Welch ein Kontrast!

Am Dienstag wanderten mein Freund KD und ich auf der “Traumschleife Ehrbachklamm”, am Mittwoch bringen Petra und ich den “Hügelgräberweg” bei Bassenheim hinter uns.

Es fängt schon gut an. Unterhalb der Grillhütte in Bassenheim halten wir wie angegeben. Keine Schaukarte mit der Wanderbeschreibung weit und breit, und erst nach einem Stück die gut ausgebaute und befahrene Straße entlang entdecken wir an einem Baum das erste Wegeschild “BA4”.

Ich beginne keine Wanderung gern mit der Frage: “Ist das der richtige Weg?” Aber die Beschilderung, soviel verrate ich vorweg, taucht auf dem weiteren Wanderweg dort auf, wo wir sie brauchen. Doch einmal mehr steht der Wanderer am Startpunkt wie der Ochs vorm Berg,  denn hier erhält er keine Informationen. Es heißt also, sich vorher übers Internet informieren und die Karte ausdrucken.

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KurzInfo! Der “Hügelgräberweg – BA4” führt von Bassenheim über eine Streckenlänge von 8,5 Kilometern und 242 Höhenmeter an der A 48 entlang zum Karmelenberg. Von dort steigt man auf zur “Marienkapelle”. Das letzte Wegstück leitet dann auch durch die Baumallee mit mehrere Hundert Jahre alten Baumriesen.

Eine Wegekarte findet der Leser weiter unten. Über den Klickpunkt “drucken” stehen Optionen zur Auswahl, wie detailliert die PDF sein soll – am besten einfach ausprobieren, herunterladen und dann entscheiden, welche Version man bevorzugt. GPS-Tracks können ebenfalls abgerufen werden. Und die Karte kann mit Hilfe des Reiters über dem Kartenbild in unterschiedlichen Ansichten (beispielsweise bei “Google Earth”) betrachtet werden.

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So aber wissen wir, während wir geteerte Straße hinaufstiefeln, was wir zu erwarten haben: ein römisches Gräberfeld und keltische Hügelgräber und deutsche Schnellstraßen. Die Autobahn sehen wir selbst vor lauter Bäumen. Die Autobahn “hören” wir. Es ist sogar möglich, den Autofahrern beim Gähnen bis aufs Gaumenzäpfchen zu stieren (das ist kein schöner Anblick). Das Gräberfeld hören wir nicht und sehen wir nicht. Die Keltengräber sehen wir, mehr aber auch nicht. Keine Schautafel, nicht einmal ein lapidares Hinweisschildchen weist auf dies und auf jenes hin. Und die Hügelgräber sind eingepfercht zwischen der A 48, dem Autobahnrastplatz “Goloring”  und einem komfortabel hohen, sehr stabilen und mit Stacheldraht verzierten Metallzaun.

Es sieht aus wie ein riesiger Ameisenhügel, es ist gesichert wie ein Bundeswehrdepot – aber es handelt sich wohlvermutlichmagsosein um ein altes Keltengrab

Vermutlich kommt man vom Rastplatz eher an die Hügelgräber ran als vom gleichnamigen Wanderweg. Nicht, dass ich dort herumtrampeln will, aber bei eingezäunten Sehenswürdigkeiten komm ich mir vor wie im Zoo.

Obwohl. In solchen Momenten, wenn ich Hügelgräber oder ähnliches sehe, fluche ich innerlich, weil ich Schaufel und Hacke vergessen habe. Da erwacht doch der Indiana Jones im Manne. Aber ich hätte nie-nie-niemals gegraben. Großes Indiana-Ehrenwort darauf!

Der Experte für Outdoor und Touren_________________________________________________________________

Um es abzukürzen. Die etwa 3 Kilometer von der Grillhütte bis zum Fuß des Karmelenberges vergessen wir lieber! Es ist nichts, weswegen sich ein Wanderer die Stiefel schnürt, erst recht nicht, wenn die erwähnten sehenswerten Örtlichkeiten lieblos hinter Zäunen ihr Dasein fristen oder sich vor dem ungeübten Auge gar vollständig verstecken. Und nervös hat’s mich auch gemacht, immer gucken, ob nicht ein der Autofahrer seine Kippe in den Rucksack schnippt. Es kann nur besser werden.

Wäre kein Zaun am Wanderweg, bewürfen mich die Autofahrer mit Bananenschalen – Artenschutz für Wanderer sollte anders aussehen

Und das wird es auch. Wir verlassen nicht nur das lichte Waldstück, sondern lassen auch das anschließende kurze Stück zwischen abgeernteten Feldern hinter uns, um endlich den Karmelenberg vor uns zu sehen. Dichter Baumbestand markiert ihn, wir passieren den Stationsweg und steigen hoch zur Marienkapelle.

