Bevor wir mit Traumpfaden oder Traumschleifen infiziert wurden, liefen wir oft auf den Georouten in der Osteifel herum. Eine Tour, die wir in den Jahren immer wieder gern gegangen sind, ist die »Georoute V«. Heute hört sie auf den Namen »Geopfad Vinxtbachtaler«, was nicht nur den Trend zeigt, von den Buchstaben und Zahlen als Wegekennzeichnung abzukommen, sondern wirklich melodischer klingt. Am Weg selbst hat sich nichts geändert.

Und so gehen wir an einem angenehmen Sommertag (ja richtig, der Bericht erscheint Monate später) wie gewohnt vom Bürgerhaus los. Das erste Stück führt uns durch den Ort Königsfeld.

Königsfeld

Bereits 992 wird Königsfeld erstmals als Cunnigesveld urkundlich erwähnt. 1335 wird die Burg Königsfeld erwähnt, im Jahr darauf verleiht Kaiser Ludwig der Bayer auf Bitten seines Getreuen Gerhard IV von Landskron dem Ort Königsfeld Stadtrechte. Königsfeld hat eine lange Geschichte, die sich auch im Stadtbild ablesen lässt. Schon allein deshalb ist der Gang hinab durch die Hauptstraße ein erstes schönes Erlebnis, denn die Fachwerkhäuser wurden nicht nur dort, wo es wichtig ist, mit 15 erläuternden Schildern ausgestattet (an der Kirche befindet sich eine Übersichtskarte mit Zeittafel), sondern auch malerisch hergerichtet.

Mittelalterliche Mauer

Wie wir so daherwandern und hier und dort stehenbleiben, um die besagten Hinweistafeln zu lesen, spricht uns eine Dame an, die gerade vor ihrer eigenen Haustüre kehrt. Ob wir nicht das Gebäude und so fort von innen sehen wollen.

Königsfeld

Der Mensch als solcher stutzt da erst einmal. Vermutlich, weil er selbst nie so handeln würde. Fremde, im Grunde ja dahergelaufene Menschen in das eigene schmucke Haus bitten? Hätte ich jetzt die Webcam eingeschaltet, könnten alle Leser meine hochgezogene Augenbraue sehen. Mit mir nicht – mit dieser Dame schon. Und sogleich tritt der Hausherr hinzu, kaum sind wir durch das große Tor in den Hof eingelassen worden.

Königsfeld

Zehnthof

Was sich dann abspielt, beeindruckt uns sehr. Wir werden durch das Anwesen geführt, nein, viel mehr noch – wir werden durch das Wohnhaus, den Garten, die Scheune geleitet. Es ist der Zehnthof, der eine lange Geschichte vorzuweisen hat. Und von dieser langen Geschichte ist noch so viel sichtbar geblieben, dass die Zeit wie im Fluge vergeht und wir, als wir voll mit wissenswerten Fakten wieder vor das große Tor auf die Straße treten, erst einmal sprachlos sind.

Die Hauptstraße in Königsfeld

Um es in aller Kürze wiederzugeben (und gleichzeitig mitzuteilen, dass ich nur eins der wenigen Fotos, die ich im Hof und in den Gebäuden machte, veröffentliche – viele Fotos sind es eh nicht, weil ich vor lauter Zuhören gar nicht zum Fotografieren kam). Der Zehnthof wurde 1397 erstmals urkundlich erwähnt. Von der Zehntscheune aus dem 17. Jahrhundert ist ein großer Teil noch heute erhalten; die Balkendecke ist beeindruckend. 1816 wurde das Wohnhaus umbenannt. Die Gebäude sind sehr liebevoll restauriert. In unmittelbarer Nähe befand sich die alte Wasserburg, die aber im 19. Jahrhundert verfiel. Relikte von dieser sind noch sichtbar, auch der ehemalige Burgweiher ist im Gelände erkennbar. Der gesamte Gebäudekomplex atmet Geschichte, die Räumlichkeiten sind zeitgemäß gestaltet und eingerichtet. Wenn etwas erneuert werden muss – so beispielsweise die Fenster -, dann geschieht dies immer im Hinblick auf historische Nähe. Ein echtes Schmuckstück – in das die Eheleute auch Schulklassen zur Besichtigung einladen. Oder eben des Wegs kommende wie uns.

