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Jetzt ist es aber echt an der Zeit!

Wir wanderten schon im Süden Deutschlands und im Norden, und im Westen sowieso, denn dort leben wir. Nur im Osten, stelle ich verwundert fest, wanderten wir noch nie.

Der Rauenstein ruft

Zeit also, unsere Wanderschuhe einzupacken, die Pferde zu satteln und uns gen Osten auf den Weg zu machen. Gerne nahmen wir deshalb die Einladung des Hotels Elbresidenz an der Therme Bad Schandau zu einem viertägigen Aufenthalt an.

Gut, die Pferde haben etwas mehr Stärke als gewöhnliche Vierbeiner, dafür sitzen wir in unserem Yaris (ein seltsamer Name für ein wahrlich seltsames Pferd aus fernen Landen) auf der Langstrecke ungemütlicher als dazumal John Wayne bei »Stagecoach« im Kutschkasten. Doch während wir nach der kurzen autobahn-freien Episode zwischen Limburg und Gießen wieder mit 100 Sachen über die Autobahn rasen, lustwandeln links von uns die Indianer auf zwei Spuren westwärts. So viele, dass sie meilenweit auflaufen.

Staufrei trudeln wir südlich von Dresden runter von der Autobahn, umschiffen die offenkundig malerische Innenstadt von Pirna und lassen die Zügel mal richtig los, um die letzte Wegstrecke ins Elbsandsteingebirge zu meistern. Das Hotel wartet auf uns!

Doch halt, denn ist es wirklich schon so spät? Iwo, ein bisschen Zeit bleibt immer, besonders wenn wie uns die Landschaft schier ins Auge springt mit ihren Besonderheiten. Beispielsweise den Tafelbergen. Oder der Festung Königstein. Oder der Elbe. Oder den Sandsteinfelsen. Oder …

Das letzte »oder« hören wir nicht mehr, denn wir reißen unseren Rappen herum und galoppieren hinab nach Weißig, einem klitzekleinen Flecken knapp neben der Elbe und sehr knapp neben dem Rauenstein. So richtig was gehört haben wir vom Rauenstein noch nichts, obwohl wir uns vor der Reise über die Sächsische Schweiz informiert haben. Aber was sind Prospekte gegen eigene Erfahrungen aus quasi allererster Hand?

Wir steuern also den erstbesten Parkplatz am Ende des Fleckens an (es gibt noch einen allererstbesten Parkplatz mitten im Ort, der kostenfreies Parken gewährt, was uns aber erst auf der Rückfahrt klar wird), berappen 3 Euro für ganztägiges Parken und machen uns auf die geplant einstündige kurze Spazierwanderung hinauf zum Rauenstein.

Unsere erste Wanderung im Osten! Kurz, aber klasse. Der richtige Einstieg in die beiden kommenden Tage. Der Rauenstein ist 303,7 – 304 Meter hoch (ich werde später nochmals auf die Seite Kartographischer Verlag Dr. Rolf Böhm hinweisen, Dr. Rolf Böhm führt dort unter vielen weiteren Informationen auch eine Liste der höchsten Berge mit den unterschiedlichen bekannten Höhen), ein Tafelberg in der Elbschleife bei Rathen (oder bei Weißig …), und früher auch Sitz einer Burgwarte und heute mit einer Berggaststätte ausgestattet. An Nord- und Ostseite des 600 Meter langen und 200 Meter breiten Rauensteins finden sich acht Klettergipfel, die »Nonne« ist der bekannteste.

Der Berg ruft – aber nur mich!

Nun verbergen einige dieser Angaben so viele Details, die Petra einen immer skeptischeren Blick abnötigen, dass sich bald schon unsere Wege trennen. Wir nähern uns dem Berg von Süden, stehen dann kurz vor einer Weggabelung, gucken hoch hinauf. Noch etwas höher hinauf. Und lassen dann die Augen schwenken auf einen mutmaßlich steilen Pfad in den Hang hinein. Die Berggaststätte übrigens sehen wir von unten auch, hoch droben, daneben die üblichen H0-Figürlein von der Modell-Eisenbahn, stecknadelgroß, aber offensichtlich lebendig, denn da winkt doch wer hoch droben.

