Anfang Dezember war ich auf dem “Traumpfad Bleidenberger Ausblicke” unterwegs. Frühmorgens roch es nach Schnee. Nein, nicht bei uns in Neuwied, sondern in der Eifel und im Hunsrück. Also ab nach Oberfell an der Mosel, wo der Traumpfad startet, am Rhein entlang durch Koblenz. Ach, wie habe ich den Berufsverkehr vermisst, denn sonst fahre ich über Mülheim und Bassenheim runter zur Mosel. Nur dieses “runter” bei wenig mehr als Null Grad am Rhein heißt: nach Kobern-Gondorf abwärts auf der L 117, und die schlängelt sich ja hin und her, was im Sommer recht schön ist, im Winter aber den Wagen dazu verleiten kann, auch hin- und herzuschlingern.

Wie alles anfängt

Die Sorge war unbegründet. Es schneite nicht und eiste nicht, es nieselte. Jedenfalls die ersten Meter hoch in den Weinberg. Der schmale Pfad schlängelt sich den Brauneberg hoch, und das, gleich nachdem man aus dem Auto rausfällt. Das jagt den Puls von 0 auf 180 hoch (und ganz im Ernst, ich liebe das). Oben hagelt es die ersten Ausblicke ins Moseltal.

Der erste Ausblick, Nebel

Sagte ich schon, dass der Bleidenberger zu meinen liebsten Traumpfaden zählt? Am Dienstag aber zeigte er mir nicht nur die kalte Schulter, sondern sogar sein hässliches Kleidchen. Vor und nach der Hütte am Dickenberg – bei der sich eine erste Rast nicht nur empfiehlt, sondern unabdingbar macht – schneisten pfiffige Forstarbeiter den Waldweg links und rechts ins Gebüsch und Gebäum, dass jetzt Elefantenrennen veranstaltet werden können. Vielleicht eine Ausweichstrecke für den Nürburgring, falls der doch zugemacht werden muss? Das aber war der einzige Sündenfall, denn spätestens im Tal des Alkener Bachs schwappt die gute Laune wieder über.

Hier bleibt der Wanderer stehen und sinniert, ob er nicht doch dem verheißungsvollen Schoppenweg folgen sollte …

Wobei – um diesen (und vermutlich auch jeden anderen Wanderweg) Traumpfad genießen zu können, sollte das Wetter anders sein. Also … irgendwie weniger trüb und trist. Deshalb war es im Nachgang für mich gar nicht einfach, einige “nette” Fotos herauszusuchen (und dann merke ich, dass ich so viele wie noch nie hier einstelle …) Und trotzdem ändert das nichts daran: der Bleidenberger Ausblicke gewinnt bei mir immer.

Überholen erlaubt! Nur Mountainbiker dürfen hier bestimmt nicht her, die verunstalten sonst noch den Wald.

Die Burg Thurant ist während der Wintermonate geschlossen. Aber von außen gucken geht ja immer. Wie rutschig, schmierig, schlüpfrig die Winterwege sein können, spüre ich beim Abstieg. Ich bin kein Wanderstöckemitmirherumschlepper, aber an diesem Tag waren sie mir eine Stütze – na, nicht in der Not, aber doch an manchen Stellen, wo beispielsweise eine Seilversicherung nicht vorhanden war.

[tip]

Es geht weiter. Nach meinem Wanderführer “Wandern im Westerwald”, der im Frühjahr 2015 im Droste Verlag erscheinen wird, wandere ich nun weiter im Namen eines Verlags. Diesmal ist es Public Press – der Verlag mit der Sonne. Im Spätsommer 2015 erscheint dort mein nächster Wanderführer: “Traumpfade”. Das ist mir eine besondere Freude, denn seit einigen Jahren wandern Petra und ich besonders gern auf diesen Wanderwegen – zum einen, weil sie direkt vor unserer Haustür liegen, zum anderen, da sie einfach schön sind und zum Schlendern einladen. Für den Wandererführer “Traumpfade” bin ich in den kommenden Monaten häufig unterwegs. Die Routen müssen natürlich nochmals erwandert werden, auch wenn ich jeden Traumpfad mindestens einmal, die meisten aber mehrmals entlang geschlendert bin. Ich werde von jetzt an meine Touren kurz zusammenfassen und einige Fotos auf dem “Schlenderer” einstellen, die es nicht ins Wanderbuch geschafft haben. Natürlich will ich damit Appetit auf den Wanderführer wecken. Aber vielleicht wandern die Schlenderer-Leser einfach auch mal gerne mit und lassen sich durch die Fotos anregen und erkunden schon jetzt einen der Traumpfade.[/tip]


Nach dem Abstieg bugsiere ich mich durch das Stadttor (13. Jahrhundert) und an der St. Michaelskirche (zu) mit dem Gebeinhaus (von draußen einsehbar) vorbei kurz ins Tal, weiter am Burghaus der Herren von Wiltberg vorbei – um dann gleich wieder einzusteigen in einen Weinberg.

