Rundwanderungen haben für den Routenplaner etwas Gutes: Start- und Zielort sind derselbe. Der erste und der letzte Eindruck sind wichtig. Sind bei Streckenwanderungen beide wenig erbaulich fürs Auge und fürs Gemüt: umso schlimmer. Womit für den Routenplaner eins klar ist: Der Punkt muss sitzen. Und deshalb ist es eine Wohltat, sich nur Gedanken um eine Örtlichkeit machen zu müssen. Start- und Zielpunkt eben. Das ist oft schwierig genug.

Ein paar Beispiele gefällig? Überflüssige Frage, weil mich eine Nein-Antwort ja sowieso nicht interessiert. Also:

Meine letzte Wandertour führte mich nach Bad Marienberg. Städte sind per se ja keine leichte Wanderkost. Viel Asphalt, viel Lärm, viel Hektik. Als Startpunkte eignen sich natürlich Parkplätze, die gemeinhin über Städte ausgestreut sind wie Seen in Finnland. An jeder Ecke wartet einer hungrig auf die Karossen. Nur muss der Hungerstillende das auch noch mit barer Münze bezahlen. Ein No-Go, wie jeder Wanderer bestätigen wird. Außerdem schlucken diese Münzfresser bei einer ausgedehnten Wanderung (die schnell mal sechs oder sieben Stunden verschlingt) viel Geld, das besser in Wegzehrung (Bier, Butterstullen, Bier) investiert werden kann.

Basaltpark

Der Basaltpark in Bad Marienberg

Zum Glück gibt es den Basaltpark. Ein Park für Mensch und Auto. Vorne dran der Autopark zum Abstellen, neben dran der Basaltpark zum Angucken. Und noch dazu ein netter Start- und Zielort, weil der Weg eh durch Bad Marienberg führen wird. Und weil zum Abschluss der Basaltpark besichtigt werden kann (oder nicht, das steht ja jedem frei, da er – super! – kostenlosen Eintritt offeriert). Traumpfad-Güte hat das zwar nicht, aber nahe bei oder in einer Stadt ist das auch selten möglich.

Bindweide

Grube Bindweide

In Steinebach war’s ähnlich, und doch anders. Steinebach ist nämlich, und das ist nicht abwertend gemeint, ein Dorf. Da müsste sich doch überall ein lauschiger Parkplatz finden, möglichst direkt drin in der Natur. Sicher, aber manchmal gilt es, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Die Grube Bindweide ist einen Besuch wert – vorausgesetzt, man interessiert sich nicht nur für das, was über der Erde los ist.

Mitten in einer Wanderung, also so zwischen Kilometer 9 und 10, finde ich das doof. Nun bin ich zwar nicht jeder, und andere mögen genau das spannend und als willkommene Abwechslung ansehen, aber in dem Fall empfehle ich den Abstieg zum Abschluss. Sozusagen die Abkühlung nach der heißen Sommerwanderung. Auf den Punkt gebracht: Der Zielort muss die Grube Bindweide sein. Schön, dass dort (kostenlose) Parkplätze direkt vor Ort lungern. Jetzt muss man nur noch schauen, dass das Ende der Wanderung mit den Öffnungszeiten einhergeht. Aber das ist dann nicht meine Sorge …

Manchmal sortiere ich die geplanten Wandertouren auch um. Vor Ort. Wenn sich etwas anderes, mutmaßlich Besseres ergibt. Am Wiesensee war dies der Fall. Eigentlich plante ich den Abstieg in die Holzbachschlucht für den Schluss ein. Parken müsste der Wanderer also „hinter“ der Holzbachschlucht (wobei der Einstieg aus zwei Richtungen möglich ist, aber das geht jetzt zu sehr ins Detail und verwirrt auch mich). Die Holzbachschlucht als dickes Ende – super! Fand ich. Bis ich mir einen oder zwei Tage vor Wanderstart gemeinsam mit Petra noch einmal die Streckenplanung betrachtete. Und wir grübelten und dachten nach. Und ließen dann von der Schlucht ab und bauten lieber nah am Wasser. Nämlich direkt am Wiesensee.

Wiesensee

Wiesensee

Wobei wir da nichts mehr bauen mussten, denn Parkplatz reiht sich dort an Parkplatz. Schlucht hin oder her, aber als Abschluss den See vor Augen: phänomenal. Die Beine im Wasser baumeln (vorher bitte Wanderschuhe aus!) und den Blick übers kühle Nasse schwimmen lassen, was will man mehr nach einer langen Wanderung. Und wer davon noch nicht genug hat, geht Golfen (Marc, hast Du den Platzrekord mittlerweile geknackt?). Wer’s ganz gediegen will, quartiert sich sogar im Lindner & Sporting Club Wiesensee ein, hautnah am Ufer gelegen (da hat man den Parkplatz natürlich gleich vor der Tür).

Und wie steht’s mit Waldparkplätzen? So richtig mittendrin in der Natur. Rausfallen aus dem Auto, knackeng landen zwischen Büschen und Bäumen. Fichtendüfte um die Nase, sobald die stinkende Blechkiste ausgeröchelt hat? Traumhaft, nicht wahr? Habe ich auch auf Lager. Ein Widerspruch ist’s. Da fahren wir raus in den stillen Wald, um die Ruhe zu genießen, und qualmen und husten vorher die Natur mit Abgasen voll. Ist so ähnlich wie der Fluch der Autobahnen. Komplett zugebaut mit den Baumfressern. Oh weh, die schöne Natur! Und brettern selbst über die Autobahn, als gab’s kein Morgen mehr, damit wir rasend schnell von daheim zu unserem Wanderspaß gelangen.

Isenburg

Wanderauto mit großer Klappe mitten im Wald

Im Wald über Neuwied fand ich ein solches heimeliges Plätzchen fürs Auto. Da steht es dann, umringt von staunendem Fuchs und Reh und Hase, und wartet, bis sein Wanderer zurückkehrt. Vollkommen erholt ist der und eins mit der Natur. Und dann ab dafür quer durch den Wald nach Hause …

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
Schlenderer

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2 Responses

  1. Claus

    Georg, du wirst mir immer sympathischer: Bier, Butterstullen, Bier!!!!
    Der Rest vom Geschreibe ist super, aber das übertrifft alles und spricht mir aus der Bierseele!

    Gruß Claus

    Antworten

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