»Für eine Wanderung mit Ihnen bin ich zu jeder Zeit bereit«, schrieb mir Hermann Nördershäuser, seines Zeichens Wegepaten auf dem »Traumpfad Nette-Schieferpfad«. Doch damit nicht genug: »… und würde Ihnen auch gerne etwas über unseren Traumpfad und meine Tätigkeit als Pate erzählen.«

Bin ich blöd oder lebensmüde und lehne etwa das Angebot eines Wegepaten ab? Nein, natürlich nicht. Der Haken steckte aber woanders fest. Herr Nördershäuser ist, wie er mir später dann noch ausführte, nach einem arbeitsreichen Leben im Rentendasein gelandet. Aber Rentner sein allein macht ja nicht glücklich. Ich weiß, wovon ich rede, denn seit vor einigen Jahren ereilte mich ein ähnliches Schicksal, nur eben etwas früher.

Startpunkt mit schöner Brücke.

Und weil Rentner und Pensionäre bekanntlich nie Zeit haben, war es gar nicht einfach, einen gemeinsamen Termin zu finden. Wir warteten quasi so lange, bis der schöne Teil des Sommers vorbei war und der Spätsommer mit lauen Lüftchen und sattem Regen über Wanderer und andere Freiluftgeister herfiel.

In der Nacht zur gemeinsamen Wanderung schüttelte Frau Holle die Kübel aus; Federn hatte sie offenbar nicht zur Hand. Ich rief also Herrn Nördershäuser früh am Morgen an und faselte etwas von »Regen« und »nicht wasserdicht« und »überhaupt …« Er nickte (wahrscheinlich) am Telefon, bestätigte meine Bedenken und schüttelte dann den Kopf. »Bei uns scheint die Sonne.«[tip]

KurzInfos! Diesmal halte ich mich kurz, denn die Traumpfade-Seite hält alle wichtigen Informationen in übersichtlicher Form bereit: Nette-Schieferpfad. Nur kurz zum Einstieg: Der “Nette-Schieferpfad” ist 9,2 Kilometer lang, weist 295 Höhenmeter auf und wird als “leicht” eingestuft; als Gehzeit werden 3 Stunden 30 Minuten angesetzt.

Obwohl der Traumpfad vorzüglich ausgeschildert ist, empfehle ich für die Wanderung beispielsweise die unten aufgeführte Wegekarte, die bei Outdooractive eingebunden ist; sie entspricht der Karte, die über die “Traumpfade” abgerufen werden kann. Über den Klickpunkt “drucken” stehen Optionen zur Auswahl, wie detailliert die PDF sein soll – am besten einfach ausprobieren, herunterladen und dann entscheiden, welche Version man bevorzugt. GPS-Tracks können ebenfalls abgerufen werden. Und die Karte kann mit Hilfe des Reiters über dem Kartenbild in unterschiedlichen Ansichten (beispielsweise bei “Google Earth”) betrachtet werden.[/tip]

 Natürlich höre ich auf Rentner, die noch älter sind als ich. Immerhin ging auch bei uns urplötzlich die Sonne auf. Wir hielten also unseren Termin nach den zähen Verhandlungen fest umklammert, ich machte mich auf nach Trimbs – die halbe Stunde Fahrt schaukelte ich quasi der Sonne entgegen. Später, so viel nehme ich vorweg, hätten wir uns abgeklatscht, wären wir noch im Abklatschalter – wir hatten das Glück auf unserer Seite, kein Tropfen Regen, nur eitel Sonnenschein.

Der Regen kam dann später, als ich mich daheim in den Garten setzen wollte …

Wir zwei Rentner trafen uns am offiziellen (»amtlichen«, wie Manuel Andrack ihn bezeichnet) Startpunkt unter der Straßenbrücke, genauer bezeichnet als Dorfplatz »Auf dem Reusch«. Andrack schreibt auch, er »… habe noch nie einen hässlicheren Startpunkt eines Premiumweges gesehen.«

Ich nehme es lockerer. Stelle mir den Start als den ersten Blick früh morgens in den Spiegel vor, aus dem mir dann das zerknitterte, gar nicht frische und überhaupt  nicht ansehnliche Antlitz eines Pensionärs mit einem verkniffenen Lächeln anstiert, bemüht, gut in den Tag zu starten, aber gleichzeitig wissend, dass dies mit einem solchen Gesicht ordentlich in die Hose gehen muss.