Auf den Punkt gebracht: Petra hat eine sehr ausgeprägte Höhenangst. Wie stark, führe ich nicht weiter aus, aber steile Pfade sind tabu, Stiegen gleichermaßen, und so weiter. Wir also rum um den Berg im seichten Gelände, hineingeschlüpft ins Wäldchen, das sich hinauf streckt in die Wand. Die weich modellierten Felsen am Berg kleben wie hingeworfen von riesigen Gestalten, die im Winter wohl Schneeball spielten, im Sommer dann aber in Ermangelung des kalten Zeugs kurzerhand Felsball. Das sieht schonmal gut aus, und wird noch guter, als ich mich – wie gesagt – von Petra trenne. Sie hockt sich hin an einer Weggabelung und ermahnt mich noch, nur schön auf mich aufzupassen. Ich habe doch den Autoschlüssel bei mir.

Ja, es ist halt immer klug, etwas in der Hinterhand zu haben. So ausgerüstet also steige ich hinan, Kurven und Kehren aufwärts, und lande schon nach kurzer Zeit mitten im Sandsteinmassiv mit Stahlbrückchen und stabilen Treppen und Geländern, die mich rechts und links absichern und mir ein gutes Gewissen verschaffen.

Denn was sollte ich Petra sagen, wenn es wirklich haarig geworden wäre? Dürfte ich dann noch am nächsten Tag und am übernächsten allein oder überhaupt in den Felsen wandern? Doch auf dem Rauenstein fühle ich mich bei jedem meiner Schritte gut aufgehoben. Natürlich, gucken musste schon, wo du hintrittst, steil hinab geht es hier und da trotz Absicherungen immer mal, und frag nicht wie. Aber selbst in der Stadt kann bei grüner Fußgängerampel der erste Schritt auf die Fahrbahn dein letzter gewesen sein, wenn dich ein Rotraser auf die Kühlerhaube nagelt.

Zudem bin ich ja nicht allein. Mutter, Vater, Kinder, Opa und Oma sind unterwegs. Der Weg ist nicht überlaufen, aber gut besucht, und allerhand lustiges Völkchen aus aller Herren Länder ist heute (und auch an den folgenden Tagen) unterwegs. Spannend für mich ist immer der Blick aufs Schuhwerk. Denn trägt der Vater Wanderschuhe, dann tragen seine »Kiddies« Sportschuhe. Trägt der Vater Sportschuhe, dann schlubbern die Kinder-Füßchen in Sandalen. Und trägt der Vater Sandalen – ach, lieber nicht drüber nachdenken.

Sind so schöne Sichten!

Beim Wandern gibt es für mich also immer was zu gucken. Doch viel aufregender als die Schuhinspektionen ist doch das, was sich oberhalb der Gürtellinie tut, also so auf Augenhöhe. Und die wandern – manchmal ganz von selbst, dann von mir willentlich gesteuert – rings umher. Zwar schaffe ich es nicht bis zur Berggaststätte (wir erinnern uns, Petra war bis zur Weggabelung an meiner Seite, harrt jetzt aber gottverlassen allein im Wald auf meine Rückkehr), denn die Zeit verrinnt wie der bröselige Sandstein unter meinen Füßen, aber eine Handvoll Aussichten geht beim Wandern ja immer. Die Basteibrücke sehe ich, und auch die wuchtigen gastronomischen Einrichtungen links davon und die ehemaligen Sandsteinbrüche, die hell im Sonnenlicht gleißen.

 

[Die obige Wanderkarte bei Outdooractive zeigt unsere Tour zum Rauenstein.]


Eigentlich müsste ich jetzt zurück, längst schon. Doch ich schöpfe mal richtig tief Luft. Tut gut nach fast sechs Stunden Autofahrt im ächzenden Sattel, den Blick pausenlos auf flirrenden Asphalt gerichtet und auf Autoblech und laufend eine Art von nachgemachter frischer Luft aus der Primaklimaanlage eingeatmet. Wenn Luft schon aus einer »Anlage« kommt, kann’s ja kaum natürlich sein. Ob die Luft hier oben, auf fast 303,7 bis 304 Meter Höhe, rein und sauber ist? Keinen blassen Schimmer, aber sie schmeckt nach Elbsandsteingebirge. Sie macht mir Lust auf mehr davon.

