Natur fängt vor der Haustür an. Und trotzdem: Es schadet nicht, sich vor dem draußen drinnen ein wenig Wissen anzueignen. Ende April fuhren wir nach Höfen bei Monschau in der Eifel. Dorthin, wo die Narzissen blühen. Jetzt kenne sogar ich Narzissen als gelb-blühendes Gewächs, das hier und da in Gärten eingestreut wird. Mehr aber auch nicht. In uns allen steckt ja vermutlich doch ein kleiner Nerd, für den Blumen erst bunt, dann verwelkt sind – und der sich mehr für den fallenden Wasserspiegel in der Vase interessiert und die Frage, wie viel das Blumengestrüpp bis zum Dahinscheiden an Flüssignahrung so verbraucht.

Gerade recht flatterte mir deshalb das bunte Buch im Quadrat-Format »Narzissen – leuchtende Frühlingsboten« von Ulrike Romeis, Josef Bieker und Hermann Gröne auf den Tisch.188 Seiten bunte Seiten liegen satt in meinen Händen, und beim ersten Blättern durch die Seiten lachen mich unzählige farbenfrohe Narzissen an. »Ach, so viele verschiedene gibt es«, schleicht der erste Gedanke durch meinen grauen Kasten …

Das griffige Buch ist in neun wichtige Kapitel unterteilt:

• Die Geschichte der Narzisse
• Die Pflanze
• Sorten und Arten im Porträt Teil 1
• Narzissen in Gärten und Parks
• Sorten und Arten im Porträt Teil 2
• Floristik
• Kombinationen
• Praxis
• Adressen

Narzissen

Um mich richtig schlau für die Narzissen-Wanderung zu machen, habe ich jedes Kapitel von vorne bis hinten durchgeackert – und es war mir eine wahre Freude. Gut, ich interessiere mich ja ernsthaft für die Natur, aber das ich eine lange Abhandlung über Narzissen von vorne bis hinten durchlesen würde, hätte ich vorher doch weit von mir gewiesen. Woran liegt’s? Weil mich nach den ersten Seiten die Narzissen am Schlafittchen hatten und nicht mehr losließen. Ist halt auch kein staubtrockenes, sondern ein kunterbuntes Thema. Und kunterbunt trifft es fast genau, denn spätestens nach dem Kapitel »Die Pflanze« weiß auch ich, dass Narzissen mitnichten nur schnöde gelb, sondern auch mal weiß sein können, und überhaupt ist Gelb ja niemals Gelb, sondern brüstet sich in allen erdenklichen Gelbtönen wie Zitronengelb oder Goldgelb – oder die Narzisse leuchtet in cremefarbenem Weiß oder ganz richtig weißem Weiß. Dazu verfügt sie über eine Hauptkrone und eine Nebenkrone, unterschiedlich geformt, mal schalenförmig, mal becherförmig, mal lang, mal kürzer, ihr Rand kann gekräuselt, gerüscht, gewellt sein – da steht wir blassen Vertreter als Krone der Schöpfung mit unseren eiförmigen oder ovalen Birnen auf der Halskrause doch arg ärmlich da.


Narzissen
• Autoren: Ulrike Romeis, Josef Bieker, Hermann Gröne
• 188 Seiten
• Verlag: DVA
• Erscheinungsjahr: 2014
• Besonderheiten: mehr als 100 Porträts
• ISBN: 978-3-421-03911-8
• Verkaufspreis: EUR(D) 24,99
• Format: 20,2 x 2,2 x 21,8 cm

 


Bei der Registrierungsstelle für neue Narzissensorten (ja, die gibt es im englischen Wisley, und das ist auch gut so, denn ein so vielköpfiges Völkchen wie die Narzissen sollte doch gut kontrolliert sein, bevor sie sich noch zusammenrotten und uns Menschen an den Kragen gehen – wer John Wyndhams »Triffids« kennt, weiß, was mir da schwant) sind bis zu 40.000 Arten und Sorten registriert. Und obwohl alle eigene Namen haben und in Klassen eingeschubladet sind, gibt es Wildnarzissen, die wohl noch aus der Reihe tanzen. Solche Wildnarzissen – und damit schließt sich der Kreis – wollten wir auf der Narzissenwanderung bestaunen.

