Die Zeit drängt. Ist das eine gute Voraussetzung für eine Wanderung?

An diesem Samstag haben wir vom späten Nachmittag an noch einiges vor. Und trotzdem – wir wollen wandern. Eine längere Tour kommt natürlich nicht in Frage, aber vielleicht etwas Kurzes, Knackiges? Schon immer gab es um die Orte herum die kleinen Wanderwege, die zum Spaziergang einluden, nicht unbedingt spektakulär, aber auf ihre Art erholsam.

Doch wir wollen mehr. Und da kommt es uns gerade recht, dass heutzutage über dieses eher lokale Angebot hinaus eine breite Palette an Wandertouren offensteht – von kurz über lang, von entspannend bis spannend. Wir greifen dann gern auf einen der Traumpfade zurück, die wir in den Jahren, seitdem sie das Licht der Welt erblickt haben, viele Male gegangen sind. Und weil wir wenig Zeit zur Hand haben, nehmen wir uns den kürzesten aller Traumpfade vor – den “Vulkanpfad” bei Ettringen.

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KurzInfo! Der “Traumpfad Vulkanpfad” ist 6,6 Kilometer lang und hat 234 Höhenmeter. Als Wegezeit werden 2:30 Stunden angegeben. Der Wanderweg ist leicht gehbar, doch sollte man die beiden Berge nicht unterschätzen. Gutes, festes Schuhwerk, am besten Wanderschuhe, ist natürlich immer nötig, sobald man sich auf eine Wanderung begibt; hier rentiert sich das schon alleine wegen des felsigen Untergrunds beispielsweise im Winfeld. Es gibt ausreichend viele Rastmöglichkeiten, sodass man aufgrund der kurzen Wegestrecke auch an eine Wanderung gemeinsam mit Kindern denken kann. Zudem bieten die vielen Schautafeln, die erlebnisreiche Landschaft und die Kletterwände genügend Motivation, um die Wanderung zu einem Ereignis zu machen.

Die Hochsimmerhalle am Ortseingang von Ettringen bietet sich als Startpunkt an. Weiterhin kann direkt am Parkplatz zum “Kottenheimer Winfeld” (an der Landstraße nach Ettringen auf der rechten Seite liegend, circa 300 Meter vor Ettringen – aber beachten, dass hier auch die Kletterer parken und der Parkplatz deshalb belegt sein kann) oder an der “Ettringer Lay” geparkt werden. Dann kann man zum einen die “Ettringer Lay” besichtigen, zum anderen von dort aus auf den “Ettringer Bellberg” steigen, um dort in den Traumpfad einzusteigen. Einen kurzen Überblick bietet die PDF: Vulkanologischer Wanderweg.

Eine Wegekarte findet der Leser weiter unten. Über den Klickpunkt “drucken” stehen Optionen zur Auswahl, wie detailliert die PDF sein soll – am besten einfach ausprobieren, herunterladen und dann entscheiden, welche Version man bevorzugt. GPS-Tracks können ebenfalls abgerufen werden. Und die Karte kann mit Hilfe des Reiters über dem Kartenbild in unterschiedlichen Ansichten (beispielsweise bei “Google Earth”) betrachtet werden.

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Der 587 Meter Hochsimmer, der vor 410.000 Jahren zum letzten Mal Feuer spuckte

Zuletzt ging ich ihn im Frühjahr. Gegensätzlicher können Jahreszeiten ja kaum sein, hier die aufblühenden Sträucher, die ersten erwachenden Blüten, das zarte Grün, das sich aus den Zweigen und Ästen schält, die ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Nun aber macht das Grün einer unglaublichen Vielfalt an Farbnuancen Platz, das Laub raschelt trocken unter jedem Schritt, und die Sonne verströmt selbst zur Mittagszeit nicht mehr genug Wärme, um eine Jacke und einen Pullover überflüssig zu machen.

Blick in die “Grube 100”

Und doch, heute haben wir einen richtig geilen Herbsttag erwischt. Wir halten wie immer an der Hochsimmerhalle gleich am Ortseingang von Ettringen; dort steht ausreichend Parkraum zur Verfügung. Von dort geht es den ersten Kilometer sehr zügig bergauf; wir lassen rasch die zwei, drei schmalen Nebenstraßen hinter uns, um dem “Ettringer Bellberg” unsere Aufwartung zu machen. Über sanften Wiesengrund gewinnen wir an Höhe, vergessen dabei aber nicht, nach links und rechts zu schauen und Aussichten zu den benachbarten Vulkanbergen und hinab in den tiefen Steinbruch mitzunehmen. (Was Anwohner zur “Grube 100” denken, sagt die Bürgeriniative Ettringen100). Oben dann ruhen wir kurz aus, wie immer wird ein solch markanter Punkt mit einer Bank gewissermaßen belohnt. Von hier aus sehen wir auch hinüber zum “Kottenheimer Büden”, der als nächstes ansteht.

