Belgien Tourismus rief – und alle Blogger kamen. Alle Blogger? Nein! Aber mehr als eine Handvoll Reise- und Wanderblogger machte sich auf den Weg nach … tja, nicht sofort nach Belgien. Erst einmal nach Köln, wo sich das Gros der Blogger vor dem Kölner Bahnhof einfand. Wir sagten der Deutschen Bahn „Au revoir“ und unserem Reisebus „Bonjour“. (Und damit unterlasse ich es auch zu meinem eigenen Vorteil, meine nicht vorhandenen Französischkenntnisse anzuwenden – auch diese Sprache hat das nicht verdient.)

Aber weshalb lud uns Belgien Tourismus ein? Wir sollten Landschaften und Leute und Leckereien in lockerer Reihenfolge kennenlernen. Auf die Einladung wusste ich nur eine Antwort, da ich Landschaften mag und Leckereien sogar sehr und manchmal sogar Leute, und die Reihenfolge ist mir dabei auch egal. Zudem kannte ich Vielsalm, die Gemeinde inmitten der belgischen Ardennen, denn vor mehr als 20 Jahren weilten wir dort mit unseren beiden Jungs in einem Feriendorf („Sunparks“), sahen aber von der Umgebung wenig mehr als die Zufahrtsstraße, obwohl wir – die Erinnerung mag trügen – auch einmal einen Ausreißversuch mit dem Fahrrad unternommen hatten; gemeinhin erlebt man ein Feriendorf wie Sunparks aber kaserniert mit wenig Freigang.

Doch bevor es zu unserem Ferienhaus in Vielsalm ging, stellten uns das Team von Belgien Tourismus und Ardennes Etape zwei weitere Ferienhäuser vor. Vorweg: Mir liegen Ferienhäuser, ich mag sie mehr als Hotels. Ein Hotelzimmer ist mir zu eng, ich brauche Raum um mich herum, sogar freiwillig auf Kosten eines fehlenden Frühstücksbüfetts oder anderen Annehmlichkeiten, die mit einer Hotelübernachtung verbunden sind. Mein Credo lautet: Wenn ich schon draußen ein Dach überm Kopf anmiete, dann will ich nicht schlechter wegkommen als daheim. Ideal also sind ausreichend viele Zimmer und etwas Grün drum herum. Dann fühle ich mich wohl.

Unsere Urlaubsfahrten – ach, sogar die Urlaube mit meinen Eltern – landeten oft in einem Ferienhaus. In Dänemark beispielsweise oder in den Niederlanden, in Irland oder im Schwarzwald. Die Erlebnisse in Ferienhäusern können durchaus facettenreich sein und das Leben um neue Erfahrungen bereichern. Im Bayerischen Wald schliefen wir auf unserer Hochzeitsreise 1983 wir in Omas Bettchen, in Dänemark im wildromantischen Holzhäuschen hörten wir um 1970, wie hundert oder mehr Ohrenkneifer auch des Nachts ihrem Tagwerk nachgingen.

Ein Ferienhaus beäuge ich also immer mit einem gespannten Blick: Wie schneidet es im Vergleich mit diesem oder jenem Ferienhaus ab, könnte es meine Anforderungen erfüllen? Fürs erste Ferienhaus wurden wir nach Coo im Ameltal chauffiert, von der Dorfmitte ging es hinauf in eine ruhige Anliegerstraße, die wenig Lärm verspricht. Das 53 m² große Ferienhaus gleicht mehr einem Bungalow mit Flachdach, üppigen Fensterfronten speziell zum Tal hinaus, einem um das Wohnzimmer laufenden Balkon, einer Wohn-Kochküche, Schlafzimmer und Bad. Ausreichend viel Beinfreiheit also für 2 Personen.

Die Mietpreise ersieht man am Besten auf der Website, denn die sind natürlich je nach Saison unterschiedlich. Die Ausstattung erfüllt mit Sauna, Klimaanlage und der mittlerweile von vielen Gästen erwarteten Internetanbindung auch höhere Ansprüche, die Küche ist komplett eingerichtet, draußen warten sogar noch ein Holzkohlengrill und Gartenmöbel. Der Ausblick vom Wohnzimmer aus durch die besagten großen Fenster oder direkt vom Balkon ist schön, die Sicht schwenkt über das kleine Dorf hinunter ins Tal oder weiter hinweg auf die von Wiesen und Wäldern gesäumten Hänge.