Doch zuvor knie ich mich weiter ins Buch, sehe auf den Seiten 46 und 47 beispielsweise typische Narzissen mit Angaben zur Blütezeit, genauem Aussehen oder dem Namen des Züchters. Denn anders als in Deutschland, wo die Narzisse eher ein Schattendasein fristet, blüht sie in den angelsächsischen Ländern richtig auf. Bei uns sind natürlich die »Osterglocken gute Bekannte (und sogar ich erkenne sie, wenn sie mir von links oder rechts des Wegs freundlich mit ihrer – Achtung, Merkmal! – trompetenartigen Nebenkrone zunickt. Nur fehlt ihnen der angenehme Duft, wie ich erfahre, doch soll der Mangel durch Einkreuzung behoben werden.

Über “Narzissen mit großen Kronen” und dem “gefüllten Exemplaren” tauche ich immer tiefer ein in die Geheimnisse dieser mir bis dahin verschlossenen Blumenwelt, wandele durch Fotos mit Gärten und Parkanlagen, begegne den Gefährten der Narzissen im heimischen Beet und dringe tief in die Geheimnisse ein, wenn mir von den speziellen Vorlieben berichtet wird: Liebt sie’s schattig oder sonnig?

Ein Exkurs in die Geschichte lotst mich dann raus dem Blumenbeet. Beliebt sind sie seit dem Altertum, verbreitet im Mittelmeerraum, in China und Japan, dort vermutlich von Seefahrern eingeschleust, die ein Faible für Narzissen hatten (oder vielleicht einfach ein gutes Geschäft machen wollten …)

 

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Über die »Blume mit dem Petticoat« (richtig vermutet, das sind die »Reifrocknarzissen«) und »Geschlitzt ist schick« lande ich bei den »Naturschönheiten«, den Wildnarzissen. Ach, und da lese ich dann, das »auf alle Wildnarzissen, welche bekannt sind oder nur solche, die gelegentlich im Handel auftauchen, würde den Rahmen dieses Buches sprengen«. Gut, ein gesprengtes Buch schaut wirklich scheußlich aus, da habe ich Verständnis, wenn ich mich an einigen Fotos zu den Wildnarzissen sattsehen muss und einige allgemeinere Anmerkungen ausreichen sollen.

Fast am Ende, als es sich auch um »Vasenschmuck« dreht, werde ich auch richtig klug gemacht: »Darum die Narzissen zunächst über Nacht in einem eigenen Gefäß ausschleimen lassen.« Jo, klingt vernünftig, geht mir ja auch nicht anders, wenn ich »knospig geschnitten« wurde und in ein enges Gefäß gepfropft werde. Damit aber auch weiß, wie Narzissen im heimischen Garten wohl gedeihen, beende ich die Lektüre mit »Auf die richtige Pflege kommt es an« und Beiträgen zu Düngung und Vermehrung.

Obwohl – nicht ganz, denn unter »Adressen« werden mir noch einige Anlaufstellen (Gärten und Gärtnereien) an die Hand gegeben, in denen ich mich umschauen kann. Falls mir die Wildnarzissen in der Eifel doch nicht reichen.

Wer Narzissen gern einmal nahe treten möchte, wer einsteigen will in die wahre Wunderwelt dieser gelben, weißen und gelb-weißen Blume, der entdeckt in »Narzissen – leuchte Frühlingsboten« ein echtes Füllhorn an Informationen und Fotos (vielen Fotos!). Für mich war das Buch die passende Verlockung, um auf der Narzissenroute »vor Ort« dem Geheimnis der Narzisse auf die Spur zu kommen – warum faszinieren sie so viele Menschen? Genau weiß ich es noch nicht, aber ich werde weiter forschen. 40.000 Narzissensorten warten auf mich …

 

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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