Für unseren zweiten Tag in Prüm haben wir uns eine besondere Tour ausgesucht. Aber ich beginne besser von Anfang an. Am Vortag haben wir uns die Schönecker Schweiz angesehen (auf »Schönecker Schweiz« klicken, und schon geht es zum Wanderbericht). Am späten Nachmittag kehrten wir dort ein, wo wir übernachten wollten. Wie im März hatten wir ein Zimmer in der Jugendherberge in Prüm gebucht. Schön war es, am Abend beim Essen im der Jugendherberge angeschlossenen Restaurant Karlino von einem älteren Herrn, der in einer illustren Runde (viele Herren, eine Dame) aus musikalisch Organisierten zum Besten gab – es ging um einen Termin in der Jugendherberge -, dass eine Jugendherberge für über Fünfzigjährige doch wohl nicht geeignet sei.

Aaaaaja.

Oder klarer: so ein Schmarrn. Ich breche dann mal eine Lanze speziell für die Jugendherberge in Prüm, obwohl sie das gar nicht nötig hat. Der Service ist höchst freundlich (die Jugendherbergseltern – nennen die sich noch so? – sind sehr nett, das Personal zuvorkommend). Die Zimmer sind sehr sauber (Gerhard Polt würde vielleicht sagen: »Da schmutzt nichts«), ausreichend geräumig, mit separatem Bad/WC und einem großen Tisch im Wohnraum, auf dem man bei Belieben ganze Rucksäcke ausladen könnte. Es gibt in den Stuben keinen Fernseher (ooooh!), dafür aber im Bistro (aaaah!)[tip]

KurzInfo! 20 Kilometer Kilometer lang und 530 Höhenmeter auf dem Buckel – das reißt man nicht in zwei Stunden runter. Also besser mal 6 Stunden für diese Wandertour einkalkulieren. Gute Wanderschuhe genügen, die Wege sind gut und breit ausgebaut bis auf wenige schmale Pfade. Zum Abschluss der Tour kann in Prüm in Cafés oder Restaurants eingekehrt oder noch der Besuch der Basilika (die Pforten dort schließen offiziell um 17 Uhr!) angefügt werden.

Für die Wanderung empfehle ich zum einen, den später im Bericht folgenden Links zu den Seiten des Eifelvereins zu folgen und die Wanderwegbeschreibung herunterzuladen, oder zum anderen die unten aufgeführte Wegekarte, die bei Outdooractive eingebunden ist. Oder beides. Wir haben für unsere Wanderungen immer die Wanderkarte “Prümer Land” des Eifelvereins im Rucksack – unbedingt empfehlenswert! (In der mir vorliegenden Ausgabe von 2010 ist der “Panoramaweg 120” bereits eingezeichnet.)

Über den Klickpunkt “drucken” stehen Optionen zur Auswahl, wie detailliert die PDF sein soll – am besten einfach ausprobieren, herunterladen und dann entscheiden, welche Version man bevorzugt. GPS-Tracks können ebenfalls abgerufen werden. Und die Karte kann mit Hilfe des Reiters über dem Kartenbild in unterschiedlichen Ansichten (beispielsweise bei “Google Earth”) betrachtet werden.[/tip]

Das Frühstück ist gut und reichhaltig, wenn auch der eine oder die andere verschiedene Schmankerl (beispielsweise weiches/hartes/verquirltes Ei) vermissen werden, die sie aber auch daheim vermutlich selbst nicht auftischen würden. Satt wurden wir allemal, und die Geschmacksnerven litten dabei nicht. Das ist mir wichtig. Das genannte Restaurant »Karlino« wird ebenfalls von der Jugendherberge bewirtschaftet, aber holla, das Essen dort war sehr lecker! Also nicht täuschen lassen, weil’s derselbe Koch hüben, wie drüben ist – die Qualität generell hat sich zumindest in Prüm (für andere Jugendherbergen kann ich es wegen fehlender Erfahrung nicht sagen) auf einem Niveau eingependelt, dass – der Deutsche mag das ja – zu einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis führt.

Den Blick auf den Schwarzen Mann erhaschen wir später (nach dem Kalvarienberg.)

