Wanderschuhe hat der Mann ja nie genug, und das auch noch aus gutem Grund. Damit der Körper sich nicht zu sehr an ein Paar Schuhe gewöhnt und der Körper womöglich einseitig strapaziert wird, ist mindestens ein zweites Paar Wanderschuhe ratsam. Darüber hinaus spricht noch etwas anderes einen vollen Schuhschrank: Fürs leichte Gelände genügt ein knöchelhoher Schuh, fürs schwere Geläuf, felsig und pfadig, trage ich lieber Wanderstiefel, die den Knöchel umfassen und mir beim Bewegen mehr Stabilität geben.

Merrell Capra

Fürs Knöchelhohe trage ich seit dem vergangenen Herbst den Meindl Softline Light GTX. Sitzt gut, hat eine stabile, verwindungssteife Sohle, gehört zur Kategorie B und … tja, und wiegt in meiner Größe (UK 10 ½) gute 700 Gramm (je Einzelschuh). Das ist jetzt für einen Wanderschuh nicht einmal außergewöhnlich viel, doch jedes einzelne Gramm zieht mich auf Dauer doch ziemlich runter.

Merrell Capra (4)

Vom amerikanischen Schuh- und Outdoortextilhersteller Merrell erhielt ich den brandneuen Capra Mid Sport GORE-TEX™; in Größe UK 11 (zur Größe später mehr) bringt er 519 Gramm auf die Waage. Im Magazin »Wanderlust« (Ausgabe April/Mai 2015) lese ich nun, dass bei einer Langstreckenwandung über 35 km mit 50.000 Schritten ein Gewichtsunterschied von 300 Gramm je Paar ein Unterschied von 750 kg zusammenkommt, die vom Boden hoch gehievt und wieder abgesetzt werden müssen. Und wirklich, der Gewichtsunterschied macht sich beim ersten Hineinschlüpfen bemerkbar. Ein paar Schritte im Garten gelaufen, ja, es geht sich leichter. Natürlich, der Schaft des Merrell ist weniger hochgezogen, bietet also wahrscheinlich nicht dieselbe Stabilität wie der Meindl (und gehört richtigerweise zur Kategorie A/B), sitzt aber nach den ersten Schnürversuchen perfekt und wie angegossen.

Merrell Capra

Apropos Schnürversuche. Nach der Ersten, meist auch nach der zweiten oder dritten Wanderung schnüre ich nach, sprich: Wenn es (bei mir meist oben auf dem Spann) drückt, lockere ich die Schnürung entsprechend. Das Anpassen des Schuhs funktioniert dabei tadellos, einer Stoffschlaufe an der weit hinuntergezogenen Schnürung folgen drei Ösen, dann eine weitere Stoffschlaufe. Zum Abschluss folgen zwei Metallhaken, die darunter liegende angenähte Schutzlasche kann mit einer Stoffzunge so weit wie nötig hochgezogen werden; sie schließt den Innenschuh sauber gegen Nässe nach außen ab. Überhaupt gelingt es mir nach wenigen Wanderkilometern, den Schuh bestens auf meine Füße anzupassen. Merrell gibt die sogenannte Stratafuse™-Technologie des Obermaterials als Garant für ein »natürliches Bewegungsprofil«; inwiefern diese Technologie dafür verantwortlich ist, geht natürlich irgendwie über meinen Horizont. Wichtig ist für mich als Vielwanderer ja, was draußen ist. Die Wahrheit liegt ja auf dem Wanderweg.

Merrell Capra

Das Material des Merrell Capra besteht aus einer Mischung aus synthetischem Leder und Netz. Der Zehenbereich wird durch eine Schutzkappe geschützt, die Mega-Grip-Sohle stammt von Vibram®. Innen schützt Gore-Tex® vor Nässe und eindringendem Wasser. Und M-Select Fresh™ (und wenn mir jetzt noch mal jemand mit »TM« und »R« kommt, werde ich den »Schlenderer« als eingetragene Geruchsmarke anmelden!) soll gegen Geruchsbildung schützen.