Muss? Nein, müsste – aber dann wird doch alles besser. Da wird was glatt rasiert, dort was quergekämmt und irgendwo noch etwas geradegerückt, bis der seltsame Mensch aus dem Spiegel eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Mann hat, das ich von Fotografien kenne. Und schon wirkt das Lächeln unbeschwerter. So ähnlich nehme ich den »Nette-Schieferpfad« – morgens, am Start, schaut er zerwühlt aus, doch sobald das Tageslicht auf seine Pfade fällt, beweist er, wie gut herausgeputzt er sein kann.

Der Experte für Outdoor und Touren

Herr Nördershäuser trägt alles, was er benötigt, in seiner Gürteltasche oder direkt »am Mann«, während ich mir mit meinem Rucksack mal wieder overdressed vorkomme. Natürlich habe ich auf große Teile meiner Standardausrüstung verzichtet (Snickers, TwixtfrüherRaider, Mars und ungesunde Schokoriegel wie Nuts), was sich als klug erweist: Wir werden zwar sagenhafte vier Stunden unterwegs sein, aber uns keine ruhige Minute gönnen. Geregelte Arbeitszeiten sind für Wegepaten, so sieht es aus, ein Fremdwort – die sie aber sicher gern gegen den Aufenthalt in der freien Natur eintauschen.

Ach, die freie Natur – von der sehen wir natürlich auch etwas. Sehr viel sogar. Was zum einen daran liegt, dass mir Herr Nördershäuser jede interessante Stelle auf dem Pfad zeigt, zum anderen am Nette-Schieferpfad selbst, der keine Langeweile aufkommen lässt. Gegen den Uhrzeiger machen wir uns auf den Weg, wenige Schritte, dann sind wir aus Trimbs draußen. Während wir uns langsam die Zungen locker reden, macht es links und rechts immer wieder »Schnipp« und »Schnapp«. Der Wegepate bei der Arbeit. Obgleich Gemeindearbeiter auf dem gesamten Weg ganze Arbeit leisten und die vielen schmalen Pfade und breiteren Wege busch- und strauchfrei halten und die Gräser auf kuschlige Sohlenhöhe dimmen, wächst doch alles schneller nach, als selbst gewissenhafte Mitarbeiter es im Zaum halten können. Den Nachschnitt besorgt Herr Nördershäuser, damit uns zarten Wanderwesen nur ja kein spitzes Buschwerk piekt oder strauchelnde Äste uns ein Bein stellen (oder gar für nasse Kleidung sorgen!)

An Premiumwanderwege, zu denen ja die Traumpfade gehören, werden besondere Anforderungen gestellt. Wer sich genauer damit auseinandersetzen möchte, findet auf den Seiten des Deutschen Wanderinstituts eine Auflistung, welche Kriterien angelegt werden. Herr Nördershäuser weiß auch einiges zu berichten über die regelmäßig durchgeführten »Nachzertifizierungen«, die beispielsweise dem »Traumpfad Nette-Schieferpfad« eine Steigerung auf 73 Punkte einbrachte. Die Begehung erfolgt ohne Ankündigung, weshalb es nicht möglich ist, ein »geschöntes« Bild des Wanderwegs zu geben; sollte der Weg nicht regelmäßig gepflegt werden, fällt er halt unten durch.

Wer nichts vom Nettetal weiß, wird hier im guten Sinne eines Besseren belehrt.

Das Risiko ist bei diesem Traumpfad sehr gering. Vorgegeben sind für die Wegepaten zwei Wanderungen im Jahr; der »Nette-Schieferpfad« wird von Herrn Nördershäuser unzweifelhaft so oft begangen, dass eigentlich überall seine Fußstapfen verewigt sein müssten.

Nach einer ersten kürzeren Strecke an der Nette entlang schwenkt der Weg in den Hang; weicher Wiesengrund fliegt unter unseren Füßen weg, als wir zügig hinaufwandern. Auf halbem Weg stelle ich dann eine meiner Fragen: Was soll die Sitzgruppe hier?