Parken für Wanderer

Also geht es hinab. Enge, gewundene Pfade schlängeln sich durchs Wäldchen, die Sonnenstrahlen stehlen sich hier und da durchs Laubdach – Schattenspiele. Ein kurzes Stück führt zwischen Wald und Feld entlang, dann tauchen wir wieder ein in den schon lichter werdenden Wald.

Ein Hinweis darauf, dass Kriege auch vor der abgeschiedenen Eifel niemals Halt gemacht haben

Wir sind an den “Siewe Stuwe” angekommen, den “Sieben Stuben”. Die Felshöhlen dienten der Bevölkerung im 2. Weltkrieg als Schutz vor Luftangriffen.

Keine schöne Aussicht, um sich hier vor Bomben in Sicherheit bringen zu müssen

Wieder geht es stramm hinauf, nah am Fels entlang, bis wir den nächsten eindrucksvollen Ausblick, diesmal auf dem Büden, erreichen. Wir sind gut 400 Meter hoch, die Vordereifel breitet sich zum Süden hin wie ein fleckiger Teppich aus, gesprenkelt mit Häusern im Miniaturformat und winzigen Fahrzeugen auf zündholzbreiten Straßen – von hier oben sieht die Welt wie eine Modellbaulandschaft aus.

Und die Welt wird winzig klein

Aber wir sind nicht alleine. Es ist Wochenende, es ist sonnig. Und es ist Zeit, die sehr durchdachten Tischgarnituren zu loben. Denn sie haben zwei Vorteile gegenüber schnöden Bänken. Man sitzt, und die Thermoskannen verabschiedet sich nicht jedesmal, wenn man sie nicht zugeschraubt hat, Richtung Waldboden. Und man sitzt dank des großzügigen Tisches und der vier umlaufenden Bänke an solchen belebten Tagen nicht alleine. Auf die Frage: “Haben Sie etwas dagegen, wenn wir auch …” wird natürlich niemals die Antwort: “Nein, gehen Sie bitte weiter” hören. Also setzen auch wir uns zu einem sehr netten Paar aus Dormagen, die beide gut und gerne 100 Kilometer Hinweg auf dem Buckel haben, um sich den “Vulkanpfad” näher anzusehen. Und plaudern auch darüber, mit welchen Reizen die Eifel uns Wanderer aus nah und fern heranlockt, um sie dann nie mehr loszulassen.

 

Der Experte für Outdoor und Touren_________________________________________________________________

Das nächste Wegestück hangelt sich quasi am Abgrund entlang, wobei die Warnschilder und Stacheldraht jeden dummen Gedanken im Keim erstickt: links mündet der Wald in den Lavasteinbruch.

Fels mit Dame

Wie ernst man dies nehmen sollte, belegt bald der nun wegen eines abgebrochenen Hangstücks umgeleitete Weg; wir stapfen stattdessen bergab und erreichen den eigentlichen “Siewe-Stuwe-Weg” – ein Provisorium zwar, das aber von mir aus wegen seiner verträumten Pfade an den Felsgebilden entlang gern in den Traumpfad integriert werden kann. Nur sollte man die Beschilderung verlaufsicherer anlegen, denn später wird uns das zuvor in Gespräch verwickelte Paar begegnen, die sich ausgerechnet hier verlaufen haben (wahrscheinlich hätte ich mir den Hinweis ersparen sollen, dass man sich auf Traumpfaden ja nicht verlaufen könne …)

Blick zurück mit Wohlgefallen auf den “Ettringer Bellberg”

Die Passage jedenfalls ist gerade oder eigentlich immer eine Augenweide, doch es kommt noch besser. Wir queren die Landstraße, auf der wir nach Ettringen gefahren sind, und steigen ein ins “Kottenheimer Winfeld”. Im 19. und im 20. Jahrhundert wurde Basalt abgebaut.

Ich war einmal vor langer Zeit ein richtig starker Grubenkran

Heute sind noch Überbleibsel dieser betriebsamen Zeit sichtbar – Gebäudereste, die von Pflanzen überwuchert wurden, Grubenkräne, von denen die Sockel wie stumpfe Zähne noch als einziges Zeugnis einer prosperierenden Wirtschaft die Zeitläufte überstanden haben.

Ein bereits im Frühjahr geschossenes Foto, als ich einsam und alleine auf die Felsen konnte (und nur eingefügt, um einen Eindruck “von oben” zu haben)

Statt malochender Arbeiter arbeiten sich heute (meist) junge Kletterer am Basalt ab. Bei dem schönen Wetter sind die Felsen ein Gewirr von Kletterameisen, die farbigen Seile sind überall sichtbar. Da unser ältester Sohn selbst klettert, schauen wir wieder einmal mit besonderem Interesse, lösen uns aber doch und passieren die letzten Felsen.