Endlich: ein Ort der Ruhe und der Rast

Bänke und Tische laden zum Verweilen ein, doch zuerst schauen wir in das Gotteshaus. Der eigentliche Innenraum ist jedoch verschlossen, sodass wir nur vom Eingangsbereich aus unsere Neugierde stillen können.

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KurzInfo! Der Weg zum Karmelenberg führt über den Stationsweg “Sieben Fußfälle”, der um 1760 geweiht wurde, aber vermutlich einen älteren Ursprung hat. Nicolas Hoelzer, einer der letzten Eremiten auf dem Karmelenberg, kam 1826 am ersten Fußfall durch die Hand von Räubern ums Leben.1662 haben der Reichsfreiherr von Bassenheim und seine Gemahlin die “Marienkapelle” auf dem 373 Meter hohen Karmelenberg erbauen lassen. In vorchristlicher Zeit beherbergte der Ort bereits eine heidnische Kultstätte, zeitweilig wurde der Berg auch “Hexenberg” genannt.

Die Marienkapelle ist 7 mal 13 Meter groß, versehen mit einem rechteckigen Chor, drei Türmen, einem Hochaltar und zwei Seitenaltären. Diese ältesteste Barockkirche im Koblenzer Raum wurde von 1993 – 1998 für 1 Million DM restauriert. Über dem Eingangsportal befindet sich das Stammwappen der Waldbotts von Bassenheim. In der Marienkapelle werden auch Trauungen durchgeführt. Weitere Informationen zeigen die Informationstafeln vor der Kapelle und eine Broschüre, die im kleinen Vorraum zur Kapelle hinterlegt ist.

Quelle: unter anderem Informationstafeln auf dem Weg zur Marienkapelle und bei der Marienkapelle; Informationsbroschüre

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Das Stammwappen der Waldbotts von Bassenheim über dem Portal zur Marienkapelle

Der schmale Weg führt nun um den Karmelenberg herum. Wir betrachten uns eine Lavawand, die vom vormaligen Abbau kündet; wieder informieren uns Schautafeln über die Hintergründe: bis 1940 dauerte der Abbau, seit 1981 ist der Karmelenberg ein Naturschutzgebiet.

Blick auf die Eifelhöhen mit Starkwolken

Nach einer guten halben Stunde kommen wir an den Ausgangspunkt am Fuß des Berges zurück. Wir wenden uns der Baumallee zu, dem zweiten Höhepunkt der Wandertour.

Knorrig wie ein Wandersmann

Zwischen den imposanten Bäumen wandern wir hinab, bleiben dort stehen, wo eine Linde oder Kastanie besonders eindrucksvoll ist, und schauen uns an, wie andere Bäume, nicht minder riesig und gewaltig, vom Lauf der Zeit hingerafft wurden.

Eine Wandersfrau, weniger knorrig und gut behütet

Dicke Stämme liegen umher, ausgehöhlt strecken sie sich aus. An ihrer Seite wachsen neue Bäume und sorgen dafür, dass die Baumallee auch nach vielen hundert Jahren nicht stirbt.

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KurzInfo! Nach Errichtung der “Marienkapelle” wurde der 3,5 Kilometer lange Weg von der Pfarrkirche St. Martin in Bassenheim hinauf zum Karmelenberg zur Baumallee ausgebaut, die letzten 1,1 Kilometer mit 150 Bäumen bepflanzt. Davon sind heute (das heißt zum Zeitpunkt, als die Schautafel erstellt wurde, der die Informationen entstammen) noch 106 vorhanden: 46 Rotbuchen, 36 Stieleichen, 16 Winterlinden, 6 Roßkastanien und eine Sommerlinde (am Ende der Baumallee). Eine der mächtigen Linden hat einen Umfang von 8 Metern. Seit 1939 steht die Baumallee unter Denkmalschutz, 1977 wurde rund 120 der Veteranen baumchirurgisch behandelt, der alte ursprüngliche Zustand soll jedoch beibehalten werden.

Quelle: Schautafel an der Baumallee

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Den letzten Kilometer gönnen wir uns noch zwei fruchtlose Abstecher: Die “Charlottenquelle” und die “Friedrichquelle” locken uns durch zwei neue Schilder an, doch als wir jeweils erwartungsvoll zum Ort der Quelle gelangen, hören wir nur ein Plätschern innerhalb eines natürlich verschlossenen Gemäuers.

Wanderer, kommst du zu diesen Quellen,

so wirst du elendig verdursten

 

 

Heute dürfen wir nur von außen gucken, fast ist es wie in der Kindheit, als die schönsten Sachen wie der Fernsehschrank fest verschlossen waren.

