Es muss nicht immer der Premiumweg sein. Der örtliche Wanderweg MK2 bei Mülheim-Kärlich nämlich ist klein, aber fein. 6,9 Kilometer sind ja nicht die Welt, doch für eine zweistündige Runde zwischendurch, nach einem Arbeitstag oder einfach, um mal ordentlich frische Luft zu schnappen, reicht er allemal. Und was das Besondere an dieser Rundwanderung ist: Der MK2 führt mitten durch eine von Streuobstwiesen und Obstplantagen gesäumte Region im Neuwieder Becken. Wer sich hier im Rheintal auskennt, der weiß, dass sich Tausende von Obstbäumen hier die Hände reichen. Seitdem der Themenweg „Streuobstwiesenweg“, der vom Team rund um die Traumpfade betreut wird, in aller Munde ist, reisen von nah und fern die Wanderer an, um diesen Fast-Traumpfad im guten Sinne mit Füßen zu treten. Wer den Streuobstwiesenweg aber so wie wir alle Nase lang läuft, der mag sich auch mal nach Alternativen umschauen. Der MK2 bietet sich an. Und das geht so.

Römische Villa

Wir starten an der römischen Villa in Mülheim-Depotsiedlung (für Insider: bei der Jungenstraße am Haus hoch, wo früher mal Siggi gewohnt hat). Die Mauerreste wurden 1983 beim Bimsabbau entdeckt, der Gutshof aus dem 2. bis 3. Jahrhundert wurde freigelegt, die Grundmauern des Haupthauses sind sichtbar. Von der Villa rustica gehen wir den Berg hinauf.

Hier wie auch vielfach im weiteren Streckenverlauf ist der Weg gut befestigt. Schon zu Beginn unserer Rundwanderung haben wir schöne Aussichten ins Rheintal bis hinüber in den Westerwald, und sehen unter uns Obstplantagen und zur Frühjahrszeit eine pure Blütenpracht. Bei guter Sicht sehen wir übrigens auf der östlichen Talseite beispielsweise die Burgruine Sayn oder die loh, ein grüner Streifen, den wir auf dem Traumpfad „Saynsteig“ überqueren und der dann natürlich genau die andere Sichtrichtung bietet.

Wir erreichen die L 127, wenden uns nach rechts und gehen wenige Meter die Straße entlang, bevor wir nach links auf einen Feldweg schwenken. Und wieder überraschen uns die herrlichen Weitblicke, diesmal über Rübenach bis nach Koblenz. Die Festung Ehrenbreitstein schält sich heraus, das Bundeswehrzentralkrankenhaus liegt fast in Griffweite, die Kirchtürme in Koblenz recken sich empor. Und der Verkehrslärm legt sich wie eine Dunstglocke über alles – ein steter Wegbegleiter, der die Nähe zum dicht bevölkerten Neuwieder Becken auf Schritt und Tritt belegt.

Das folgende Wegstück führt uns entlang von Hecken mit Brombeeren, Weißdorn, Buchen und Eichen, über grasbewachsene Wege oder wieder befestigte Streifen, unterbrochen von einem Wegweiser, der uns nach rechts zur Grillhütte Hümmeroth führen kann. Erwähnenswert deshalb, weil hiermit ein zweiter möglicher Einstiegspunkt in die Rundtour angeboten wird. Eine weitere Möglichkeit ist, an dieser Stelle die Tour abzukürzen: Einfach hinabgehen zur Grillhütte, dann weiter, bis man auf die L 127 trifft. Hier setzt dann auch die Ausschilderung des von links zulaufenden MK2 wieder ein, dem wir dann nach rechts folgen müssen.

Wir aber lassen die Grillhütte rechts liegen, um keine schönen Aussichten zu verpassen. Und die kommen bald wieder, verbunden mit vielen Obstbäumen und blühenden Wiesen, die sich in die Parzellen gestohlen haben.

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An einem Fahrweg stoßen wir auch auf den E8 Irland-Bulgarien. So weit wollen wir heute aber nicht wandern, weshalb wir uns rechts halten und auf einem asphaltierten Weg hinabgehen nach Mülheim. Für eine kurze Wegstrecke passieren wir den Randbereich der Stadt, gehen auch die L 127 entlang und halten uns bald links, um zwischen Feldern entlang auf dem Vorderer Simonsweg zu einer Straßenkreuzung zu gelangen. Wir folgen der immer vorbildlichen Wegbeschilderung, unterqueren die Straßen, und erreichen den Strauchweg, dem wir nun bergan folgen.

Wieder sind wir mitten zwischen Obstplantagen, zeitweilig ein wenig vernachlässigt, meist aber weist die kurz gehaltene Wiesendecke darauf hin, dass die Bäume gepflegt und das Obst geerntet werden. Zur Reifezeit haben wir uns gegen den entsprechenden Obolus bei der Kirschernte schon mit frischen Früchten versorgen lassen.

An der nächsten Weggabelung halten wir uns links, und für die letzten Meter läuft unser Wanderweg nun ohne weitere Anstiege bis zu unserem Ausgangspunkt.
Unter Eindruck: Ein sehr schöner Weg, zwar reichlich Asphaltwege, aber wichtig ist nicht das, was unter den Füßen ist, sondern vor den Augen. Und da toppt der MK2 an Blütenpracht in unseren Augen sogar den Streuobstwiesenweg.

Tipps: Der MK2 ist vorbildlich beschildert, eine Wegekarte ist im Grunde nicht nötig (nehmen wir aber zur Sicherheit, falls mal gewisse Spaßvögel ein Schild abmontiert haben). Ausgangspunkt ist entweder die römische Villa oder die Grillhütte Hümmeroth. Direkt an der römischen Villa stehen Parkbuchten bereit, deshalb nicht von den Verbotsschildern an der Zugangsstraße Jungenstraße irritieren lassen, sondern die rund 100 Meter bergauf mit dem Wagen fahren. Der MK2 bietet sich für Wanderer, die eine längere Anreise haben, im Verbund mit dem Themenweg „Streuobstwiesenweg“ an, zusammen kommt man dann auf eine Gesamtstrecke von rund 16 Kilometern – und mehr Obstblüten geht dann wirklich nicht.
Über Outdooractive kann eine Wanderkarte ausgedruckt werden – dazu am rechten unteren Rand der Karte auf “Mehr erfahren” klicken, dann öffnet sich ein Fenster. Wenn man die Karte online vergrößert, kann man auch die Fahrstrecke zwischen dem Themenweg „Streuobstwiesenweg“ (in Kärlich die Holzstraße suchen, dort am Sportplatz beginnt der Themenweg) und dem MK2 erkennen – eine kurze Fahrstrecke, die zwischen beiden Wanderwegen liegt.
Die Verbandsgemeine Weißenthurm bietet eine Wanderkarte „Wandern in der Verbandsgemeine Weißenthurm“ mit dem MK2 und weiteren Wanderwegen an: Prospekte
Informationen zum MK2 und weitere Details finden sich hier: Infos

 

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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