Heute gehe ich wieder mit meinem Freund KD auf eine gemeinsame Wandertour. Die Route M – Mittleres Brohltal: Burgpanoramaweg ist es, die wir mit leichten Änderungen von Niederzissen aus zur Olbrück und noch viel weiter wandern. 23 Kilometer sind es am Ende, und es wird, oha, eine lange Wanderstrecke.

Wir stellen den Wagen in Niederzissen am Bahnhof ab. Der vorgesehene Parkplatz wird heute Morgen auch von Baufahrzeugen genutzt. Mit Mühe ergattern wir eine Lücke zwischen den Vehikeln. Wir steigen aus und gehen los. Gemeinsam queren wir den Parkplatz eines Discounters und schwenken auf die Brohltalstraße ein. Dort wenden wir uns nach rechts, überqueren die Straße, biegen nach etwa 100 Metern in die Horststraße ein und folgen dieser bis zur Klosterstraße. Nach weiteren 10 Metern haben wir die Möglichkeit, nach links in eine namentlich nicht aufgeführte Straße abzubiegen, die uns nach dem Wegeplan der Tourist-Information Brohltal zu einer geologischen Besonderheit führen soll.

Der Zugang zum Bunker.

Wir nutzen dies heute nicht und folgen dagegen der Klosterstraße weitere 150 Meter, um vor dem Bunker im vulkanischen Schlammstrom kurz Halt zu machen. Der Bunker bot im 2. Weltkrieg 300 – 400 Menschen Schutz. Zu bestimmten Terminen, die auf der Website der Tourist-Information nachzulesen sind, finden Führungen durch den verzweigten Bunker statt.

[tip]KurzInfo! Die Route M – Mittleres Brohltal: Burgpanoramaweg ist, wie wir sie gingen, 23 Kilometer lang und verfügt über 615 Höhenmeter. Als Gehzeit sollte man 6 Stunden einrechnen. Einkehrmöglichkeiten bestehen beispielsweise in der Burgschänke Kastellaney auf der Olbrück oder im Schmiede und Gasthaus Neuer Maarhof in der Nähe des Rodder Maars.

Für die Wanderung sind gute Wanderschuhe ausreichend. Trotz der Einkehrmöglichkeiten sollte an Wegzehrung und ausreichend Trinkvorrat gedacht werden. Bei sommerlichem Wetter an Sonnenschutz und eine Kopfbedeckung denken, da weite Strecken über offenes Land führen. Besonders Warnhinweise sind nicht notwendig, der einzige schmale Pfad befindet sich am Bausenberg; dieser kann aber umgangen werden.

Die Georoute ist nicht durchgängig gut ausgeschildert, weshalb ich für die Wanderung beispielsweise die unten aufgeführte Wegekarte empfehle, die bei Outdooractive eingebunden ist. Über den Klickpunkt “drucken” stehen Optionen zur Auswahl, wie detailliert die PDF sein soll – am besten einfach ausprobieren, herunterladen und dann entscheiden, welche Version man bevorzugt. GPS-Tracks können ebenfalls abgerufen werden. Und die Karte kann mit Hilfe des Reiters über dem Kartenbild in unterschiedlichen Ansichten (beispielsweise bei “Google Earth”) betrachtet werden.

Ich rate zudem dazu, sich die Wanderkarte “Das Brohltal” Nr. 10 des Eifelvereins anzuschaffen, die Georouten sind dort eingetragen. Wer sich für die geologischen Hintergründe des Brohltals interessiert, dem sei das Buch „Ein geologischer Führer“ von Prof. Dr. Wilhelm Meyer, das bei der Tourist-Information Brohltal bestellt werden kann.[/tip]

Da wir heute vor verschlossener Tür stehen, gehen wir auf demselben Weg wieder zurück bis zum Abzweig und folgen der Horststraße bis zur kath. Pfarrkirche St. Germanus. Die ursprüngliche Kirche wurde in der Mitte des 12. Jahrhunderts gebaut, von dieser sind die unteren Geschosse des Turmes erhalten (Wikipedia). Wir stehen vor der Kirche und lassen unseren Blick den eindrucksvollen Turm dieser dreischiffigen Basilika mit ihrem leicht eingezogenen Turm hinaufwandern. Dann wenden wir uns wieder ab und der Mittelstraße zu, der wir nach rechts folgen. Wir überqueren die Straße, um in die Kapellenstraße einzubiegen. Nun haben wir die neue Synagoge verpasst, die sich, wären wir der Mittelstraße weiterhin gefolgt, dort zur linken Hand befindet.