Ach, am besten bei Interesse selbst auf der Seite zur Jugendherberge schauen – für diejenigen, die rund um Prüm wandern wollen, ist sie auf jeden Fall eine Alternative (aber bitte beachten, dass eine DJH-Mitgliedschaft Voraussetzung ist (die auch vor Ort für Familien – dazu zählen Ehepaare – für 21 Euro jährlich abgeschlossen werden kann).

Die Jugendherberge ist modern ausgestattet und liegt sehr zentral in Prüm; in den Ortskern oder zur Basilika brauchen wir 10 Minuten hinunter und 15 Minuten hinauf.

Das Frühstück haben wir also verzehrt – aber wir sind ja nicht zum Essen oder zum Vergnügen hier, sondern zum Wandern. Und da lasen wir vorab folgenden Text auf der Internetseite der Ortsgruppe Prüm des Eifelvereins (das habe ich nicht elegant formuliert, ist aber so):

»Aus Anlaß des 120-jährigen Bestehens der Ortsgruppe Prüm im Eifelverein hat der Eifelverein Prüm einen eigenen Wanderweg als Rundweg um Prüm kreiert und ausgezeichnet. Der Panoramaweg 120 ist 20 Kilometer lang und beginnt auf dem Wanderparkplatz Nr. 14 »Wenzelbach« zwischen Prüm und Niederprüm an der B 410. Hier steht eine große Info-Tafel. Pläne mit Eintragung des Weges gibt es kostenlos zum Mitnehmen. Die anspruchsvolle Tour, mit mehreren Auf- und Abstiegen, herrlichen Ausblicken in die Waldstadt Prüm und das Prümer Land, ist ein Erlebnis besonderer Klasse. Die Tour kann an mehreren Stellen abgekürzt werden. An vielen Sonntagen lädt die Ski-Hütte an der Wolfsschlucht zum Verweilen ein.«

Verlaufen ausgeschlossen.

Auf der Seite findet sich nicht nur der genaue Wortlaut der obigen Zeilen, sondern unter den Menüpunkten “Service” und “Wandervorschläge” auch die dazu passende Wanderkarte mit sehr genauer Wegbeschreibung; wer an der Wanderung interessiert ist, lädt sich alles am besten herunter und druckt es aus.

Diese Wanderung gehen wir also am zweiten Tag an, starten aber nicht, wie auf der Wegbeschreibung angegeben, am Wanderparkplatz Nr. 14, sondern in oder an oder von der Jugendherberge. Von dort steigen wir am Kalvarienberg in die Tour ein; das ist gut so, denn der Wanderweg 120 führt genau dort, an der Kalvarienbergkapelle, vorbei.

Und es hat noch ein oder zwei andere gute Gründe. Zum einen kommen wir gleich auf Betriebstemperatur, denn von Prüm hoch zum Kalvarienberg pumpt das Herz ganz schön; es geht zügig hinauf. Oben dann schauen wir hinunter, aber nicht in den Ort, sondern in den Krater, den eine tödliche Explosion am 15.Juli 1949 in die Erde gerissen hat – ein Munitionsbunker fliegt in die Luft. 12 Menschen verlieren ihre Leben, es gibt Verletzte und zahlreiche zerstörte Häuser. Ein Gedenkkreuz und der nicht zugeschüttete Krater erinnern an den Nachkriegs-Wahnsinn.

Das Gedenkkreuz auf dem Kalvarienberg.

Vom Kreuz aus wandern wir in Richtung Niederprüm, vorbei an einem Reiterhof, entlang von Wiesen und Feldern. Der Fahrweg ist asphaltiert, für das Gemüt eines handelsüblichen Wanderers zwar nicht die Erfüllung seiner Träume, aber in Anbetracht der vor uns liegenden Wanderung ein Makel, den wir in Kauf nehmen. Immerhin wollen wir rund um Prüm wandern, also nicht tief in Wälder eindringen oder in besinnliche Bachtäler eintauchen. Vielfach ist es hartes Brot in einem übertragenen Sinn; Teer und/oder Asphalt pflastern unseren Weg, und das ist gut so.