… und doch steige ich mit dem klimpernden Autoschlüssel hinunter, nehme Petra in die Arme. Gemeinsam spazieren wir denselben Weg zurück zur Blechkutsche, den wir gekommen sind.

Von Weißig nach Bad Schandau ist’s ein Katzensprung, der uns an der Festung Königstein vorbeiführt, eine der größten Bergfestungen Europas. Ob wir uns das gewaltige Konstrukt hoch oben auf dem Felsplateau an einem der beiden nächsten Tage wie eine halbe Million andere Menschen im Jahr anschauen werden? Die Frage wird sich am nächsten Tag wie in Luft auflösen …

Das ist alles so schön groß hier!

Bad Schandau linst bald links und rechts der Elbe hervor, rasch noch über die Brücke, dann hinein in den Trubel. Ja, Bad Schandau ist ein lebhaftes Kur-Städtchen, knapp 4000 Einwohner sind hier sesshaft, aber das Bild rund um den Marktplatz mit dem 1896 errichteten Sendig-Brunnen dominieren die rucksacktragenden Wanderer. Im 15. Jahrhundert führte der Handel dazu, dass sich hier Menschen wegen der guten Lage niederließen. Im 18. Jahrhundert wurde Bad Schandau zur Kurstadt.

Blick aus dem Hotelzimmer auf die Elbe

Eingeladen wurden wir vom mit 5 Sternen ausgezeichnete Hotel Elbresidenz an der Therme Bad Schandau, folgerichtig zwingen wir unseren müden Rappen vor den Hoteltüren zum Halt. Zum Hotel zählen elf, zum Teil auch historische Gebäude, deren Geschichte sich bis ins Jahr 1617 zurückverfolgen lässt. Zwei stilgemäß errichtete Neubauten fügen sich nahtlos in das Gesamtbild ein.

Blick vom Hotelgarten auf die Elbresidenz

Beim Check-in genießen wir den freundlichen Empfang. Als eingeladene Gäste erfahren wir natürlich eine aufmerksame Betreuung, doch die Freundlichkeit empfinde ich als ungekünstelt. Für den kommenden Morgen vereinbaren wir Termine zu einer Hotelführung und zu einem Informationsgespräch im Aktiv Zentrum Sächsische Schweiz, das wir einfach über einen separaten Eingang am Hotelgebäude erreichen können.

Unser Zimmer ist geräumig. Wirklich geräumig. Das Bad ist großzügig bemessen, die Ausstattung vorzüglich, der Ausblick auf die Elbe und die Elbpromenade wunderbar. Von den Bauarbeiten beim Fähranleger werden wir die kommenden Tage nichts hören, obwohl dort Arbeiter anwesend sind. Vielleicht sind auch die in Urlaubsstimmung und genießen wie wir einfach das draußen sein. Den kleinen Balkon mit zwei Stühlen und rundem Tischchen meidet Petra aus vorhin genanntem Grund, doch ließe es sich hier oben vorzüglich frühstücken – wie andere Gäste an den kommenden Morgenden unter Beweis stellen.

Für uns sind ausladende Hotelzimmer natürlich eine wahre Wonne, denn nichts geht mir mehr auf den Senkel als Zimmerzellen, in denen ich Petra bitten muss: »Kannste mal grad rausgehen, ich will ins Zimmer rein«. Daher greifen wir uns oft lieber eine Ferienwohnung, in der wir unsere Rucksäcke vom Ballast befreien müssen, ohne Platzangst zu bekommen. Unser Zimmer in der Elbresidenz ist üppig bemessen wie eine Ferienwohnung, nur gediegener und mit Begrüßungsobst und einem Fläschchen Sekt.

Verdauungsspaziergang vor dem Abendessen in der Elbresidenz

Den Sekt werden wir später trinken, zuerst steht Sightseeing an. Ein oder zwei Stunden bleiben uns noch bis zum Abendessen, die wir mit einem Spaziergang durch den nahen Kurpark ausfüllen. Mir fallen dabei die Hochwassermarken auf, die auf die sintflutartigen Regenfälle in den Jahren 2002 und 2013 hinweisen. Als Rheinländer sind mir anschwellende Flüsse ja nicht unbekannt, gleichwohl Neuwied als »Deichstadt« auf besondere Weise vor dem Hochwasser geschützt ist. Und ich erinnere mich an ein Hochwasser in meiner Kindheit in Weißenthurm am Rhein, als mit Ruderbooten durch die Becherstraße gestochen wurde. Doch die Hochwassermarken in Bad Schandau sind wirklich erschreckend.