Die Synagoge Niederzissen.

Doch wir setzen unseren Weg zügig fort, um bald den nächsten Abzweig nach links zu nehmen. Dieser führt uns gemächlich bergan durch ein Neubaugebiet, das wir bald hinter uns lassen, um einem Wirtschaftsweg nach rechts zu folgen. Felder breiten sich links und rechts aus, und wir lassen unsere Blicke über die sanften Hügel gleiten, während uns der Weg leicht nach unten führt. Das Feuchtbiotop am Heubach lugt hinter lustigen grünen Büschen und Sträuchern hervor, und wenn wir unsere Ohren öffnen, hören wir vielleicht sogar das Quaken der Frösche oder die Laute anderen Getiers. Schon meinen wir, das uns das Herz aufgeht, doch wir wenden uns wieder ab, passieren die Sportanlagen des Ortes und erreichen über den anschließenden Arweg die K 49. Hier bleiben wir verdutzt stehen, aber es ist wahr, wir müssen am Straßenrand entlang den Hügel hinauf. Wieder ist Umsicht gefragt, doch zu unserem Glück ist die Straße wenig befahren.

Der Richtungsweiser hat sein Ziel aus den Augen verloren.

So erreichen wir unbeschadet, wenn auch etwas unruhig, die K50, der wir ungefähr 200 Meter weit folgen. Während wir zwischen der asphaltierten Straße und  dem Randstreifen hin und her wechseln, werfen wir einige kurze Blicke zur Olbrück, die von nun an unsere stete Begleiterin sein wird. Der trutzige Bergfried scheint uns zu winken und zu locken. Mit einem Lächeln auf den Lippen betrachten wir ein steinernes Kreuz am Wegesrand, um gleich darauf die Straße zu verlassen und in die Straße Burberg einzubiegen. An fröhlich sprießendem Buschwerk entlang nähern wir uns Oberzissen, gehen entlang einiger Häuser, grüßen hier und dort das gut gelaunte Landvolk und nähern uns eiligen Schrittes, denn es geht leicht bergab, dem Sauerbrunnen. Wir kosten vom köstlichen Nass und erfrischen uns, benetzen unsere Gesichter und nicken uns gut gelaunt zu. Ja, wir haben es geschafft, die ersten 2 von 23 Kilometern liegen hinter uns.

Wohl erfrischt geht es nun weiter. Die Straße, die nun treffend Sauerbrunnen heißt, führt uns in einen lichten Wald, der hier aus Mischbäumen besteht. Rechts von uns gluckert fröhlich der Brenkback. Unter dem dichten Blätterdach, das uns Schutz vor der Sonne gibt, die sich heute nicht so recht ans Tageslicht traut, wandern wir über einen fleißig ausgetretenen, schlammigen Weg bis zu einer großen Wiese, die wir umrunden. Eine Brücke hilft uns über den Brenkbac. Wir gehen ohne Eile bergauf und lassen den Brenkbach für heute hinter uns. Nun verlassen wir den hübschen Mischwald, um vor uns die ehernen Schienen der Brohltalbahn zu sehen. Wir wenden uns nach rechts, obwohl kein Hinweisschild uns darauf hinweist. Doch zum Glück tragen wir eine Wanderkarte im Rucksack, die wir zu Rate ziehen.

Bald gibt uns ein Bahnübergang die Möglichkeit, die Seite zu wechseln, was wir auch tun. Nun wenden wir uns nach links, obwohl kein Hinweisschild uns darauf hinweist. Aber auch hier haben wir Glück, denn wir tragen noch immer eine Wanderkarte im Rucksack, die wir ein weiteres Mal zu Rate ziehen.