So geteert erreichen wir über den sich nach unten windenden Weg die Talsohle, genauer gesagt den Wanderparkplatz Nr. 14. Es hat etwas Gutes, zuerst nach oben und dann nach unten gegangen zu sein: Noch ist es angenehm warm, aber bald wird es heiß werden, und so haben wir ein großes, über freies Gelände verlaufendes Terrain noch schadlos hinter uns gebracht.

Am Wanderparkplatz Nr. 14 steht die erwähnte Schautafel und hängt der gut gefüllte Behälter mit den Wanderplänen, die wir hier also noch einmal erhalten könnten. Sehr gut. Wie überhaupt die gesamte Beschilderung des Weges vorbildlich ist; verlaufen quasi ausgeschlossen, vorausgesetzt natürlich, der Wanderer geht nicht mit geschlossenen Augen durchs Gelände. Aber das verbietet sich für einen Wanderer ja von selbst.

Bald darauf stehen wir auf der ehemaligen Bahntrasse, die heutzutage Radfahrern als ungefährliche Route dient. Auch wir sind nicht gefährdet, als wir uns nach rechts wenden, um auf der Trasse die restlichen Meter nach Niederprüm zurückzulegen; der Strom an Radfahrern ist so dünn wie die Prüm, die mangels Masse nur sehr leise neben uns gluckert.

Der Experte für Outdoor und Touren_________________________________________________________________________________________________

Nach einer Viertelstunde verlassen wir den Radweg. Wir erreichen Niederprüm, sehen vom Ort aber nicht viel. Nach einem guten (oder eher schlechten) Kilometer haben wir genug von der Peripherie gesehen, die B410 ist, das wissen wir jetzt, gut besucht. Und so verlassen wir nach Baumärkten und Autoverkäufern die geschäftige Straße, nun umnebelt von Autoabgasen und Verkehrslärm. Unser Weg lässt diese Straße hinter sich, geht in ein Waldstückchen über und steigt langsam an.

Am Horizont winkt der “Schwarze Mann”.

Bald atmen wir auf. Zwar wird uns der besagte Verkehrslärm, wenn auch von anderen Straßen, noch des Öfteren heimsuchen, aber von hier oben können wir erst einmal die freie Sicht auf Prüm und die gegenüberliegende Talseite genießen.

Modernes Spargelfeld

Über uns der Berg, unter uns das Tal, wir mittendrin. So etwa auf halber Höhe also marschiert der Weg weiter, einige Male öffnet sich die Baumparade und lässt uns ein ums andere Mal die Aussichten auf Prüm, die Basilika, die Eifelhöhen genießen, nur manchmal versperrt von diesen gemein hohen Maisgewächsen …

Aussicht mit zuschauerfreundlichem Mais: Prüm schmiegt sich in die Berge (links der Kalvarienberg)

Das erste Drittel unserer Wanderung haben wir zurückgelegt, als wir wieder Niederprüm touchieren, diesmal an einer viel sympathischeren Ortskante. Kaum Verkehr, kein Lärm. So geht es auch wieder hinein in den Wald, ein Baum mit Madonnenfigur gibt uns Gelegenheit zu einer Rast, bevor es wieder sanft bergan geht. Übers freie Feld und mit der angekündigten brachialen Hitze geht es weiter. Lauter wird es, weil uns die nächste Bundesstraße erwartet, die 51.

Eifel

Gemeinhin denkt man ja, dass Prüm in der Eifel weitab von jeglichem Verkehrslärm liegt. Die erste Hälfte der Wanderung über sollte man sich diesen frommen Gedanken abschminken.

Eifel

Wer also die Stille und die Ruhe sucht, suche sich einen anderen Weg aus. Dafür entschädigt das schöne Wechselspiel zwischen Laub- und Nadel- und Mischwald, freien Blicken über die Eifellandschaft, das Flanieren zwischen Feldern und Wiesen, das Auf und Ab. Doch schweigen will ich über den stellenweise doch sehr unruhigen Wanderweg nicht.

Ganz gewöhnliche Eifellandschaft.

