fachliche Kompetenz, Bücher auf dem Markt zu präsentieren. Und natürlich das finanzielle Risiko und den damit verbundenen Einsatz – das Gegenstück zum Zeit- und Herzbluteinsatz des Autos. In aller Regel ist’s ein ausgewogenes Geben und Nehmen. Und nach dem angeführten Gespräch in Düsseldorf habe ich das Gefühl: Beim Droste Verlag bin ich gut aufgehoben.

Also dort wird mein Wanderführer erscheinen. Im Frühjahr 2015. Mittlerweile sind die Routen festgelegt. Vorab habe ich knapp 40 Strecken vorgeschlagen, bereits ausgearbeitet und soweit mit detaillierten Informationen ausgerüstet, dass das Verlagsteam sich einen Eindruck von der avisierten Tour machen konnte. Übrig geblieben sind letztlich 26 Touren. Oben drauf kommen noch einige Städtetouren, die sich als separate Beiträge gut im Buch machen werden.

Das Mal vorweg. Natürlich liest es sich jetzt lockerer, als die Arbeit sich im Vorfeld und im Mittelfeld darstellt. Die Wirklichkeit ist meist ja einige Nuancen rauer als die Vorstellung. (Wobei ich ja vor einigen Jahren gemeinsam mit Freund Manfred ein sogenanntes Quellenbuch zum Fantasy-Rollenspiel MIDGARD geschrieben habe und durchaus weiß, was Recherche für ein Sachbuch heißt.)

Vielleicht interessiert es den einen oder die andere, wie ich den Wanderführer stricke. Für diejenigen sind meine kleinen Werkstattberichte gedacht. Rasch aus dem Handgelenk geschrieben, ohne viel dran herumzudoktern und zu feilen. Aus der Lameng also. Manchmal ganz kurz gehalten, vielleicht ab und zu etwas länger. Sicher nicht regelmäßig, doch zeitlich befristet, denn es gibt natürlich einen Abgabetermin. Mit Fotos werde ich mich auch zurückhalten, denn die gibt es im Wanderführer. Ein paar wenige, geschossen mit unserer Panasonic TZ-41, die ich als handliche Kamera auch gern mitnehme, werde ich aber einstreuen.

Und alles werde ich nicht erzählen, weil mir garantiert zwischendurch und vielleicht sogar überhaupt die Zeit fehlen wird. Nur: Wie ich mich kenne, stehle ich mir bei all den anstehenden Wanderungen die Zeit, um mal frei Schnauze zu schreiben. Mag ja sein, dass mich etwas richtig ankotzt beim Wandern oder Schreiben oder sonst wo, und das muss dann raus. Hier. Demnächst.

In den letzten Wochen bin ich oder sind wir (mehrere Touren habe ich bereits mit Petra gemeinsam absolviert, eine Tour mit Freund KD zusammen – die natürlich prompt zu den 12 Touren zählte, die rausgestrichen wurde) speziell fürs Buch durch den Westerwald gestromert. Von der letzten Episode erzähle ich heute.

Die führte uns am 23. April nach Hillscheid. Hillscheid und Umgebung sind meines Wissens nicht überregional als Wandereldorado bekannt. Was schade ist. Hillscheid bietet einiges. Römerturm, nachgebaut und an den Wochenenden zu besichtigen. Ein Kleinkastell, bei dem die erhaltenen oder nachgebildeten Grundmauern die Größe anschaulich erkennen lassen. Sanfte Hügel, auch schmale Pfade. Die Region kennen wir, was fürs Wanderwegegestalten natürlich von Vorteil ist. Hier passt ein Hinweis wie der: Eine Vorgabe des Verlags – „neue Wege beschreiben“. Das macht die Arbeit nicht einfacher, aber interessanter. Gibt der Arbeit etwas im bescheidenen Rahmen Eigenständiges, weil ich nicht auf ausgetretenen Pfaden wandeln muss, sondern durchaus auch einmal abseits der Wege. Wobei das nicht wörtlich zu nehmen ist.

Das lehrte uns auch dieser Weg. Daheim habe ich die geplante Route so weit ausgearbeitet, dass ich sie vor Ort problemlos nachvollziehen kann. Als Hilfen stehen heutzutage ja nicht nur Wanderkarten zur Verfügung (neben Wanderkarten zum Westerwald beispielsweise vom Kompass Verlag liegen oft auch Wanderkarten der örtlichen Touristinformationen vor, die manchmal sogar im günstigeren, weil kleinteiligeren Maßstab gezeichnet wurden), sondern auch Hilfsmittel im Internet. Über „Outdooractive“ habe ich die Strecke vorzeichnen und ausdrucken können. Mitgenommen haben wir also diese Routenkarte sowie zwei Wanderkarten. Genug Material, um das zu machen, was nicht am Reißbrett, sondern in der Natur möglich ist: Die Wegeführung abändern. Den Gegebenheiten anpassen. Neue, bislang unbekannte Wege einbauen. Oder alte Wege streichen.

