Petra und ich sind ja gut befreundet mit den kurzen Wanderwegen gleich um die Ecke. Spontane Entscheidung. Kurzer Anfahrtsweg. Ungehemmtes Loswandern. Gerade im Winter, wenn der Kamin im Wohnzimmer vor sich hin feuert, fallen uns ja tausend gute Gründe ein, warum es heute ganz und gar nicht geht, das Wandern. Aber dann packt uns doch der Rappel, schon alleine, weil der Winter nicht nur das lustig lodernde Kaminfeuerchen zu bieten hat. Irgendwie fällt uns öfter mal die Decke auf den Kopf, so ganz ohne das Luft schöpfen im Garten oder, wenn es etwas mehr sein soll, im Wald.

Bevor dann wirklich etwas Unerfreuliches wie Decken fallen, verlassen wir also lieber fluchtartig das Haus. Kurven beispielsweise nach Ehlscheid. Das ist mehr oder minder nur den Hang hinauf, sprich: rauf in den unteren Westerwald. Und dort liegen viele kurze Wanderwege und schlafen vor sich hin. Sie sind natürlich nicht so bekannt wie die „Traumpfade“ und die „Traumschleifen“. Was einen Vorteil hat: Sie sind nicht überlaufen. Im Winter sowieso nicht. Bei Schnee und Kälte erst recht nicht.

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KurzInfo! Der Wanderweg “Zum Forsthaus Gommerscheid” führt über 5,6 Kilometer bei 278 Höhenmetern von Ehlscheid aus großteils durch Mischwald. Für die Wanderung ist gutes Schuhwerk ausreichend, die Wege sind befestigt. Die Beschilderung ist gut (abgesehen von einer zum Zeitpunkt der Wanderung bestehenden Umleitung an einer Brücke nach dem Forsthaus, die aber über einen kurzen Umweg gemeistert werden kann), unterwegs laden einige Sitzgelegenheiten zum Verweilen oder Ausruhen ein. Eine Wanderkarte kann direkt als PDF heruntergeladen werden; sie sollte zur Orientierung ausreichen. Die GPS-Daten stehen ebenfalls zur Verfügung. Die Verbandsgemeinde Rengsdorf bietet auch eine Wanderkarte im Maßstab 1:15.000 an, die direkt bei der Tourist-Info gekauft werden kann.

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Wegen der Kälte werden die Häuser im Westerwald ab sofort mit einem wärmenden Glasmäntelchen umgeben, quasi einer Wohlfühlhaut.

Wir parken auf dem großen freien Platz gleich am Ortseingang (wenn man, wie sicher die meisten, von Rengsdorf aus den Ort anfährt), also an einer anderen als der vorgebenen Stelle. Das erschien uns praktikabler, denn die wenigen Schritte durch den Kurpark sind schnell gemacht. Wer den „Klosterweg“ bereits gegangen ist, wird sich nun für ein gutes Stück auf dem selben Weg wiederfinden. So verlassen wir also auch Ehlscheid, sind jetzt auf der Höhe, wo der Wind uns recht kalt um die Ohren pfeift – aber nicht allzu lange, weil wir bald bereits das Wildgatter erreichen. Rüber über das Brückchen ins Gatter, und weiter auf dem verschneiten, ein wenig abschüssigen Weg, der quer durch den Wald führt. Tiere sehen wir keine, doch kommen wir an etlichen Futterstellen vorbei. Die Tiere haben Glück und können ihr Futter behalten, denn wie immer bewahre ich in meinem Rucksack das auf, was auch jeder Hobbit für eine kleine Reise braucht: Nahrung. Ohne Fressalien gehe ich nicht aus dem Haus, vielleicht ein Hinweis darauf, dass ich in einem früheren Leben sehr gehungert haben muss.

Typischer Winterwald in der Nähe Neuwieds: Zum Ski fahren zu wenig Schnee, zum Grillen zu viel Schnee.

Der Schnee liegt nicht allzu hoch, für unsere Gegend ist das nicht weiter erstaunlich, denn seit vielen Jahren werden wir nicht unbedingt mit Schnee verwöhnt. Gut, andere beneiden uns vermutlich um die geringen Schneemengen, beim Wandern im Winter habe ich aber gern etwas Weiches, Weißes unter den Füßen. Aber selbst wenig Schnee verändert die Landschaft, taucht sie in sein weißes Gewand, das dem Auge gleich viel gefälliger erscheint als verwelktes bräunliches Laub und graue Erde.

