Der jüdische Friedhof »Heiliger Sand« liegt mitten in Worms unweit des Doms. Die erste Etappe des »RheinTerrassenWegs« führt zwar nicht direkt dort vorbei. Doch jeder, der sich Zeit nimmt für die Strecke von Worms nach Osthofen, sollte genügend viel Zeit mit auf die Reise nehmen, um sich wenigstens diese beiden Orte in aller Seelenruhe anzuschauen.

Jüdischer Friedhof in Worms (3)

Vom Dom zeige ich keine Fotos. Draußen, vor dem Dom, wird gebaut. Informationsschriften an den dortigen Stellwänden zeigen, dass es sehr hitzige Diskussionen um das im Bau befindliche »Haus am Dom«, das Gemeindezentrum, gibt. Wer sich intensiver dafür interessiert, findet hier weitere Informationen:

Bürgerinitiative »Kein Haus am Dom

Wormser Dom (Bistum Mainz)

Der Friedhof »Heiliger Sand« ist der älteste jüdische Friedhof in Europa. Ein genaues Gründungsdatum ist zwar nicht bekannt, doch stammt der älteste auf dem Friedhof erhaltene Grabstein aus dem Jahr 1076. Darüber hinaus sind etwa 50 aus dem 11. und 12. Jahrhundert stammende Grabsteine erhalten, die meisten davon im Südteil, dem sogenannten »Rabbinertal«. Der älteste Grabstein stammt sogar aus dem Jahr 1058/59. Rund 2.500 Grabsteine finden sich auf dem Friedhof. Den Friedhof betrete ich vom Willy-Brandt-Ring. Durch ein Portal am Friedhofswärterhaus wandere ich auf einem schmalen Weg entlang der Grabsteine. Hinweistafeln weisen mich darauf hin, die wenigen Wege nicht zu verlassen. Das ist auch richtig so, denn keine Grabeinfassungen zeigen mir an, wie weit die Grabanlage reicht. So gehe ich behutsam vom Eingangsbereich bis hin zum Rabbinertal, betrachte die Grabsteine, verharre still und mache sogar viel weniger Fotos als sonst.

Der moderne Mensch soll ja kein gesundes Verhältnis zum Tod haben, den Tod quasi aus dem Haus fernhalten, aus dem Eigenheim. Für mich sind Friedhöfe Begegnungsstätten, ohne dass ich ein Wort wechseln muss. Der Friedhof »Heiliger Sand« hat sich in der kurzen Zeit, die ich ihn besuchte, bei mir sehr eingeprägt. Die Inschriften auf den Grabsteinen sind großteils – natürlich besonders bei den alten und älteren Grabsteinen – nicht leserlich, zudem ihre Inschriften auf Hebräisch verfasst wurden (im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden sie vermehrt in deutscher Sprache gesetzt). Und trotzdem mir alles fern und fremd bleibt, weil ich keine Namen kenne und keine Geschichten mit den Namen verbinden kann (und selbst die später mit Linkverweis genannten Persönlichkeiten waren mir vorher nicht bekannt), atmet der ganze Ort für mich Geschichte ein und wieder aus. Für mich lebt Geschichte auch auf Friedhöfen.

Weil ich noch die Wanderung vor mir hatte und mir die Zeit wirklich davonlief (ich wollte nicht im Dunkeln am Ziel ankommen), ließ ich wohl nicht genügend Zeit auf dem »Heiligen Sand«. Ich werde im kommenden Frühjahr nochmals dorthingehen. Im Wanderführer zum »RheinTerrassenWeg« werde ich diesem Ort den gebührenden Raum schenken und vorher die Gelegenheit nutzen, mich weiter umfassend zu informieren. Einige Links für Interessierte gebe ich aber gerne hier und jetzt weiter:

Jüdischer Friedhof »Heiliger Sand« bei Worms-Tourismus

Warum heißt der jüdische Friedhof »Heiliger Sand«

Virtueller Rundgang über den jüdischen Friedhof »Heiliger Sand«

Meir von Rothenburg (1215 – 1293)

Weitere Informationen zum jüdischen Friedhof »Heiliger Sand« auf Alemannia Judaica

Führungen auch über den jüdischen Friedhof »Heiliger Sand«

 

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
Schlenderer

Letzte Artikel von Schlenderer (Alle anzeigen)

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ich akzeptiere