Am Alkener Bach

 Der Sieben-Fußfälle-Weg bietet alles auf, was Wege an der Mosel abfordern. Es geht hinauf, und hinauf, und hinauf. Oben wartet die Wallfahrtskirche (auf), an der ich meine obligarotische Rast auf der verwitterten Bank-Tisch-Kombi einlege. Ach, wer rechts an der Kirche entlang etwas weiter geht, dann sich rechts hält, gelangt nach rund 200 Metern zu einer Ausgrabungsstelle, wobei die Ausgräber viel ausgegraben haben, was für einen Laien wie mich aber nicht ganz so offensichtlich ist. Jedenfalls stand hier ein keltisches Zangentor.

Natürlich nicht einfach in der Gegend herum, denn das Plateau auf dem Bleidenberg bildete nach dem Martberg bei Pommern die größte befestigte keltische Höhensiedlung an der unteren Mosel (im weiteren Verlauf des Traumpfads finde ich noch eine nachgebaute keltische Mauer mit erläuternden Schildern).

War das alles? Nein. Habe ich die schönen Ausblicke erwähnt? Ins Moseltal, auch rüber zur Eifel – und das nicht nur einmal, sondern fast pausenlos. Eine Lagerstätte des Homo erectus, mit seiner gebückten Haltung unverkennbar der Vorfahr des rucksackbepackten Wanderers, wartet seitlich im Hang, bevor der Abstieg nach Alken ansteht.

Die vom Traumpfade-Team vorgeschlagene Laufrichtung (im Uhrzeigersinn) sollte man unbedingt einhalten, denn der erste Berg erwandert sich deutlich besser auf- als abwärts; auch der Sieben-Fußbälle-Weg erscheint mir bergauf angenehmer. Und ich mag es immer lieber, wenn die Höhepunkte einer Tour ans Ende gepappt werden.

Fünf Stunden sind für die 12,8 Kilometer mit seinen 537 Höhenmetern veranschlag, im Verbund der Traumpfade wird der Weg als “schwer” eingestuft und mit 5 Stunden Gehzeiten angegeben. Die 5 Stunden habe ich auch gebraucht. Die ideale Wanderzeit ist – nicht jetzt! Wobei ich den Bleidenberger das letzte Mal im November ging, bei Starknebel – und es war ein traumhaftest Erlebnis!

Vor diesem Schilderwald verharre ich gut vierzig Minuten, bis ich alle Schilder gelesen und verstanden und zu einem Entschluss gelangt bin: Ich folge jetzt einfach meiner Nase.

Ein anderes Mal ging ich ihn übrigens im Hochsommer, und den Sieben-Fußfälle-Weg erwischte ich um die Mittagszeit bei über 30° (später im Auto) im Schatten – hätte mich ein Winzer gesehen, hätte er sich an die Stirn getippt (aber die Winzer sind schlau und arbeiten bei einer solchen Temperatur vermutlich im Weinkeller); war also eine blöde Idee.

Jedenfalls, besser einen trockenen Tag aussuchen, die Rutschgefahr ist jetzt deutlich erhöht, der Blick wandert seltener in die Landschaft, mehr auf die Füße und das, was sich vor ihnen tut (oder der Blick schnellt plötzlich in die Höhe, aber meist schreit man dann auch auf und knirscht mit dem Gebiss, wenn man wie ein Käfer auf dem Rücken landet).

Weitere Informationen zum “Traumpfad Bleidenberger Ausblicke” finden sich wie immer auf der Traumpfade-Seite: Traumpfad Bleidenberger Ausblicke

[tip]

Zur Etappe 1: Pyrmonter Felsensteig

Zur Etappe 2: Waldschluchtenweg

Zur Etappe 3: Nette-Schieferpfad

Zur Etappe 4: Förstersteig

Zur Etappe 5: Eltzer Burgpanorama

Zur Etappe 6: Hochbermeler

Zur Etappe 7: Rheingoldbogen

Zur Etappe 8: Schwalberstieg

Zur Etappe 9: Virne-Burgweg

Zur Etappe 10: Monrealer Ritterschlag

Zur Etappe 11: Wolfsdelle

Zur Etappe 12: Booser Doppelmaartour

Zur Etappe 13: Waldseepfad Rieden

Zur Etappe 14: Pellenzer Seepfad

Zur Etappe 15: Wanderather

Zur Etappe 16: Höhlen- und Schluchtensteig

Zur Etappe 17: Vier-Berge-Tour

Zur Etappe 18: Vulkanpfad

Zur Etappe 19: Wacholderweg

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Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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