Welling mit Landschaft.

Wer den Traumpfad einmal ging, der kennt diese sehr eigenwillige Bank-Tisch-Kombination, für die das Traumpfade-Team nicht verantwortlich ist. Mitten auf dem Wiesenweg mit einem Blick auf … tja, Buschwerk halt. Hier erwische ich Herrn Nördershäuser beim ersten und einzigen Ausweichen, auch er weiß nicht, wer diesen Unsinn auf den Weg gebracht hat. Ein Mirakel also, das weiterhin ungeklärt bleiben wird.

Wegepate mit dem obligatorischen Traumpfade-T-Shirt.

Mehr Weitblick bekommen wir bald, als wir die erste Anhöhe mit Blicken hinüber nach Welling und ins Nettetal erklimmen. Nun ist das Nettetal nicht unbedingt bekannt für seine schroffen Abhänge und seine steilen Weinhänge, von dem beispielsweise das Mosel- oder das Rheintal schwärmen lassen. Hier ist alles eine Nummer kleiner – und vielleicht deshalb so begeisternd, weil alles auf engem Platz zu finden ist, viele sehenswerte Dinge auf dichtem Raum. Schritt für Schritt eröffnet sich eine kleine neue Welt.

Hufeisenwerfer müssen draußen bleiben.

Zu diesen kleinen neuen Welten zählen die zahlreichen Schieferbergwerke, die rund um die Trimbser Schweiz liegen: Die Gruben »Margaretha«, »Wilbert« und »Mosellaschacht« gehören dazu, die Grube »Katzenberg« bei Mayen wird heute noch betrieben. 200 Jahre lang gaben die Schiefergruben den Menschen in Trimbs und den anderen Dörfern Arbeit, heute ist davon nicht mehr viel zu sehen. Doch auf das, was für einen Wanderer noch sichtbar gemacht werden kann, weisen kleine Schautafeln hin, die von Herrn Nördershäuser angefertigt und aufgestellt wurden. Ungewöhnlich für die Traumpfade, stellen sie für ich das i-Tüpfelchen an Information dar, das einen Wanderweg über das reine Wandern hinweghebt und diesem Weg ein individuelles Gesicht verleiht.

Wissen vor Ort.

Über schmale, heute sogar rutschige Pfade nähern wir uns den Grubenpforten. Heute nehme ich die Warnschilder auch ernst und verharre vor den Eingängen, spinxe in die schwarzen Löcher und murmele etwas wie »da würde ich ja niemals reingehen«. Ob Herr Nördershäuser mir die Lüge ansieht? Kurz darauf steigen wir noch etwas höher und erreichen eine Felsnase mit noch mehr Aussicht, noch mehr Panorama, noch mehr »Trimbser Schweiz«.

Kleine Welt ganz groß.

Dann wandern wir noch einige Meter hinauf, lassen steinige Pfade hinter uns, stapfen an kantigen Felsen vorbei – und haben immer eine Brise frische Luft um die Nase.

Der Fotograf wird zur Eile gebeten.

Und schon öffnet sich der Blick zu Feldern hin, nicht weit entfernt macht sich das Dorf Welling breit, von dem wir aber nur das Nötigste sehen. Wir stapfen über Feldwege, tauchen wieder in eine lichte Baumgruppe ein, die direkt zur Landstraße hinabführt. Dort wurde ein altes Wartehäuschen zu einer informellen Touristenbüro umgestaltet; Prospektmaterial, Infoblätter und – das darf ich nicht vergessen – eine CD warten dort.

Hinweisschild für junge und luftguckende ältere Wanderer wie mich.

Zur CD später mehr, wir aber überqueren die Straße und stapfen einige Treppenstufen hinauf, die von Herrn Nördershäuser kritisch beäugt werden. Der Zahn der Zeit nagt, die alle Holztritte haben den nassen Frühsommer gut überstanden – auch darauf wirft er ein Auge und veranlasst, dass sie zur richtigen Zeit ausgebessert oder ausgetauscht werden.

Zur Not – aber davon gehe ich mittlerweile auch stillschweigend aus nach den erst wenigen Eindrücken, die ich vom Wegepaten gewonnen habe – tauscht er sie selbst aus. Muss er nicht, macht er aber.