Der Experte für Outdoor und Touren____________________________________________________________________________________________________

Stopp!

Liebe Leute, so kann ich nicht arbeiten. Ach, was heißt arbeiten, so kann ich nicht schreiben. Aber manchmal denke ich halt doch: »Sülze ich zu viel?«

Ich?

Sülzefreie Wanderberichte sind kompakt und auf das Wesentliche reduziert. Wenn dem so ist, ja, dann sülze ich. Und ich bin froh darüber. Denn täte ich nicht sülzen, machte mir das Schreiben hier keinen Spaß. Natürlich weiß ich, wie riskant die Sache ist, nicht jeder mag meinen Schreibstil, nicht jeder mag den ausgeschmückten Rahmen um die Wegebeschreibungen. Manche antworten ja auch beim Metzger auf die höflich gestellte Frage: »Darf’s ein wenig mehr sein?« mit einem harschen: »Nein!«

Und deshalb sollte heute der Tag sein, an dem ich nicht sülze. Ich wollte einen Wanderbericht schreiben, wie er im Buche steht, mit diszipliniert klaren Sätzen und ohne viel Gerede drumherum. Ich wollte also auch den sülzeverachtenden Leser mit auf eine Wanderung nehmen, die frei ist von Blabla und Gelaber.

Sülzkraut.

Jetzt aber mal ernsthaft! Ich kann das nicht.

Und daher Schluss mit dem Quatsch, es wird gesülzt, dass die Schwarte kracht. Wem es nicht gefällt, liest halt einfach weg.

Also weiter im Text. Und Butter bei die Fische.

Das mit der Wanderkarte stimmt ja. Aber ganz so lustig war das nicht. Ich bin genau diese Route im vergangenen Jahr bereits gegangen. Und hab mich genau da, ja, an der Stelle (Bahnübergang – rechts – links) dermaßen tierisch geärgert, dass mich die Besucher auf dem Bergfried (sh.: Olbrück) haben brüllen hören. Und kurz darauf flutschte mir noch die Wanderkarte aus der Seitentasche, was ich – logisch – erst Hunderte Meter später bemerkte. Die Besucher der Olbrück schreckten garantiert ein zweites Mal auf.

Ich mache mal einen netten Vorschlag, wirklich lieb gemeint: Werte Mitarbeiter der Tourist-Information, stattet einen Mann oder eine Frau mit einem guten Dutzend Wegeschilder, einem Hammer und geeigneten Nägeln aus und schickt ihn los. 23 Kilometer weit. Aber nicht allein! Gebt ihm eine Wanderin/einen Wanderer an die Seite, die/der diese Georoute noch nie gegangen ist, und schaut dann, an welchen Stellen sie/er verdutzt stehen bleibt. Dort, wo das der Fall ist, haut ein Wegeschild an einen Baum/einen Pfahl/ein Haus, und seht bitte zu, dass die Richtungspfeile auch in eine gangbare Richtung zeigen. Nach »unten« ist – in aller Regel – keine Wanderrichtung.

Das musste raus, auch wenn jetzt Menschen mit den Zähnen knirschen. Das wäre gut, denn ich – und auch KD – knirschten einige Male. Und bei 23 Kilometern Wegestrecke ist Zähneknirschen das, was ich am wenigsten gern mache. Hat auch nichts mit verwöhnt sein durch Traumpfade- und -schleifen zu tun, sondern mit einer zeitgemäßen Beschilderung eines Wanderweges.

Glück gehabt, in diesem Jahr sind die Wege am Brenkbach passierbar.

Genug gemeckert, jetzt geht es wieder voran. Denn während das zurückliegende Stück Wanderweg so lala ist – ich denke nur an den matschigen Weg am Brenkbach vorbei, den ich im letzten Jahr noch schlimmer erlebte, denn da trieben offenbar die Leute von der Shiloh Ranch ihre Pferdchen durchs Geläuf -, kommen jetzt die Zuckerstückchen.