Das Kleinkastell in Hillscheid

Vor Ort also. Zum Kleinkastell gelangt man über einige Wege. Ich hatte – weiß der Teufel, warum – eine weniger fußfreundliche ausgewählt. Eigentlich wider besseren Wissens, denn wir kannten die Strecke. Lag aber offenbar schon zu lange zurück, weshalb wir am Kastell den Kopf schüttelten. Das war es nicht. Das Schicksal eines Wanderführers halt, zurückgehen, neu wandern. Für den heutigen Tag beließen wir es beim Weiterwandern. Irgendwie wussten wir zu dem Zeitpunkt schon: Wir kommen wieder. Die nächste Zwischenstation ist Thiels Hütte. Wer meinen Wanderbericht zum 1. Mai gelesen hat, kennt die Hütte bereits. Auch dorthin wählten wir eine Variante, die wir, kaum waren wir dort oben, wieder verwarfen. Damit war auch eins endgültig gegessen: Heute schließen wir die Tour ab. Zumindest war spätestens an der Hütte klar, dass wir ein zweites Mal die Runde drehen mussten.

Erst recht, als wir von Thiels Hütte aus einen sehr schönen, flauschig weichen und auch eingeplanten Grasweg hinabliefen. Am Ende stoppte uns undurchdringliches Gestrüpp, niedergelegte Bäume, Dickicht. Der Weg war, obwohl er in einer Karte noch als Wanderweg des Westerwaldvereins eingetragen war, quasi aus dem Programm genommen worden. Ich will nicht wissen, wie er in den kommenden Jahren überwuchert sein wird, jedenfalls wird er unpassierbar sein. Also raus aus der Streckenplanung und rein in die virtuelle Mülltonne.

Natürlich beschränkt sich die Bewanderung (heißt das so? Begehung. Bewanderung?) nicht aufs schnelle Ablaufen der Strecke. Ständiger Begleiter ist ein Diktiergerät. Endlich kann ich quatschen, ohne dass mir jemand widerspricht. Nach dem letzten Fehltritt (siehe Dickicht) hatte ich das Gerät aber schon mit so vielen „geht nicht“, „was soll denn das“ und „…“ (ja, ich fluche auch in Diktiergeräte, und ich schäme mich nicht einmal dafür) vollgelabert, dass sowohl Diktiergerät als auch wir die Orientierung fast verloren hatten.

Na ja, fast jedenfalls. Denn auf unserer restlichen Rundtour passierte nichts Ungewünschtes mehr. Es lief also rund. Nur die erste Hälfte war ein arger Irrläufer.

Hillscheid liegt etwa 20 Kilometer von Neuwied entfernt, also ein Katzensprung. Ein zweiter Anlauf ist also halb so schlimm. Am darauffolgenden Samstag holten wir das nach, was uns noch fehlte. Vorab hatte ich die Korrekturen eingetragen – eigentlich hätte ich meinen Kopf gegen die Wand hauen können, denn die Änderung beim ersten Abschnitt lag wirklich auf der Hand. Scheuklappen … Doch Zeit zur Korrektur, besonders wenn sie derart geringfügig ist – denn an der generellen Streckenführung ändert sich nichts, nicht einmal die Weglänge wird erheblich erweitert -, bleibt noch.

Jetzt passt diese Wandertour. Jetzt schreibe ich es nieder. Wandern ist ja nur ein kleiner Teil dessen, was später als „Wanderführer“ veröffentlicht wird. Mehr zu den anderen „kleinen Teilen“ vielleicht beim nächsten Bericht aus der Werkstatt. Oder auch nicht.

 

 

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
Schlenderer

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4 Responses

    • Georg

      Oha, nur “ein wenig vermißt”? ;-) Aber Du weißt sicher auch: Ein Leben ohne den Schlenderer-Blog ist möglich, aber sinnlos. :-)

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  1. Pierre

    Hallo Georg,

    nun hast du es endlich geschafft, herzlichen Glückwunsch! Ich hoffe es werden noch viele weitere folgen. Ich werde ihn mir auf jedenfall kaufen und aufmerksam lesen. Bestimmt kann ich noch vieles, was den Schreibstil angeht,dazu lernen.

    Viele Grüße
    Pierre

    Antworten
    • Georg

      Danke, Pierre! :-) Jetzt schreibe ich aber erst einmal den Wanderführer fertig, bevor ich an weitere denke. ;-) Wenn ich Deinen tollen Beiträge auf Deinem eigenen Wanderblog Traumsteige (www.traumsteige.com) lese, bezweifle ich sehr, dass Du von mir etwas lernen musst. Das passt bei Dir doch wunderbar! (Und ich hoffe, auch in nicht so ferner Zukunft “Dein” Wanderbuch in Händen zu halten.

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