[tip]

KurzInfo! Der Geopfad Vinxtbachtaler am Bürgerhaus in Königsfeld; dort stehen Parkplätze zur Verfügung. Der Geopfad ist 12,4 Kilometer lang und weist 368 Höhenmeter auf. Bis zum Buchsberg, den man nach circa 3 Kilometern erreicht, sind etwa 150 Höhenmeter zu bewältigen – bei Sommerhitze kommt man da ins Schwitzen. Nicht nur deshalb unbedingt an Getränke für eine Rast, zum Beispiel auf dem Weiselstein, und etwas Wegzehrung denken. Ob unterwegs auch im Waldgut Schirmau eingekehrt werden kann, weiß ich nicht; auf der Website konnte ich keinen aktuellen Hinweis auf Öffnungszeiten entdecken. Die Wanderung stellt keine besonderen Anforderungen, gutes Schuhwerk ist ausreichend. Ein Fernglas ist empfehlenswert.

Der Geopfad gehört zu insgesamt fünf Geopfaden in der Verbandsgemeinde Brohltal. Auf der Website des Brohltals steht mehr über die anderen Wege: Geopfade im Vulkanpark

Zum Ort Königsfeld finden sich im Internet viele weitere Informationen. Ich führe einige interessante an mit dem Vorschlag, diese vor der Wanderung durchzulesen:

Allgemeines zu Königsfeld

Übersichtsplan von Königsfeld und Zeittafel

Virtueller Rundgang durch Königsfeld

Keramikskulpturen auf dem Geopfad

Der Geopfad ist mit einem “Route V” und einem Vulkan auf weißem Grund ausgeschildert, als Wanderkarte dient uns die Wanderkarte “Eifelverein Nr. 10 Brohltal”. Wer möchte, kann auf die weiter unten im Bericht angeführte Wegekarte zurückgreifen. Am unteren Rand stehen die Optionen “Alle Tourdaten ansehen” und/oder “Mehr erfahren” zur Auswahl. Klickt man eine davon an, wird man zu Outdooractive weitergeleitet. Dort steht die Tour dann zum Herunterladen bereit: Unter “Service” stehen verschiedene Möglichkeiten bereit – am besten einfach ausprobieren, herunterladen und dann entscheiden, welche Version man bevorzugt. GPS-Tracks können ebenfalls abgerufen werden. Und die Karte kann mit Hilfe des Reiters über dem Kartenbild in unterschiedlichen Ansichten (beispielsweise bei “Google Earth”) betrachtet werden.[/tip]

Was für ein Beginn unserer Wanderung! Begeistert gehen wir weiter. So viel Zeitgeschichte bei einer Wandertour aus erster Hand gab es noch nie für uns.

Dann haben wir genug von Königsfeld. Noch die Landstraße überqueren, und schon geht es bergauf mit uns. An der Stelle passt ein Hinweis gut: Fast die gesamte Strecke führt über gut ausgebaute, breite Wege, mal Wirtschaftsweg, mal asphaltierte Straße. Nur einmal werden wir mit einem schmalen Pfad verwöhnt. Das alles hat uns aber noch nie gestört.

Pause!

An Feldern und Weiden vorbei gewinnen wir an Höhe. Die ersten Exponate des Skulpturenwegs fallen uns einmal mehr ins Auge – Keramiken, die seit Jahren als Blickfang wirken und besonders von Petra, zu deren Hobbys das Töpfern zählt, bewundert werden.

Üblich ist es für uns, eine erste – eigentlich überflüssige – Rast am »Steinebüschelchen« einzulegen. Von dort hätten wir wieder die wunderbare Aussicht weit über die Osteifel bis zum Neuwieder Becken. Heute ist es anders. Heute wird dort eingepackt. Die Holzhütte »Schau ins Land« diente in der vergangenen Nacht offenbar als Feierstätte; die letzten Übernächtigten liegen noch am Wegesrand, sodass wir Zickzack laufen müssen, um nicht über die belegten Schlafsäcke zu stolpern. Den Verzicht auf die Rast verschmerzen wir natürlich, die Aussicht lässt sich auch so genießen.

So weit das Auge reicht: Eifel

Unterhalb des Stucksbergs verläuft der Weg fast eben. Während zur Rechten sich Fichten und Laubbäume die Hände reichen, bleibt uns zur Südseite die Aussicht übers Land. Dedenbach liegt nicht weit entfernt, doch verlieren wir das Dorf aus den Augen, als der Weg vollends in den Wald eintaucht.

