Wie ich Chuck Norris das Leben rettete.

Und das ging so. Nein, zuerst erzähle ich, was wirklich wichtig ist. Beispielsweise meine Wanderung auf dem Traumpfad „Bergschluchtenpfad Ehrenburg“. Denn mit diesem Traumpfad habe ich die Fußarbeit für meinen Wanderführer “Traumpfade” abgeschlossen. Nein, nicht nur das, mittlerweile sind das Manuskript und die Fotos sicher beim Verlag Publicpress eingetroffen, sodass mein Buch wie geplant im Spätsommer – pünktlich zur TourNatur 2015 – erscheinen kann.

Für den Traumpfad “Bergschluchtenpfad Ehrenburg” starte planmäßig in Brodenbach an der Mosel, morgens um halb 9 ist da und andernorts am Flüsschen noch die Welt in Ordnung. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, also allgemein ist gute Stimmung angesagt. Und mit der guten Stimmung im Gepäck steige ich auch los.

Ja, steigen trifft’s dann gut, wie man ja überall im Moseltal erstmal steigen muss, will man auf die Höhe kommen. Am Nickelsbach entlang zwirbelt sich der Pfad hinauf bis zur Teufelslay – und noch viel weiter. Von der Teufelslay guckt es sich schön runter ins Moseltal. Was mich in solchen Momenten fasziniert ist, wie schnell man doch ein Tal unter sich lässt und an Höhe gewinnt und dann von oben auf all das Kleine unten schauen kann. Wobei ich mich von der Teufelslay sogar noch vergewissern konnte, ob unser kleiner Schwarzer noch unverletzt am Moselufer parkt. Tat er, also wanderte ich weiter, hinauf zum schaflosen Schafberg. Waldsofa, Traumpfadebank – was will ich mehr. „Wer rastet, der rostet“ ist auch so ein Spruch, für den Mann den Verursacher mit 24/7-Arbeit am Fließband bestrafen sollte. „Wer rastet, genießt das Leben“, halte ich dagegen, und mir gefällt der Spruch bei meinen Wanderungen auch viel besser. Immerhin stehen ja noch Anstiege bevor …

Die folgende Passage lässt mich über die Höhen bis Nörtershausen wandeln. Jetzt stehen von Äckern oder Feldern gesäumte Wanderwege ja nahe dran, öde zu sein; je nach Fruchtstand (derzeit: keiner) liegt alles recht brach da herum, und das Auge graut sich vor solchen Anblicken. Nun hat aber die Höhe dort etwas Gutes: Ich kann meilenweit schauen. Über die Mosel hinweg, zur Eifel, zum Hunsrück. Prächtig, besonders bei dieser klaren Sicht.

Wenn’s raufging, geht’s auch wieder runter. Jetzt ins Tal des Brodenbachs. Der brodelt derzeit wirklich, führt reichlich Wasser zu Tale und rauscht laut daher und quasselt mir die Ohren voll. Besonders laut ist er am Donnerloch. Wobei die mutmaßlich germanische Kultstätte schon bessere Tage gesehen hat, denn die – natürlich immer-feuchten – Bänke dort laden nicht ein, sondern jagen weg. Wo ich doch so gern raste …

Wobei, allzu lange rasten wäre nicht gut, denn nun steht ein Anstieg an, der es in sich hat. Sagt sogar Chuck Norris. Und das ging so. Also, ich steige so ein in diesen rund 500 Meter langen Anstieg gleich bei der Grünen Mühle (bitte das Schild an einem Abzweig beachten: „Die grüne Mühle ist keine Gaststätte!“ – da müssen ja wahre Wandertrupps immer wieder an die Mühlentür klopfen und um Wegzehrung bitten) ein. Das geht dann ganz nett da hoch. Sind so um die 130 Höhenmeter (laut Outdooractive).

Was aber wichtig ist: Auf einer der wohlwissend platzierten Rastbänke (siehe Foto) hängt Chuck in den Seilen. Also, der Chuck. Chuck Norris. Natürlich trau ich zuerst meinen Augen nicht, Chuck Norris hängt ja nicht überall einfach so rum. „Wasser, give me Wasser“, stöhnt er matt, seine Beine baumeln kraftlos vom Gebälk, sein Blick ist leicht irre (was bei Chuck jetzt nicht sooo ungewöhnlich ist, aber in Anbetracht der Gesamtsituation, sag ich mal, bezeichnend). Er streckt seine Arme aus, vermutlich will er mir meinen Rucksack entreißen (dazu ist Chuck ja durchaus fähig), doch ich habe ein Einsehen. Wir Wanderer halten doch zusammen! Ich gebe ihm eine Flasche Wasser. „Thank you, thank you, Wasser, I was not far away from my death“, stöhnt Chuck und zeigt mit Daumen und Zeigefinger, wie knapp er da weg war vom Übergang in ein besseres Wanderleben.

