Wolfgang Niedecken wird beim Komponieren dieses kölschen Liedguts – »Ahl Männer, aalglatt« – nicht ältere Wanderer im Sinn gehabt haben. Am Ende unserer Wanderung kam’s mir aber in den Sinn. Warum – später mehr dazu.

Denn mein Freund KD und ich haben ein Problem – wir finden nicht zueinander. Eigentlich sollte es für uns ein Leichtes sein, gemeinsame Wandertermine zu vereinbaren – aber immer hat einer von uns beiden was. Mal zwickt da was, mal ist dort was Wichtiges zu erledigen. Wie Rentner halt so sind, niemals Zeit, aber immer im Weg (Gemüsestand, Metzger, Supermarktkasse) stehen. Dabei wollen wir ja versuchen, gerade nicht im Weg zu stehen, sondern aus dem Weg zu gehen. Das nehmen wir manchmal ja sogar wörtlich, wenn wir uns wieder einmal verlaufen …

Das sind ja schöne Aussichten! Die – spätere – Aussicht vom Hochstein.

Zu unserem perfiden Problem, nie Zeit zu haben, kommt in diesem Winter noch etwas dazu: Den richtigen Tag erwischen. Den ohne Regen, den ohne Nebel. Reine Glücksache, DEN Tag zu erwischen. Der Wetterbericht gibt ja immer nur eine Empfehlung aus, manche Region hält sich daran, andere zeigen sich störrisch und sorgen fürs eigene Wetter.

Die Wetterempfehlung jedenfalls verheißt für den Mittwoch erst am Nachmittag in der Eifel Regen. Das ist doch schon was! Ich packe also Gelegenheit und KD am Schopf, und er ist, glücklich darüber, dass wir endlich den gemeinsamen Wandertermin gefunden haben, sofort dabei. Als Rentner stehen wir natürlich nicht ganz so früh auf (das käme nur bei einem Arztbesuch infrage, um dann gleichzeitig mit den zahlreichen Berufstätigen und noch zahlreicheren Rentnern die Wartesäle dort zu überfüllen). Um 9 Uhr steht KD vor unserer Haustür, gleich darauf machen wir uns auch schon von Neuwied auf den Weg in die noch regenfreie Eifel. Wir fahren nach Mendig, genauer gesagt auf einen üppigen Parkplatz kurz vor der Erlenmühle. Von dort wollen wir vier Berge bezwingen, gleich viermal also in die Wand, ums etwas theatralisch zu sagen. Die Vier-Berge-Tour steht an, wobei sowohl KD als auch ich (damals gemeinsam mit Petra) den Traumpfad schon bezwungen haben. [tip]

KurzInfo! Der Traumpfad Vier-Berge-Tour startet in Mendig in der Nähe der Erlenmühle; ein großer Parkplatz steht dort zur Verfügung. Weitere Startmöglichkeiten bestehen in Bell am Schweingsgraben oder am Wanderparkplatz Gänsehals.  Die Website der Traumpfade hält eine genauere Anfahrbeschreibung für die Erlenmühle bereit. Vom Parkplatz dort sind es nur wenige hundert Meter bis zum eigentlichen Einstieg in den Traumpfad.

Die “Vier-Berge-Tour” ist ohne Zuweg 12,9 Kilometer lang, die Tour weist 503 Höhenmeter auf. Geht man vom Parkplatz an der Erlenmühle los, müssen noch circa 800 Meter (einfach) für den Zuweg hinzugerechnet werden. Für die Gehzeit sollten 3 1/2 bis 4 Stunden veranschlagt werden, als Schwierigkeitsgrad gibt das Traumpfade-Team “mittel” an. Insbesondere die zahlreichen Aussichten und Ruhebänke sind für kurze oder längere Erholungspausen sehr gut geeignet. Und zu diesem Zweck: das Fresspaket nicht vergessen, denn unterwegs besteht keine Möglichkeit zur Einkehr. Bei unserer Wanderung (Januar) waren die Wege großteils glitschig vom nassen Laub, besonders abschüssige Wegstücke luden zu einer Rutschpartie ein. Wanderschuhe mit gutem Profil sind also ratsam, womöglich sind Wanderstöcke auch nützlich. Um die Ausblicke noch besser genießen zu können, empfehle ich ein Fernglas.