Fachwerkhaus mit Hochwassermarken

Im Hotel-Restaurant Elbterrasse werden wir zu einem schönen Platz mit Ausblick auf die Elbpromenade gebeten. Kulinarisches Verwöhnen steht an. Bei unserer Halbpension werden wir jeden Abend aus zwei Hauptgängen auswählen. Obwohl mir oft nach Deftigem der Genusssinn steht, entscheide ich mich für den Saibling auf Kaiserschoten mit Kräuterreis statt des geschmorten Schweinebauchs. Elbe und Fisch vertragen sich sicher gut, und dazu gehört ein Moselwein aus Leiwen vom Weingut Rosch. Der darf meinen Gaumen schon beim Gruß aus der Küche umschmeicheln und erst recht beim Curry-Zitronengrassüppchen.

Wobei ich an Tagen, bei denen ich tagsüber wenig gegessen habe, nach wenigen Bissen (oder hier: Schlückchen) pappsatt zu sein scheine. Womit ich dem fein zubereiteten Saibling unrecht täte. Der Fisch schmeckt nach mehr (ich liebe abgedroschene Wortspiele), wozu sich das abschließende Quarkkeulchen mit Apfelragout und Vanille-Eis bestens andient.

Lecker – köstlich – delikat, was auch immer! Wenn mich nun jemand fragte: »Darf’s noch etwas mehr sein?«, hätte ich schwerlich abwinken können. Von wegen pappsatt!

Speisekarte des Tages

Bevor Petra und ich uns später in die weichen Daunen schmiegen, flanieren wir noch die Elbpromenade hinunter. Leichter Niesel regnet auf uns herab. Gar nicht wie echte Wanderer spannen wir die Regenschirme auf. Das Wetter schlägt um, unsere Stimmung nicht. Der nächste Tag kann kommen.

Nachdem wir noch einen Blick in die elegante Karl-May-Bibliothek mit in Glasvitrinen gut gesicherten Originalausgaben geworfen haben, sinken wir pappmüde in die flaumweichen Kissen.

Nach dem Glässchen Sekt.


[Hinweis! Unsere Wanderreise in die Sächsische Schweiz und ins Elbsandsteingebirge erfolgte auf Einladung von Hotel Elbresidenz an der Therme Bad Schandau und auf Vermittlung von Pressegroup.com – Winterstetter PR GmbH. Dieser Blogger wurde in der Äußerung seiner persönlichen Meinung nicht beeinflusst oder beschränkt.]

 

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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2 Responses

  1. Angela Richter

    Dieses schöne Fleckchen Erde haben wir schon vor vielen Jahren entdeckt, die “Elbresidenz” auch…. immer wieder schön. Für uns schnell zu erreichen für den kleinen Urlaub. Freue mich, daß es den Schlenderer auch so gut gefallen hat, Hotel und Sächsische Schweiz sind schon einzigartig. (Wir haben auch für dieses Jahr wieder ein paar Nächte gebucht- eingeladen werden wir leider nicht ;) ) A B E R auf einen Stilbruch muß ich doch hinweisen. Ist man in der Sächsischen Schweiz, dann trinkt man auch hiesigen, heißt Meißner Wein. Da werdet ihr wohl noch mal wiederkommen müssen. Meißen erreicht man von Bad Schandau auch sehr gut und ist auch einen Besuch wert. Veieleicht verbunden mit einem Konzert im Dom….

    Antworten
    • Georg

      Oh, Stilbrüche der genannten Art sind doch beabsichtigt. ;-) … damit wir wiederkommen müssen. Aber am dritten Tag haben wir uns wenigstens ein Bier aus der Brauerei in Schmilka gegönnt (und daheim getrunken). Die Sächsische Schweiz haben wir ja in den zwei Tagen (An- und Abreisetag abgezogen, die ja recht kurz von der Verweildauer dort sind) nicht einmal ansatzweise kennenlernen können, ein Wiederkommen wäre also unbedingt nötig. Zudem ich (und Petra auch) von der Region wirklich begeistert bin – aber das wird bestimmt noch aus den beiden noch ausstehenden Erzählungen hervorgehen. :-)

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