Wir kommen ins Gespräch. Chuck erzählt mir bei einer weiteren Flasche Wasser, dass er alle (ja, wirklich ALLE!) Traumpfade ohne Sauerstoffgerät meistern will. Eine fürwahr heldenhafte Leistung, von der selbst Ueli Steck noch weit entfernt ist. Aber dieser Anstieg habe ihm seine Grenzen aufgezeigt („too much Matsch“, jammert Chuck). Ich nicke ihm zu, ja, die letzte Rampe ist echt nichts für Weicheier – wobei ich ihm gleich beschwichtigend auf die Schulter haute, sei er doch damit nicht gemeint -, da müssten echte Kerle ran. Und dann pfeif ich mir eins und wandere munter weiter. Hoch die Rampe und dann rechts.

In dem Moment, so 100 Meter nach Chuck, merke ich meinen fatalen Fehler. Dazu muss ich kurz ausholen. Ohne Sauerstoffgerät hört sich ja wirklich schwierig an, einige Traumpfadeberge kommen schon nah an die 800er-Grenze ran, und da wird es natürlich ohne Sauerstoffmaske und – flasche richtig richtig hart. Aber! Mein Plan war ja, diesen und alle anderen 25 (+ 1) Traumpfade für einen Eintrag ins „Guinness-Buch der Rekorde“ im Handstand rückwärts zu absolvieren. Natürlich rückwärts, denn vorwärts wäre ich nicht der Erste gewesen. Das klappte auch bis zur Begegnung mit Chuck ganz gut (eine leichte Schwäche hatte ich auf den glitschigen Stufen runter ins Donnerloch). Und dann verlor ich nicht nur Chuck, sondern auch meinen Plan für wenige Minuten aus den Augen. Die Rampe eben. Oben merkte ich: Du siehst ja alles richtig rum. Was in dem Fall natürlich fatal falsch war. Ich ersparte mir dann, den Rest des Ehrenburgers im Handstand zurückzulegen. Daheim modifizierte ich meinen Plan. Im Handstand ist jetzt offenbar doch nicht so anstrengend, weshalb ich eine weitere Schwierigkeit einbaue. Ich werde nackisch im Handstand rückwärts alle 26 (+ 1) Traumpfade abwandern. (Heißt das dann noch „wandern?“). Start nächsten Sonntag, mit viel Brimborium und Tschingderassabum. Auf welchem Traumpfad? Ich werde mich hüten und das verraten! ;-)

[tip]

Es geht zu Ende. Nach meinem Wanderführer “Wandern im Westerwald”, der im Frühjahr 2015 im Droste Verlag erscheinen wird, wanderte ich weiter im Namen eines Verlags. Diesmal ist es Public Press – der Verlag mit der Sonne. Im Spätsommer 2015 erscheint dort mein nächster Wanderführer: “Traumpfade”. Das ist mir eine besondere Freude, denn seit einigen Jahren wandern Petra und ich besonders gern auf diesen Wanderwegen – zum einen, weil sie direkt vor unserer Haustür liegen, zum anderen, da sie einfach schön sind und zum Schlendern einladen. Für den Wandererführer “Traumpfade” bin ich in den kommenden Monaten häufig unterwegs. Die Routen müssen natürlich nochmals erwandert werden, auch wenn ich jeden Traumpfad mindestens einmal, die meisten aber mehrmals entlang geschlendert bin. Ich habe über einige Monate on meine Touren kurz zusammengefasst und einige Fotos auf dem “Schlenderer” einstellen, die es vermutlich nicht ins Wanderbuch schaffen. Natürlich will ich damit Appetit auf den Wanderführer wecken. Aber vielleicht wandern die Schlenderer-Leser einfach auch mal gerne mit und lassen sich durch die Fotos anregen und erkunden schon jetzt einen der Traumpfade.[/tip]

Nach der Rampe wartet eine Traumpfade-Station. Da genoss ich nach einem heftigen Brachialhusten (klarer Fall, echte Kerle haben keinen butterweichen Bronchial-, sondern einen hammerharten Brachialhusten) die erste Portion meines üppigen Proviants.