Sicher ist es auch nicht Aufgabe der Wegepaten, sich um die Wegeführung zu sorgen. Mir fiel auf, dass im Gegensatz zu Petras und meiner ersten Wanderung auf diesem Traumpfad vor einigen Jahren der Weg nicht mehr an den sehr schicken, sehr neuen Häusern entlangführt, sondern quer durch ein (gemeindeeigenes) Feld. Meine Gedanken dazu werden bestätigt. Scheinbar haben sich einige besorgte Anwohner über dies und über das, ganz besonders aber über die Wanderer beklagt. Jetzt werden sie halbwegs verschont von uns.

Eifelberge.

Klar, ich lästere hier ganz locker-leicht, an unserem Grundstück führt ja auch nicht urplötzlich ein gut besuchter Wanderweg vorbei. Möchte ich das selbst so haben? Aber mal anders herum gefragt: Möchten diejenigen, die sich lautstark, halbstark oder ganz leise und hintendrum beschweren, nicht auch mal da und dort und ganz woanders wandern, vielleicht auch Mallorca heimsuchen und die Strände dort so umgraben, dass kein Einheimischer mehr sein eigenes Eiland wiedererkennt?

Herr Nördershäuser erzählt mir einiges dazu. Ich gebe es nicht wieder, weil es im Grunde dieselbe Leier ist wie überall, wo der Mensch sich etwas Eigenes hingestellt hat. »My Home is my Castle« – und einen schönen tiefen Wassergraben bau ich noch Drumherum, dann hab ich meine Ruh. Leider wird die Welt auch auf dem Land immer enger …

Eifelschönheit.

Auf dem Burberg, den wir nach diesem kleinen Abstecher in die Randbezirke von Trimbs vor uns sehen, schenkt uns noch mehr – ich wiederhole mich gern – Panorama, diesmal gen Norden und Westen, quer über die Eifel mit dem Hochsimmer und dem Hochstein und den Bergen um den Laacher See herum.

Das war wie ein Atemholen vor dem schon bald folgenden nächsten Höhepunkt. Erst einmal gehen wir zügigen Schrittes über weiche Wege, umrahmt von Büschen und Sträuchern. »Schnipp« und »Schnapp« macht es wieder. Dann steht wieder das Augenspiel an. Links und rechts gucken, geradeaus. Und links und rechts. Wie beim Tennis. Von der Anhöhe gibt es Aussicht satt. Liegebänke und Sitzplätze laden übrigens hier und dort zum Verweilen ein, und sogar wir genießen das Wetter und die Landschaft und gönnen uns eine kurze Weile pure Rast.

Die Aussicht vor dem Abstieg. Doch zuvor geht es am Weinberg vorbei. Ja, wirklich – Weinberg. Der Trimbser Riesling aus der Gemarkung »Obermark« wurde bis nach Holland verschickt. Heute zeugt nur noch einige Mauerreste von den weinbaulichen Aktivitäten.

Moselfeeling im Nettetal.

Und dann geht’s rein in den Berg. Gut, es geht am Berg entlang, hart an der Kante, links fällt der Hang eiligst abwärts. An einer Stelle schieben wir uns zwischen engen Felsen hindurch, an einer anderen Stelle bestätigen wir uns beide, dass hier bei glitschigem Untergrund wachsam vorwärtsgeschritten werden muss, allzu schnell schliddert man sonst hinunter.

Immer an der Wand lang …

Ein schönes Stück Weg, über den Herr Nördershäuser kurz, nachdem der Pfad sich verbreitert, eine weitere Anekdote zum Besten geben kann. Noch frisch gebrochen sind zahlreiche Äste, und schon wieder macht es »Schnipp« und »Schnapp«, begleitet von der Anekdote vom (irren, wie ich hier anfügen möchte) Geländewagenfahrer, der sich vor wenigen Tagen mit seinem Gefährt Bahn brach durch diesen Wanderpfad, bis es selbst für ihn ein Ende hatte. Sackgasse für das Sackgesicht sozusagen. Auch bei diesen Zeitgenossen muss der Wegepate verursachte Schäden registrieren, weiterleiten oder, wie jetzt, selbst nacharbeiten. Am gewöhnlichen Wahnsinn des Menschen kann aber auch der Wegepate nicht ändern.