Ein Seil, sie zu halten, für ewig zu binden (na gut, es sind zwei Seile)

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KurzInfo! Das “Kottenheimer Winfeld” wurde in den 80er-Jahren klettertechnich erschlossen. Der “Deutsche Alpenverein” listet 387 Routen auf, detaillierte Informationen gibt die Seite des DAV: Kottenheimer Winfeld – Ettringen und Kottenheim. Nach deren Informationen ist das Gebiet in jüngster Zeit auch fürs Bouldern interessant geworden. “Klettern Ettringen” weist noch weitere Beschreibungen und Infos auf und verfügt neben Hinweisen zu Unterkünften und Anfahrten und vielem mehr auch über eine Sektion mit Videos. Und letztlich habe ich bei “Kletterdorf” noch einige Passagen zu den Klettergebieten entdeckt – dies alles ohne Gewähr, überhaupt alles zum Klettergebiet rund um Ettringen gefunden zu haben.

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Am Ende des Wegs durchs Winfeld stoßen wir auf die “Wäenloft-Hött”, die ein wenig abseits liegt und deshalb schnell übersehen werden kann. Von Vorteil wäre ein Hinweisschild an geeigneter Stelle auf diese propere Hütte. Wir rasten und schauen noch einmal hinab ins Winfeld, dann machen wir uns auf zu den letzten Stationen.

Schattenplatz mitten in der Sonne

Das Felsdenkmal “Junker Schilling” bietet zwar noch eine weitere Rastmöglichkeit, doch richtig aufregend finde ich den Junker und seine felsige Gedenkstätte auch heute nicht. Das liegt aber mehr daran, dass ich mich mit Denkmälern für Hinz und Kunz und wen auch immer schwer tue; andere mögen da gern in Andacht verharren und sich an das Gute erinnern, dass derjenige – in diesem Falle der Junker Schilling, der um 1500 den Bürgern seine Waldbesitzungen schenkte – für die Menschheit geleistet hat.

Steiniges Vergnügen

Die “Mineralquelle Hartborn” passieren wir noch, dann sind wir zurück. Das Stück vom Junker bis zur Hochsimmerhalle habe ich einige Male als arg langweilig empfunden. Vielleicht, weil es im Gegensatz zur übrigen Strecke “nur” Wald zu bieten hat. Aber es ist Herbst, und wieder bewahrheitet es sich, dass jede Jahreszeit ihren besonderen Charme hat. Und damit gewinnt heute das letzte Wegestück bei mir Sympathiepunkte, die Luft ist auch wunderbar frisch, nicht abgestanden heiß wie im Sommer und nicht schneidend kalt wie im Winter.

Vergänglichkeit

Wir haben es wieder geschafft, aus einer eigentlich kurzen Wanderstrecke eine ausgiebigere Wandertour zu machen. Die veranschlagte Wegezeit war für uns mal wieder nur ein grober Vorschlag. Aber egal, denn wir sind ja nicht auf der Flucht. Und was die kurze Wegestrecke angeht – die war genau richtig. Es geht zweimal recht knackig hoch – und zweimal wird die kleine Mühsal mit wunderbaren Aussichten belohnt. Dazu die Blicke in den Abgrund, der einen ein gutes Stück des Wegs nicht loslässt, und das verwinkelte “Kottenheimer Winfeld”, das besonders spannend ist, wenn dort die Kletterer die Oberhand gewonnen haben.

Um es kurz zu machen: Der Vulkanpfad bietet “nur” zwei Berge, doch viele Höhepunkte.

Vulkanpfad

[Die Galerie zeigt weitere Impressionen des “Traumpfads Vulkanpfad”. Die Galerie lässt sich mit den beiden Buttons unten rechts “bedienen”. SL – der linke Button – löst eine Slideshow aus, mit FS – der rechte Button – wechselt man in den Vollbildmodus. Für die richtige Anzeige der Galerie ist der Flash Player von Adobe notwendig.]

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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7 Responses

  1. Jochen

    Wenn man sich so einige Artikel deines Blogs ansieht, bemerkt man erst wie wenig man Deutschland eigentlich kennt und welch schöne Plätze so im Verborgenen liegen. Weiter so :-)

    Liebe Grüße
    Jochen

    Antworten
    • Georg

      … auch deshalb ist es ja gut, dass es Wanderblogs gibt. In meiner Linkliste (auf der Startseite runterscrollen) findet man noch viele andere Wanderblogs, die auch die “verborgenen Plätze” entdeckt haben.

      Antworten
  2. Peter Winninger

    Schöne Herbstbilder, die Lust machen, den Vulkanpfad auch mal zu dieser Jahreszeit in Angriff zu nehmen. War Anfang August unterwegs (leider bei Dauerregen) & es hat trotzdem Spaß gemacht.

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