Aber bevor die Leckerli auf KD und mich warten – Schlendererleser werden den Wink mit dem Zaunpfahl verstehen -, hat der Herr über die Schokoriegel den Anstieg gelegt, also vor dem Süßen kommt erst der Biss in den sauren Apfel. 150 Höhenmeter hoch vom Quakenbachtal hinauf zur Olbrück. Über pflaumig-weiche Wiesenwege, die das Hinaufsteigen auch nicht leichter machen, hinein nach Hain, dem kleinen Flecken, dessen Häuser sich wie eine Halskrause um den Burgberg drapieren. Den Ort lassen wir verhältnismäßig rasch hinter uns – die Rast ruft, und das lässt die Beine im schnellen Takt auf den Asphalt hämmern.

Gleich geht’s nochmal abwärts, bevor es aufwärts geht zur Olbrück.

Nach dem ersten Burgtor lockt gleich ein Kinderspielplatz. Der ist eigentlich nicht für uns gedacht, doch heute ist dies (anders als noch im letzten Jahr, als ich bei sonnigem Wetter ankam) eine kinderfreie Zone. Wir fallen nicht auf, als wir auf der Bank und am Tisch niedersinken. Eine Runde Snickers und allerlei Gesundes später legen wir die letzten Höhenmeter zurück, drücken bereitwillig und geradezu gern unseren Obolus der fröhlich grinsenden Schankmaid in die Hände (bei wenig Besucherandrang zahlt man in der angeschlossenen Wirtsstube) und betreten endlich das Burggelände der Olbrück.

Kräutergärtchen mit … Kräutern. Ach.

Am Kräutergärtchen vorbei nähern wir uns dem Bergfried. Auch wenn ich kein Kräuterkundiger bin, so denke ich, dass der Garten auf jeden Fall eine Erwähnung wert ist. Die Pflanzen blühen und gedeihen kräftig, kleine Tafeln geben Aufschluss über die Namen der Pflanzen.

Uns aber reizt der Bergfried viel mehr, vielmehr der Ausblick von dort oben. Durch ein weiteres Tor betreten wir den inneren Kern der Burg; die Gebäude wurden saniert, und wenn auch nur noch die Reste nach der langen Burggeschichte vorhanden sind (sie soll um 1050 errichtet worden sein), so sind die Wohn- und Wirtschaftsgebäude doch sauber herausgeputzt und das Gelände liebevoll hergerichtet. Seit 2010 sorgt sich auch ein Förderverein um die Olbrück. Das Ergebnis der vorhergehenden Arbeiten und das Wirken des Fördervereins lässt die Ruine wie ein kleines Schmuckstück glänzen. Zudem finden beispielsweise Lesungen, Musikveranstaltungen oder das Mittelalterliche Spektakulum auf der Burg statt. Ein kurzes Video gibt es beim Rhein-Eifel.TV.

Hingucken – der Kölner Dom ist gut sichtbar!

Naja, klein ist untertrieben, denn so mächtig, wie der Bergfried schon aus der Ferne wirkt, so gewaltig baut er sich jetzt vor uns auf. 34 Meter reckt er sich empor. Über eine enge Wendeltreppe steigen wir hinauf und schauen in jedem Geschoss in die Kammern, von denen eine auch für Hochzeiten vorgesehen ist (weshalb mein letzter Aufstieg mit  mittelalterlicher Musik begleitet wurde, da gerade eine Hochzeit stattfand).

Oben dann wird jede Mühsal mit Heller und Pfennig zurückgezahlt. Die Aussicht ist großartig, wenn auch heute gemindert durch die tiefhängenden Wolken. Doch an guten Tagen, so sagt man, könne man den Kölner Dom sehen. Ich bin ein gutgläubiger Mensch und nehme das einmal so an. Selbst für den Fall, dies träfe nicht zu, können KD und ich uns vom steten Schauen kaum lösen, mehr Panorama geht in dieser Region wohl nicht.

Irgendwann haben wir zwei genug vom Wind, der uns um die Ohren pfeift, und den Ausblicken, und steigen hinunter, schauen noch in diese und jene finstere Ecke der Gemäuer, entdecken indes nichts mehr außer dem Staub der Jahrhunderte, bevor wir uns von der Olbrück losreißen.