Der Traumpfad ist bestens ausgeschildert, eine Wanderkarte ist nicht nötig. Weitere Hinweise zum Weg selbst, insbesondere auch über temporäre Sperrungen beispielsweise wegen Holzfällarbeiten, finden sich auf der Traumpfade-Seite. Wer möchte, kann auf die weiter unten im Bericht angeführte Wegekarte zurückgreifen. Am unteren Rand stehen die Optionen “Alle Tourdaten ansehen” und/oder “Mehr erfahren” zur Auswahl. Klickt man eine davon an, wird man zu Outdooractive weitergeleitet. Dort steht die Tour dann zum Herunterladen bereit: Unter “Service” stehen verschiedene Möglichkeiten bereit – am besten einfach ausprobieren, herunterladen und dann entscheiden, welche Version man bevorzugt. GPS-Tracks können ebenfalls abgerufen werden. Und die Karte kann mit Hilfe des Reiters über dem Kartenbild in unterschiedlichen Ansichten (beispielsweise bei “Google Earth”) betrachtet werden.[/tip]

Doch schon am Start merken wir, dass mit zunehmendem Alter die Gedächtnisleistung nachlässt. Oder wir wandern einfach zu oft. Jedenfalls erinnert sich KD nicht daran, ob auch er von der Erlenmühle losmarschiert ist. Das ist nicht unwichtig, denn diesen Traumpfad kann man noch an zwei anderen Startpunkten angehen. Die Erlenmühle hat den Nachteil, dass dem eigentlichen Traumpfad noch ein Zuweg vorgelagert ist, um die 800 Meter; erst ein breiter Wirtschaftsweg bis zur genannten Mühle. Die steht seit einigen Jahren nicht mehr wie zuvor als Gasthaus offen, hat sich aber nett herausgeputzt. Sie ist bewohnt, und die Bewohner geben sich alle Mühe, die Gebäude und das Umland ansehnlich herzurichten. Bald werden wir in den Wald gelotst, während auf Spuckweite der befestigte Weg parallel läuft.

An einer robusten Holzhütte treffen wir auf den Traumpfad. Wir wählen die Variante gegen den Uhrzeiger. Mir behagt diese Variante mehr, KD willigt natürlich ein (»Du willst doch auch so herumgehen, KD? Oder weißt Du, wie Du sonst nach Hause kommst«, frage ich, der Fahrer, ihn sehr freundschaftlich). Warum – ich muss nicht alles erklären können. Aber ein Grund mag sein, dass der letzte Anstieg zum Hochstein fast am Ende der Tour liegt und es danach nur noch strack bergab und flach bis zum Ziel geht.

Das ist ja ein dickes Ding! Die “dicke Buche” hat einen Umfang von sechs Metern und soll sich seit dem 17. Jahrhundert nicht mehr von der Stelle bewegt haben. Respekt, bei dem Gelaufe um mich herum wäre ich längst ausgewandert.

Wenn es zum Schluss bergab geht, spricht alles dafür, dass zu Beginn ein Anstieg ansteht. So ist es auch. Die breiten Wege haben nun endgültig den schmalen Pfaden Platz gemacht, der harte Untergrund ist weichem Laubgeraschel gewichen. Das ist wundervoll, besonders die kleinen Etappen, in denen das Laub zermatscht ist und vor Nässe schmatzt, werden uns noch … äh, begeistern.

Überhaupt haben wir heute ein Gesprächsthema, das wir eingedenk der Kälte immer wieder aufwärmen. Das Sauwetter. Noch hält die Wolkendecke dicht. KD stellte auch vor dem Aufbruch die Frage, welche Jacke er denn mitnehmen solle. Dick oder dünn. Ich schlug vor, beide mitzunehmen (wobei ich es nicht selbstlos meinte. Wenn es hart auf hart käme, würde ich ihm die Zweitjacke natürlich entreißen und selbst überziehen). Die Temperaturen sind in Ordnung, es ist ja Winter, und wir beide haben wirklich nichts gegen knackige Kälte. Noch eins kriecht einem unfein in die Glieder: die Nässe. Und die droht ja nicht nur von oben, sondern hat auch das Geläuf seit langen Wochen fest im Griff.