Die Ehrenburg danach sah ich dann fast unbefahnt. Und passend zum Burgfräulein zogen Schleierwolken auf. Die Ehrenburg ist eine Besichtigung absolut wert, aber nur dann, wenn sie auch geöffnet ist (sie hat Ruhezeiten). Ich hatte mir vorgenommen, kurz auf ein Schlückchen reinzuschauen. „Burgpunsch“ hatte ich auf der Website gelesen, „Burgbrunch“ war gemeint. Mit trockener Kehle zog ich dann zu Tale, hinab durchs Ehrbachtal, vorbei an der Historischen Mühle Vogelsang, in die ich gut und gerne hätte einkehren können – hätte ich nicht noch einen Rucksack voll mit Fressalien gehabt. Der folgende letzte Schlussanstieg führt über schmale Pfade am Hang entlang bis zum „Tempelchen“, einem heruntergekommenen Aussichtsplatz – wobei schon vorher einige sehr schöne Blickpunkte am Wegesrand liegen.

Das allerletzte Stückchen hangelt sich der Pfad am Hang hinab nach Brodenbach. Und die allerallerletzten Meter führen durch das brodelnde Brodenbach. Wobei – Brodenbach brodelte weniger, aber in Alken war die Hölle los. Wie überhaupt das Moseltal im Vergleich zum Morgen ein verändertes Bild abgab. Rushhour, bis ich in Kobern hoch ins Maifeld flüchtete.

18,6 Kilometer, 879 Höhenmeter, 5 Stunden Gehzeit. Ein Wanderpärchen, dass ich zig-mal überholte und das mich zig-mal überholte. Eine schicksalhaft Begegnung mit Chuck, die mein Leben entscheidend prägen wird (wie, weiß ich nur noch nicht). Zwei Wasserflaschen zu wenig mit auf der Wandertour gehabt (Chuck wollte noch eine dritte Flasche, aber da weigerte ich mich … dieses Weichei!) Prächtige Burg und prächtige Ausblicke. Von meiner Erstbewanderung (damals noch nicht im Handstand) mit Freund KD hatte ich den Ehrenburger gar nicht so positiv in Erinnerung. Jetzt gefiel er mir besser, nein, richtig gut. Vielleicht lag’s aber auch an der Begegnung mit Chuck („don’t call me Mr. Norris, call me einfach ‚Chuck‘“, sagte er nach der zweiten Flasche Wasser). Oder am Wetter. Oder am Traumpfad …

Mehr Informationen zu diesem Traumpfad finden sich hier: Bergschluchtenpfad Ehrenburg

[tip]

Zur Etappe 1: Pyrmonter Felsensteig

Zur Etappe 2: Waldschluchtenweg

Zur Etappe 3: Nette-Schieferpfad

Zur Etappe 4: Förstersteig

Zur Etappe 5: Eltzer Burgpanorama

Zur Etappe 6: Hochbermeler

Zur Etappe 7: Rheingoldbogen

Zur Etappe 8: Schwalberstieg

Zur Etappe 9: Virne-Burgweg

Zur Etappe 10: Monrealer Ritterschlag

Zur Etappe 11: Wolfsdelle

Zur Etappe 12: Booser Doppelmaartour

Zur Etappe 13: Waldseepfad Rieden

Zur Etappe 14: Pellenzer Seepfad

Zur Etappe 15: Wanderather (1)

Zur Etappe 16: Höhlen- und Schluchtensteig (1)

Zur Etappe 17: Vier-Berge-Tour

Zur Etappe 18: Vulkanpfad

Zur Etappe 19: Wacholderweg

Zur Etappe 20: Bleidenberger Ausblicke

Zur Etappe 21: Höhlen- und Schluchtensteig (2)

Zur Etappe 22: Saynsteig

Zur Etappe 23: Wanderather (2)

Zur Etappe 24: Heidehimmel Volkesfeld

Zur Etappe 25: Koberner Burgpfad

Zur Etappe 26: Streuobstwiesenweg

Zur Etappe 27: Hatzenporter Laysteig

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Schlenderer

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