[tip]Im Frühjahr 2015 wird im Droste Verlag mein Wanderführer “Wandern im Westerwald” (Arbeitstitel) erscheinen. Vielleicht interessiert es den einen oder die andere, wie ich den Wanderführer stricke. Für diejenigen sind meine kleinen Werkstattberichte gedacht. Rasch aus dem Handgelenk geschrieben, ohne viel dran herumzudoktern und zu feilen. Aus der Lameng also. Manchmal ganz kurz gehalten, vielleicht ab und zu etwas länger. Sicher nicht regelmäßig, doch zeitlich befristet, denn es gibt natürlich einen Abgabetermin. Mit Fotos werde ich mich auch zurückhalten, denn die gibt es im Wanderführer. Ein paar wenige, geschossen mit unserer Panasonic TZ-41, die ich als handliche Kamera auch gern zusätzlich mitnehme, werde ich aber einstreuen. [/tip]

„Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung.“ Vor Leuten, die mir so einen Kappes vor den Kopf knallen, während ich mir Frostbeulen abzittere, haben mich schon meine Eltern gewarnt. Solchen Klugdingensda wünsche ich Kübelregen und eine Schlittenpartie auf durchsutschtem Terrain – bestimmt haben die Ted-Nugent-Attrappen auch dafür die richtige Kleidung am Körper. Selbst – ver – ständ – lich gibt es schlechtes Wetter, gemeinhin als Sauwetter bekannt. Das mit einem bösen Schicksal (wer will schon gefressen werden) geschlagene Tierchen verdient es natürlich nicht, mit seinem Namen auch noch für schlechtes Wetter geradestehen zu müssen.

Schlechtes Wetter ist der natürliche Feind des Fotografen. „Für einen guten Fotografen gibt es kein schlechtes Wetter.“ Klar, der Spruch fehlt mir jetzt. Möchte das trübe Gesicht sehen, wenn der Sprücheklopfer in einem Reiseführer, Wanderbuch oder anderem bebilderten Appetitanreger triste Landschaften sieht, wo der Buch-Schauer doch blühende Landschaften ersehnt. Soll ein Wanderweg wirklich wiedergeben, dass er bei Sauwetter wie in Windeln liegt, nass und schmierig? Oder möchte der Wanderwillige sich nicht lieber ergötzen an Fotos mit lichten Momenten: Eine satt-grüne Wiese, schimmernde Sonnenstrahlen, die sich durchs Laubwerk stehlen, ein in schäfchen-sanftes Sonnengold getauchtes Schlösschen?

Schlechtes Wetter lässt sich wie folgt umgehen: 1. Ich lasse mir das Wetter malen. Gibt ja reichlich Menschen, die sich die Welt so lange malen, bis sie ihnen gefällt. Oder 2. Ich warte auf gutes Wetter.

Abstecher: Im März reisten wir für drei Wanderungen in den Hohen Westerwald. Das Wetter war gut, die Natur holte aber noch Luft vom Winter. Die Ulmbachtalsperre lag noch leergesaugt. Selbst ich hätte nur ertrinken können, wenn ich mir zehn Flaschen Sprudelwasser eingegossen hätte. Man wartete wohl auf die Schneeschmelze, durch die der Stausee wieder zu Kräften kommen sollte. Und auch sonst war es arg karg, kein Grün im Geäst, die Wiesen noch dürr wie die Magermodels auf dem Laufsteg. Was tun? Warten, bis das Wetter passt, und ein zweites Mal dorthin, um den gut gefüllten Stausee abzulichten, das Grün der Wiesen und Weiden aufzulesen und ergötzliche Fotos einzusammeln.

In dieser Woche erging es mir nicht viel besser. Zwar grünt es rings um uns herum. Nur ist der Wetterfrosch mir nicht ganz grün, denn er zeigt sich bedeckt. Am Montag verdunkelte sich schon der Himmel und des Fotografen Antlitz im Gleichklang. Immerhin reichte es für eine Handvoll Fotos, die nicht grau wie mein Gesicht waren. Für den Dienstag plante ich „eigentlich“ eine Fahrt zur Kroppacher Schweiz. Auf die Wanderung hatte ich mich sehr gefreut, worauf der für mich zuständige Wetterfrosch aus reiner Bosheit den Stinkefinger hob und den Regen herbeizitierte.