Vorsorge war schon im Mittelalter wichtig.

Den Ort Hain lassen wir dann zügig hinter uns. Wie das, denn eigentlich sieht die Georoute noch eine Runde um den Burgberg vor? Mein Tipp: Tut es nicht. Ich bin im vergangenen Jahr brav nach Plan um den Burgberg gekurvt, rundherum durch den schattigen Wald, der so schattig ist, dass ich weder die Burg noch irgendetwas anderes außer Bäumen gesehen habe. Spart euch die Meter, wartet lieber einige Lesezeilen lang, bis ich euch eine andere Möglichkeit aufzeige, wie ihr die hier verlorenen Wandermeter viel besser investieren könnt.

Abwechselnd geht es bald über Wirtschaftswege und Straßen bis nach Niederdürenbach, wo wir dem Brohlbach und dem, ach!, Dürenbach begegnen. Ob ich zu Niederdürenbach etwas erzählen sollte? Ich weiß es nicht. Und weil ich’s nicht weiß, lasse ich es lieber ganz, erzähle besser vom folgenden erstaunlichen Wiesenweg, der unsere teergepeinigten Füße umschmeichelt. Erstaunlich deshalb, weil es wild wuchert, während gleich daneben der Golfplatzrasen sein zurechtgestutztes Dasein fristen muss.

Das Wegestück bis Oberdürenbach ist wenig spektakulär, aber genau richtig nach dem vergangenen Höhepunkt. Solche »Zwischenstücke« passen natürlich gut, um das zuvor Gesehene sacken zu lassen. Oder, wie KD und ich das meistens machen, einfach zu schwafeln. Unsere nächste Station ist der Königssee, der aus einem alten Basaltsteinbruch entstand. Kurz vor Oberdürenbach knickt der Weg ab, steigt nun einige Wanderminuten leicht bergauf, umrundet das den Königssee ummantelnde Wäldchen und schlüpft dann zwischen Bäumen zum See.

Aber halt, was ist das? Neben einigen anderen Warnhinweisen steht darunter ein dickes »Betreten verboten«. Wie jetzt, der Königssee ist zu? War er im letzten Jahr nicht. Und siehe da, auf dem Vollpfosten ist auch das Markierungsschild der Georoute M entfernt worden. »Der Eigentümer«, wie kryptisch daruntersteht, mag uns also nicht.

Jetzt gibt es ja zwei Optionen. 1. Ich betrete das Gelände nicht. 2. Ich betrete das Gelände. So einfach ist das. Der kluge Wanderer macht aber, bevor er eine Entscheidung trifft, zwei Dinge. Höre ich etwas? Sehe ich etwas? Das erleichtert die Entscheidung.

Und außerdem: Wie soll ein Wanderer die wunderbare Schautafel sehen, die direkt am Königssee postiert wurde und alles Wissenswerte zu dem Gewässer auftischt?

Der unzugängliche Königssee.

Die Schautafeln gehören, und das ist jetzt wichtig, unverzichtbar zu dieser Georoute. Sie erläutern einzelne Aspekte der jeweiligen Örtlichkeit; hier beispielsweise, wie der Königssee entstand und was es mit dem Basaltabbau auf sich hat. Letztes Jahr noch waren einige Schautafeln in einem schauerlichen Zustand; eine fehlte vollständig, eine andere lag ramponiert auf der Erde. Bei unserer heutigen Tour jedoch sind alle in einem erstklassigen Zustand. Offensichtlich wurden sie erst vor kurzer Zeit komplett wiederhergerichtet: Die Metallrahmen sind gestrichen, die Schautafeln unversehrt. Das ist großartig, und darüber bin ich wirklich froh, denn sie bereichern gerade diesen Wanderweg.