Trotzdem erreichen wir gut gelaunt den Layfelsen am Rauhbuur. Layen gibt es hier zuhauf, eigentlich an jeder Ecke eine. Aber ich mag sie, überhaupt mag ich diese Relikte aus einer vergangenen Zeit, in denen die Menschen froh gewesen wären, hätten sie Zeit und Muße fürs Wandern gehabt. Vielleicht wären sie sogar über »Sauwetter« nicht unglücklich gewesen, Hauptsache, ihnen wäre die Plackerei im Steinbruch erspart geblieben.

Brückenschlag

Diese Lay ist etwas versperrt. Eine Holzbrücke hat das Zeitliche gesegnet und wird instand gesetzt. Den kurzen Rundgang können wir nicht gehen, doch ist es trotzdem möglich, den Großteil des Bereichs einzusehen.

Wenn KD und ich unterwegs sind, sehen wir zwangsläufig weniger von der Natur als bei Soloeinsätzen. Das ist derzeit, wo sich die Natur von ihrer rauen Seite zeigt, gar nicht mal verkehrt. Im Grunde ist es sogar, falls man nicht der kleine Masochist ist, die einzig wahre Wanderweise: gemeinsam durch die karge Natur, denn geteiltes Leid ist halbes Leid. Sagt man, ist aber eigentlich auch Quatsch, man flucht dann halt nur nicht still in sich hinein, sondern posaunt es laut heraus, damit der andere es auch ja mitbekommt.

Das folgende Wegstück führt uns quer durch den Wald bis zum Schweinsgraben. Wir bekommen nur wenig von dem mit, was um uns herum in grauer, brauner, schmuddlig-feuchter Eintracht versucht, uns aufs Gemüt zu schlagen. Stattdessen tauschen wir uns aus, selbst Frühpensionäre erleben noch einiges jenseits der Supermarktkassen. KD singt mit viel Engagement in einem Chor, die Proben und die Auftritte sind zahlreich, und ebenso viel gibt es zu erzählen. Als er bei »Breaking Bad« anlangt, einer TV-Serie, bei der Kritiker und Zuschauer voll des Lobes sind, kann ich auch hier nur dürftig gegenhalten. Die 2. Staffel von »Game of Thrones« liegt seit Monaten ungesehen im Regal, werfe ich ein, erspare mir aber den Hinweis darauf, dass ich als Rentner ja so wenig Zeit … er würd’s mir eh nicht glauben.

Wir erreichen den Schweinsgraben. Wie auf ein Zeichen hin tauchen wir jetzt … nein, keine Rezepte aus, denn wir müssen beide eingestehen, dass Weihnachten schon viel zu lange her ist. Was habt ihr gemacht, was wurde aufgetischt. Herr, schenk mir nicht nur einen Schluck Doppelherz ein, sondern auch Doppelhirn. Wir einigen uns darauf, dass es lecker war, sehr sogar, und dass unsere Ehefrauen – jeweils die beste aller Ehefrauen, nur verschiedene – die besten Köchinnen vor dem Herrn sind. Sie sollten uns nur öfter, so wie die Wasserkocher, entkalken, damit wir uns an alles Wichtige auch wirklich erinnern.

So gelangen wir vom Schweinsgraben übers Festtagsmenü, vorbei an vielen Felsen und über ein intaktes Brückchen gelangen wir zur Marxe Ley. Das ist ein kleiner Abstecher etwas abseits des eigentlichen Traumpfads, aber unübersehbar ausgeschildert und den genannten Abstecher auf jeden Fall wert. Der Steinbruch wurde erst vor einiger Zeit ein (mindestens) zweites Mal entdeckt, zuvor jedenfalls von der Familie Marx, über die aber noch immer – wie ein aufschlussreiches Schild erläutert – nur wenig bis gar nichts bekannt ist. Über die nette Sitzgarnitur, die in wärmeren Monaten zum Verweilen einlädt, hätte sich die Familie Marx anno dazumal sicher auch gefreut.