Ich musste umdisponieren. Zum Glück kann ich aus einem – jetzt aber rasch kleiner werdenden – Reservoir an Wanderwegen schöpfen, die ich noch abwandern muss. Nah der Heimat lag ein Weg bei Sayn unbearbeitet herum. Den griff ich mir kurzerhand. Manchmal kann man dem Wetterfrosch ein Schnippchen schlagen. Etliche der Wanderwege sind Petra und ich vor meist nicht langer Zeit gewandert, manchmal nicht exakt wie als Wanderweg fürs Buch geplant, doch in Abschnitten. Die Natur ändert sich oft nur gemächlich, wenn sie nicht selbst Hand anlegt (Windwurf), oder der Mensch seine Finger nicht stillhalten kann (Straßenbau, Kläranlage, Windpark). Mit Fotos vom letzten Jahr kann ich die Lücken auffüllen, die das Wetter mir in die Fotoreihe gerissen hat – solange die Natur dieselbe geblieben und der Wegabschnitt identisch ist.

Apropos Sayn: An anderer Stelle sprach ich davon, dass der Westerwald gleich hinter unserem Garten beginnt. Auf den ersten Blick ein gewagter Spruch für jemanden, der mitten in Neuwied wohnt. Auf den zweiten Blick sollte der Zweifelnde an die Grenzen der Gemarkung Neuwied wandern, nur mal kurz hoch, und schon kommt er von 60 Metern über NHN auf gute 360 Meter (Heidegraben). Ähnlich schaut’s in Sayn aus, von dort winden sich Wege hinan, dass sich auf der kurzen Strecke von gut 8 Kilometern gleich 500 Höhenmeter auftürmen. Das Neuwieder Becken schwingt sich zur rechten Rheinseite sehr schnell zum Westerwald und auf eine ordentliche Mittelgebirgshöhe hinauf. Von dort oben präsentiert sich dann das Neuwieder Becken wie eine Modelleisenbahn, überall qualmt’s und raucht’s und dröhnt’s und stinkt’s, aber alles ist so schön niedlich und ganz weit weg.

Leider schieben Missgünstige aus Eifel und Westerwald Schwaden ins Rheintal, weshalb dort unten vor lauter Dunst häufig nicht die Hand vor Augen zu sehen ist. Sobald man auf die Höhe fährt, verschwindet der Dunst wie durch Zauberhand weggeblasen. Gestern lag ein leichter Schleierfilm überm Neuwieder Becken, angereichert mit grauen Wolken. Fotos machen: vergiss es. Das Brexbachtal aber habe ich häufig genug bewandert, Fotos werden sich finden. Vom Römerturm – auf einem Foto rechts von den Galoschen – sieht man bei schönem Wetter weit rein ins Rheintal, später auf dem Weg noch rüber in den Taunus, Hunsrück, die Eifel. Bei schönem Wetter …

Zum Abschluss der Wanderung traf ich auf einen weiteren natürlichen Feind des Fotografen: den Handwerker. Ich war so verdattert, dass ich noch nicht einmal ein Foto geschossen habe. Ich wollte die Abtei Sayn von außen ablichten. Sieht aber blöd aus, wenn gerade Gerüste aufgebaut werden (oder wurden sie abgebaut – ich war so aus dem Konzept, dass ich geradewegs davongelaufen bin). Aber ich hab ja Fotos von der Abtei. Oder etwa nicht? Ich mache Schluss, das muss ich jetzt klären.

P. S.: Heute scheint natürlich die Sonne. Es gibt doch kein schlechtes Wetter, es gibt nur die falsche Entscheidung. ;-)

 

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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2 Responses

  1. Wanderreporterin Karin

    *lol* -nicht ärgern! Nimm es so wie es kommt und mach das Beste draus! Schließlich hat ja ein Fotograf eine richtige Marktlücke entdeckt und das Mosel- und Rheintal explizit bei schlechtem Wetter fotografiert (kann man im Buchhandel kaufen). Die Stimmungen, die dabei entstehen, sind wunderbar.
    Drücke weiterhin die Daumen, für wenige Begegnungen mit den Fotografen-Feinden.
    Gruß, Karin

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    • Georg

      Danke fürs Daumen drücken! Aber ob der Verlag mit stimmungsvollen Regenfotos für den Wanderführer einverstanden wäre … ;-)

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