Im Grunde sind Verbotsschilder mit einem »Betreten verboten« »Nutzlosigkeitsschilder. Darüber sprachen wir mit einer vierköpfigen Wandergruppe, die kurz nach uns am Königssee eintraf, um ebenfalls den stillen Ort zu bewundern. Auch sie hatten die richtige Entscheidung getroffen. Diese ominösen Eigentümer wissen natürlich, dass sich kaum einer an die Warnung hält (jedenfalls solange keine beißwütigen Riesenhunde ums Areal scharwenzeln), dafür haben sie sich im Zweifelsfalle (der Wanderer ertrinkt beim Baden oder, wahrscheinlicher, der See entpuppt sich als Vulkan und explodiert grad jetzt – beachte hierzu unbedingt meine Anmerkungen beim Traumpfad Pellenzer Seepfad!) das Recht auf ihrer Seite.

Ich kann unter diesen Umständen natürlich niemandem empfehlen, dem Königssee nahe zu treten. Treffe bitte jeder seine individuelle Entscheidung. Es gibt zwei Optionen. KD und ich hatten im Grunde keine Wahl. Wir sind halt so.

Eine andere Wahl folgt gleich darauf. Es geht an Wiesen und Feldern und Wäldchen vorbei, die Olbrück weicht uns nicht aus den Augen, der Weg läuft ebenerdig weiter, bis nach einiger Zeit das Rodder Maar auftaucht. Und hier investieren wir einige zusätzliche Meter und Minuten, denn anders als der originale Georoutenplan schlagen wir uns nach links, weichen also vom breiten Gehweg ab und suchen unser Wohl auf einem schmalen Wiesenpfad (wer den verpasst, grämt sich nicht, denn kurz darauf erreicht er eine Kreuzung, wo er nicht geradeaus geht wie vorgesehen, sondern sich nach links wendet und so auch den Uferweg erreicht).

[tip]KurzInfo! Die eigentlich vorgegeben Route M der Tourist-Information Brohltal unterscheidet sich in zwei Punkten von der, die KD und ich gingen: Die Runde um den Burgberg und der fehlender Abstecher zum Rodder Maar. Wer diese Wegekarte herunterlädt, kann die originale Georoute M also nachwandern. Neben der Georoute M gibt es vier weitere Georouten. Von der Route O – Oberes Brohltal: Tuffsteinweg habe ich in einem weiteren Wanderbericht erzählt.

Über Outdooractive habe ich eine verkürzte Strecke mit der Olbrück, dem Königssee und dem Rodder Maar ausgearbeitet (circa 16 Kilometer lang); Petra sind 23 Kilometer zu viel. Wir werden die Strecke wandern und berichten. Was dann aus dem Bausenberg wird? Na, der wird unser Fernbleiben verschmerzen.[/tip]

Heute haben wir das Rodder Maar (fast) für uns allein.

Wir wandern im Uhrzeiger um das Rodder Maar. Keine Ahnung, was den Wegegestalter da geritten hat, diese Runde ums Maar außen vor zu lassen. Wer auf meinen und nicht seinen Spuren wandelt, wird begeistert sein. KD und ich pflanzen uns auf einer der vielen Bänke nieder, sättigen uns und schauen einfach, hören das Geschrei der zahlreichen Vögel und das Gequake von Kröten oder Fröschen im Schilf. Wer sich hier keine Ruhepause gönnt, ist selbst schuld. Wir schließen den Maarbesuch mit einem gelassenen Rundgang ab.

Das Rooder Maar.

Die folgende Zwischenstation machen wir am Marienköpfchen. Die Schutzhütte gehört dem Eifelverein Niederzissen. Wer jetzt eine Rast nötig hat, kann sich auf einer der zahlreichen Bänke niederlassen, seine Brotzeit auf dem Tisch ausbreiten und alles mit  einem umwerfenden Blick über das Brohltal und – natürlich! – auf die Olbrück genießen.

Flora ohne Fauna am Bausenberg, dazu eine der vorzüglichen Hinweistafeln.