Mit KD in der Marxe Ley

Die nächste Station ist der A-Baum, ein nicht erklärbares Gebilde der Natur, das über zwei Wurzeln, aber nur einen Stamm verfügt. Von hier sind es nur wenige Minuten über sich schlängelnde Pfade zum Ersten der vier Berge, den Gänsehals. Wobei – so richtig hin kommen wir nicht, denn heute sparen wir uns den geteerten Weg hinauf zur Aussichtshütte. Die Sicht wäre heute mäßig bis mies. Aber bei schönem Wetter, das muss ich festhalten, ist ein Schlenker dort hinauf Pflicht; es mögen 200 Meter sein. Von dort schaut man weit in die Osteifel, hinweg über die Autobahn hin zum Laacher See, weiter sogar bis ins Neuwied Becken.

Wir wenden uns also gleich dem leichten Anstieg in Richtung Schmitzkopf zu, dem zweiten Berg. Einige Hundert Meter laufen wir nun gemeinsam mit dem »Traumpfad Waldseepfad Rieden« – das ist verständlich, denn unterwegs erwarten uns nicht nur einige Schritte durch einen Hohlweg, sondern auch weitere wunderschöne Aussichten über die Eifel, diesmal Richtung Westen. Nur heute haben KD und ich wenig davon.

Diese Ruhebank wurde eigens für Fotografen von einem ungenannten Künstler installiert. Bitte nicht säubern!

Wo es Ausblicke gibt, ist ein Abstieg nicht weit. Wieder schlingern die schmalen Wege hinunter, wieder sichern Holzstufen den Abstieg gegen allzu schnelles Dahingleiten. Ich habe auf keinem anderen Traumpfad dermaßen viele Treppenstufen, allesamt aus Holz, gesehen wie auf dieser Tour.

Und kaum je so viele Sitzgelegenheiten! Bänke, Tische, Liegebänke, Ruhebänke – hier können Wandertage veranstaltet werden, und niemand muss ein Handtuch zur Platzreservierung auslegen und findet trotzdem noch sein Plätzchen. Nur heute haben KD und ich wenig davon.

Am Sulzbusch, unserem dritten Berg und dritten Dreihunderter, rasten wir. Wir genießen Mahlzeit und Aussicht, diesmal hinab ins Nettetal. Schon vorher haben wir bemerkt, aber jetzt kommt es knüppeldick. Schnee. Also jedenfalls weiße Flocken. Wir zählen sie. Vier – fünf – sechs. Da, noch eine! Sieben also. Wir klatschen uns ab und sind glücklich wie Bolle. Die Fahrt in die Eifel hat sich spätestens jetzt gelohnt – wir haben den Winter gefunden! Aber immerhin mussten wir dafür auch drei Gipfel erklimmen. Gesättigt und mental im Rausch setzen wir unseren Weg fort. Es geht wieder hinunter, laufen an der Landstraße entlang bis zum Motocrossstrecke. Die ist leider verwaist, aber tief ins weiche Gelände eingegrabene Spuren machen deutlich, dass hier ab und an sicher die Hölle los ist.

Das Foto sagt: Sooo schlecht war das Wetter doch auch nicht (im Vordergrund die Motocrossstrecke). Aber – der Schneesturm kommt ja noch!

Wir queren die erwähnte Landstraße, schauen uns noch die Zufluchtshöhlen an, die den Menschen der Umgebung im Krieg als Zuflucht dienten, und machen uns an den letzten Anstieg – der Hochstein ruft! Wir rufen zurück, aber nicht zu viel, damit uns nicht schon vorher die Puste ausgeht. Von »alpinem« Gelände ist auf einem Hinweisschild die Rede. Nunja, am Rhein und an der Mosel ist’s durchaus steiler, zudem mitten im Hang der gerade steile Pfad in einen Serpentinenparcours übergeht.

Nach dem Anstieg ist vor dem Anstieg.

Bevor uns vom Hin und Her schwindlig wird, sind wir oben. Von hier sehen wir … ich wiederhole mich jetzt nicht, weise nur darauf hin, dass der Schneefall stärker geworden ist. Fast bin ich geneigt, von Schneegestöber zu sprechen, das vermutlich bald in einen heftigen Schneesturm übergehen wird. Die Schneeflocken No. 14 bis 18 fallen herab. Wir sputen uns.

