Was für eine Überraschung – Regen! In Irland! Völlig verdattert und bald durchnässt verlassen wir unseren fabelhaften Fabia am Parkplatz zum Deerpark. Noch im Trocknen hatten wir uns eine der vielen Touren von Sligowalks ausgeguckt, die uns – welch weitere Überraschung – auch in Nahkontakt zu einer weiteren megalithischen Anlage bringen wird. Erwähnte ich nicht schon, dass mein Vater Maurer war und sein Vater Bauunternehmer und dass mir deshalb Steine vermutlich so ans Herz gewachsen sind, dass ich sie umarmen und knuddeln möchte.

Na, so weit geht’s denn doch nicht, zudem – erwähnte ich auch das nicht schon? – die Feuchtigkeit bald nicht nur in die Regenjuppe und die übergriffig imprägnierten Wanderschuhe kriecht wie weiland Gollum in die nachtnassen Höhlen unterm Nebelgebirge, sondern auch das Kopfhaar anfeuchtet und die Haut mit einer wohlig-kalten Nässeschicht bedeckt.

Auf gut Deutsch: Es regnet, wie es in Irland halt immer mal regnet. Das aber hält uns nicht ab, zudem der Rundwanderweg mit nicht einmal 3 Kilometern nun eher wie ein »Mal-die-Füße-vertraten«-Spaziergang wirkt. (Was sich aber, wie wir später sehen und ihr später lesen werdet, noch ein wenig aufstocken lässt …)

Während ich mir das Regenwasser aus den Gesichtsfalten schüttele, gleiten wir den Berg hinauf – gegen den Uhrzeiger, damit wir das Prähistorische gleich zu Anfang haben. Der gut ausgebaute Waldweg wandelt entlang von Felsen, mal dicht umflort von Fichten, mal offen den Blick hinunter und hinüber gewährend.

Schon nach kurzem Weg gelangen wir auf der Anhöhe zum sofort sichtbaren Kammergrab. Rund 30 Meter lang ist es, erbaut im Neolithikum vor rund 5.000 Jahren. Im Zentrum liegt ein etwa 15 Meter langer ovaler Zentralcourt. Seine Bezeichnung lautet »Magheraghanrush«, was auf Irisch viel melodischer klingt: Machaire Chon Rois. Von hier oben schwingt der Blick über die sanft gewellten Höhen, am Horizont machen wir trotz des wankelmütigen Wetters Knocknarea über dem Hafenstädtchen Sligo aus, unterhalb liegt Lough Colgagh, nicht weit entfernt Lough Gill. Der Wind fegt uns Regen ins Gesicht, der Flecken strahlt aber eine Ruhe aus, wie wir sie immer an solchen, von der Vergangenheit durchdrungenen Orten spüren.

Wir wenden uns ab, kriegen bald die Kurve und wandern an einer Steinmauer entlang. Irgendwo hatte ich gelesen, dass noch ein weiterer prähistorischer Platz nahebei sein sollte – nur wo? Im Dunst kann ich nichts ausmachen. Wir also weiter. Ein einsamer Läufer – äh – läuft uns über den Weg. Waldstücke wechseln über in freie Landschaft, gerne würden wir eine Weile sitzen und die Zeit an uns vorbeilaufen lassen. Aber zum Ruhen ist es zu kühl und zu nass, und da hilft auch keine richtige Kleidung, wie manch ein Besserwisserwanderer nun anzumerken pflegt. Von der Höhe schleift der Weg hinab zum Parkplatz, wo uns der Läufer ein zweites Mal entgegenkommt.

Mir aber lässt diese verpasste weitere Steinanlage – oder was immer es nun sein mochte – keine Ruhe, und während Petra sich im Fahrzeug die Zeit vertreibt, schaue ich auf die Wanderkarte am Parkplatz. Dort ist ein Steinkreis eingezeichnet. Ich also wieder den Berg hinauf, rechts in die Büsche, wo sich wohl noch etwas finden lassen könnte, wenn ich es denn sähe und fände … Zwischenzeitlich huscht der Läufer wieder an mir vorbei, doch bevor ich ihn stoppen und radebrechend in seiner von mir dann malträtierten Sprache in meine verzweifelte Suche mit einbeziehen könnte, ist er schon weg. Und ein viertes Mal möchte ich ihm nun doch nicht mehr begegnen, weshalb ich oben am Kammergrab die Suche beende und zurücktrabe.

Deerpark Magheraghanrush Court Tomb

Diesmal bin ich schneller als der Läufer, schüttele das Wasser ab und steige ins Fahrzeug. Doch was kann mir der Regen anhaben, wenn die Landschaft mich verzaubert …

Die Fotos zeigen das Kammergrab und Abschnitte des Wegs. Die Wanderkarte führt zu Outdooractive. Dort können nach Anmeldung eine Wanderkarte und die GPX-Datei heruntergeladen werden, ein 3-D-Flug ist ebenso möglich. Der Wanderweg ist zudem gut ausgeschildert.

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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