Im wundersamen Tal der Nette.

Wir wandern bald auf ebenem Grund, umkurven einen Reiterhof und Wiesen und Felder und Teichanlagen und kehren zurück zur Nette. Ein wenig abseits des Weges bestaunen wir den kleinen Wasserfall, noch mehr nimmt mich aber die fast verwunschene Auenlandschaft entlang der Nette gefangen, die wir auf einem schmalen Pfad erwandern. Kurz darauf steigt der Pfad wieder an. Die Aussicht zum Nette-Viadukt fordert wieder eine Pause.

Nette-Viadukt.

Wenige Minuten später kommen wir auf der zum Maifeld-Radweg umgebauten ehemaligen Eisenbahnstrecke an. Früher sind wir mit den Kindern von Polch nach Mayen geradelt, heute gehe ich zu Fuß – durch den Eisenbahntunnel.

Das “Etwas-mehr” auf dem Nette-Schieferpfad: eine Informationstafel.

Angenehme Kühle umfängt uns. Ich liebe diesen Tunnel, diesen Kontrast zwischen der grünen Natur und dem nur spärlich beleuchteten Steintunnel, die Hitze, die mir vor dem Eintritt noch den Atem raubt und schon nach wenigen Schritten der Kühle weicht, um am Ende, nach etwa 250 Metern, wieder wie ein Schwall über mich zu kommen. Noch einmal schauen wir uns auf einer der Brücken um, bevor wir auf einem schmalen Pfad den Radweg verlassen wollen.

Und Finsternis wird sein am Anfang des Tunnels.

Wollen, weil eine eher ungewöhnliche Aufgabe auf den Wegepaten wartet. Traumpfade locken nicht nur Wanderer, sondern auch Mountainbiker und Reiter an. Herr Nördershäuser weiß davon einige Geschichten zu erzählen, doch allgemein akzeptieren zumindest die Reiter, dass nicht alle Pfade auf sie zugeschnitten sind. Die Pferde wissen das vermutlich, mancher Reiter aber scheint zu blöd zu sein. Das Stück enger Pfad, auf dem sich dicke Pferdeäpfel eingenistet haben, eignet sich wirklich nicht für Ross und Reiter – und vermutlich hat sich deshalb auch das Pferd ins Fell gemacht. Also weg mit dem Zeugs.

Ich hätte mich jetzt nicht gewundert, Reifenspuren zu entdecken. Die vom Geländewagen von der anderen Talseite. Schmal genug wäre der Weg ja gewesen …

Noch einmal wandern wir über die schmalen Wege, umgeben von Wiesen, von Acker, von Wäldchen. Hinauf noch einmal, um eine weitere Bank zu entdecken, andere Wanderer zu begrüßen, die nicht weniger begeistert sind als ich. Der Nette-Schieferpfad hat wirklich so viele Aussichtspunkte, dass man von oben wirklich jedes Flecken »dort unten« sehen kann. Aus vielen verschiedenen Winkeln, mit vielen verschiedenen Eindrücken.

Blick auf Trimbs und noch viel mehr.

Irgendwann vorher hat mir Herr Nördershäuser natürlich erläutert, wie die Wegemarkierungen angebracht werden. So im Vorbeigehen, obwohl die Aufgabe gerade für Premiumwanderwege und speziell die Traumpfade sehr wichtig ist. Traumpfade sollen unverlaufbar sein – und das sind sie auch. Wege müssen in beide Richtungen markiert sein, die Zeichen sollen schon aus der Distanz ins Auge fallen, an Wegekreuzungen oder Einmündungen müssen Schilder, möglicherweise auf Wegweisern, angebracht sein, alle 200 Meter sollen Beruhigungszeichen angebracht werden. Und so weiter.

Trimbs aus einer anderen Perspektive.

Auf der genannten Seite des Wanderinstituts finden sich unter der Rubrik »Service« Schriften dazu und zu mehr zum Herunterladen.