Noch sind die Pfade nicht gepulvert mit feinem Schnee, doch der erfahrene Wanderer hat bereits die Witterung aufgenommen – er riecht den Schnee und mahnt zur Eile.

Denn noch stehen einige Meter hinauf auf dem Plan. Den Hochstein umkurven wir also, um bald darauf einen Aussichtsfelsen zu erklimmen. Wieder sehen wir den Laacher See, doch diesmal aus einem anderen Blickwinkel. Als letzten Höhepunkt besuchen wir die Genovevahöhle, dann machen wir uns auf das letzte Wegstück.

Die Gebetsfahnen flattern munter im Wind, die Luft ist dünn – aber wir sind oben! Über uns die Kämme des Hochmalaya, das Geländer kennzeichnet die Grenze zu Nepal. Nur noch wenige Schritte, dann haben wir heute unseren vierten 500er erklommen! Wir fallen uns in die Arme und weinen. Alle Mühsal fällt von uns ab wie welkes Haar.

… und da haut’s mich doch aus den Latschen. KD ist altersweise, er hat diese eine Gehilfe – Holzstufen mit Geländer für die Betagten – ausgelassen und ist stattdessen durchs feuchte Laub getapst. Ich dagegen bin der gute Beamte und gehe wie vorgeschrieben. Undhastenichtgesehen mach ich den Abflug wie damals mit dem Kasten Wasser bei uns im Vorflur. »Ahl Männer, aalglatt!«, könnte ich geschrien haben. Habe ich natürlich nicht, doch ich kann nicht wiedergeben, was durch den Wald schallte, sonst müsste ich den »Schlenderer« mit »ab 18 und nur für charakterlich gefestigte Leser« kennzeichnen.

Der Mann als solcher ist ja immer um Schadensbegrenzung bemüht. Beim Kasten Wasser, den ich noch von mir werfen konnte, bevor es mich dahinraffte, war mir die darauf deponierte Flasche Ahrwein sehr sehr wichtig. Leider färbte sich der Fliesenboden alsbald blutrot, was als Hinweis sicher genügt: Ja, es gingen nicht nur Wasserflaschen zu Bruch. Mit liefen keine Schmerzenstränen die Backen runter …

“Uuuuuund … Abgang!” Als wär’s ein billiges Stück in einem Schmierentheater. Aber endlich ist mal was wegen mir aus den Fugen geraten. Die Stufe geht auf meine Kappe.

Diesmal ist es ähnlich. Mein erster Gedanke gilt der Kamera, die ja immer lustig-locker um den Hals baumelt. Der Rest kann ja begradigt, geschient und gegipst werden, aber eine gute Plastikkamera ist schnell mal endgültig hin. Meine Sorge ist unbegründet, es war nur Schaden am Leib, aber nicht an der Seele zu beklagen.

Nachdem ich also den Traumpfad kaputtgemacht habe, setze ich von nun an vorsichtshalber Fuß neben Fuß, und besonders die Holzstufen betrachte ich äußerst kritisch. Wir kommen so natürlich nur langsam voran. Das nächste Mal nehme ich einen Rollator mit.

Die letzten Meter bringen wir heil hinter uns (wobei das Wiesenstück, das sich zum Bach hin absenkende, kurz vor dem Brunnen noch für einige heitere Flüche gut ist). Dann haben wir die Schnauze voll, irgendwie. Es schneit nicht mehr. Es regnet. Stetig. Wir schenken uns den pfadigen Zuweg und marschieren über den gut ausgebauten, sauber gefegten und überhaupt nicht glitschigen Weg zum Wagen.

Seit einem “gewissen Vorfall” sehen die alten Männer Holztreppen mit ganz anderen Augen.

Wie gesagt, ich kannte die »Vier-Berge-Tour« bereits. Petra und ich gingen sie an einem strahlend schönen Sommertag, auf dem Stück hoch zum Hochstein schwitzten wir uns die Seele aus dem Leib, so heiß war es. Und die Aussichten waren echte Aussichten. Heute ist’s das Gegenteil gewesen, wobei die Kälte nicht störend ist, aber das Drumherum. Keine Aussicht auf Aussichten. Das ist immer bedauerlich, aber speziell diese Tour gehört zu den Traumpfaden, die von den weiten Blicken über die Eifel lebt. Das kam bei unserer heutigen Wanderung zu kurz – und trotzdem, wir hatten die Wanderung gut gelaunt begonnen, und nicht minder gut gelaunt fahren wir nach Hause.