Nach schmaleren Pfaden und breiteren Wegen geht es wieder hinunter. Wir nähern uns nicht nur der Prüm, sondern überqueren sie auch auf der Höhe eines Campingplatzes. Wenn wir jetzt zwei oder drei Schritte von unserem 120er abwichen, stünden wir am Ortsschild von Prüm. Was nichts anderes besagt als: Die 20 Kilometer führen wirklich immer hautnah an Prüm oder Niederprüm vorbei …

Rast ohne Hast.

… und dann: wieder hoch und wieder runter, Wald dazwischen, schöner Waldweg. Die Dausfelder Mühle sehen wir nicht weit rechts von uns, doch wir haben anderes als einen Besuch dort vor. Es geht jetzt wieder richtig hinauf, etwas 120 Höhenmeter stehen nun auf dem Plan, die wir bei jetzt ordentlicher Hitze nur mit viel Wasser schadlos bewältigen.

Wir umkurven die Windersportanlage Wolfsschlucht, die wir von unserem März-Urlaub bereits kennen. Den großen Parkplatz nutzen wir für eine zweite, eine letzte Rast – bevor wir das letzte Wegstück zurücklegen. Und das ist, nach all dem hoch und runter, ein Pappenstiel, dafür aber landschaftlich reizvoll, sag ich mal. Rechts vom Weg breitet sich die Eifel in all ihrer Pracht aus, links zumeist der manchmal lichte, manchmal dichte Wald.

Endlich wieder Winter!

Bevor wir Prüm erreichen, schauen wir uns noch den »Keltenring« an mit seiner nachgebauten Mauer und Palisade. Petra turnt darauf herum, ich schieße Beweisfotos davon. Ich muss ja etwas in der Hand haben für unsere Jungs, um ihnen zu zeigen, wie ihre Mutter ist, wenn sie nicht dabei sind.

Die Keltenmauer.

Nein, ist Quatsch.

Am Feriendorf am Stadtrand von Prüm tauchen wir wieder aus dem Wald auf. Der Rest ist Straßenlauf: Wir gehen die dritte Bundesstraße (nach der B410 und der B51 nun die B265) hinunter, schwenken dann ab in »unsere« Straße, die schnurstracks zur Jugendherberge führt und … duschen erst einmal gründlich. Wir sind durchgeschwitzt bis auf die Socken.

Und dann feiern wir Geburtstag …

Ganz gewöhnliche Brotzeit (hoppla, ohne Brot!)

So. Ich sitze jetzt am PC, starre aufs Geschriebene und denke bei mir: Mensch, da hast du ja mehr Schlechtes als Rechtes über den 120 geschrieben. Oder kommt es mir nur so vor? Egal, und das für alle, die nach Prüm zum Wandern fahren und sich fragen: Welche Wege gehen wir? Geht den 120 – wenn ihr Verkehrslärm als notwendiges Übel akzeptieren, könnt so wie wir. Dafür »schenkt« euch der 120 ja auch einiges (ich hab’s im Bericht erwähnt). Wir jedenfalls haben noch abends ein positives Fazit gezogen: Die Wanderung war lang und ausgiebig, aber sie war gut und schön. Vermutlich ist der Autolärm an einem Sonntag auch weniger spürbar (wir gingen an einem Donnerstag), vielleicht war das Tal auch heute besonders »hellhörig« (je nach Windrichtung schallt der Wind mal her, mal hin).

Aber das alles hat uns wenig ausgemacht. Wir waren sehr zufrieden. Und viel mehr wollen wir gar nicht.

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
Schlenderer

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4 Responses

  1. Ursula Peters

    Sonntags kommt garantiert noch Motorradlärm dazu! Aber die Jugendherberge und Karlino kennen wir aus eigener Anschauung: war toll!
    Gruß Ursula

    Antworten
    • Georg

      … vielleicht “entfällt” dafür der Lärm der Lastwagen. Aber dieser Wanderweg hat’s natürlich auch nicht leicht.

      Antworten
    • Georg

      Dann warte noch den dritten und letzten Bericht ab, Guido. Wir haben den Schwarzen Mann ja fast persönlich kennengelernt. ;-) Und “Danke!” für den Link zum schönen Foto!

      Antworten

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