Die bald folgende Kreuzung weist uns auf das Rodder Maar hin – nach links müssten wir abbiegen, um in einer halben Stunde zuerst zum Königssee und dann zum Rodder Maar zu gelangen. (Der Geopfad V läuft an beiden Gewässern vorbei, meinen Wanderbericht findet man hier: Burgpanoramaweg. Zudem verläuft auf einem Teilstück des “Vinxtbachtalers” auch der “Köhler und Loheweg”, der in Ramersbach startet: Köhler- und Loheweg.)

Lehrstunde

Wir aber folgen dem Vinxtbachtaler weiter. In einer großen Schleife umwandern wir den Burglei, um dann auf dem einzigen Pfad zu wandern. Auf diesem schmalen Weg ziehen wir schnurstracks bis hoch zum Weiselstein; nur zwischendurch berührt er für einige Meter wieder einen Forstweg.

 

Wer das »Waldgut Schirmau« aufsuchen möchte, muss vorher einen Abstecher machen. Ein Hinweisschild führt dorthin, später – nach Kaffee und Kuchen – sollte man bis zum Pfad zurückgehen und den Weg wie wir zum Weiselstein fortsetzen.

Endlich schon wieder Rast!

Manche mögen keine Aussichtstürme. Manche mögen sie. Ich mag sie. Den Weiselsteiner sowieso. Doch auch hier sind wir nicht allein, vier jüngere Menschen sind mit ihrem Caravan hierher gefahren, haben Campingstühle und Tisch ausgepackt und frühstücken so reichlich, dass sie uns noch Nutella anbieten können. Wir lehnen ab und packen selbst aus.

Der Aussichtsturm

Vom Weiselstein reicht der Blick bis in die Kölner Bucht, hinüber in den Westerwald, in die Eifel. Ohne Aussichtsturm bekäme das Auge das alles nicht zu sehen. Mag sein, dass solche Türme wie Fremdkörper in der Landschaft wirken, doch in Zeiten wildwuchernder Windräder relativiert sich das.

Die Heide vom Aussichtsturm

Und rund um den Aussichtsturm breitet sich bis zu den Ausläufern der Wälder die Heide aus. Ein zauberhafter Anblick zur richtigen Jahreszeit …

Wir sehen und essen uns satt und wandern dann weiter. Kehren zurück auf den ausgebauten Wirtschaftsweg, nähern uns Schalkenbach. Der Weg führt vorbei an Weiden, Wiesen und Äckern, manchmal begegnen uns andere Wanderer, doch meist sind wir wie sonst häufig auf dem Vinxtbachtaler alleine unterwegs.

Graswüste

Kurz vor Schalkenbach wechselt noch kurz das Terrain, aus dem Wirtschaftsweg wird zugewachsener Feldweg, und das Gras verdeckt manche Kuhle. Bis zum Dorf geht es nun bergab. Und viel sehen wir nicht von Schalkenbach, denn kaum sind wir in die Dorfstraße eingebogen, verlassen wir sie auch schon wieder. Wir überqueren den Alten Schalkenbach und nehmen gleich darauf den letzten leichten Anstieg auf uns.

Hier sind sie also, die blühenden Landschaften

Wir werfen noch einen Blick in einen alten Steinbruch, bevor wir aus dem Wald heraustreten. In einiger Entfernung taucht Königsfeld auf, davor wieder Felder, Wiesen, Keramikskulpturen. Hin und her verläuft unser Weg, immer vorbei an weiteren Objekten, an denen wir uns niederlassen (könnten) oder einfach stehenbleiben, um sie genauso wie die Landschaft zu betrachten.

Zum Abschluss queren wir ein letztes Mal die Landstraße, laufen einige Schritte an dieser entlang, um dann auf direktem Weg durch die Burgstraße zum Parkplatz zu gelangen. Der vorgesehene Weg sieht noch einen Schlenker bergauf vor, doch nachdem wir das – wir folgen ja brav den Weisungen – in der Vergangenheit zweimal gemacht haben und sich uns jedes Mal der Sinn nicht erschlossen hat – man marschiert mehr oder minder gelangweilt an Eigenheimen und Vorgärten und sonst was vorbei -, ersparen wir uns das.