Die »Vier-Berge-Tour«, das habe ich mir vorgenommen, gehe ich auf jeden Fall nochmals. Nicht allein, vielleicht zu viert, denn die vielen Rastgelegenheiten locken doch sehr, dazu die abwechslungsreiche Gestaltung – viele Ausblicke, viele Felsgebiete und Felsschluchten, Höhlen und so fort -, der Weg hat was. So spröde die Landschaft der Osteifel mit seinen Bimsgruben und Steinbrüchen sein kann, so sehr liebe ich sie. Und dann schreibe ich einen neuen, einen sonnendurchfluteten Bericht mit vielen bunten Fotos.

Abends habe ich mir übrigens die beiden ersten Episoden von »Game of Thrones« angesehen. Ich habe mir die Zeit genommen …

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
Schlenderer

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8 Responses

  1. Elke Bitzer

    Somit hast du die Landung des Jahres auch schon absolviert.
    Dieser Winter glänzt nicht mit Eisschichten, aber es gibt ja zahlreiche andere Möglichkeiten sich zu einem Päuschen nieder zu legen, wie ich hier lese.

    Der Weg lohnt sich tatsächlich für eine Wiederholung bei besserem Wetter. Mal sehen, was dann geschieht :D, du findest sicher eine Möglichkeit uns zu bespaßen.

    VG Elke

    Antworten
    • Georg

      Den Weg werden wir sicher nochmal gehen, vielleicht mit Freunden – bei den vielen Rastmöglichkeiten will ich eigentlich nicht allein gehen. Und Du weißt doch: Ich falle nur, damit ihr Spaß habt. ;-)

      Antworten
  2. guidowke

    Man sieht, dass das Weihnachtsessen dir gut bekommen ist: voll in Form, würde ich sagen ;-) Und gleich 4 Berge und ein Schneesturm obendrauf: Respekt!!!

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    • Georg

      Der Schneesturm war natürlich die Härte. Ich weiß bis heute nicht, wie wir dem entkommen konnten – muss eine Kombination aus Geschick und Glück gewesen sein.

      Antworten
  3. Volker Windheuser

    Hallo Georg,

    was braucht es denn Sonne, wenn der Bericht diese “frei Haus” liefert?

    Wundervoll geschrieben, als wäre man live dabeigewesen. Ich sollte eigentlich schon längst mit den Hunden draussen gewesen sein….nur mal schnell reingucken in den Wanderbericht….jaja und schon bin ich hängengeblieben ;-)
    Übrigens…..diese Bank hat sich prächtig entwickelt. Der Unterschied zwischen deinem und meinem Bild ist gut zu erkennen – der Moosbewuchs.
    Schön, dass sie noch steht, werde diese Tour auch nochmal laufen, bei hoffentlich besserem Wetter als es Dir beschieden war. Meine letzte Tour dort war auch im Winter, allerdings absolut schnee- und regenfrei.
    Lieben Gruß

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    • Georg

      Jetzt aber raus mit euch! :-) Die Sage sagt übrigens, dass diese wundersame Bank sich dem Alter der Wanderer anpasst. Je älter die sind, umso mehr Moos trägt sie. Schnee hätten wir gestern gern gehabt, aber “richtigen” Schnee, nicht so ein Gesäusel. Vielleicht wird’s ja noch was …

      Antworten
  4. Wanderreporterin Karin

    Hach -toller Bericht Georg. Und ich hab mich wiedermal sehr amüsiert.
    Du hast mich neugierig gemacht. Dieser Traumpfad ist – glaube ich- der vorletzte, den ich noch gehen “muss”. Dann warte ich also auf besseres Wetter, damit ich Picknick und Aussichten genießen kann.
    Gruß, Karin

    Antworten
    • Georg

      Herzlichen Dank, Karin! :-) Schön auch, dass Du Dich über die Mühsal der beiden mittelalten Männer amüsiert hast. :-))) Und warte wirklich auf besseres Wetter, der Traumpfad verliert momentan doch viel von seinem Flair (wie ja jeder andere Weg auch).

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