Unter der “Hohen Brücke”, über die 1983 ein letztes Mal der Personenzug fuhr, hindurch erreichen wir kurz darauf ein Bimsbaustoffwerk, eines der markanten Zeichen dieser Gegend.

Da wächst schon Gras über die Sache …

Wer wie ich aus einer Stadt stammt, die sich in früheren Jahren als “3 B-Stadt” rühmte (“Bims, Bier und Blech”), sieht eine solche Industrieanlage mehr mit nostalgischem Blick. Trotzdem sind wir froh, wieder ins Auto steigen zu können, denn der Wind frischt ordentlich auf. Es war ja auch “Starkwind” gemeldet (der Starkregen kam nicht, und für den Starkschnee ist es offensichtlich noch zu früh im Jahr).

Kurz gesagt: Ich schlage statt des “Hügelgräberweges” eine Alternativ-Tour vor: den “Keltenweg am Goloring” (wenn man den Link anklickt, gelangt man zum ausführlichen Flyer). Der Wanderweg ist mit 10,5 Kilometern zwar etwas länger, streift zwar auch die A 48, vermeidet aber die stimmungs-tötende Nähe – und geleitet den Wanderer auch zum Karmelenberg und die Baumallee. Wir sind den Weg vor einigen Jahren gewandert, aber ich habe ihn in besserer Erinnerung behalten. Eine Parkmöglichkeit besteht an der L 52, eine weitere in der Ortsmitte von Bassenheim. Der Goloring ist nicht frei zugänglich! Weitere Informationen zum Goloring.

Der “Hügelgräberweg” wird seinem verheißungsvollen Namen nicht gerecht. Es mag die Gräber geben – doch was bringt mir das, wenn ich reichlich ziellos am Zaun entlang irre? Zudem muss man taub sein, um die Autobahn ignorieren zu können. Den Lärm kann ich daheim mit Vettel & Co. im Fernsehen auch haben. Mit Wandern im Sinne von Erholung und von Entspannung hat dies jedenfalls nichts zu tun.

Hügelgräberweg

[Die Galerie zeigt weitere Impressionen vom “Hügelgräberweg BA4”. Die Galerie lässt sich mit den beiden Buttons unten rechts “bedienen”. SL – der linke Button – löst eine Slideshow aus, mit FS – der rechte Button – wechselt man in den Vollbildmodus. Für die richtige Anzeige der Galerie ist der Flash Player von Adobe notwendig.]

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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6 Responses

  1. Elisabeth Tullius

    Guten Abend,
    ich stöbere immer mal wieder gerne auf den Wandererseiten von “Der Schlenderer”
    Zum Ausdrucken ist es besser, die o.g. email-Adresse zu nutzen.
    Ansonsten erhalte ich den Newsletter ja unter der email-Adresse: [Diese private E-Mail-Adresse habe ich aus Sicherheitsgründen gelöscht; Karl-Georg Müller]

    Herzlichen Dank aus Neuwied für die spannenden Anregungen

    Elisabeth Tullius

    Antworten
  2. Klaus H.

    Echt toller und ausführlicher Blogeintrag. R.M. hat recht, die Bäume stechen echt heraus. Schade, dass ich bis nächsten Sommer warten muss. Die Route werde ich 2013 auf jeden Fall nachschlendern :).

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  3. R.M.

    Also war mir von deinem Bericht über diese Wanderung in Erinnerung bleiben wird, sind einzig und allein, die Fotos von den Bäumen die dir unterwegs aufgefallen und echt sehenswert sind :-) danke.

    Antworten
    • Georg

      Die Baumallee ist auf jeden Fall den Ausflug wert, und auch den Aufstieg zur Marienkapelle solltest du dir gönnen. Vom angegebenen Wanderparkplatz kannst du auch die nicht sehr lange, aber empfehlenswerte Streckenwanderung durch die Allee hoch auf den Karmelenberg und zurück machen.

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      • Renate Kohns

        Das hört sich ja alles gut an! Ist der Weg auch gut ausgewiesen ? Würde ihn gerne mal gehen. Renate

      • Georg

        Der “Hügelgräberweg” beginnt, wenn man die vorgeschlagene Parkmöglichkeit an den Tennisplätzen wählt, links den Berg hinauf. Von dort an bis zum Ende war der Wanderweg gut ausgeschildert. Zur eigenen Sicherheit ruhig noch die Wegekarte aus der Rubrik “KurzInfo!” am Anfang des Wanderberichts ausdrucken, dann dürfte nichts mehr schieflaufen.

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