 

Natürlich steht dieses Ferienhaus nur beispielhaft. Aber in unseren modernen Zeiten hat der mögliche Gast ein großes Plus auf seiner Seite. Das mit Omas Möbeln im Bayerischen Wald wäre uns heute nicht passiert, denn wir informieren uns vorab im Internet, wo wir da denn landen könnten. Jeder Ferienhaus-Vermieter, der etwas auf sich hält oder nicht aus der Zeit gefallen ist, präsentiert sich weltweit im Internet – und gut sichtbar, sprich: Das Ferienhaus wird von innen und von außen ins Licht gehalten, wodurch mir Reinfälle doch weitgehend erspart bleiben. (Jedenfalls enttäuschten uns bislang die Vermieter nicht, weil sie im Internet etwas versprachen, was sie vor Ort dann nicht hielten.) Dasselbe gilt für die Ferienhäuser, welche über Ardennes Etape angeboten werden. Fotos sagen in diesem Fall nämlich mehr als tausend Worte, die ja schnell mal in tausend bunten Farben eine Wirklichkeit malen, die mit der Realität nicht übereinstimmt.

Das lässt sich auch beim zweiten Ferienhaus in Vielsalm überprüfen, denn die Seite zum schnuckeligen Häuschen imponiert sogar noch mit einer 3D-Darstellung, die die Aufteilung der beiden Etagen sehr gut wiedergibt. Ein kleiner Garten umgibt zwei Seiten des Hauses, eine winzige Außenhaus-Klause lockt die zwei Gäste mit einem eindeutigen Angebot: Setzt euch zu mir! Von dort schweift der Blick dann die sanft geneigte Wiese hinab, um hinter dem Zaun auf noch mehr Grün zu schauen. Drinnen gibt es in den rustikalen Räumlichkeiten einen Brotofen, eine gut ausgestattete Küche, Esstisch und einen kleinen, aber gemütlichen Wohnzimmerbereich. Hinauf in den Schlafbereich steigt man über eine gewundene Holztreppe, die mit einer Falltür abschließt. Ein … tja, wie sag ich’s, ohne anzüglich zu werden … gemütliches großes Bett lädt zu was auch immer ein, Dusche und Waschbecken stehen in Griffweite. Die gesamte Einrichtung ist wunderbar auf das ländliche Ambiente des Hauses abgestimmt. 2 Erwachsene und 2 Kinder sollen in diesem Ferienhaus übernachten können, aber da muss ich sagen: Nein, liebe Eltern, tut das nicht. Tut euren Kindern einen riesengroßen Gefallen, gönnt ihnen eine tolle Ferienfreizeit und danach noch einen gemeinsamen Aufenthalt mit euch Eltern, doch lasst die beiden Alten allein in diesem – wie steht es auf der Website – „kleinen gemütlichen Nest“. Zudem mir die Falltür samt Holztreppe mit tobenden Kindern arge Bauchschmerzen bereiten würde.

 

Vom kleinen gemütlichen Nest fuhren wir dann nach Vielsalm. In die Luxusvilla für 21 Personen. 10 Bäder, 9 Schlafzimmer, 3 Etagen, im Jahr 1930 erbaut, 2013 renoviert – und das sieht man. Die Einrichtung war für ein Ferienhaus ausgezeichnet, die zusätzlichen Einrichtungen wie das beheizte Schwimmbad, das Billardzimmer oder das Spielzimmer für die Kleinen (oder die Junggebliebenen) ein selten gesehener zusätzlicher Luxus, den wir an den drei Tagen durch unser volles Programm gar nicht angemessen genießen konnten; uns fehlte die Zeit. Zeit ließen wir uns dafür beim Kochkurs, der unseren ersten Abend in Belgien einläuten sollte.