“Steine, nichts als Steine!” – Doch Petra klärt mich auf. Das sind Skulpturen.

Viele Wanderer sind, so scheint es mir, mittlerweile verwöhnt. Sie kennen jetzt die Traumpfade und die Traumschleifen und andere prämierte Wege und wollen nur noch weichen Waldboden oder saftiges Gras unter den Füßen fühlen. Der Weg muss die Sohle umschmeicheln, am besten sollten die Pfade so schmal sein, dass man nur noch quer hindurchtapern kann (wie wohl mancher Schmerbauch diese Variante wohl unmöglich macht).

Blick aufs Königsfeld

Der »Vinxtbachtaler« bietet das – abgesehen vom kurzen Stück zum Weiselstein – nicht. Er ist vielmehr ein Wanderweg, wie man ihn halt so kennt: so gut ausgebaut, dass wir ihn in zehn oder zwanzig Jahren noch gut wandern können. Mit Rollator. Oder geschoben von Betreuern, die so ansehnlich sind wie die Landschaft, durch die es geht.

Skulptur

Apropos Landschaft. Und Schauwert. Davon gibt es auf dem »Vinxtbachtaler« allemal genug. Viel zu schauen, denn es gibt viel Landschaft. Panoramaaussichten, Weitblicke (nicht nur auf dem Aussichtsturm). Heidelandschaften. Viel Grün um einen herum. Wald im richtigen Maß, also nicht zu viel, dass man vor lauter Bäumen keine – genau – Landschaft mehr sieht. Und Skulpturen.

Skulptur

So viel, dass Petra mit der Kompaktkamera, gäbe es sie noch, zwei oder drei 36er-Filme weggeschossen hätte! Deshalb gibt es auch diesmal viel mehr Fotos als sonst im Wanderbericht (siehe Galerien). Und letztendlich steht noch Königsfeld an – Fachwerkhäuser wie gemalt. Also hinfahren, gucken, wandern. Und einfach wandern und nicht über – »hach, das ist aber hart« – den Untergrund lamentieren!

Brunnen vor dem Tore …

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
Schlenderer

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4 Responses

    • Georg

      Ich komme auch gern mit Menschen am Wegesrand ins Gespräch. Das Schlimmste, was einem ja passieren ist, ist ‘ne grummelige Antwort. Und dann wandert man halt weiter. Aber mitten im Dorf eine kehrende Dame anzutreffen, die so mir nichts dir nichts nicht nur in den (sonst durch ein großes Tor abgesicherten) Hof hereinzubitten, noch den Ehegatten herbeizuholen und dann nicht nur Hof und Garten, sondern auch noch Haus und Scheune zu zeigen und zu erläutern, ist etwas, was ich noch nicht erlebt habe. Wenn’s am Nachmittag gewesen wäre, hätte uns die Eigentümer womöglich noch Kaffee und Kuchen angeboten. ;-)

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  1. Ursula Peters

    Warum nicht eine Sommerwanderung im Winter präsentieren? Ist ja eh alles grau draußen. Durch den Bericht wurden schöne Erinnerungen geweckt an die Tour, die wir zur Zeit der Heideblüte unternommen haben, und von der wir restlos begeistert waren. (Siehe http://hepeters.bplaced.com/wordpress/?p=1305)Gut Schirmau hat so ab Mai bis Oktober geöffnet, ist eine schöne Einkehrmöglichkeit. Und Sie haben vollkommen recht: geteerte Abschnitte sind auch in Ordnung und trüben unser Wandervergnügen kaum! Da kann man wenigstens ungehindert den Blick schweifen lassen.

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    • Georg

      Eben, und der Bericht ruhte noch unberichtet (und so mit unbeachtet) im Kopf und auf der Festplatte. Beim Waldgut Schirmau habe ich die Website durchforstet, aber keine Angaben zu den Öffnungszeiten gefunden. Ich erinnere mich nur, dass wir bei unserer letzten Wanderung (diese also) zu früh am Tag waren. Mag sein, dass mit Beginn des Frühjahrs dann auch die Website entsprechend aktualisiert wird. Und gut ausgebaute Wege haben ja einen entscheidenden Vorteil: Beim Gucken stolpert man nicht über Wurzeln. ;-)

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