Der Wegepate orientiert sich dabei auch am »Wanderwegeleitfaden Rheinland-Pfalz«. Heute muss Herr Nördershäuser keine Markierungen ausbessern oder gar neu anbringen; gewöhnlich werden die Markierungen mit der Sprühdose und einer Schablone aufgetragen oder Plaketten angenagelt oder aufgeschraubt. Wobei mancher Wanderer die nett ausschauenden Plaketten als Trophäe mit nach Hause nimmt – wenn’s schon nicht zur Großwildjagd reicht, muss wenigstens ein Metallschildchen daheim an der Wohnzimmerwand hängen. Neben dem röhrenden Hirsch.

Ausblick Nummer X.

Das letzte Wegstück verschafft uns – ich mag es gar nicht mehr sagen – einen weiteren, aber diesmal letzten Ausblick. Die Nicht-Traumpfadebank hat Herr Nördershäuser von einer anderen Stelle mit Helfern hierher gebracht. Helfer hat er einige, die nicht fest zum Wegepatenteam gehören, ohne die manche Aufgabe aber nicht geleistet werden könnte. Und eine Aufgabe muss ja nicht unbedingt auf einer Schulter allein ruhen.

Ein letztes Mal geht es bergab, wir queren den Kellbach, schauen noch einmal in den Eingang zu einem weiteren Schieferbergwerk, schlängeln uns zwischen Leitplanken und Sträuchern hinunter nach Trimbs, stehen dann dort, wo alles begann: an der Schautafel des Traumpfads. Hier drückt mir Herr Nördershäuser eine CD in die Hand, die jeder aus einem kleinen Kasten gegen einen angemessenen Obolus (verbunden mit einer Spende für eine gemeinnützige Organisation) erwerben kann: Fotos vom Traumpfad, ansprechend aufbereitet, mit Musik unterlegt. Als Erinnerung für diejenigen, denen Fotografieren nicht liegt.

Was bleibt von meiner gemeinsame Wanderung mit dem Wegepaten Hermann Nördershäuser? Respekt vor der Arbeit. Das Wegemanagment wird von anderen getragen, vor Ort aber schauen die Wegepaten nach dem Rechten. Die Wegepaten übernehmen die Arbeiten, die sie leisten können, sind sozusagen die Feuerwehr, greifen ein, wenn es nötig ist – immer im Rahmen dessen, was in ihre Kompetenz fällt oder von ihnen als Leistung erbracht werden kann. Dafür wissen sie auch in der Regel, wer verantwortlich ist, und haben wie Herr Nördershäuser auch ein offenes Ohr für die Wanderer, die mit Kritik nicht sparen – und nicht mit Anerkennung.

Hinweis auf die “Küchenschelle!”

Vieles von dem, was Hermann Nördershäuser macht, gehört sicher nicht zum »Standard«, der den Wegepaten beispielsweise auf den Fortbildungen vermittelt wird. Zusätzliche Informationsschilder – das erwarte ich nicht auf jedem Traumpfad. Aber mir gefällt dieses »mehr«. Doch dazu muss man auch dermaßen engagiert sein wie er; er ist in Trimbs geboren, da liegt der Wanderweg rund um seinen Heimatort natürlich besonders eng am Herzen.

Aber der Nette-Schieferpfad macht es ja auch leicht, sich für ihn als Wanderer und als Wegepate zu begeistern. Er ist mir einer der liebsten Traumpfade. Knackig kurz, unverschämt viel Wohlgefühl bei fast jedem Schritt und Tritt. Und der Anfang/und das Ende? Geschenkt! Perfekt ist etwas für Traumtänzer. Wir wandern hier mitten in einem zivilisatorisch verformten Land – da sollten wir froh sein über jeden Flecken, der uns Atem schöpfen lässt. Wandert den Nette-Schieferpfad und meckert meinetwegen. Aber wandert ihn.

