Wein, Damen und Gesang – Genusswandern in Rheinhessen auf dem »RheinTerrassenWeg« (Mettenheim – Guntersblum)

Petra und ich wanderten am Samstag zum ersten Mal auf dem »RheinTerrassenWeg«.

Pause. Nachdenken. Rhein – Terrassen – Weg – nie gehört. Mir jedenfalls ging es so. Für den Neuwieder beginnt die Fremde ja bereits zwei Straßen weiter. Eifel und Westerwald sind Abenteuerland, alles darüber hinaus fahrlässiges Fernreisen und ein Spiel mit dem Leben. Wie also soll ich wissen, was »da unten« in Rheinhessen so abläuft?

Jetzt weiß auch ich es. Ich nahm nämlich das Angebot vom Verlag Publicpress an. Dankend, natürlich. Und nun schreibe ich ein Wanderbuch zum »RheinTerrassenWeg« für Publicpress. Ich also weiß jetzt mehr, und es ist mir eine Freude, andere an meinem frisch erworbenen Wissen teilhaben zu lassen.

Der rund 83 Kilometer lange Wanderweg führt von Dom zu Dom – von Worms nämlich nach Mainz. 6 Etappen werden vorgeschlagen, die Länge der einzelnen Etappen von gut 9 Kilometern bis knapp 17 Kilometer. Die Höhenmeter lasse ich mal außenvor, auch wenn … aber dazu gleich mehr. Was den RheinTerrassenWeg auszeichnet, werden Petra und ich in der kommenden Zeit noch erwandern. Dass Weinberge warten, dürfte auf der Hand liegen. Was wir aber auf unserer ersten Etappe sahen, begeistert uns beide.

Wir wanderten Etappe 3 von Mettenheim nach Guntersblum; unterwegs liegt noch das Dörfchen Alsheim am Wegesrand – einen Abstecher zur Heidenturmkirche dort schoben wir noch mit ein. Als erprobter Rundwanderer mag ich es, am Ende der Wanderung mein Auto in Griffweite zu haben. Bei der Streckenwanderung ist das nur möglich, wenn man aus einer Geraden eine Kurve macht. Aber der RheinTerrassenWeg respektive die Dörfer und Städte, an denen er entlangführt, sind anders als die Abenteuerländer Eifel oder Westerwald bahnmäßig gut erschlossen. Wir also tuckerten für spottgünstige 7,80 Euro 6 Minuten lang von Guntersblum nach Mettenheim – wie, wenn nicht mit der Bahn, kann unsereins in 6 Minuten tränenrührige 7,80 Euro aus dem fahrenden Zug werfen? »Geschenkt«, wäre jetzt nicht der richtige Ausdruck, aber schnell und sicher reisten wir bis Mettenheim. Das große Plus also – und das kann ich jetzt nach der ersten Etappe bereits festhalten – ist die ausgezeichnete Anbindung ans Streckennetz.

In Mettenheim also wanderten wir los, schauten uns hier und da im Dorf um (besonders das Rathaus ist einen Blick wert), schwenkten bald aber rechts in den Hang hinein und gewannen gemächlich an Höhe. Wie hoch, sahen wir dann von der ersten, sehr schönen Schutzhütte aus. Spätestens von da an streiften wir durch die Weinberge, die – wir sind ja spät im Jahr – großteils kahlgelesen waren. Doch die Rebstöcke trugen noch ihr Blattwerk, und die tausend Schattierungen von Grün, Gelb und Rot untermalten den Weg wirklich in bunten Farben. Das Wetter stand uns zur Seite, vielmehr die Sonne, die sich so engagiert zu uns gesellte, dass wir sogar einen dezenten Sonnenbrand mit nach Hause nahmen.

Viele der Weinberge sind durchzogen von Hohlwegen, die im Laufe der Jahrhunderte entstanden. Das lockerte die Wanderung noch auf, denn mal ging es zwischen den Rebstöcken entlang, mal durch die Hohlwege, über die man als Wanderer besonders im Sommer dankbar sein wird.

In einem der Hohlwege machten wir dann noch eine Begegnung der unheimlichen Art. Schon zuvor fiel uns ein PKW auf, dem junge Menschen entstiegen, fototechnische Gerätschaften in den Händen, moderne Outdoor-Bekleidung am Leib. Petra hatte mich da schon drauf hingewiesen: »Sprich die doch mal an.« Das ich manchmal (Petra wird jetzt sagen: »Immer!«) eine längere Anlaufzeit brauche, um spontan zu sein, verschob ich das auf »später«. Und da waren sie dann, wieder dem PKW entstiegen, wieder mit Fotoapparat zugange. Nach kurzem Gequatsche stellte sich dann heraus, dass Daniel Schmidt von der Rheinhessen-Touristik GmbH mit einigen Menschen zur Fotosession unterwegs war. Und mit eben diesem Herrn Schmidt hatte ich in der Woche zuvor einige wenige E-Mails wegen des RheinTerrassenWegs und wegen des Wanderbuchs gewechselt, ohne dass wir uns bis dahin gekannt hatten. Kleine Welt – und eine kleine nette Episode am Rande …

Aber ich war bei den Hohlwegen. Die schmücken besonders diese Etappe besonders schön aus. Dazu gibt es auch einen »Themenweg«, von denen einige mehr links und rechts vom RheinTerrassenWeg liegen und mit denen man die Streckenwanderung ergänzen kann. »Hohlwegeparadies Krummsteigshohl« nennt sich diese Passage, ein anderer Themenweg heißt »WeinAromaMeile« und läuft über 1,4 Kilometer deckungsgleich mit dem RheinTerrassenWeg.

Von Alsheim gelangt man auch zur Kirchenruine in Hangen-Wahlheim, danach schlängelt sich der Weg durch die Weinberge, touchiert noch eine weitere ansehnliche Schutzhütte und gleitet dann zum Schluss gemächlich nach Guntersblum, dort dann vorbei an den Leininger Schlössern bis zum Bahnhof. Wir steppten noch einige Meter nach links, sahen uns die Heidenturmkirche an (die aber auch in die Anschlussetappe von Guntersblum nach Oppenheim eingebunden werden kann) und schlenkerten rein in eine Vinothek, um unseren flüssigen Ballast aufzuladen. Nüchtern schafften wir auch noch die letzten Meter zum Bahnhof und zum Auto.

»19 Kilometer«, tuschelte mir das GPS-Gerät ins Ohr, 662 Meter Aufstieg und mehr als 6 Stunden Wanderzeit. Kein Wunder, hatten wir uns doch wirklich alles am Wegesrand angesehen, was lohnenswert erschien (und zudem natürlich ins Wanderbuch gehört, weswegen wir auch die Zuwege allesamt erwandern mussten). Aber jeder Schritt hat sich gelohnt. Eine tolle Etappe, wobei uns natürlich das Wetter in die Hände spielte und die Vegetation sich (noch) von ihrer zauberhaften Seite zeigte.

Wie es weitergeht? Mal schauen, alle Etappen hören sich vielversprechend an. Und das Schöne am Wanderbuch schreiben ist ja: Ich muss wandern. Alles. :-)

Die Fotos machte Petra mit der Kompaktkamera, ich habe um einige wenige Fotos beigesteuert. Die Links im Beitrag führen auch zu Übersichtsplänen des Wanderwegs; die folgende PDF zeigt eine Übersicht aller Etappen und Themenwege: PDF RheinTerrassenWeg zum Herunterladen

 

Schlenderer

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... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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