Wer von uns auf die Idee kam, eine reine Männergruppe zu bilden, weiß ich nicht. Es gibt schlechtere Ideen, aber nicht viele. Wir drei Männer umschifften dank der Hilfe einer Köchin und eines Kochs, die uns alle durch die drei Gänge des Menüs steuerten, die meisten Klippen, scheiterten fast an den Wachteln, die ein besseres Schicksal verdient gehabt hätten, und sahnten richtig ab, als die drei Gruppen für das, was sie angerichtet hatten, geradestehen mussten. Wir waren die Besten bei der Tischdekoration! Das freute uns natürlich tierisch, und vermutlich nahmen uns jetzt sogar die Wachteln nicht mehr übel, wie übel wir ihnen bei der Zubereitung mitgespielt hatten.

Die Menükarte, an der wir uns abgearbeitet haben:

Vorspeise: Caille déglacée à la bière de Bellevaux et raisins de Corinthe, figues fraches
Hauptspeise: Cigares croustillants de boeuf, écrasé de Pommes de terre, Jus de veau au miel et thym
Nachspeis: Tarte Fine aux poires et Pommes de nos plateaux

Satt und matt fielen wir dann in die Betten. Der nächste Tag sollte die ersten Wanderungen bringen. Wir waren gespannt. Der Bericht folgt …

Zum 2. Tag in den belgischen Ardennen: Wandern in den Ardennen – Achouffe und Das Tal der Feen

Auf der dreitägigen Bloggerreise in die Ardennen war ich mit folgenden Bloggern gemeinsam auf Tour:

[Hinweis! Die Bloggerreise “Wandern in den Ardennen” wurde von Belgien Tourismus Wallonie-Brüssel gesponsert, das Ferienhaus wurde uns von Ardennes Etape zur Verfügung gestellt.]

 

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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7 Responses

    • Georg

      Zur Ehrenrettung haben unsere vergangenen Gastgeber auch beigetragen, denn nach unserer Hochzeitsreise in den 80ern sind wir noch einige Male dort gewesen. Zuletzt in Neuschönau, direkt am Nationalpark, zweimal im “Haus Rachel”. Die Ferienwohnung kostet 32 Euro, in 15 Minuten waren wir im Tiergelände, die Terrasse und die ausladende Wiesen boten einen unverbauten Blick ins Tal: http://www.haus-rachel.de/ferienwohnung_1.htm

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  1. Jörg

    Erstklassiger Bericht Georg!

    Der Kochkurs wird mir noch sehr lange in Erinnerung bleiben! Meinst du echt, die Wachteln könnten eventuell noch sauer auf uns sein? Ich glaub, die hatten keine Meinung mehr…

    Viele Grüße und ein schönes Wochenende!

    Jörg

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    • Georg

      Als Sozialarbeiter versuche ich immer, mich in mein Gegenüber hineinzuversetzen. Und deshalb weiß ich: ja, die Wachteln waren sauer auf uns und werden auch jetzt noch sauer auf uns sein. Außerdem hatten sie Namen. Emilie, Eva, Else, Erwin, Egon und Erasmus. Das sind Momente, in denen ich zum Veganer mutieren möchte.

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      • Katrin

        Haha toller Bericht und ja, das war auch einer der Momente in denen ich gerne zum Vegetarier mutiert wäre ;-)

        LG Katrin

      • Georg

        Aber diese Momente gehen ja vorüber. ;-) (Spätestens dann, wenn Petra mich daheim bekocht, wobei … Petra würde unseren Essensplan sicher gern auf Pflanzenkost umstellen.)

  2. Guido

    Ich freue mich, dass du dich gefreut hast und andere dazu verführst, sich zu freuen :-) Gleichzeitig bin ich ein bisschen stolz auf mein Belgien. Eines möchte ich den deutschen Wanderern aber auch nicht verschweigen: sie werden tiefer in die Tasche greifen müssen als sie von zu Hause gewohnt sind. Wohnen und Essen manchmal mal drei! Dafür gibt es meistens besseres Essen, dafür selten schönere Zimmer als in Deutschland. Gerne bereit, dies zu erläutern, euer Guido.

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