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
Schlenderer

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8 Responses

  1. Lenzen

    Hallo Herr Nördershäuser,

    der Traumpfad war wirklich klasse und dann habe ich mir die DVD mitgenommen, doch leider öffnet sie sich nicht. Das ist schade und nun habe ich keine Adresse von ihnen und möchte gerne an eine intakte DVD kommen.
    Melden sie sich doch bitte mal evtl. unter 02632-82356 auch auf AB, dann rufe ich zurück und bespreche dass.
    MFG
    E.Lenzen

    Antworten
    • H. Nördershäuser

      Hallo Herr Lenzen,
      seit Sie den Kommentar hier veröffentlicht haben, ist ja schon einige Zeit vergangen. Nun, ich habe lange nicht mehr hier reingeschaut und somit eben erst das von Ihrer “Reklamtion” bzgl. der DVD von mir gelesen.
      Ist das Problem gelöst in der Zwischenzeit?
      Sie schreiben “öffnet sich nicht”! Was bedeutet das?
      Läuft Sie nicht auf Ihrem Player? Wenn das der Fall sein sollte, melden Sie sich bitte bei mir und teilen mir Ihre Adresse mit, damit ich Ihnen eine neue/andere zusenden kann. in der Zwischenzeit habe ich am Ausgangspunkt des Nette-Schieferpfades alle Daten von mir (E-mail, Tel.) veröffentlicht, so dass mich bei ähnlichen Fällen die Wanderer direkt ereichen können.

      Schöne Grüße.
      Hermann Nördershäuser
      Auf dem Hostert 7
      56753 Trimbs
      Tel: 02654 6002
      Mobil: 0152 5102 1566

      Antworten
  2. Hermann Nördershäuser

    Hallo lieber Schlenderer.
    Vielen herzlichen Dank für den tollen Bericht und die Blumen, die Sie so großzügig über mich “gestreut” haben. Habe ich das wirklich verdient? Nun gut, ich mache meine Arbeit mit viel Freude, wie Sie sicher festgestellt haben. (Habe ich da etwas von Arbeit geschrieben?) Was gibt es schöneres, als in freier Natur und herrlicher Landschaft Tätigkeiten ohne jeden Druck -nicht wie früher in meinem Beruf- ausüben zu dürfen. Nein, Arbeit ist das nicht für mich. Freizeitbeschäftigung wäre eher das passende Wort.
    Und eines kann ich Ihnen und allen wandernden Gäste hier versprechen: So lange ich fit und gesund bleibe, werde ich mich weiter in dieser Form engagieren!

    Grüße aus dem Nettetal nach Neuwied

    Hermann Nördershäuser

    Antworten
  3. Ursula Peters

    Toll, dass ich jetzt mal die Gelegenheit habe, den schon öfter erwähnten Herrn Nördershäuser sozusagen persönlich kennenzulernen! Erstaunlich, wie jung “alte” (jedenfalls älter als Schlenderer…) Rentner sind! Dazu noch alles in der gewohnt unterhaltsamen Art geschrieben und mit brillianten Bildern ausgestattet. Sehr interessant auch, mehr von der Arbeit dieses engagierten Wegepaten zu erfahren!

    Antworten
  4. Elke

    Ich werde diesen Traumpfad in ganz besonders guter Erinnerung behalten, eben weil dort viele Informationen bereit gehalten werden, weil die Aussichten einfach herrlich sind, die Pfade dort oben im Fels ganz genauso wie ich sie mag.

    Der freundliche Wegepate tut einiges dafür, dass das alles auch so bleibt.
    Ein toller Bericht, vielen Dank

    Elke

    Antworten
  5. Volker Windheuser

    Hallo Karl-Georg,

    da schliesse ich mich den Worten von Guido mal an – eine wahrhaft echte Wanderblogpraline.
    Und wenn ich bedenke, dass ihr diese Wanderung wegen des Wetters beinahe abgesagt hättet und dann dazu die wunderschönen Bilder sehe….puhhhhh – Glück gehabt ;-)

    Es ist schon lange her, dass ich diesen Traumpfad unter den Füßen hatte, aber ich habe mir fest vorgenommen, diesen nochmal zu erwandern, da ich ihn in guter Erinnerung habe.

    Vielen Dank für den schönen Bericht.

    Antworten
  6. Guido

    Wunderbar beschrieben; wer jetzt von dem Traumpfad nicht begeistert ist, dem ist nicht mehr zu helfen. Und die Blumen haben die Wegepaten bestimmt verdient! Herrlich klare Fotos auch. Eine richtige Wanderblogpraline ;-)

    Antworten

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