Merrell Capra

Da ich bekanntlich von Geburt an über wohlriechende Füße verfüge, kann ich Letzteres zwar nicht bestätigen, aber zumindest sagen: Da stinkt, muffelt, riecht nichts, selbst nach ausgiebigen, heißen und/oder nassen Wandertagen. Ja, und die gab es, denn in den vergangenen Monaten habe ich den Merrell Carpa ausgiebig getestet. Wo überall? Überall. Wer mir bei meinen Wanderberichten folgt: Der Merrell Carpa ging mit mir auf den Wegen in der Lüneburger Heide, im Pietzmoor, hier und da in der Eifel, vielfach in flachem Gelände, aber auch über Stock und Stein. Nur in der Baybachklamm im Hunsrück wünschte ich mir etwas mehr Stabilität am Knöchel und eine festere Sohle. Denn alles geht natürlich nicht: eine weniger steife Sohle, in der dafür der Fuß gut abrollen kann. Und trotzdem will ich nicht jede Wurzel oder jeden Stein unterm Fuß bis aufs Fleisch fühlen. Das wäre die wohlbekannte eierlegende Wollmilchsau, und die ist selbst im Wanderschuh-Bereich noch nicht erfunden worden.

Merrell Capra

Ist das aber überhaupt ein Manko? Nein, absolut nicht, denn wie vorhin erwähnt, rechnet sich der Merrell Capra zur Kategorie A: leichte Wanderungen im Mittelgebirge. Keine anspruchsvollen Wanderungen wie die Baybachklamm. Nur sollte man sich das vor dem Schuhkauf klarmachen, das Einsatzgebiet genau kennen – und einen fähigen Fachverkäufer im örtlichen Outdoorladen erwischen, der die richtige Beratung gewährleistet.

Merrell Capra

Zurück zu meinen »leichten Wanderungen« in den Mittelgebirgen. Der Merrell Capra bewährte sich so vortrefflich, dass ich seither selten einen meiner anderen Wanderschuhe ausgeführt habe. Die Schuhe sitzen schmeichelnd eng am Fuß, und die Sohle gibt mir genügend Grip auf rutschigem Geläuf, also Wiesen oder nassen Wegen. Sie sind wunderbar leicht und geben mir annähernd das Gefühl, mit bloßen Füßen unterwegs zu sein. Auf einen Tipp hin wählte ich mein Paar eine halbe Nummer größer – deshalb die Diskrepanz weiter vorne zwischen Meindl (10 ½) und Merrell (11). Sie fallen offenbar etwas kleiner aus, in der von mir bestellten Größe sitzen sie so, dass ich beim Einlaufen keinerlei Probleme mit Blasen oder Druckstellen an den Knöcheln hatte; einzig der erwähnte Spann drückte nach der ersten Wanderung, was aber nach einer korrigierten Schnürung verschwand.

Merrell Capra

Abschließend noch einige Worte, die mein sehr persönliches Tragefühl wiedergeben. Meine Füße fühlen sich im Merrell Capra wirklich wohl – und darüber hinaus habe ich das Gefühl, wirklich »leichter« zu gehen. Ist’s das geringere Gewicht im Vergleich zu meinen anderen Wanderschuhen, ist die Passform, die sich meinem Fuß anschmiegt wie eine zweite Haut? Oder sind es auch die Luftpolster, die im Fersenbereich für Dämpfung sorgen. Ich weiß es nicht, und belegen lassen sich solche subjektiven Empfindungen auch nicht. Doch ich habe den Merrell Capra schätzen gelernt. Wenn ich auch weit davon entfernt bin zu sagen: Ich gehe keinen Schritt mehr ohne meine Capra – der Wanderschuh hat was! Mein Einsatzgebiet für ihn ist klar definiert, »meine« Wanderregion mit den Mittelgebirgen. Da passt er hin, da trage ich ihn so oft wie möglich. Und fühle mich gut dabei …

 

[Hinweis! Das Produkt “Merrell Capra Mid Sport GTX” wurde mir vom Hersteller für diesen Produkttest zur Verfügung gestellt. Alle von mir vorgestellten Produkte teste ich gewissenhaft und benenne Vorteile und Nachteile, soweit sie mir auffallen.]

 

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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