Ein Häuschen steht im Walde …

Kaum ein Lüftchen ist zu spüren, sodass auch die Kälte uns nicht anhaben kann. Der Weg, das gebe ich zu, ist nicht aufregend und verlockt auch nicht dazu, hier und mit einem Ausruf der Erstaunens stehen zu bleiben. Uns stört das nicht, denn wir wollten raus in die Natur, uns dabei unterhalten, ohne dass ein Telefon mit seinem Klingeln stört oder das mutmaßlich schlechte Gewissen, das mit kleinen Hinweisen auf nicht erledigte Hausarbeit auf sich aufmerksam machen will. Es mag abgedroschen klingen, unwahr wird es dadurch aber auch nicht: Wir schalten vom Alltag ab. Nur kurze Zeit, denn am Ende werden wir erkennen, nicht mehr als 2 Stunden unterwegs gewesen zu sein, aber es genügt uns.

Das Forsthaus Gommerscheid, davor die … tja, da hat der Fotograf vergessen, Tisch und Bänke ins Foto zu rücken.

Nach einigem Hin und Her auf dem gut ausgeschilderten Weg und einem durchaus gemächlichen, lang gestreckten Anstieg, der auch den Blick auf Taleinschnitte freigibt, nähern wir uns dem Forsthaus, das dem Wanderweg seinen Namen zur Verfügung stellte. Im Winter rastet es im Freien natürlich suboptimal, um nicht zu sagen: Wer sich setzt, friert sich den Arsch ab. Aber wir funktionieren Bänke und Tisch zu einem Steh- und Teecafè um, denn ein heißes Getränk hat bei der Kälte noch niemandem geschadet.

Wohl dem, der eine Wanderkarte bei der Hand hat – die anderen werden sich verlaufen und erfrieren, verhungern und verdursten.

Das Forsthaus lassen wir rechts liegen, wandern nun weiter auf einem breiteren Fahrweg, der von einem sich wieder selbstschließenden Metalltor unterbrochenen wird – hier verlassen wir das Wildgatter. Ein kleiner Umweg bringt uns einige Meter mehr als geplant, wir treten auch endgültig aus dem Wald hinaus und sehen wieder Felder und Wiesen oder das, was uns der Winter davon erkennen lässt. Noch einmal geht es hoch und dann wieder runter, wobei wir Ehlscheid nun schon vor Augen haben.

Zielwanderung.

Wir durchqueren den Ort diesmal aus einer anderen Richtung und sind innerhalb kürzester Zeit wieder am Wagen. Was wir jetzt tun, ist nicht weiter überraschend. Wir steigen ein und fahren heim.

“… wie jede freilebende Kreatur unberechenbar.” Kurz fragte ich mich, ob sie von mir sprechen.

Ich bin mir sicher, dieser kurze Weg belohnt auch im Frühjahr oder Sommer (oder Herbst, um keine Jahreszeit zu vergessen) den Wanderer. Es ist nicht spektakulär, aber eine kurzweilige Wanderstrecke, die rauf und runter, durch Wald und über Wiesen und Felder führt. Also eine angenehme Mischung für 1 ½ bis 2 Stunden Natur Pur für Wanderwillige mit kurzer Anreise. Dafür gibt es kein „Premium“ und kein „Prädikat“ von Wanderexperten oder einem Wanderinstitut aufs Wegeschild, aber von mir für diejenigen ein dickes: Geht diesen Weg!

Zum Forsthaus Gommerscheid

[Die Galerie zeigt weitere Impressionen des Wanderwegs “Zum Forsthaus Gommerscheid”. Die Galerie lässt sich mit den beiden Buttons unten rechts “bedienen”. SL – der linke Button – löst eine Slideshow aus, mit FS – der rechte Button – wechselt man in den Vollbildmodus. Für die richtige Anzeige der Galerie ist der Flash Player von Adobe notwendig.]

 

Schlenderer

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... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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5 Responses

  1. Angelika

    ja das kenn ich auch – nur mal kurz raus und dann doch 2 Std in der näheren Umgebung unterwegs weils einfach nur schön draussen ist – allerdings vergesse ich immer dann meinen Rucksack oder ein Vesper :-) – ein klares Zeichen ich habe im früheren Leben auch schon immer gut gelebt und gern gegessen – da kann ich jetzt noch von zehren :-))

    liebe Grüsse Angelika

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    • Georg

      Der Rucksack muss bei mir sein, ohne Rucksack bin ich kein Mensch – oder zumindest kein Wanderer. ;-)

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  2. Arno

    Angenehm kurzweilig zu lesen und schöne Fotos aus dem Westerwald.
    Wenn die Sonne sich dieses Jahr nicht so rar machen würde, wären dass auf so einer Wanderung natürlich zusätzliche Streicheleinheiten für die Seele.

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  3. Frank

    vom Alltag abschalten und Natur genießen, das ist auch für mich was ganz besonderers worauf ich nicht verzichten möchten.
    Und dann noch so tolle Bilder gemacht, danke fürs teilhaben.

    liebe Grüße
    Frank

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    • Georg

      Manchmal genügt fürs Abschalten schon eine im wahrsten Sinne gute Stunde. Und die Natur genießen lässt sich ja sogar in noch kürzerer Zeit.

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