Auch diesen flüchtigen Abstecher bereuen wir also nicht. Trotzdem machen wir uns bald wieder auf, denn der letzte Höhepunkt unserer Wandertour steht an: der Bausenberg. Der Bausenberg ist wohl der besterhaltene Schlackenvulkan (Typ Stromboli) mit Hufeisenkrater. Die Flora und Fauna ist bemerkenswert, wie ich nachlese. Von der Fauna sehen wir nicht viel, selbst die Ziegenherde, die ich im letzten Jahr und am heutigen Morgen noch im steilen Hang sah, ist bereits wieder in die heimischen Ställe gebracht worden. Aber die Felsen sind markant; speziell die Georoute M führt eng an der Innenseite des Vulkankegels entlang und zeigt die Schlackeformationen und die Pflanzenvielfalt, die sich dort entwickelt hat.

Da kamen wir her, da fahren wir hin: die A 61 direkt am Bausenberg.

Mit diesem letzten Anstieg neigt sich unsere Wandertour auch dem Ende entgegen. Die letzten Meter lassen wir es ausrollen. Fast flanieren wir bis hinunter nach Niederzissen. Am Bahnhof beschließen wir unsere Wanderung. Gemeinsam kamen wir an, gemeinsam wanderten wir, gemeinsam fahren wir heim.

Bei der Wanderung und im Nachgang besprach ich mich mit KD, was er von dem Wanderweg hält. Wir beide kamen zu einer gemischten Einschätzung. Knapp 8 Kilometer sind lt. Auswertung von Outdooractive Asphalt und Schotter. Das ist nicht wenig, und besonders das letzte Stück bis zum Einstieg in den Bausenberg mit seinem rolligen Schotter stieß uns sauer auf.

Vier Ortschaften durchquerten wir, was einerseits malerisch sein kann, wenn der jeweilige Ort ein besonderes Ambiente verströmt, andererseits die Stimmung dämpfen kann, sobald ein solcher Ort wenig fürs Auge hergibt.

Dagegen kann die Georoute M anderes in die Waagschale werfen. Die geologischen Besonderheiten der Region werden in den Fokus gestellt und durch die Schautafeln gut herausgearbeitet. Ein »geologischer Führer« vertieft dieses Basiswissen noch (wir haben es deshalb bereits vor einigen Jahren gekauft, doch es hat natürlich nichts an seiner Aktualität verloren). Der Höhepunkt ist für mich die Olbrück; unabhängig von dieser Wanderung ist sie immer einen Besuch wert. Das Rodder Maar besuchten Petra und ich viele Jahre über immer wieder, bis wir genug hatten. Es war schön, das Maar in diesem Jahr wieder umwandert zu haben (letztes Jahr habe ich mich an den Wegeplan der Georoute gehalten, was, ehrlich gesagt, ja völliger Quatsch ist). Der Königssee liegt so verwunschen zwischen den dicht bewachsenen Basalthängen, dass man ihn nicht verpassen sollte. Der Bausenberg verleiht der Wanderung einen schönen Abschluss, wer geologisch interessiert ist, wird begeistert sein.

Burgpanoramaweg

[Die Galerie zeigt weitere Impressionen vom Burgpanoramaweg. Die Galerie lässt sich mit den beiden Buttons unten rechts “bedienen”. SL – der linke Button – löst eine Slideshow aus, mit FS – der rechte Button – wechselt man in den Vollbildmodus. Für die richtige Anzeige der Galerie ist der Flash Player von Adobe notwendig.]

Schlenderer

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... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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2 Responses

  1. Heike Werf

    Lieber Schlenderer,

    mit Interesse haben wir Ihren ausführlichen Bericht über die Wanderung auf unserer Geopfad Route M gelesen. Gerne nehmen wir Ihre Anregungen auf, und werden mit einem Vulkanparkführer den Weg ablaufen um die Beschilderung zu verbessern bzw. abhanden gekommene Schilder wieder anzubringen.
    Um den Service für unsere Gäste stetig zu verbessern sind wir für Kritik bzw. Anregungen sehr dankbar.

    Herzliche Grüße aus dem Brohltal
    Heike Werf

    Antworten
    • Georg

      Ich danke Ihnen für die freundliche Resonanz! Und weil uns die Geopfade – trotz der Kritik – so gut gefallen, wanderten wir in der vergangenen Woche auf der Georoute V; der Bericht folgt bald.

      Antworten

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